Uwe Eric Laufenberg

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Uwe Eric Laufenberg, 2014 im Frankfurt LAB

Uwe Eric Laufenberg (geboren am 11. Dezember 1960 in Köln) ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter. Seit August 2014 ist er Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur studierte Laufenberg von 1981 bis 1984 an der Folkwang Hochschule Essen im Fachbereich Schauspiel und lernte sein Handwerk durch Assistenzen und Hospitanzen bei Rudolf Noelte, Dietrich Hilsdorf, Jean-Pierre Ponnelle, Peter Stein und Ruth Berghaus. 1983 debütierte er am Staatstheater Darmstadt, 1985 wechselte er als Schauspieler und Regieassistent ans Schauspiel Frankfurt, ab 1988 folgten dort seine ersten Inszenierungen − Harald Kuhlmanns Pfingstläuten, Rainald Goetz' Krieg, Ferdinand Bruckners Krankheit der Jugend und Albert Camus' Die Gerechten an einem Abend, sowie Rückkehr in die Wüste von Bernard Marie Koltès.

1990 wechselte Laufenberg ans Schauspiel Köln, wo er u.a. Merlin oder Das wüste Land, den Besuch der alten Dame sowie Clavigo inszenierte. Von 1993 bis 1997 war er Mitglied der Leitung am Schauspielhaus Zürich und erarbeitete dort unter anderem Die Räuber, Dantons Tod und Hamlet. Danach wirkte er als Oberspielleiter und Regisseur am Maxim-Gorki-Theater in Berlin, dramatisierte dort Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz, inszenierte u.a. Die Ratten, Lulu und Platonov. In den Jahren 2000 bis 2004 arbeitete Laufenberg als freier Regisseur und Schauspieler u. a. in Berlin, Brüssel, Genf und München.

Seit 1992 inszeniert Laufenberg auch Musiktheater an internationalen Häusern, beispielsweise Ariadne auf Naxos am Theatre de la Monnaie in Brüssel, Der Rosenkavalier und Lady Macbeth von Mzensk an der Semperoper Dresden, Die verkaufte Braut an der Volksoper Wien oder Tosca am Grand Théâtre de Genève. Im Sommer 2008 war seine Inszenierung von Ernst Kreneks Karl V. bei den Bregenzer Festspielen zu sehen, im Herbst 2010 sein Don Giovanni am National Center for the Performing Arts in Peking.

Intendant in Potsdam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2004 bis 2009 war Laufenberg Intendant des Hans Otto Theaters in Potsdam. Dieses war während des Neubaus nach Plänen von Gottfried Böhm zwei Jahre lang ohne festes Domizil. Laufenberg erfand das Konzept Potsdam unterwegs, inszenierte Frau Jenny Treibel nach Fontanes Roman und bespielte mit seinem Ensemble in dieser Zeit die verschiedensten Orte in der Stadt, darunter die Französische Kirche, die Orangerie von Schloss Sanssouci und das Palais Lichtenau. Das neue Haus eröffnete er am 22. September 2006 mit seiner Inszenierung der Uraufführung von Torsten Beckers Katte. In Potsdam war er auch schauspielerisch und sängerisch tätig, unter anderem in Veronika beschließt zu sterben nach Paulo Coelho und an der Seite von Dagmar Manzel in der Operette Die Fledermaus, inszeniert von Adriana Altaras.

Intendant der Kölner Oper[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab der Spielzeit 2009/2010 war Laufenberg Intendant der Kölner Oper. Hier inszenierte er Die Meistersinger von Nürnberg, die Ariadne auf Naxos, sowie einen kleinen Mozart-Zyklus (Don Giovanni, Die Entführung aus dem Serail und La clemenza di Tito). Die Leistungen seiner Intendanz wurden im Herbst 2012 von der Fachzeitschrift Opernwelt und ihrer jährlichen Umfrage unter 50 internationalen Opernkritikern mit der Auszeichnung Opernhaus des Jahres gewürdigt.[1] Es war das erste und bislang einzige Mal, dass diese Würdigung der Kölner Oper zuerkannt wurde.

