Ursula Haverbeck

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Ursula Meta Hedwig Haverbeck-Wetzel (* 9.[1] oder 11. November[2] 1928 in Winterscheid) ist eine mehrfach verurteilte deutsche Holocaustleugnerin und Rechtsextremistin[3].[4][5]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haverbeck-Wetzel lebte nach eigenen Angaben vier Jahre in Schweden, studierte danach Pädagogik, Philosophie und Sprachwissenschaften, unter anderem zwei Jahre in Schottland. 1970 heiratete sie Werner Georg Haverbeck, der von 1929 bis 1932 in der Reichsleitung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) und von 1933 bis 1934 in der Reichsleitung der NSDAP mitgearbeitet hatte.

Ursula Haverbeck war von 1983 bis 1989 Präsidentin des Weltbundes zum Schutz des Lebens, Sektion Deutschland, und offenbarte in diesem Amt ihre ablehnende Haltung gegenüber dem westlichen System in der Bundesrepublik Deutschland.

Zusammen mit ihrem Mann war sie Mitglied der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).[6] Unter anderem wegen ihrer Versuche, ein rechtes Parteienbündnis von ÖDP, NPD und anderen Gruppierungen zu organisieren, wurde sie 1989 auf Betreiben der ÖDP-Landesverbände Bremen und Nordrhein-Westfalen aus dieser Partei ausgeschlossen.[7]

Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1999 übernahm sie zahlreiche seiner Funktionen, so auch den Vorsitz des mit ihm 1963 als „Heimvolkshochschule“ gegründeten und seit Mai 2008 verbotenen Collegium Humanum in Vlotho.[5]

Bereits vor der Wende 1989 pflegte sie Verbindungen zu politisch rechten Gruppierungen wie der NPD mit dem Ziel einer großen nationalen Sammlungsbewegung in Deutschland. Diese Ausrichtung verstärkte sich in den Folgejahren. So wurde sie als stellvertretende Leiterin in dem Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten (VRBHV) aktiv, der am 9. November 2003, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, in Vlotho gegründet wurde. Vorsitzender ist der Schweizer Holocaustleugner Bernhard Schaub. Daneben haben fast alle bekannten Leugner des Holocaust, darunter Ernst Zündel (Kanada), Robert Faurisson (Frankreich), Germar Rudolf, Jürgen Graf, Gerd Honsik, Wilhelm Stäglich, Fredrick Toben (Australien), Andres Studer, Hans-Dietrich Sander, Manfred Roeder, Frank Rennicke und Anneliese Remer an der Gründung mitgewirkt.

Prozesse und Verurteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2004 wurde Haverbeck vom Amtsgericht Bad Oeynhausen wegen Volksverhetzung zu 5400 Euro Geldstrafe (180 Tagessätze zu 30 Euro) verurteilt. Sie hatte in der Hauszeitschrift des Collegium Humanum, der Stimme des Gewissens, zusammen mit dem Schriftleiter der Zeitschrift, Ernst-Otto Cohrs, den Holocaust geleugnet. Die beiden fraglichen Ausgaben der Zeitschrift wurden beschlagnahmt. In der darauffolgenden Ausgabe der Stimme des Gewissens war erneut zu lesen, der Holocaust sei „ein Mythos!“ Verpackt in ein Zitat der russischen Zeitung Russki Westnik wurde behauptet, die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus habe nicht sechs Millionen, sondern nur ca. 500.000 betragen. Am 10. März 2005 stellte das Gericht ein zweites Verfahren gegen Haverbeck und Cohrs jedoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bielefeld ein, da „es im Vergleich zu einem anderen unwesentlich“ sei.

2007[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiterer Artikel Haverbecks in der Stimme des Gewissens (November/Dezember 2005), in dem sie die These aufstellte, Adolf Hitler sei „eben nicht vom geglaubten Holocaust oder seiner angeblichen Kriegsbesessenheit zu verstehen, sondern nur von einem göttlichen Auftrag im weltgeschichtlichen Rahmen“, zog ein erneutes Verfahren wegen Volksverhetzung und im Juni 2007 eine weitere Geldstrafe von 40 Tagessätzen des Landgerichts Dortmund nach sich. Daraus wurde eine Gesamtstrafe von 6000 Euro (200 Tagessätze zu 30 Euro) gebildet.

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2009 wurde Haverbeck-Wetzel vom Amtsgericht Bad Oeynhausen für schuldig befunden, Charlotte Knobloch, Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, beleidigt zu haben. Laut Mindener Tageblatt vom 1. Juli 2009 hatte Haverbeck-Wetzel unter anderem geschrieben, Knobloch solle sich nicht in „innerdeutsche Angelegenheiten einmischen“, sondern „in ihr Ursprungsland nach Innerasien zurückkehren“. Ihr Brief enthielt zudem Drohungen wie „Bereiten Sie sich auf den Tag der Wahrheit vor. Er ist nahe und nicht mehr aufzuhalten“ und „Machen Sie so weiter wie bisher, dann könnte sich ein neues Pogrom ereignen, das entsetzlich würde.“ Haverbeck-Wetzel wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 2700 Euro verurteilt.

