Uvea (Königreich)

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Royaume coutumier d’Uvéa
Königreich Uvea
Flagge Uveas
Wappen Uveas
Flagge Wappen
Amtssprache de jure: Französisch
de facto: Wallisianisch
Hauptstadt Mata-Utu
Staatsform Königreich im französischen Überseegebiet Wallis und Futuna
Staatsoberhaupt König von Uvea Patalione Kanimoa
Regierungschef Premierminister von Uvea Mikaele Halagahu
Fläche 78 km²
Einwohnerzahl 8584 (2013)
Bevölkerungsdichte 110 Einwohner pro km²
Währung CFP-Franc
Nationalhymne Marseillaise
Zeitzone UTC+12
Kfz-Kennzeichen F
ISO 3166 WF-UV
Internet-TLD .wf
Telefonvorwahl +681
Karte des Königreichs Uvea
Karte des Königreichs Uvea

Uvea (französisch Uvéa, wallisianisch ʻUvea; selten auch Wallis (→ Wallis-Inseln)) ist ein Königreich auf den Wallis-Inseln und liegt wie die Königreiche Alo und Sigave im französischen Überseegebiet Wallis und Futuna. Nach der Verfassung von 1961 werden die drei Königreiche von Frankreich anerkannt.

Gebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des Königreichs umfasst die gesamten Wallis-Inseln. Dazu gehören die Hauptinsel Uvea, nach der das gesamte Königreich benannt ist, und einige kleinere Inseln um Uvea herum, die größtenteils nicht bebaut und auch nicht dauerhaft bewohnt sind. Das Königreich liegt 16.500 km von Paris entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1887[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um das Jahr 1450 wurde das Königreich von Uvea gegründet. 1820 wurde mit der Takumasiva-Dynastie eine bedeutende wallisianische Dynastie wiederhergestellt. Bis zum 5. April 1887 blieb Uvea ein freies Land.[1]

Historische Karte des Königreichs Uvea von 1944

Die Wallis-Inseln, das Territorium Uveas, wurden 150 Jahre nach der Entdeckung Futunas entdeckt. 1766 kam der britische Entdecker und Kapitän Samuel Wallis auf die Inseln. Seitdem ist die Inselgruppe nach ihm benannt. Das Königreich als traditionelles Land behielt aber den ursprünglichen Namen für die Insel – Uvea.

Französische Zeit ab 1887[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. April 1887 wurde das Königreich Uvea französisches Protektorat, als die Königin Amélia Tokagahahau Aliki den Protektoratsvertrag unterzeichnete.[2] Am 27. November 1887 wurde Uvea dem ebenfalls französischen Neukaledonien untergliedert. Am 5. März 1888 wurden die Wallis-Inseln mit Futuna (bzw. Horn-Inseln) zum Protektorat Wallis und Futuna zusammengeschlossen. Am 10. Juni 1909 wurde das Gesetz vom 27. November 1887 aufgehoben, jedoch blieben die Bewohner weiterhin dem Gouverneur von Neukaledonien, in seinem Amt als Hoher Kommissar des Pazifischen Ozeans, unterstellt.[1] Vom 16. Juni 1940 bis zum 27. Mai 1942 stand das Gebiet unter dem Vichy-Regime und vom 29. Mai 1942 bis zum 1. Februar 1944 unter Besatzung der Vereinigten Staaten von Amerika.

Am 29. Juli 1961 wurde Wallis und Futuna zu einem territoire d'outre-mer (TOM). Das geschah über ein Referendum über eine Verfassung zusammen mit den übrigen beiden Königreichen. Der damalige König Tomasi Kulimoetoke II. stimmte dem zu. Die Verfassung erkannte die traditionellen Könige an. Durch eine Verfassungsreform am 28. März 2003 wurde Wallis und Futuna zu einer collectivité d’outre-mer (COM), was allerdings keine weiteren Veränderungen für das Königreich mit sich brachte und de facto nur die beiden Begriffe territoire d'outre-mer (TOM) und pays d'outre-mer (POM) zusammenfasste.

Politische Krise 2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 begann eine politische Krise, als der Enkel des damaligen 50. Königs Tomasi Kulimoetoke II. betrunken einen Menschen überfahren hatte und verurteilt wurde. Der König widersetzte sich der Verhaftung seines Enkels, was das Verhältnis zum Mutterland Frankreich zum einen, aber vor allem auch das Verhältnis zu einigen Dorfvorstehern verschlechterte. Der damalige Vertreter Frankreichs in Wallis und Futuna, Xavier de Fürst, strich daraufhin die 5500 € des Königs. Es gab Unruhen wegen den Überlegungen, ob man den König ersetzen sollte. Anhänger des König besetzten allerdings auch Teile der Insel für kurze Zeit, bis ein französischer Vermittler die Autorität des Königs anerkannte und die Lage beruhigte. Tomasi Kulimoetoke II. regierte bis zu seinem Tod 2007.

Erneute Krise 2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2016 gab es eine erneute Krise, da zwei mögliche neue Könige rivalisierten. So wurde zum einen der Faipule von Hihifo, Tominiko Halagahu, am 15. April König, und der ehemalige Präsident der Territorialversammlung Wallis und Futunas, Patalione Kanimoa, am 17. April König.[3] Frankreich akzeptierte Patalione Kanimoa am 3. Juni[4], doch trotzdem haben beide eigene Minister ernannt und möchten als König regieren. Tominiko Halagahu kritisierte das Einmischen Frankreichs in die inselinternen königlichen Angelegenheiten. Es kommt dadurch weiterhin zu Spannungen, da zwei Verwaltungen koexistieren.

Bei der Inthronisation des 52. Königs gab es in Uvea heftige Auseinandersetzungen, da zwei mögliche Könige rivalisierten. Der mit Patalione Kanimoa rivalisierende ehemalige Faipule von Hihifo Tominiko Halagahu stammt aus einer königlichen Familie, die bis in die vorkoloniale Zeit zurückverfolgt werden kann. Die Häuptlinge der Distrikte Uveas oder der Dörfer von Uvea kündigten an, dass Tominiko Halagahu der neue König von Uvea nach einer zweijährigen Vakanz sein würde, die durch die Absetzung des letzten Königs von Uvea, Kapeliele Faupala, geschaffen wurde. Tominiko Halagahu wurde am 15. April 2016 inthronisiert.[5]

Andere königliche Familien erklärten jedoch, sie erkennen die Entscheidung der Häuptlinge nicht an und erklärten, dass die königlichen Familien für die Ernennung des neuen Königs zuständig sind und die Häuptlinge die Inthronisation organisieren und diese Rollenverteilung nicht verändert wird. Unter den Familien, die gegen die Nominierung waren, ist die Familie von Tomasi Kulimoetoke II., der von 1959 bis zu seinem Tod im Jahr 2007 regierte. Sie schlugen Patalione Kanimoa vor, der am 17. April 2016 durch die königlichen Familien inthronisiert wurde. Der französische Präfekt, der das Gebiet verwaltete, erklärte den örtlichen Medien, dass der Staat sich nicht in die örtlichen, traditionellen Angelegenheiten einmischen würde. Jedoch hat Frankreich zwei Gesandte aus Neukaledonien nach Uvea bestellt, um Sicherheit zu bieten. Als Resultat wurde am 3. Juni 2016 Patalione Kanimoa im Namen Frankreichs als neuer König von Uvea anerkannt.[6] Das Eingreifen Frankreichs wurde scharf kritisiert, auch vom Präsidenten der Territorialversammlung von Wallis und Futuna, Mikaele Kulimoetoke.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2013 lebten im Königreich Uvea, welches die gesamten Wallis-Inseln umfasst, 8584 Einwohner. Die Einwohnerzahl ist rückläufig; im Jahr 2003 lebten hier nämlich noch 10.088 Menschen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass es in Uvea wenig Zukunftsperspektiven gibt. Die Wirtschaft ist schwach und es werden wenige Waren zum Verkauf exportiert. Deshalb wandern viele Einwohner in das ebenfalls französische Überseegebiet Neukaledonien ab.

Die meisten Menschen leben an der Küste. Besonders Hihifo und Hahake ist stärker besiedelt oder die Flächen werden anders genutzt. Im Süden in Muʻa gibt es ein großes Waldgebiet und die Siedlungen liegen ausschließlich an der Küste.

97,3 % der Bevölkerung sind Polynesier, der Rest setzt sich vor allem aus Franzosen zusammen. Dadurch ist die Bevölkerung noch sehr einheitlich und traditionell. So ist zum Beispiel die Wallisianische Sprache heute noch die Hauptsprache. Das Französische ist zwar Amtssprache im ganzen Überseegebiet, wird allerdings nur von 10 % der Bevölkerung gesprochen und auch nur von wenigen geschrieben, da eh die Hälfte der Bevölkerung nicht lesen und schreiben kann. Deswegen ist auch in allen Angelegenheiten, die nur das Königreich alleine betreffen, das Wallisianische die bevorzugte Sprache und somit de facto Amtssprache. Auch der König nutzt für die Verwaltung der Insel das Wallisianische, während bei Entscheidungen für das gesamte Überseegebiet Französisch genutzt wird.

Ein Großteil der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche an. 1837 kamen katholische Missionare auf die Insel, sodass die Insel bis 1840 zum Katholizismus übertrat. Bis heute ist das so geblieben. Viele Sakralbauten zeugen davon. So gibt es in Uvea mehrere Kirchen, Kapellen und auch das Kloster Carmel de Ste. Therese de l'Enfant Jesus. Die Kathedrale in Mata-Utu ist die größte und bedeutendste Kirche in Wallis und Futuna. Dort ist auch der Sitz des Bistums Wallis und Futuna.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uvea untersteht der Territorialversammlung von Wallis und Futunas und dem Repräsentanten des französischen Präsidenten, dem Administrateur Supérieur von Wallis und Futuna. In der Territorialversammlung von Wallis und Futuna gehen 13 Sitze an Vertreter aus Uvea – 6 Sitze an Muʻa, 4 Sitze an Hahake und 3 Sitze an Hihifo.

Uvea gehört Wallis und Futunas 1. Wahlkreis an. Zusammen mit Alo und Sigave wird ein Senator in den französischen Senat entsandt. Zusammen mit Alo, Sigave, Neukaledonien und Französisch-Polynesien wird ein Mitglied des Europäischen Parlaments gestellt.

König[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der König von Uvea (Lavelua) ist für Angelegenheiten zuständig, die nur das Königreich betreffen und nimmt viele repräsentative Aufgaben wahr, während zum Beispiel die Entwicklungshilfen von der Verwaltung des Überseegebiets verwaltet werden. Für die Verwaltung des Königreichs selbst wird der König vom Premierminister von Uvea (Kalae kivalu) und fünf Ministern unterstützt. In jedem Distrikt gibt es mehrere Dörfer mit einem eigenen Dorfvorsteher. Insgesamt gibt es 21 Dorfchefs, die die Bewohner der Dörfer vertreten. Die Faipule als Vorsteher der Distrikte haben die Autorität durch die Dorfvorsteher, welche in der Dorfversammlung gewählt und abgewählt werden.

In Artikel 30 der Verfassung von Wallis und Futuna heißt es, dass die traditionellen Königreiche von der französischen Republik anerkannt werden. Die Gliederung in die Königreiche ist noch sehr stark vorhanden und der Einfluss der Könige und traditionellen Vorsteher ist groß. Es können auch Frauen in das Amt des Königs gewählt werden.

