Urueña

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Gemeinde Urueña
Urueña – Ortsansicht
Urueña – Ortsansicht
Wappen Karte von Spanien
Wappen fehlt
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Urueña (Spanien)
Finland road sign 311.svg
Basisdaten
Autonome Gemeinschaft: KastilienleonKastilien und León Kastilien und León
Provinz: Valladolid
Comarca: Tierra de Campos
Koordinaten 41° 44′ N, 5° 12′ WKoordinaten: 41° 44′ N, 5° 12′ W
Höhe: 830 msnm
Fläche: 44,07 km²
Einwohner: 192 (1. Jan. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 4,36 Einw./km²
Postleitzahl: 47862
Gemeindenummer (INE): 47178 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Verwaltung
Website: Urueña

Urueña ist eine nordspanische Gemeinde in der Provinz Valladolid in der Autonomen Region Kastilien-León. Der Ort lag im ehemals umstrittenen Grenzgebiet zwischen der Grafschaft bzw. dem Königreich Kastilien und dem Königreich León und wurde deshalb im Mittelalter mit einer Stadtmauer umgeben. Diese blieb bis in die heutige Zeit nahezu vollständig erhalten und so wurde der Ort im Jahre 1975 als Nationales Kulturgut (Bien de Interés Cultural) in der Kategorie Conjunto histórico-artístico anerkannt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urueña liegt auf einer Anhöhe von ca. 830 Metern Höhe ü. d. M. in der agrarisch genutzten Landschaft im Westen Altkastiliens. Die Entfernung zur Provinzhauptstadt Valladolid beträgt knapp 50 Kilometer (Fahrtstrecke) in östlicher Richtung; bis nach León sind es etwa 125 Kilometer in nördlicher Richtung.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1960 1970 1981 1991 2001 2014
Einwohner 658 409 267 230 212 182

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Gemeinde zeitweise über 1.000 Einwohner. Die Mechanisierung der Landwirtschaft führte in der Folge zu einem Rückgang der Arbeitsplätze und zu einer kontinuierlichen Abwanderung der Bevölkerung in die Städte.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Umland von Urueña ist landwirtschaftlich geprägt; der Ort selbst bot die notwendigen regionalen Dienstleistungen in den Bereichen Handwerk und Handel. Tages- und Wochenendtourismus spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordwesten der Iberischen Halbinsel gehörte zum Siedlungsgebiet der weitgehend im Dunkel der Geschichte verbliebenen Vacceos, doch wurden in der Gegend von Urueña bislang keine frühen Siedlungsspuren entdeckt. Auch von den Römern und von den Westgoten fehlen archäologisch verwertbare Zeugnisse. Im 10. und 11. Jahrhundert ließen sich die Mauren im Rahmen der Rückeroberung des Landes reconquista mehr und mehr in Richtung Süden abdrängen und das Gebiet wurde mit Christen aus dem Norden wiederbesiedelt (repoblación). Unter dem kastilischen König Sancho II. (reg. 1065–1072) war Urueña zeitweise Hauptort eines Herrschaftsbezirks (infantado), der faktisch von seiner Schwester Urraca regiert wurde. Knapp ein Jahrhundert später übergab König Alfons VII. (reg. 1126–1157 über Kastilien und León) das Infantado von Valladolid mit den Städten Castromonte, Medina de Rioseco und Urueña seiner Schwester Sancha Raimúndez. Nach seinem Tode wurde die leonesisch-kastilische Krone unter den beiden Söhnen erneut geteilt – Ferdinand II. erhielt León und Sancho III. erhielt das Teilreich Kastilien. Sancho III. starb jedoch kurz darauf und obwohl er einen unmündigen Sohn (Alfons VIII.) hinterlassen hatte, lag die Herrschaft über den Reichsteil Kastilien in den Händen seines Bruders Ferdinand. Nach Erreichen der Volljährigkeit führte Alfons VIII. Krieg gegen seinen Onkel, der sich kurz zuvor der Stadt Burgos im Herzen Kastiliens bemächtigt hatte, und zwang ihn zu einem Friedensvertrag. Im Jahre 1170 wurde er zum König von Kastilien ausgerufen. In diese Zeit der kastilisch-leonesischen Spannungen im ausgehenden 12. und beginnenden 13. Jahrhundert fällt der Bau der Stadtmauer von Urueña, einer in der Folgezeit eher abgelegenen Stadt, die nach der endgültigen Vereinigung der beiden Königreiche Kastilien und León im Jahre 1230 der Vergessenheit anheimfiel.

Im Jahre 1876 vernichtete ein verheerendes Feuer beinahe die Hälfte der Häuser des Ortes. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurde sich die Gemeinde ihrer stolzen Vergangenheit und ihres kulturellen Erbes bewusst und große Anstrengungen wurden unternommen, den Ort in einen – auch für Touristen interessanten – Zustand zu versetzen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtmauer mit Puerta del Azogue
  • Hauptattraktion von Urueña ist die nahezu komplett erhaltene und etwa acht bis zehn Meter hohe und in Abständen von etwa 20 bis 25 Metern von Rundtürmen gesicherte mittelalterliche Stadtmauer mit ihren zwei – eher unscheinbaren – Stadttoren: Nach Norden öffnet sich die Puerta del Azogue und nach Süden der Arco de la Villa.
  • Im Osten der Anlage erhebt sich der Burgkomplex, der jahrhundertelang als Gemeindefriedhof gedient hatte, und erst im Jahr 2005 für Besucher zugänglich gemacht wurde.
  • Die Pfarrkirche Santa María del Azogue mit ihrem hohen gotischen Chor und ihrem eher mickrigen Langhaus mit einem Glockengiebel aus der Zeit der Renaissance macht den politischen und wirtschaftlichen Niedergang des Ortes deutlich. Auf der Südseite der Kirche findet sich die Andeutung einer Vorhalle (portico) wie sie an vielen älteren romanischen Kirchen Kastiliens zu sehen ist (z. B. Jaramillo de la Fuente, Santiuste de Pedraza).

Umgebung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luis Cervera Vera: La villa murada de Urueña. Editoral Provincial Excma. Diputación Provincial de Valladolid 1989.
  • Fernando Cobos Guerra: Castilla y León. Castillos y Fortalezas. Edilesa 1998, ISBN 84-8012-186-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Urueña – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cifras oficiales de población resultantes de la revisión del Padrón municipal a 1 de enero. Bevölkerungsstatistiken des Instituto Nacional de Estadística (Bevölkerungsfortschreibung).