Utzenstorf

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Utzenstorf
Wappen von Utzenstorf
Staat: Schweiz
Kanton: Bern (BE)
Verwaltungskreis: Emmentalw
BFS-Nr.: 0552i1f3f4
Postleitzahl: 3427
Koordinaten: 608999 / 219558Koordinaten: 47° 7′ 37″ N, 7° 33′ 26″ O; CH1903: 608999 / 219558
Höhe: 476 m ü. M.
Fläche: 16,99[1] km²
Einwohner: 4253 (31. Dezember 2016)[2]
Gemeindepräsident: Beat Singer (SVP)
Website: www.utzenstorf.ch
Schloss Landshut

Schloss Landshut

Karte
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Utzenstorf ist eine politische Gemeinde im Verwaltungskreis Emmental des Kantons Bern in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Utzenstorf liegt auf 476 m ü. M., 9 km südlich der Stadt Solothurn (Luftlinie). Das Dorf erstreckt sich in der flachen Schwemmlandebene der Emme, östlich des kanalisierten Flusslaufs, im Schweizer Mittelland.

Die Fläche des 19,0 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des zentralen Berner Mittellandes. Trotz seiner Grösse ist das Gebiet fast völlig eben; die fruchtbare und landwirtschaftlich intensiv genutzte und im Durchschnitt 5 km breite Schwemmebene der Emme steigt gegen Süden leicht an. Die kanalisierte und begradigte Emme bildet im Westen und Süden die Gemeindegrenze und wird von einem schmalen Waldgürtel begleitet. Nach Osten erstreckt sich der Gemeindeboden über eine breite Landwirtschaftszone bis in ein ausgedehntes Waldgebiet mit dem Burgerwald, dem Neu-Ischlag und dem Oberholz. Östlich dieses Waldes befinden sich die Verkehrsstränge der Autobahn A1 und der im Rahmen von Bahn 2000 erbauten Neubaustrecke Bern-Olten, entlang welchen streckenweise die Grenze verläuft. Nur ein kleines Gebiet mit dem Chölfeld, dem Lindenrain (494 m ü. M.) und dem Loonwald liegt östlich dieser Verkehrsachsen. Der höchste Punkt von Utzenstorf wird mit 498 m ü. M. am Ufer der Emme im äussersten Süden des Gemeindebannes erreicht. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 10 % auf Siedlungen, 28 % auf Wald und Gehölze, 61 % auf Landwirtschaft und etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.

Zu Utzenstorf gehören die Ortsteile Landshut (472 m ü. M.), Schachen (474 m ü. M.) und Ey (478 m ü. M.) am westlichen Dorfrand, der Weiler Altwiden (485 m ü. M.) im Altwidenfeld südlich des Dorfes sowie zahlreiche Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Utzenstorf sind Koppigen, Ersigen, Kirchberg, Aefligen, Bätterkinden, Wiler bei Utzenstorf und Zielebach.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 4253 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) gehört Utzenstorf zu den grösseren Gemeinden des Kantons Bern. Von den Bewohnern sind 95,5 % deutschsprachig, 0,7 % albanischsprachig und 0,7 % sprechen Italienisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Utzenstorf belief sich 1850 auf 1651 Einwohner (damals grösste Gemeinde des Amtsbezirks), 1900 auf 1843 Einwohner. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts nahm die Bevölkerungszahl kontinuierlich zu, wobei die grössten Zuwachsraten während der 1960er Jahre verzeichnet wurden. 1970 wurden 3191 Einwohner gezählt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stimmenanteile der Parteien anlässlich der Nationalratswahl 2015 betrugen: SVP 37,8 %, SP 19,5 %, BDP 14,9 %, FDP 8,4 %, GPS 5,7 %, glp 5,6 %, EVP 2,7 %, CVP 1,8 %, Piraten 1,1 %.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gasthof Bären
Papierfabrik Utzenstorf (1970)

