Uto-aztekische Sprachen

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Uto-Aztekische Sprachen in Nordamerika.
Uto-Aztekische Sprachen in Mexiko.

Die Uto-aztekischen Sprachen bzw. seltener Uto-Nahuatl bilden eine nord- und mittelamerikanische Sprachfamilie, die mit ungefähr 1,8 Millionen Sprechern zu den größten sowie auch zu den ältesten Sprachfamilien der amerikanischen Ureinwohner zählt. Ihre Sprachlandschaft umfasst Gebiete vom Westen der Vereinigten Staaten und Texas im Norden und zieht sich über Mexiko bis nach Panama im Süden.[1] Der Name der Sprachfamilie als Uto-Aztekisch bzw. Uto-Nahuatl verweist auf die große geographische Verbreitung in Nordamerika als auch in Mittelamerika, da sie sowohl die Sprache der Ute von Utah und Colorado als auch die Nahuan (Nahuatl)-Sprachen (auch: Aztekisch genannt der Nahua-Ethnien des Aztekischen Dreibunds) von Mexiko umfasst. Die nördlichste uto-aztekische Sprache ist das Shoshoni, das bis zum Lemhi River in Idaho gesprochen wird, während die südlichste das Nawat (Pipil) der Pipil von El Salvador ist. Sprecher der Nahuatl-Sprachen machen fast vier Fünftel der Gesamtzahl der Sprecher aller uto-aztekischen Sprachen davon aus.

Einige Sprachen und ihre Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den nördlichen uto-aztekischen Sprachen gehört der nördlichste Zweig der Sprachfamilie, die Numic-Sprachen, mit den Sprachen der Ute, Shoshone, Comanchen und Paiute. Hier decken sich die Ethnonyme (Bezeichnungen der Ethnien) nicht immer mit den Einzelsprachen. So ist die traditionelle Sprache der nördlichen Paiute ein Shoshoni-Dialekt, während die südlichen Paiute einen Colorado-Dialekt sprechen. Einen eigenen Zweig bildet die Hopi-Sprache, die von den uto-aztekischen Sprachen der USA die meisten Sprecher hat. Kaum mehr gesprochen wird Cahuilla und Luiseño, die von Ethnien in Kalifornien verwendet wurden.

Die südlichen uto-aztekischen Sprachen umfassen unter anderem die in Arizona und New Mexico sowie in angrenzenden Gebieten von Mexiko beheimateten Pima-Pagago und Tepehuan-Sprachen. Im nördlichen Mexiko sind vor allem die Sprachen der Yaqui, Mayo und Raramuri (Tarahumara) zu erwähnen. Die meisten Sprecher hat mit etwa 1,6 Millionen Menschen das Nahuatl, dessen zentraler Zweig auch von den Azteken gesprochen wurde.[2]

Wortgleichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste mit Kognaten einiger uto-aztekischer Sprachen
PROTO-UA Hopi Nahuatl Huichol Comanche Papago Pima Yaqui Mayo Raramuri Warijío
'Auge' *pusi pūsi iš- hixie pui hehewo vuhi pūsim pūsi busí pusi
'Ohr' *naka naqvi nakas- naka naki nahk naka nakam naka nalá nahka-
'Nase' *yaka yaqa yaka- thahk daka yeka yeka aká yahka-
'Mund' *tini moʔa tēn- teni tīpe chini teni tēni tēni riní
'Zahn' *tami tama tlam- tame tāma tahtami tatami tamim tami ramé tame-
'Laus' *ʔati atem- ʔate aʔati ete ete ehte
'Fisch' *mutsi mich- musí
'Vogel' *tsūtu tsiro tōtol- tosapiti' churugí chuʔruki
'Mond' *mītsa mūyau mēts- metsa mïa mashath masadi mēcha mēcha micha mecha
'Wasser' *pāʔ pāhu ā- ha waʔig bāʔam vāʔa bāʔwí paʔwi
'Feuer' *tahi tle- tai taʔi taji tahi naʔi
'Asche' *nasi neš- naxi mahta naposa naposa napisó nahpiso
'Name' *tekwa tōka- te'ega team tewa riwá tewa
'schlafen' *kotsi kochi- kutsi kohsig kosia koche kōche kochí kochi
'kennen' *māti mati mātia machí machi
'sehen' *pita itta bicha bicha
'sehen' *tiwa tiwa mātia ritiwá tewa
'geben' *maka maqa maka makia maka māka
'brennen' *taha tlala tai- taya taya rajá taha-
'ich' *naʔa niʔ ni-/no-/na ne ni ni āni/in inepo inapo nijé nē-/ noʔo
'du' ʔim mo- en am empo empo mujé amo/ mū
'wer' *ʔakw hak ak- hakari hedai heri jabē have ābu
'eins' *sɨm- sūkya sem xewi sïmï hemako hemak sēun
'zwei' *wō- lōyom ōme huta waha gohk goka gōi wōyi okuá woka
'drei' *pahayu pāyom ēyi haika pahi waik baih bikiyá