„Die Oper Köln meisterte“, hieß es in der Begründung eines Kritikers, „gleich mehrere Spagate zu zahlreichen Ausweichspielstätten mit Bravour und servierte einen ambitionierten Spielplan mit Erfolg – leider wurde für den Intendanten Uwe Eric Laufenberg im unglücklichen Taktieren mit der tumben Kölner Kulturpolitik eine Blutgrätsche daraus.“[2] Denn zum Zeitpunkt der Auszeichnung war seine Intendanz bereits beendet – nach einer harten kulturpolitischen Auseinandersetzung um Sanierung oder Abriss und Neubau von Schauspiel- und Opernhaus, sowie heftiger Kämpfe um den Etat der Kölner Oper, die Laufenberg schließlich zur Bitte um Auflösung seines bis 2016 laufenden Vertrages bewegte.[3] Nach öffentlichem Hick-Hack, fristloser Kündigung und Rechtsstreit kam es schließlich zur einvernehmlichen Kündigung des Vertragsverhältnisses per 31. August 2012.[4] In der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt wurden die Kölner Ereignisse auch als Ärgernis des Jahres gewählt.[5]

Die von Laufenberg für 2012/2013 geplanten Produktionen von Le nozze di Figaro, Così fan tutte und Parsifal wurden vor seiner Nachfolgerin allesamt umgesetzt, allerdings ohne Laufenberg als Regisseur. Im August 2013 erschien in einem Potsdamer Verlag seine literarische Aufarbeitung der Kölner Erfahrungen in Romanform. "Palermo" beschreibt die kulturpolitischen Possen und Querelen rund um ein Opernhaus, transponiert nach Sizilien.[6][7] Von 2013 bis 2015 erarbeitete Laufenberg Wagners gesamten Ring des Nibelungen im neuen Musiktheater Linz, eine Tetralogie der Intrigen und Machtkämpfe. Es dirigierte Dennis Russell Davies.

Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits vor seinem Antritt als Intendant des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden im August 2014 war Laufenberg mit heftiger Kritik konfrontiert, weil er ankündigte, teilweise dreißig Jahre alte Produktionen – wie Hänsel und Gretel, La traviata und La Bohème – durch neue Inszenierungen ersetzen zu wollen.[8] Als Eröffnungspremiere seiner Intendanz wählte Laufenberg Die Frau ohne Schatten von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss. Seine Inszenierung kam sowohl beim Publikum, als auch bei der Kritik sehr gut an.[9] Im Oktober 2014 hatte schließlich am Staatstheater Darmstadt das neu gegründete Hessische Staatsballett seine erste Premiere, gegründet und geleitet von den beiden Staatstheatern in Darmstadt und Wiesbaden, wiederum erfolgreich.[10] Die Premiere der – aus Augsburg übernommenen – La Bohème erreichte gemischte Kritiken, insgesamt aber „herzliche bis begeisterte Zustimmung“.[11] Laufenberg führte auch sogleich die verschiedenen Kinder- und Jugendtheatersparten seines Hauses im neuen Projekt "JUST" (Junges Staatstheater) unter der Leitung seines Schwagers Carsten Kochan zusammen.

Elektra, Regie: Uwe Eric Laufenberg, Staatsoper Wien 2015[12]

Im März 2015 inszenierte Laufenberg die Neuproduktion der Elektra von Hofmannsthal und Strauss an der Wiener Staatsoper. Es dirigierte Mikko Franck, die zentralen Partien sangen Anna Larsson (Klytämnestra), Nina Stemme (Elektra), Ricarda Merbeth (Chrysothemis), Falk Struckmann (Orest) und Norbert Ernst (Aegisth). Bereits im November 2014 war der Regisseur von den Bayreuther Festspielen eingeladen worden, die Inszenierung des Parsifal für 2016 zu übernehmen − nachdem das Konzept des ursprünglich vorgesehenen Jonathan Meese als unfinanzierbar eingestuft und der umstrittene Künstler wieder ausgeladen worden war.

Im Mittelpunkt der Spielzeit 2016-17 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden steht Wagners Ring des Nibelungen in einer Überarbeitung der Linzer Fassung, nunmehr mit Alexander Joel am Pult. Die zentralen Rollen übernehmen Gerd Grochowski (Wotan) und Margarete Joswig (Fricka), Andreas Schager (Siegfried) und Catherine Foster (Brünnhilde).

Laufenberg ist mit der Journalistin Eva-Maria Götz-Laufenberg verheiratet. Das Ehepaar hat eine Tochter und lebt im Wiesbadener Stadtteil Biebrich.[13]