Utzenstorf war lange Zeit ein vorwiegend durch die Landwirtschaft geprägtes Dorf. Auffallend sind noch heute einige grosse Baumgärten um Häuser im Siedlungsgebiet. Heute bietet die Gemeinde rund 1900 Arbeitsplätze an. Mit 6 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft noch einen kleinen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Auf den fruchtbaren Böden wird überwiegend Ackerbau, Gemüseanbau und Obstbau betrieben. Auch die Forstwirtschaft trägt zu den Einkünften der Gemeinde bei. Heute arbeiten 116 Personen im ersten Sektor, 809 im zweiten Sektor und 971 im dritten Sektor (Stand 2014).[4]

Das Unternehmen Mühle Beck & Cie AG gehört der Familie Beck und ist das älteste Unternehmen in Utzenstorf.[5] Die Firma Gautschi AG produziert Saucen.[6] Die Pfiffner AG stellt Rundtaktmaschinen her und die Steffen-Ris Fenaco Genossenschaft ist ein Logistikunternehmen.[7][8] Daneben gibt es über 100 kleinere und mittlere Unternehmen der Branchen Bau- und Transportgewerbe, Nahrungsmittelverarbeitung, Informatik, Elektroindustrie, Holzverarbeitung, Gartenbau und mechanische Werkstätten.

Bis 2017 war die Papierfabrik Utzenstorf AG mit zuletzt 200 Arbeitsplätzen der grösste Arbeitgeber. Sie verfügte über ein Areal von 230'000 Quadratmetern.[9] Die 1892 gegründete Firma wurde nach Übernahme durch die Perlen Papier AG geschlossen und die Grundstücke per 1. Februar 2018 an die Migros verkauft.[10]

Neue Wohnsiedlungen entwickelten sich seit den 1960er Jahren vor allem am östlichen und südlichen Rand von Utzenstorf.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrsmässig recht gut erschlossen. Sie liegt an einer Verbindungsstrasse von Bätterkinden nach Burgdorf respektive nach Koppigen. Der nächste Anschluss an die Autobahn A1 (Bern-Zürich) befindet sich rund 7 km vom Ortskern entfernt. Am 26. Mai 1875 wurde die Eisenbahnlinie von Burgdorf nach Solothurn mit einem Bahnhof in Utzenstorf in Betrieb genommen. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgt eine Buslinie, welche die Strecke von Koppigen via Utzenstorf und Bätterkinden nach Messen bedient.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrhaus und Kirche 1824

Das Gemeindegebiet von Utzenstorf kann auf eine sehr lange Siedlungstradition zurückblicken. Auf den leichten Erhebungen von Bürglenhubel, Lindenrain und Bachtelenbrünnen wurden Speerspitzen und weitere Überreste aus der Jungsteinzeit gefunden. Aus der Bronzezeit stammt ein Hügelgrab mit reichen Grabbeigaben (darunter eine Gürtelkette). Nur wenige Einzelfunde lassen darauf schliessen, dass das Gebiet während der Römerzeit kaum besiedelt war.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte bereits im Jahr 949 und 1009 unter dem Namen Uranestorfus. Später erschienen die Bezeichnungen Uzonsdorf (1182), Hucenstorff (1282), Uzzestorf (1314), Utzansdorf (1329), Utzenstorf (1345) und Utzistorf (1362). Der Ortsname geht auf den althochdeutschen Personennamen Uzzo oder Uzzi zurück und bedeutet somit Dorf des Uzzo/Uzzi.

Seit seiner ersten Nennung war Utzenstorf der Mittelpunkt der gleichnamigen Grafschaft (comitatus Uranestorfus), die zum Königreich Hochburgund gehörte. Die Zähringer erbauten im 12. Jahrhundert wahrscheinlich an der Stelle eines burgundischen Vorgängerbaus eine neue Burg, die Burg Landshut. Diese ging später an ein kyburgisches Ministerialengeschlecht, das sich von Uzansdorf nannte. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Herrschaft Landshut mit Utzenstorf an verschiedene Gläubiger der Kyburger verpfändet.