Wenn ein König stirbt, gibt es in der Regel eine sechsmonatige Trauerzeit, in der kein neuer König ernannt werden darf. Danach wird ein neuer König durch die königlichen Familien bestimmt. Teilweise blieb der Thron auch mehrere Jahre vakant.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Königreich Uvea ist das einzige Königreich auf Wallis und Futuna, was noch einmal in drei Distrikte aufgeteilt ist. Jeder Distrikt wird von einem Faipule geleitet. Es gibt in Uvea drei Distrikte:

In jedem Distrikt gibt es mehrere Dörfer mit einem eigenen Dorfvorsteher. Es gibt auch einige kleine Siedlungen, die einem anderen Dorf der 21 Dörfer zugeordnet sind.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Königreich Uvea liegt mit dem Hihifo Airport der internationale Flughafen von Wallis und Futuna. Von dort aus bestehen Verbindungen nach Neukaledonien und Futuna. Diese Flüge werden von Aircalin durchgeführt.

Straßennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Uvea gibt es sechs routes territoriales, die die meisten Dörfer miteinander verbinden. Die RT1 führt einmal um die Insel herum. Des Weiteren gibt es mehrere kleine Straßen, die in den Dörfern oder zu anderen Stellen führen.[8]

Schiffsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Hauptstadt des gesamten Überseegebiets, Mata-Utu, wurde von 2010 bis 2013 der wichtigste Hafen der Insel umgebaut und erneuert.[9] In Halalo gibt es außerdem einen Öl- und Flüssiggaspier.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft in Uvea ist schwach. Die meisten Menschen leben noch relativ traditionell von Subsistenzwirtschaft. Es werden zum Beispiel Kokosnüsse angebaut oder Schweine gehalten. Vor allem auch die Fischerei ist für die Wirtschaft im Königreich noch sehr bedeutend. Es gibt wenige feste Arbeitsstellen. Die Förderung von Arbeit wird auch durch Entwicklungsgelder finanziert, die allerdings eher von der Regierung von Wallis und Futuna anstatt vom Königreich selbst verwaltet werden.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ben Cahoon: Wallis and Futuna. Abgerufen am 10. September 2017.
  2. Situation géographique et repères historiques. Repères historiques. In: Wallis-et-Futuna. Institut d’Émission d’Outre-Mer (IEOM); abgerufen am 9. Dezember 2017 (französisch).
  3. Wallis et Futuna : Confusion à Wallis ; deux rois pour un royaume ! - Created by J.-T - In category: bassin-pacifique-Appli, Fil-info-appli, Politique - Tagged with: accords, blocage, conflits, désaccords, intronisation, lavelua, palais royal, Prefecture, préfet, roi, royaume d'uvea, wallis, Wallis et Futuna - Toute l'actualité des Outre-mer à 360° - Toute l'actualité des Outre-mer à 360°. Abgerufen am 16. April 2017 (fr-FR).
  4. Wallis : le Roi PATALIONE KANIMOA reconnu officiellement par l'Etat. - nouvelle calédonie 1ère. In: nouvelle calédonie 1ère. (francetvinfo.fr [abgerufen am 16. April 2017]).
  5. Wallis palace occupied to thwart enthronement. In: Radio New Zealand. 14. April 2016 (radionz.co.nz [abgerufen am 9. September 2017]).
  6. Sally Andrews, The Diplomat: Wallis: The Real Game of Thrones. In: The Diplomat. (thediplomat.com [abgerufen am 9. September 2017]).
  7. Tensions coutumières à Wallis et Futuna. In: Le Figaro.fr. 11. Oktober 2016; abgerufen am 10. Dezember 2017 (französisch).
  8. Wallis-et-Futuna (986). In: WikiSara. Fandom; abgerufen am 10. Dezember 2017 (französisch).
  9. Réception des travaux d’extension du port de commerce de Mataʻutu (9è FED – Lot n°1) – Mardi 7 mai 2013. In: Les services de l’État à Wallis et Futuna. Préfecture des îles Wallis et Futuna, 7. Mai 2013; abgerufen am 10. Dezember 2017 (französisch).
  10. Présentation économique. In: Les services de l’État à Wallis et Futuna. Préfecture des îles Wallis et Futuna, 26. April 2016; abgerufen am 10. Dezember 2017 (französisch).