Uschakowo (Kaliningrad, Gurjewsk, Nowomoskowskoje)

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Siedlung
Uschakowo
Brandenburg (Haff)

Ушаково
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gurjewsk
Gegründet 1266
Frühere Namen Brandenburg
Bevölkerung 812 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 209 825 017
Geographische Lage
Koordinaten 54° 37′ N, 20° 15′ OKoordinaten: 54° 36′ 45″ N, 20° 14′ 58″ O
Uschakowo (Kaliningrad, Gurjewsk, Nowomoskowskoje) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Uschakowo (Kaliningrad, Gurjewsk, Nowomoskowskoje) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Die Ortschaft Uschakowo (russisch Ушаково, deutsch Brandenburg (Frisches Haff), litauisch Pokarviai) liegt am Frischen Haff in der russischen Oblast Kaliningrad im ehemaligen Ostpreußen. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk im Rajon Gurjewsk.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uschakowo liegt am Fluss Prochladnaja (deutsch: Frisching), der hier ins Frische Haff mündet. Durch den Ort führt die russische A 194, bis 1945 die Reichsstraße 1 von Aachen über Berlin nach Königsberg (Preußen).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnitt aus dem 17. Jahrhundert
Brandenburg, am Ostufer des Frischen Haffs, nordöstlich der Landzunge von Balga und südwestlich von Königsberg, auf einer Landkarte von 1910 (siehe linke Bildhälfte).

Für den Deutschen Orden errichtete Markgraf Otto III. von Brandenburg 1266 an der Frisching-Mündung eine Burg, um die Einfahrt der Schiffe nach Königsberg zu überwachen. Ab 1275 wurde sie in Stein ausgebaut. Von 1283 bis 1499 war sie Sitz eines Komturs. 1520 ausgebrannt, war sie nach der Wiederherstellung von 1525 bis 1752 Sitz eines Amtshauptmannes. Danach verfallen, wurde das stattliche Schloss nach 1776 abgetragen.

Im Schutz der Burg hatte sich eine Lischke entwickelt, die 1513 die Handfeste erhielt. Die Kirche, von 1320 bis 1340 erbaut, erhielt erst 1648 einen hohen spitzen Turm. Brandenburg entwickelte sich zum Marktflecken und hatte seit 1729 einen kleinen Hafen.[2] Ab 1818 gehörte Brandenburg zum Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen.

Nach der Besetzung durch die Rote Armee im Jahr 1945 fiel der Ort an die Sowjetunion und wurde 1947 nach einem begrabenen Sowjetsoldaten namens Uschakow[3] in Uschakowo umbenannt.[4] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Laduschkin, der 1965 im Dorfsowjet Nowomoskowski im Rajon Gurjewsk aufging. Seit 2008 gehörte Uschakowo zur Landgemeinde Nowomoskowskoje und gehört seit deren Auflösung im Jahr 2013 zum Stadtkreis Gurjewsk.

Dorfsowjet Uschakowski 1947–1965[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Uschakowski (ru. Ушаковский сельский Совет, Uschakowski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[5] Als Verwaltungssitz war zunächst der ehemalige deutsche Ort Pinnau vorgesehen. Im Juli 1947 wurde als Verwaltungssitz aber das ehemalige Brandenburg festgelegt.[4] Der Dorfsowjet befand sich bis 1962 im Rajon Laduschkin, von 1963 bis 1964 oder 1965 im Rajon Bagrationowsk und wurde 1965 im Rajon Gurjewsk mit dem Dorfsowjet Zwetkowski zum neuen Dorfsowjet Nowomoskowski zusammengelegt.

