Ursula Stenzel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ursula Stenzel (2014)

Ursula Stenzel (* 22. September 1945 in Wien), eigentlich Schweiger-Stenzel,[1] ist eine österreichische Politikerin. Sie arbeitete jahrzehntelang als Journalistin für den ORF und wechselte dann als Exponentin der ÖVP in die Politik. Für die Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2015 kandidierte sie aber als unabhängige Kandidatin auf der Liste der FPÖ.[2] Sie ist aktuell nicht amtsführende Stadträtin in der Wiener Landesregierung und Stadtsenat Häupl VI.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stenzel kommt aus einer katholisch-jüdischen Familie. Ihr Vater entstammte einer Nordbahn-Ingenieursfamilie; ihre Mutter war die Tochter eines Chasans in der Synagoge in der Rotensterngasse (Leopoldstadt), ihr Urgroßvater war dort Rabbiner. In der großväterlichen Dienstwohnung in der Rotensterngasse wuchs Stenzel auf. Die Eltern hatten durch die Hilfe der Pfarre St. Nepomuk überlebt.[3] Ursula Stenzel war von 1983 bis zu dessen Tod 2009 mit dem Schauspieler Heinrich Schweiger verheiratet.

Karriere als Journalistin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stenzel maturierte am katholischen Gymnasium St. Ursula im 23. Bezirk in Wien. Nach dem nicht vollendeten Studium der Publizistik, Politischen Wissenschaften und Zeitgeschichte war sie fast 30 Jahre lang Redakteurin und Moderatorin beim ORF. Als Sprecherin bzw. Moderatorin der Zeit im Bild, der täglichen Hauptnachrichtensendung des öffentlich-rechtlichen österreichischen Fernsehens, wurde sie österreichweit bekannt.

Karriere als Politikerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Ausscheiden aus dem ORF war Stenzel von 1999 bis 2006 Mitglied des Europäischen Parlaments und Delegationsleiterin der ÖVP in Brüssel.

Bei der Gemeinderatswahl vom 23. Oktober 2005, bei der auch die Bezirksvertretungen gewählt wurden, trat sie für die ÖVP Wien als Spitzenkandidatin für das Bezirksparlament des ersten Wiener Gemeindebezirkes, der Inneren Stadt, an. Im Wahlkampf fiel sie vor allem auf Grund von umstrittenen Forderungen auf. So konnte sie sich in einem Interview die Sperrung von Parks für Nichtanrainer vorstellen und argumentierte für die Schließung von Punschständen sowie gegen Straßenkünstler in den Fußgängerzonen. Auch nach der Wahl sprach sich Stenzel etwa gegen den sogenannten „Silvesterpfad“ (Buden mit Getränken und Imbissen, die am 31. Dezember auf dem Graben aufgestellt werden) in der Altstadt und Werbetransparente am Baugerüst des Stephansdoms aus.

Die ÖVP erzielte mit 3428 Stimmen (+10,21 %) und 18 Mandaten einen deutlichen Wahlerfolg und verwies die den Bezirksvorsteher anstrebende SPÖ mit 2361 Stimmen (+4,20 %) und 13 Mandaten klar auf Platz zwei (siehe: Bezirksvertretungswahl in Wien 2005). Am 22. Dezember 2005 wurde Ursula Stenzel mit 20 der 40 Bezirksmandatarsstimmen zur Bezirksvorsteherin gewählt. Auf Grund ihrer Bekanntheit gelang es Stenzel, mit ihren Anliegen immer wieder in die Medien zu kommen.

Am 11. November 2014 gab die Wiener Landesorganisation der ÖVP bekannt, Ursula Stenzel werde für die Bezirksvertretungswahl 2015 nicht mehr als VP-Spitzenkandidatin aufgestellt. Sie selbst erklärte einen Tag später, sie werde ihr Amt bis zur Wahl ausüben. Die Kandidatur mit einer eigenen Liste behalte sie sich vor.[4][5]

Im März 2015 verkündete sie dann definitiv ihre Wiederkandidatur.[6] Im September 2015 wurde bekannt, dass sie bei der Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2015 als unabhängige Kandidatin auf dem dritten Listenplatz der FPÖ-Liste kandidiert. Zudem wurde sie als Spitzenkandidatin der FPÖ für die Bezirksvertretungswahl nominiert.[2][7]

Bei der Wahl am 11. Oktober 2015 kam die FPÖ in ganz Wien auf Rang 2 (siehe Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien 2015), in der Inneren Stadt allerdings nach ÖVP und SPÖ nur auf den dritten Rang (siehe Bezirksvertretungswahl in Wien 2015). Stenzel zog daher für die FPÖ in den Gemeinderat ein und nahm ihr Mandat in der Bezirksvertretung nicht an.[8] Die von ihr nach Medienberichten hinausgezögerte Amtsübergabe an Markus Figl erfolgte bei der konstituierenden Sitzung der neuen Bezirksvertretung am 22. Dezember 2015, exakt zehn Jahre nach Stenzels erster Wahl zur Bezirksvorsteherin.

