Uzun Hasan

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Das Reich der Weißen Hammel unter Uzun Hasan

Uzun Hasan (اوزون حسن deutsch: ‚Langer Hasan‘; * 1423 in Diyarbakır; † 6. Januar 1478 in Täbris) war ein Herrscher der turkmenischen Aq Qoyunlu. Er herrschte über Teile von Westiran, Irak und Anatolien. Seine Regentschaft dauerte von 1453 bis 1478.

Sein Großvater Qara Yoluq Osman Bey, ein Sohn der Prinzessin Maria von Trapezunt, wurde nach erfolgreicher Teilnahme an der Schlacht bei Ankara 1402 gegen die Osmanen von Timur als Verwalter in Diyarbakır eingesetzt.[1] Von dort kontrollierte er die Städte Erzincan, Mardin, Urfa und Sivas. Qara Yoluq konnte seine Herrschaft über diese Gebiete eine Zeit lang gegen andere rivalisierende Stämme und Fürstentümer durchsetzen. Im Kampf gegen Iskandar von den Qara Qoyunlu unterlag er jedoch und starb 1435 im Alter von 80 Jahren bei Erzurum an seinen Wunden. Mit Qara Yoluqs Tod trat auch eine Phase innerer Wirren bei den Aq Qoyunlu ein (die auch das Territorium schrumpfen ließen), bis diese von Uzun Hasan bei seiner Thronbesteigung 1453 beendet wurden.[2]

Der älteste Sohn Uzun Hasans hieß Oghurlu Mohammed und war der Sohn einer Sklavin (umm walad). Chalil Mirza, Yakub Bey, Yusuf Bey und möglicherweise Masih Bey waren Söhne seiner seldschukischen Hauptfrau (mahd-i ʿulyā) Schah-Begum. Die Mutter seines Sohnes Zeynel, der in Hasankeyf begraben liegt, ist unbekannt.

1458 heiratete Hasan nochmals, diesmal Theodora Megale Komnena, die uneheliche Tochter des Herrschers des Kaiserreichs Trapezunt, Johannes IV. Komnenos.[3] Sie war auch unter dem Namen Despina Chatun bekannt und lebte fernab in Harput. Despina blieb Christin und wurde in einer Kirche in Diyarbakır begraben. Mit ihr hatte Uzun Hasan drei Töchter und einen Sohn namens Jacob, der angeblich nach Hasans Tod durch dessen Brüder erdrosselt wurde. Eine der Töchter, Martha (auch Halime genannt), heiratete Scheich Haidar von Ardabil und wurde so die Mutter von Schah Ismail I.[4] Eine weitere Tochter namens Alam-Schah-Begum wurde mit Scheich Haidars Sohn Ali Mirza verheiratet. Uzun Hasans Hauptfrau Schah-Begum übernahm eine aktive Rolle in den Regierungsgeschäften.

1467 besiegte Hasan Dschahan Schah, den Herrscher der turkmenischen Qara Qoyunlu.

Uzun Hasan unterhielt gute Kontakte zum Kaiserreich Trapezunt. Als die Osmanen das Kaiserreich annektieren wollten, stand er auf der Seite des Kaisers. Diese Unterstützung half aber nicht, sodass die Osmanen Trapezunt am 26. Oktober 1461 einnahmen. Uzun Hasan selbst unterlag den Osmanen 1471 bei Erzincan und am 11. August 1473 in der Schlacht von Otlukbeli.

Sein ältester Sohn Oghurlu Mohammed Bey rebellierte gegen den Vater. Er flüchtete später zum osmanischen Sultan, wurde aber dann auf Geheiß Uzun Hasans getötet.

Der venezianische Diplomat Ambrogio Contarini berichtete nach einer Reise, die er 1474 nach Persien unternahm, von Uzun Hasan. Er sollte im Auftrag Venedigs mit den Aq Qoyunlu ein Bündnis gegen die Osmanen zustande bringen. Uzun Hasan empfing ihn im Oktober 1474 in Isfahan freundlich, doch es kam zu keinem Bündnis beider Seiten. Ein weiterer venezianischer Diplomat, der Uzun Hasan besuchte, war Giosafat Barbaro.

Nach einem Zug gegen Georgien erkrankte Uzun Hasan und starb Anfang 1478 in der Hauptstadt Täbris. Hasans Nachfolger wurde sein Sohn Yaqub Bey. Etwa 30 Jahre nach seinem Tod wurde sein Reich durch seinen Enkel Isma'il, Herrscher der Safawiden, beseitigt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Robert Roemer: Persien auf dem Weg in die Neuzeit. Iranische Geschichte von 1350-1750. Ergon Verlag Würzburg, Beirut 2003, ISBN 3-89913-038-3, S. 187: „Dann nahm er [Qara Yoluq] 804/1402 an der Schlacht von Ankara teil [...] Den Führer der Aq Qoyunlu ernannte Timur zum Lohn für seine Dienste zum Emir und übertrug ihm das ganze Gebiet von Diyarbakr zu Lehen.“
  2. Roemer: Persien auf dem Weg in die Neuzeit. S. 188–189, 201–202.
  3. John Freely: The Grand Turk. Sultan Mehmet II - Conqueror of Constantinople, Master of an Empire and Lord of Two Seas. New York 2009, S. 124.
  4. Walther Hinz: Irans Aufstieg zu Nationalstaat im fünfzehnten Jahrhundert. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1936, S. 41, 96: „Sie [Despina Hatun] gebar ihrem Gemahl [Uzun Hasan] in der Folgezeit drei Töchter, deren eine die Mutter Schah Isma'ils des Reichsgründers werden sollte [...].“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition, Artikel Uzun Hasan von V. F. Minorsky
  • Peter B. Golden: An Introduction to the History of the Turkic Peoples, Otto Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden 1992, S. 366–372.
  • Walter Hinz: Irans Aufstieg zum Nationalstaat im Fünfzehnten Jahrhundert, Walter De Gruyter & Co., Berlin 1936. Aufstieg Uzun Hasans S.34-71; zum Wesen des Aq Qoyunlu-Staates S.101-122.
  • Hans Robert Roemer: Persien auf dem Weg in die Neuzeit. Iranische Geschichte von 1350-1750, Ergon Verlag Würzburg. Für das Leben und Wirken Uzun Hasans v. a. S. 202–214.
  • John E. Woods: The Aqquyunlu. Clan, Confederation, Empire. Revised and Expanded Edition, University of Utah Press, Salt Lake City 1999.