Folgende Orte gehörten (zunächst) zum Dorfsowjet:

Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung
Gorki (Горки) Albehnen 1947
Ladygino (Ладыгино) Korschenruh 1950
Uljanowka (Ульяновка) Klein Hoppenbruch 1947
Uschakowo (Ушаково) Brandenburg 1947
Selenowo (Зеленово) Pinnau 1947

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[6] Bemerkungen
1885 1.387 Einschließlich des Gutsbezirks
1910 1.385 Einschließlich des Gutsbezirks
1933 1.602
1939 1.595
2002 864
2010 812

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1945 war Brandenburg Sitz eines evangelischen Pfarramtes. Zu ihm gehörte ein weitläufiges Kirchspiel innerhalb des Kirchenkreises Heiligenbeil (Mamonowo) der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Insgesamt 16 Ortschaften waren in das Kirchspiel eingegliedert (* = Schulort):

  • Albehnen (russisch: Gorki)
  • *Brandenburg
  • Dümpelkrug
  • Friedrichshof, Kr. Heiligenbeil
  • Honigbaum
  • Klein Hoppenbruch (Uljanowka)
  • Kamnicken
  • Korschenruh (Ladygino)
  • Kranzberg
  • Morken
  • Pinnau
  • *Pokarben
  • Reginenhof
  • Schoischen, 1938–1945 Schoschen
  • Tengen
  • Wedderau

Pfarrer bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945 amtierten in Brandenburg als evangelische Pfarrer:

  • Johann Ulrich, 1543
  • Caspar Kurau, 1545
  • Johann Schwartz, 1546–1573
  • Andreas Kaufmann, 1569–1570
  • Johann Gangolphus, 1570–1576
  • Tobias Schweichel, ab 1576
  • Salomo Hübner, 1584
  • Laurentius Kopfnagel, 1592–1600
  • Georg Löselius, 1600–1609
  • Petrus Nicolai, 1609–1617
  • Heinrich Crusius, 1617–1620
  • Johann Halbach von der Pforte,
    1621–1639
  • Georg Mylius, 1639–1640
  • Daniel Nicolai, 1640–1661
  • Valentin Schultz, 1661–1682
  • Heinrich Pusch, 1682–1688
  • Sigmund Frommhold Ring, ab 1688
  • Tobias Schweichel, 1693–1704
  • Georg Hein, 1705–1740
  • Johann Daniel Tapcken, 1739–1757
  • Johann Christoph Wessel, 1758–1761
  • Gottfried Sommer, 1761–1789
  • Johann Gottlieb Meier, 1789–1830
  • Franz Leopold Kopplius, 1852–1856
  • Friedrich Otto Hoffmann, 1856–1882
  • Carl Gustav Marter, 1882–1885
  • Carl Heinrich A.J. Dreschhoff,
    1886–1897
  • Gottfried Hermann Julius Podlech,
    1898–1927
  • Fritz Schiweck, 1927–1945

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine des Schlosses Brandenburg

Erhalten sind die Ruine der Ordensburg und der Turm der Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert. Die Ruine ist in Russlands staatliche Liste der erhaltenswerten Architekturdenkmäler aufgenommen. Laut einer Liste von Forbes Magazine ist die Burg eine der am meisten vom Verfall bedrohten Denkmäler der Russischen Föderation.

Schloss Brandenburg wurde von Markgraf Otto III. in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Schutz gegen die Pruzzen errichtet. In der Zeit des Deutschen Ordens galt es als wichtige Komturei. Ab 1322 soll im Schloss ein Fragment des Kreuzes Jesu aufbewahrt gewesen sein. Das Schloss wurde im 15. und 16. Jahrhundert mehrfach zerstört. Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde es bis heute nicht restauriert. Vielmehr wurde es von russischen Siedlern zur Gewinnung von Baumaterial verwendet.[7]

Eine Reliquie der Katharina von Alexandrien wurde 1378 aus der Sammlung des Kaisers Karl IV. als Dank für die Unterstützung von Komtur Günther von Hohenstein nach Brandenburg überbracht. Der ermländische Bischof Heinrich III. Surbom übernahm die Überführung nach dem Tod des Kaisers. Sie wurde dort in der Burgkapelle aufbewahrt und gelangte später in die Marienburg, wo sie in der Kapelle des Hochmeisters, der St. Katharinenkapelle, aufgestellt wurde.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Robert Albinus: Lexikon der Stadt Königsberg Pr. und Umgebung. Rautenberg, Leer 1985. ISBN 3-7921-0320-6.
  3. Angeblich ein Held der Sowjetunion, vgl. Information auf http://www.gako.name
  4. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad)
  5. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  6. Volkszählungsdaten
  7. Das Ostpreußenblatt, 39/2010, 2. Oktober 2010
  8. Preußische Allgemeine Zeitung, 35/2010, 4. September 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]