2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2014 reichte Haverbeck eine Anzeige gegen den Zentralrat der Juden ein. Sie warf dem Verband „Verfolgung Unschuldiger“ vor. Das Verfahren wurde bereits Anfang Dezember 2014 wieder eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld prüfte schließlich ein Verfahren gegen sie wegen falscher Verdächtigung.[5]

2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2015 leugnete sie in der NDR-Sendung Panorama erneut den Holocaust und bezeichnete ihn als die „nachhaltigste Lüge der Geschichte“.[3][4] Aufgrund dieser Aussagen wurde sie vor dem Amtsgericht Hamburg erneut verurteilt. Die Staatsanwältin sprach von einer „fanatischen Verblendung“ der Angeklagten. Haverbeck wollte eine Einstellung des Verfahrens erreichen. Vor dem Amtsgericht wiederholte Haverbeck ihre Aussagen und wollte mithilfe des Holocaust-Leugners Germar Rudolf, den sie vom Gericht vorladen lassen wollte, „beweisen“, dass in Auschwitz kein Mensch vergast worden sei. Das Gericht lehnte den Antrag ab und setzte die Gefängnisstrafe von zehn Monaten nicht zur Bewährung aus, da frühere Verurteilungen Haverbeck nicht davon abgehalten hätten, erneut die Judenvernichtung zu leugnen.[8] Haverbeck kündigte unmittelbar nach der Verhandlung an, das Urteil anfechten zu wollen.[8]

2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2016 behauptete sie in einem Schreiben an den Detmolder Bürgermeister, das Vernichtungslager Auschwitz sei „eindeutig erkennbar“ ein Arbeitslager gewesen. Hintergrund war der in Detmold geführte Prozess gegen den früheren SS-Wachmann Reinhold Hanning. Dieser diene nur dazu, die These vom Arbeitslager zu widerlegen, meinte Haverbeck. Hanning wurde am 17. Juni zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Detmold erhob gegen Haverbeck Anklage vor dem Amtsgericht wegen Volksverhetzung. Den entsprechenden § 130 StGB nannte Haverbeck ein „Gesetz zum Schutz einer Lüge“.[9] Am 2. September 2016 wurde Haverbeck zu einer Haftstrafe von acht Monaten verurteilt.[10] Am 11. Oktober 2016 wurde Haverbeck vor dem Amtsgericht Bad Oeynhausen erneut zu einer Haftstrafe von elf Monaten ohne Bewährung verurteilt. Gegen das Urteil legte Haverbeck Revision ein.[11]

Am 21. November 2016 verurteilte das Amtsgericht Verden Haverbeck zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung, da sie in mehreren Beiträgen für die Zeitschrift „Stimme des Reiches“ den Holocaust geleugnet habe. Der bestellte Pflichtverteidiger versuchte zu Prozessbeginn dessen Einstellung zu erwirken. Der gegen seine Mandantin angeführte § 130 StGB zur Volksverhetzung verstoße gegen das Grundrecht der Meinungsfreiheit (Art. 5 GG). Haverbeck teilte mit, in Berufung gehen zu wollen.[12]

2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. Februar 2017 wurde sie vom Amtsgericht Detmold wegen Volksverhetzung und der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu zehn Monaten Haft verurteilt.[13] Sie hatte nach der Verurteilung im September 2016 im Gericht Schriftstücke verteilt, in denen sie erneut den Holocaust als Propagandalüge bezeichnet hat.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Phillip Austen: Ursula Haverbeck. Die Macherin des Collegium Humanum – ein Portrait. In: Der rechte Rand, Nr. 93, März/April 2005.
  • Verfassungsschutzbericht für das Land Niedersachsen mit Erwähnungen von Ursula Haverbeck-Wetzel, Hannover 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gem. eigener Website: „Im Rahmen ihres 85. Geburtstages erhielt sie am 9. November 2013 folgende Ehrenurkunde“
  2. Holocaust-Leugnerin Haverbeck verurteilt. auf: daserste.ndr.de, veröffentlicht und abgerufen am 12. November 2015; Haverbeck erklärt im Video „Beifall für eine Holocaust-Leugnerin“, das am 12. November 2015 aufgezeichnet wurde, beim Erhalt eines Blumenstraußes, dass sie „gestern Geburtstag“, also am 11. November, gehabt hätte.
  3. a b Plattform für Holocaust-Leugner? auf: ndr.de, abgerufen am 24. April 2015.
  4. a b Trotz Verbotsverfahren: Holocaust-Leugnerin sprach bei NPD-Veranstaltung. auf: spiegel.de, abgerufen am 24. April 2015.
  5. a b c Eine Lüge zu viel. auf: juedische-allgemeine.de, abgerufen am 24. April 2015.
  6. Jürgen Wüst: Konservatismus und Ökologiebewegung: eine Untersuchung im Spannungsfeld von Partei, Bewegung und Ideologie am Beispiel der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). IKO 1993, S. 165.
  7. Briefwechsel der Landesverbände aus den Jahren 1988–1989.
  8. a b Holocaust-Leugnerin Haverbeck verurteilt. auf: daserste.ndr.de, veröffentlicht und abgerufen am 12. November 2015.
  9. Neuer Prozess gegen 87-jährige Holocaust-Leugnerin. In: Die Welt. 30. August 2016.
  10. Acht Monate Haft für Holocaust-Leugnerin. In: Jüdische Allgemeine. 2. September 2016.
  11. Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck muss für 11 Monate ins Gefängnis. In: Hamburger Morgenpost. Abgerufen am 11. Oktober 2016.
  12. Zweieinhalb Jahre Haft für Holocaust-Leugnerin. In: NDR. Abgerufen am 21. November 2016.
  13. Neue Haftstrafe für Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck, 17.02.2017 bei Spiegel Online, abgerufen am 17. Februar 2017
  14. Verlag für die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland