Uwe Junge

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Uwe Junge (2016)

Uwe Junge (* 16. September 1957 in Hildesheim) ist ein deutscher Offizier (Oberstleutnant a.D.) und Politiker (AfD). 2015 wurde er Landesvorsitzender der AfD Rheinland-Pfalz. Seit 2016 ist er Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender seiner Fraktion.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uwe Junge wurde 1957 in einer Vertriebenenfamilie geboren; sein Vater, ein gelernter Maler und Restaurator, war selbst Bundeswehrsoldat. Er besuchte nach der Volksschule in Lingen zunächst das Gymnasium Neustadt am Rübenberge und erwarb 1975 die Mittlere Reife im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Von 1975 bis 1978 absolvierte er eine Berufsausbildung zum Schriftsetzer.

Junge ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er lebt im Landkreis Mayen-Koblenz.

Militärischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung, Dienstposten, Einsätze und Beförderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1978 trat er als Unteroffizieranwärter in die Bundeswehr ein; er schlug im Laufe der Zeit zwei Laufbahnwechsel ein und wurde später Berufsoffizier. 1983/84 bildete er sich zum Industriemeister Druck (Satzherstellung) in Biberach und zum staatlich geprüften Drucktechniker in Düsseldorf weiter. 1988 besuchte er die Fachschule des Heeres für Erziehung und Wirtschaft in Darmstadt. Junge wurde zunächst als Zugführer und Kompaniechef verwendet; 1996 war er im Rahmen des IFOR-Einsatzes in Kroatien.

Im Jahre 2001 besuchte er die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg. Von 2002 bis 2007 diente er im Bataillon für Operative Information 950 in Mayen und Koblenz. 2003 war er im Rahmen des ISAF-Einsatzes im Provincial Reconstruction Team (PRT) in Kunduz. Von 2007 bis 2014 war er im Zentrum Operative Information der Bundeswehr (ZOpInfoBw) in Mayen tätig. 2011 folgte ein weiterer Auslandseinsatz in Kunduz. Von 2014 bis 2016 war er Dezernatsleiter im neu aufgestellten Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr (ZOpKomBw) in Mayen.[1] Der Oberstleutnant des Heeres ist im Oktober 2016 aus dem aktiven Dienst ausgeschieden.

Er ist Mitglied im Deutschen Bundeswehrverband.

Vorwurf der Diskriminierung einer Untergebenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahresbericht 2016 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags[2] wird ein anonymisiertes Fallbeispiel geschildert, wonach ein Vorgesetzter eine lesbische Soldatin diskriminiert, also benachteiligt haben soll. Unter anderem habe er ihr gegenüber geäußert: „Ehe und Familie sind in Artikel 6 Grundgesetz besonders geschützt: Mutter + Vater + Kinder; die Nation braucht deutsche Kinder“. Ein gerichtliches Disziplinarverfahren sei wegen der Freistellung vom Dienst zur Wahrnehmung eines politischen Amtes und des ohnehin anstehenden Ausscheidens aus der Bundeswehr nicht angestrengt worden. Ein Verstoß gegen die Grundsätze der Inneren Führung und die Fürsorgepflicht (§ 10 III SG) wurde allerdings festgestellt. Nach Informationen der Allgemeinen Zeitung aus Mainz soll es sich bei dem Vorgesetzten um Junge handeln. Die Bundeswehr und Junge wollten dazu keine Stellung nehmen.[3][4]

Vorwurf des Verstoßes gegen das Mäßigungsgebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Vorwurf des Verstoßes gegen das Mäßigungsgebot führten 2017 Äußerungen Junges aus dem Jahr 2016 über Angela Merkel sowie über die Polizei und Innenbehörde von Köln wegen der Vorfälle in der Silvesternacht 2015/16. Aus Sicht der Ermittler verstoßen beide Aussagen gegen das sogenannte Mäßigungsgebot, das für aktive Soldaten bei politischer Betätigung gilt[5].

Politische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteimitgliedschaften und Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junge war zunächst Mitglied der Jugendorganisation der Union, der Jungen Union. Von 1975 bis 2009 war er Parteimitglied der CDU, anschließend unter René Stadtkewitz von Ende 2010 bis September 2011 Mitglied der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit. Junge trat nach eigenen Angaben noch vor Gründung der AfD aus der Partei Die Freiheit aus.

Im März 2013 trat er der AfD bei. Junge war von 2013 bis 2015 stellvertretender Kreisvorsitzender der AfD Mayen-Koblenz sowie Mitglied des Bundesfachausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik. Im Mai 2015 wurde er stellvertretender Landesvorsitzender und nach der Spaltung der Partei im Juli 2015 als Nachfolger von Uwe Zimmermann Landesvorsitzender der AfD Rheinland-Pfalz.

Er war Koordinator des vergleichsweise moderaten[6] Landeswahlprogramms 2016 und wurde am 10. November 2015 zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016 gewählt. Seine Partei sieht er als „bürgerliche Volkspartei“.[1]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalpolitik in Mayen-Koblenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junge wurde bei den Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz 2014 für die AfD mit 11.454 Stimmen in den Kreistag Mayen-Koblenz gewählt. Dort war er von 2014 bis 2016 Fraktionsvorsitzender. 2014 wurde er stellvertretendes Mitglied des Schulträgerausschuss und 2016 des Kreisausschusses.

Rheinland-pfälzische Landespolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Landtagswahl im März 2016 zog er über die Landesliste seiner Partei, die vor Ort 11,7 Prozent der Zweitstimmen holte, in den 17. Landtag von Rheinland-Pfalz ein. Als Direktkandidat im Wahlkreis Andernach (Wahlkreis 11) erreichte er 11,5 Prozent der Erststimmen und landete damit hinter den Bewerbern von SPD (37,6 Prozent) und CDU (36,3 Prozent) an dritter Stelle. Am 17. März 2016 wählte die 14-köpfige AfD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag Junge zu ihrem Vorsitzenden.

Er ist ordentliches Mitglied des Ältestenrates, des Haushalts- und Finanzausschusses, der Rechnungsprüfungskommission und des Zwischenausschuss sowie stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Inneres, Sport und Landesplanung (siehe Ausschüsse des rheinland-pfälzischen Landtages).

Junge war Mitglied der 16. Bundesversammlung, die im Februar 2017 zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten zusammentrat.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Uwe Junge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andreas Speit: Bürgerliche Scharfmacher. Deutschlands neue rechte Mitte – von AfD bis Pegida. Orell Füssli Verlag, Zürich 2016, ISBN 978-3-280-05632-5, S. 102.
  2. Deutscher Bundestag, 18. WP, Drucksache 18/10900, Unterrichtung durch den Wehrbeauftragten. Jahresbericht 2016 (58. Bericht) vom 24. Januar 2017, S. 34.
  3. Markus Lachmann: Lesbische Soldatin diskriminiert. In: Allgemeine Zeitung, 26. Januar 2017, S. 6.
  4. Uwe Junge soll Soldatin diskriminiert haben. zur Sache Rheinland-Pfalz!, Südwestrundfunk, 26. Januar 2017 (ardmediathek.de).
  5. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Rheinland-Pfalz: AfD-Fraktionschef soll Immunität verlieren - SPIEGEL ONLINE - Politik. Abgerufen am 8. März 2017.
  6. Kai Arzheimer: Wer steht zur Wahl?, Rheinland-Pfalz 2016, AfD. Bundeszentrale für politische Bildung, 17. Februar 2016.