Uthlede

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Uthlede
Wappen von Uthlede
Koordinaten: 53° 18′ 40″ N, 8° 34′ 39″ O
Höhe: 10 m ü. NHN
Fläche: 15,46 km²
Einwohner: 1017 (18. Aug. 2014)
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2014
Postleitzahl: 27628
Vorwahl: 04296
Uthlede (Niedersachsen)
Uthlede

Lage von Uthlede in Niedersachsen

Uthlede in der Gemeinde Hagen im Bremischen
Uthlede in der Gemeinde Hagen im Bremischen

Uthlede (niederdeutsch Uthlee) ist eine Ortschaft in der Gemeinde Hagen im Bremischen im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen. Die Ortschaft hat etwa 1000 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von 15,46 Quadratkilometern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uthlede liegt zwischen Bremen und Bremerhaven, westlich der Autobahn A 27 und von Hagen im Bremischen sowie östlich von Sandstedt, das an der Weser liegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name

Für den Namen Uthlede gibt es zwei mögliche Erklärungen:

  1. Die Silbe -lede (auch -lidi oder -lyd), bedeutet im Niederdeutschen wie Lieth als Anhöhe, Höhenzug. Utlidi liegt erhöht auf dem Geestrücken, begrenzt durch den Klipberg am Rand der Marsch. Die Silbe uth (Otto) war ein altsächsischer Männername oder als Uta ein weiblicher Vorname. Henrikus von Uthlede wurde 1199 als Henrikus de Lyd genannt.
  2. Lehnstedt (der Nachbarort) ist wahrscheinlich die älteste Siedlung der Gegend. Der Ortsname könnte auch bedeuten, dass Uthlede von dort aus besiedelt wurde, dass also die Uthleder die Leute „ut ledingstedt“ also aus Lehnstedt waren.[1]
Geschichte

Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Ort als utlidi 1110. Ein Adelsgeschlecht ist ab 1173 ansässig, das aber ab 1269 nicht mehr nachgewiesen werden kann. Im selben Jahr wird auch der erste Priester in der Gemeinde erwähnt.

Die erste Kirche soll zwischen der ersten Erwähnung von 1110 und 1269, der Erwähnung des Priesters Olderus von Uthlede erbaut worden sein. Eine Kirche war als Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert bekannt. 1753 brannte der hölzerne Turm am und wurde neu erstellt. 1862 brannte die Kirche ab, nur der neue hölzerne Turm blieb erhalten. Die vorhandene St.-Nicolai-Kirche wurde dann von 1862 bis 1864 erbaut.

Um 1804 gab es im Ort einen Holzhändler Gerd Mahlstedt, der das zu seinem Tannenholz-Handel „gehörige Holz vom Harz und von Celle zu Wasser herunter flößen“ ließ, „welches sodann auf dem Außendeiche an der Weser gelagert und zum Gebrauch unserer Bauten per Ochsen verführt wird“.[2]

Mit der Erfindung des Kunstdüngers 1840 stieg der Bedarf der Landwirtschaft an größeren Ackerflächen. Eine Verkoppelung wurde aber in einer Versammlung am 14. Juni 1890 abgelehnt. Auch das Angebot des königlichen Landratsamtes vom 4. November 1895 eines Kredites für den Ausbau der Landstraßen und die Verkoppelung lehnte der Gemeindeausschuss ab. Erst 1911 wurden die Feldwege nach Hagen und Lehnstedt zu Straßen ausgebaut und es wurde beschlossen, die Verkoppelung durchzuführen.[3]

1909 wurde die Kleinbahn Farge-Wulsdorf gebaut. 17 anliegende Gemeinden brachten die Baukosten von 300.000 Mark auf, für Uthlede waren das 17.000 Mark.[4]

In Uthlede gab es eine Jüdische Synagogen- und Armengemeinde. 1771 wurden ein getaufter Jude und eine Uthlederin getraut. 1842 beantragte der Vorsteher der Synagogengemeinden der Orte Uthlede, Hinnebeck, Wersabe, Meyenburg und Schwanewede eine Synagogenordnung.[5] Verstorbene Juden wurden auf dem jüdischen Friedhof Am Dörenacker in Hagen beigesetzt. „Als letzte Jüdin wurde die 74-jährige Bertha Herzberg dort am 21. März 1936 bestattet.“ Die letzte Jüdin, die 88-jährige Rieke Baar, wurde von „zwei Männern im schwarzen Ledermantel“ abgeholt.[6]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Uthleder Zeugen des Todesmarsches von Farge nach Sandbostel. Ausgemergelte Menschen wurden vom KZ Farge zum Stalag X B getrieben. „Jede Hilfe mit Brot und Wasser, wurde gegen den Protest der Bewacher von Frauen und Kindern unternommen“, steht in der Uthleder Chronik.[7]

Zum 1. Januar 2014 erfolgte die Auflösung der Samtgemeinde Hagen und deren Mitgliedsgemeinden sowie die Neubildung der neuen Gemeinde Hagen im Bremischen.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat von Uthlede setzt sich aus zwei Ratsfrauen und drei Ratsherren zusammen.[9]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbürgermeister von Uthlede ist Marco Vehrenkamp (SPD) und seine Stellvertreterin ist Karen Lingner-Bahr (Grüne).[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Uthleder Wappens stammt von dem in Belgien geborenen und später in Otterndorf lebenden Heraldiker und Wappenmaler Professor Albert de Badrihaye, der auch schon die Wappen von Hetthorn, Wanhöden, Holte-Spangen und vielen anderen Ortschaften im Landkreis Cuxhaven entworfen hat.[11]

Wappen von Uthlede
Wappenbeschreibung: „In Blau ein silberner Widderkopf mit goldenen gewundenen Hörnern.“[11]
Wappenbegründung: Das Wappen ist dem des ausgestorbenen adligen Geschlechts „Purrick von Uthlede“ nachgebildet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Hagen im Bremischen#Uthlede stehen die in der Denkmalliste des Landeskreises Cuxhaven eingetragenen Baudenkmale.