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Urheimat der uto-aztekischen Sprachen wird allgemein im Südwesten der Vereinigten Staaten oder möglicherweise im Nordwesten Mexikos vermutet. Eine alternative Theorie hat die Möglichkeit vorgeschlagen, dass die Sprachfamilie aus Südmexiko, innerhalb des mesoamerikanischen Sprachraums, stammt, aber dies wurde im Allgemeinen nicht als überzeugend angesehen. Die Uto-aztekische Sprachen werden allgemein geographisch in die „Nördlichen Uto-aztekischen Sprachen“ und in die „Südlichen Uto-aztekischen Sprachen“ unterteilt.

Die interne Klassifikation der Sprachfamilie unterteilt sie oft in zwei Zweige: einen „Nördlichen Zweig“ bzw. „Nördliche Uto-aztekische Sprachen“ mit allen Sprachen in den USA, und einen „Südlichen Zweig“ bzw. „Südliche Uto-aztekische Sprachen“ mit allen Sprachen im Südwesten der USA und in Mittelamerika; es ist bis heute jedoch umstritten, ob diese Unterteilungen als genetische Klassifikation oder als geographische zu verstehen ist. Innerhalb dieser geographischen Unterteilung werden folgende Hauptzweige/Hauptsprachen allgemein akzeptiert: Numic-Sprachen (inklusive Sprachen wie das „Shoshoni“ oder das Dialektkontinuum des „Colorado River Numic/Ute-Southern Paiute“) und die in Kalifornien beheimateten Sprachen (früher bekannt als „Takik-Sprachen“ – inklusive Cahuilla and Luiseño). Hopi und Tübatulabal werden als Isolierte Sprachen innerhalb der „Nördlichen Uto-aztekischen Sprachen“ betrachtet.

Innerhalb der „Südlichen Uto-aztekische Sprachen“ sind die Pima (Pimic) oder Tepiman-Sprachen (inklusive des „O'Odham (Pima-Papago)“ und „Tepehuán“), die Tarahumara-Guarijío bzw. Tarahumara-Sprachen (inklusive des „Tarahumara“ und „Huarijio/Guarijío“), die Cahita-Sprachen (einschließlich Yaqui und Mayo), die Corachol-Sprachen (einschließlich Cora und Huichol) und die Nahuan-Sprachen unterteilt.

Nördlicher Zweig (USA)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südlicher Zweig (Mexiko)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kennzeichen der uto-aztekischen Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verben stehen meist am Ende der Sätze. In der Sprachfamilie sind einfache Phonemsysteme bestimmend.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. W. Langacker (Hrsg.): Studies in Uto-Aztecan Grammar. 4 vols. Arlington TX 1977 ff.
  • S. Steele, Uto-Aztecan: An Assessment for Historical and Comparative Linguistics.
  • L. Campbell, M. Mithun (Hrsg.): The Languages of Native America. Austin TX 1979, S. 444–544.
  • W. Miller: Sketch of Shoshone, a Uto-Aztecan Language. In: Handbook of North American Indians, vol. 17: I. Goddard (Hrsg.): Languages. Washington 1996, S. 693–720.
  • J. Dayley, Tümpisa (Panamint): Shoshone Grammar. Berkeley 1990
  • Ernst Kausen: Die Sprachfamilien der Welt. Teil 2: Afrika – Indopazifik – Australien – Amerika. Buske, Hamburg 2014, ISBN 978-3-87548-656-8, S. 858–862, 892–903.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Uto-Aztecan languages – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. britannica.com Uto-Aztecan languages in Encyclopedia Britannica
  2. a b Michael Dürr: Nord- und mesoamerikanische Sprachen. abgerufen am 26. September 2013