Flugaufnahme 1920

1413 erwarb der Berner Rudolf von Ringoltingen diese Herrschaft, doch lag die hohe Gerichtsbarkeit fortan bei der bernischen Landvogtei Wangen. Mit dem Verkauf der Herrschaft Landshut im Jahr 1514 gelangte das Dorf unter direkte bernische Herrschaft. Das alte Herrschaftsgebiet wurde zur Landvogtei Landshut umgewandelt, welche neben Utzenstorf auch Bätterkinden, Wiler bei Utzenstorf und Zielebach umfasste. Als Sitz des Landvogtes diente das Schloss Landshut.

Nach dem Zusammenbruch des Ancien Régime (1798) gehörte Utzenstorf während der Helvetik zum Distrikt Burgdorf und ab 1803 zum Oberamt Fraubrunnen, das mit der neuen Kantonsverfassung von 1831 den Status eines Amtsbezirks erhielt.

Während des Zweiten Weltkrieges plante die Kantonsregierung den Bau des Schweizerischen Zentralflughafens Utzenstorf in der weiten Ebene südlich des Dorfes. Das Projekt scheiterte jedoch am Widerstand der Bevölkerung und wurde 1945 zugunsten des Flughafens Zürich aufgegeben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strohgedeckter Speicher an der Unterdorfstrasse
  • Die reformierte Kirche Sankt Martin im Stil der Spätgotik stammt von 1522. An der Stelle mehrerer Vorgängerbauten wurde diese Kirche unter Einbezug einiger älterer Teile, darunter des Frontturms von 1457 neu erbaut. Sie birgt wertvolle Wappenscheiben aus der Zeit der Frührenaissance.[11]
  • Das Pfarrhaus, in dem Jeremias Gotthelf seine Jugendzeit verbracht hatte, wurde 1727 errichtet.
  • Im Ortskern sind zahlreiche charakteristische Bauernhäuser mit Walmdächern und Speicherbauten (ein Speicher noch strohgedeckt) aus dem 17. bis 19. Jahrhundert erhalten. Am nördlichen Ortsrand steht das Schloss Landshut, das einzige Wasserschloss des Kantons Bern, in einem grossen Landschaftspark.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Utzenstorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gemeinde Utzenstorf: Zahlen und Fakten. In: utzenstorf.ch. Abgerufen am 27. Dezember 2012.
  2. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 29. August 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  3. Resultate der Gemeinde Utzenstorf. Staatskanzlei des Kantons Bern, 18. Oktober 2015, abgerufen am 23. April 2016.
  4. [Zahlen und Fakten] Gemeinde Utzenstorf. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  5. Mühle Landshut: Geschichte. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  6. Hanspeter Flückiger: Gautschi braucht mehr Platz. In: Berner Zeitung, Berner Zeitung. 29. Juli 2014, ISSN 1424-1021 (bernerzeitung.ch [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  7. «Der Standort ist nicht gefährdet». In: Berner Zeitung, Berner Zeitung. 16. Juni 2015, ISSN 1424-1021 (bernerzeitung.ch [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  8. fenaco Landesprodukte - Home. Abgerufen am 21. Mai 2018.
  9. Papierfabrik Utzenstorf wird geschlossen – «Das ist ein harter Schlag für die ganze Region». In: az Solothurner Zeitung. (solothurnerzeitung.ch [abgerufen am 21. Mai 2018]).
  10. Migros kauft Papierfabrik Utzenstorf In: derbund.ch, 1. Februar 2018, abgerufen am 1. Februar 2018.
  11. Armand Baeriswyl: Die Kirche Utzenstorf, ehem. St. Martin. (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 748, Serie 75). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2004, ISBN 3-85782-748-3.