Die Schwester des Regisseurs, Iris Laufenberg, ist seit 2015 Intendantin des Schauspielhauses Graz.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeit online, dpa Newsticker vom 1. Oktober 2012.
  2. Wiesbadens designierter Intendant rechnet ab, SWR, 30. August 2013.
  3. Laufenberg verlässt die Kölner Oper, Die Welt, 2. Mai 2012.
  4. In einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger rechnete Laufenberg schonungslos mit der in seinen Augen dilettantischen Kulturpolitik Kölns ab: „In Köln nichts undenkbar“, 14. Juni 2012. Daraufhin wurde die erbetene Vertragsauflösung am 21. Juni vom Hauptausschuss des Rates der Stadt Köln in eine fristlose Kündigung umgewandelt. Eine Entschuldigung des Intendanten wurde nicht akzeptiert: Stadt feuert Intendant Laufenberg, Kölner Stadt-Anzeiger, 20. Juni 2012. Gegen diese Kündigung reichten Laufenbergs Anwälte bei dem Amtsgericht Köln und dem Bühnenschiedsgericht Klage ein. Im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung kam es zur einvernehmlichen Auflösungsvertrag zum 31. August 2012. Die Parteien einigten sich auf folgende Sprachregelung: "Der Kölner Oberbürgermeister dankt Laufenberg für seine herausragende künstlerische Leistung und wünscht ihm für die Zukunft alles Gute. Des Weiteren legt die Stadt in einer Unterlassungserklärung fest, dass nicht mehr behauptet werden kann, Laufenberg habe seinen in seinem Vertrag festgelegten künstlerischen Etat überzogen." Vgl. Oper Köln die letzten Tage Protokoll auf Laufenbergs Homepage, 12. August 2012, abgerufen am 24. September 2014.
  5. Oper 2012 Das Jahrbuch, Kritikerumfrage auf den Seiten 94 bis 120, sowie der Artikel Opernhaus und Ärgernis des Jahres: Macht des Schicksals? Undurchsichtig, unberechenbar, unerhört: Köln und seine Oper - ein (kultu-)politisches Sittenbild in fünf Episoden von Christoph Vratz und Albrecht Thiemann
  6. Rache für Köln – Ein echter Opernintendant macht das Kulturleben zum Roman. In: Die Zeit. 21. August 2013, abgerufen am 19. November 2014.
  7. Kölns Ex-Opernchef Uwe Eric Laufenberg rechnet ab. In: Bonner Generalanzeiger. 20. August 2013, abgerufen am 9. September 2014.
  8. Eine Online-Petition erbrachte knapp 1.500 (von 10.000 angestrebten) Unterschriften für die Erhaltung der alten Inszenierungen. Vgl. Endgültiges Aus für Kultproduktionen im Staatstheater Wiesbaden, Wiesbadener Tagblatt, 6. Dezember 2013, d Petition ans Theater, Wiesbadener Tagblatt, 23. Januar 2014, sowie Petition für den Erhalt der klassischen Inszenierungen am Staatstheater Wiesbaden Petitionsseite auf Openpetition, abgerufen 2. Dezember 2014.
  9. „Er stellt das Stück nämlich vom Kopf auf die Füße.“ (Deutschlandfunk, 16. September 2014) „Die Klarheit seiner Erzählung, die lebendige Personenführung und vor allem die Leidenschaft, mit der das Ensemble auf der Bühne des Staatstheaters agiert, kommen der verschwurbelten Märchenhandlung zugute.“ (Wiesbadener Kurier, 15. September 2014) „Einstand mit Paukenschlag.“ (op-online, 15. September 2014)
  10. „Drei mitreißende Aufführungen, drei starke Choreografen - ein voller Fusionserfolg.“ (KulturZeit 3sat, abgerufen am 2. Dezember 2014)
  11. „Einzelne Buhs bezogen sich wohl eher auf die Entscheidung, eine neue „Bohème“ zu zeigen, als auf die neue „Bohème“ selbst. Deren flaue und dekorative Aspekte hier insofern anscheinend als innovativ durchgingen.“ (Frankfurter Rundschau, 14. Oktober 2014) „[…] und es gibt vereinzelte Buhrufe für das zweite Bild, das allerdings auch musikalisch verwackelt und nicht premierenreif ist. Im Schlussapplaus aber dominiert herzliche bis begeisterte Zustimmung für die aus Augsburg übernommene Produktion. Neben dem Ensemble wird Generalmusikdirektor Zsolt Hamar gefeiert, der einen atmenden, glühend beseelten Puccini dirigiert, in dem das Staatsorchester mit schönen Solobeiträgen glänzt. Eine solche Zustimmung auf breiter Front war eigentlich nicht zu erwarten. “ (Wiesbadener Kurier, 13. Oktober 2014)
  12. Dieses Bild zeigt Anne Schwanewilms in der Rolle der Chrysothemis, welche sie an der Wiener Staatsoper bislang noch nicht gesungen hat, da sie nach der Fotoprobe erkrankte. Für sie sprang Ricarda Merbeth ein.
  13. Er ist wieder da Opernnetz, 23. Juli 2014, abgerufen 9. September 2014.
  14. Andrea Schurian: Keine Lust auf verstaubtes Theater, Der Standard (Wien), 17. Juni 2014, abgerufen am 9. November 2016.