Bauwerke
  • Die St.-Nicolai-Kirche wurde 1862 bis 1864 neu erbaut, der Turm aus dem 17. Jahrhundert stammt noch vom Vorgängerbau. In der Kirche finden sich zwei Medaillons (Luther und Melanchthon) von Hermann Ernst Freund und zwei Reliefs (Abendmahl und Taufe Jesu) von Georg Christian Freund.[12]
  • Die unter Denkmalschutz stehende Uthleder Mühle aus dem 19. Jahrhundert. In den Gebäuden der ehemaligen Molkerei werden Waffeln produziert
  • Das Heimathaus in Uthlede

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ländlicher Uhrenbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1750 bis 1840 war Uthlede eine „Hochburg des ländlichen Uhrenbaus“.[13] Mehrere Generationen Uthleder Uhrmacherfamilien machten den Ort weltbekannt. In der Uthleder Chronik werden 17 Familien aufgezählt. Sie bekamen Konkurrenz von Uhrenfabriken, die Mitte des 19. Jahrhunderts anfingen, Uhren deutlich billiger zu produzieren. Die letzte Uhrmacherfamilie siedelte 1952 nach Bremen-Aumund um. Sie hatte aber mit den Klockenbauern von früher nichts zu tun.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uthlede verfügt über einen gleichnamigen Anschluss an die A 27 zwischen Bremen und Bremerhaven.

Vier Buslinien verbinden Uthlede innerhalb des Verkehrsverbundes Bremen-Niedersachsen (VBN) mit seinen Nachbarorten sowie mit Schwanewede, Bremen-Vegesack und Bremerhaven. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich lediglich in größerer Entfernung in Lübberstedt, Bremen-Farge und Bremen-Vegesack.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Uthlede sind die Nordsee-Zeitung aus Bremerhaven sowie die Bremer Tageszeitungen Weser-Kurier und Bremer Nachrichten die vorherrschenden Zeitungen. An Radio- und Fernsehsendern empfängt man die Landeswelle Niedersachsen und die anderen Programme des NDR sowie alle Programme von Radio Bremen. Des Weiteren empfängt man die Privatsender Hitradio Antenne, Energy Bremen und Radio FFN.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Ortschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Ernst Freund (1786–1840), Bildhauer und später Professor an der Kopenhagener Akademie (Ein Medaillon von Martin Luther und eines von Philipp Melanchthon sind in der Uthleder Kirche zu besichtigen)
  • Heinrich Schmidt-Barrien (1902–1996), ein Schriftsteller, der in hoch- und niederdeutscher Sprache zahlreiche Romane, Gedichte, Erzählungen und Novellen, meistens über die Welt der "kleinen Leute" veröffentlicht hat
  • Johannes Michael Speckter (auch: Johann Michael Speckter, * 5. Juli 1764 in Uthlede; † 1. März 1845 in Hamburg) war ein deutscher Lithograph und ein bedeutender Grafik-Sammler
  • Hartwig II. (Hartwig von Utlede bzw. Uthlede) († 3. November 1207) war von 1184 bis zu seinem Tod Erzbischof von Hamburg-Bremen

Sagen und Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dem Teufel verschrieben
  • Die versunkene Glocke von Bruch
  • Die Knappen von Meyenburs
  • Der Heidteller

[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uthlede. In: Heinrich Schmidt-Barrien: Aus meinen Jungensjahren. Uthlede, Hamelwörden und Barrien. 1902–1917. Heide 1992, S. 9–25; ISBN 3-8042-0572-0
  • Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010. Eine Zeitreise durch neun Jahrhunderte. Hg. Gemeinde Uthlede 2009
  • Hans-Cord Sarnighausen: Hannoversche Amtsjuristen von 1719 bis 1866 in Hagen im Bremischen, in: Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 90, Bremerhaven 2012, S. 171–187

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Uthlede – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, siehe unter Literatur, S. 15.
  2. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, siehe unter Literatur, S. 19.
  3. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, siehe unter Literatur, S. 29.
  4. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, Literatur, S. 32.
  5. Staatsarchiv Stade
  6. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, Literatur, S. 43.
  7. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, siehe unter Literatur, S. 52.
  8. Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Hagen im Bremischen, Landkreis Cuxhaven vom 19. Juni 2013, In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 10/2013 vom 25. Juni 2013, S. 162.
  9. Ortsrat von Uthlede. Von: Internetseite der Gemeinde Hagen im Bremischen, PDF-Datei, abgerufen am 30. Mai 2017.
  10. Ortsbürgermeister von Uthlede. Auf: Internetseite der Gemeinde Hagen im Bremischen, abgerufen am 30. Mai 2017.
  11. a b Landkreis Wesermünde: Wappen des Landkreises Wesermünde. Verlag: Grassé Offset, Bremerhaven/Wesermünde 1973, ISBN 3-980031-80-2.
  12. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, siehe unter Literatur, S. 274.
  13. Von Utlidi 1110 nach Uthlede 2010, siehe unter Literatur, S. 283.
  14. Hake Betken siene Duven: das große Sagenbuch aus dem Land an Elb- und Wesermündung. Hg. von den Männern vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung. Zsgest. von Eberhard Michael Iba, Bremerhaven 1999. ISBN 3-931771-16-4.