Für die Bundespräsidentenwahl im Frühjahr 2016 war Stenzel im Jänner 2016 als FPÖ-Kandidatin im Gespräch; die Partei entschied sich aber am 28. Jänner 2016 für den Dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer als ihren Kandidaten.

Im Mai 2016 wurde bekannt, dass Stenzel David Lasar im Juni 2016 als nicht amtsführende Wiener Stadträtin nachfolgen werde.[9] Am 29. Juni 2016 wurde Stenzel als nicht amtsführende Stadträtin der FPÖ angelobt und ist damit Mitglied in Landesregierung und Stadtsenat Häupl VI.[10]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Stenzels Haltung bezüglich Sperrstunden bei Lokalen im 1. Wiener Gemeindebezirk formierte sich im Februar 2011 die Wiener Club-Szene und verbreitete via YouTube ein satirisches Musikvideo unter dem Titel „Ursula Stressned“ (eine Coverversion von „Barbra Streisand“ von Duck Sauce), welches innerhalb weniger Tage große mediale Öffentlichkeit erlangte.[11][12]

Blue Shield – Kulturgüterschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Bezirksvorsteherin des ersten Wiener Gemeindebezirkes (Innere Stadt), der als Ensemble UNESCO-Weltkulturerbe ist, trug sie politische Mitverantwortung für die Erhaltung dieses Kulturerbes. Im November 2011 wurde Stenzel zur Präsidentin des Österreichischen Nationalkomitees von Blue Shield International. In dieser Funktion unterzeichnete Sie am 25. April 2012 gemeinsam mit dem Präsidenten von Blue Shield International, Karl Habsburg-Lothringen, und dem damaligen Rektor Jürgen Willer eine Absichtserklärung zur Einrichtung eines Blue-Shield-Lehrstuhls an der Donau-Universität Krems.[13]

Am 15. Juni 2012 ernannte Stenzel Kammersänger Johan Botha zum Blue-Shield-Botschafter für den Schutz des immateriellen Kulturerbes. [14]

Bei der 6. Konferenz der Minister für kulturelles Erbe vom 22.–24. April 2015 in Namur vertrat sie Blue Shield. In Ergänzung zur Namur Declaration der Ministerkonferenz initiierte sie den Aufruf von Namur zum Schutz des Kulturerbes bei bewaffneten Konflikten.[15]

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Schweiger, Ursula Schweiger-Stenzel: Bilder eines Schauspielers: Fotos und Theatergeschichten. Edition Tusch, 1995 (2. Aufl.), ISBN 978-3-85063-203-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ursula Stenzel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Hohe Auszeichnungen für weibliche Euopaabgeordnete Großes Goldenes Ehrenzeichen für Berger, Schierhuber und Stenzel. In: OTS-Aussendung der Parlamentskorrespondenz, 7. November 2005, abgerufen am 1. September 2015.
  2. a b Wien-Wahl: Ursula Stenzel tritt für die FPÖ an Abgerufen am 1. September 2015.
  3. Renate Graber: „Ich will Wien die Urbanität zurückgeben.“ Interview mit Ursula Stenzel. In: Der Standard, 22. Mai 2006.
  4. Stenzel setzt auf Konfrontation. In: derstandard.at, 12. November 2014
  5. Stenzel will ganze Wiener City zur Begegnungszone machen. In: APA/derStandard.at, 10. Februar 2015, abgerufen am 10. Februar 2015.
  6. Wien-Wahl: Stenzel kandidiert wieder. In: orf.at, 12. März 2015, abgerufen am 12. März 2015.
  7. Stenzel tritt für FPÖ an. In: orf.at, 1. September 2015, abgerufen am 1. September 2015.
  8. FPÖ Wien: Nepp wird Klubchef, Stenzel Gemeinderätin In: Die Presse vom 13. Oktober 2015.
  9. derStandard.at - Stenzel wird FPÖ-Stadträtin, Lasar wechselt in den Nationalrat. Artikel vom 3. Mai 2016, abgerufen am 3. Mai 2016.
  10. Ursula Stenzel als nicht amtsführende FPÖ-Stadträtin angelobt. Artikel auf derStandard.at vom 29. Juni 2016.
  11. "Ursula Stressned" als YouTube-Protest. Mit einem viralen Musikvideo wehrt sich die Wiener Club-Szene gegen Sperrstunden (Memento vom 19. Februar 2011 im Internet Archive) In: Kurier.
  12. „Ursula stress ned“: Protestsong gegen Sperrstunden. In: Die Presse, 16. Februar 2011.
  13. Donauuniversität Krems - Presseaussendung
  14. OTS, APA 16. Juni 2012
  15. 6TH CONFERENCE OF MINISTERS RESPONSIBLE FOR CULTURAL HERITAGE (22-24 APRIL 2015) (PDF)
  16. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)