Väterbewegung

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Die Väterbewegung ist ein in den 1970ern und 80ern entstandener Teil der Männerrechtsbewegung[1][2][3] mit besonderem thematischen Schwerpunkt im Bereich des Sorge- und Unterhaltsrechts.[4][5]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die geforderte Aufkündigung der exklusiven Zuständigkeit der Frauen für die Haus- und Familienarbeit durch die zweite Welle der Frauenbewegung geriet auch die Vaterrolle in eine gesellschaftliche Umdeutung: Weg vom als autoritär, befehlend, strafend und auf Beruf und Krieg vorbereitend empfundenen traditionellen Vater, hin zu einem emotional kompetenten Vater, der sich für die Familie Zeit nimmt.

Die Väterbewegung greift dieses als neu empfundene Vaterbild auf.[6] Wichtige Aktionsfelder ranken sich um die Verwerfungen, die sich bei den Transformationen und Auflösungen der Geschlechterrollen ergeben haben. So sei die traditionelle Vaterrolle noch immer in Recht, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft manifest. Dies führe zu einer strukturellen Benachteiligung der Neuen Väter. Als eine soziale Bewegung zielt die Väterbewegung auf die Überwindung dieser Benachteiligung mit dem Ziel, Vater und Mutter gleichzustellen und ein neues Vaterbild zu prägen und zu leben. In diesem Zusammenhang wird hervorgehoben, dass die Verlängerung der Arbeitszeiten und die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse sowohl Männern als auch Frauen die Erfüllung ihrer Verantwortung gegenüber den Kindern erschwert.[7][8]

An vielen Orten haben sich Selbsthilfeorganisationen und Vereine gebildet, wie der Väteraufbruch für Kinder und das Väterzentrum Berlin die Väter in ihrer Rolle stärken und fördern.

Innerhalb der Väterbewegung lässt sich noch die Väterrechtsbewegung benennen. Ihr thematischer Schwerpunkt liegt im Bereich der rechtlichen Benachteiligung von Vätern insbesondere im Familienrecht, z. B. in Bezug auf das Sorgerecht und das Umgangsrecht.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut einer Schätzung 2006 sind etwa 8.000 Männer in der Väterbewegung engagiert. Ihre mediale Präsenz sei hoch.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jocelyn Elise Crowley: Conflicted Membership: Women in Fathers' Rights Groups. In: Sociological Inquiry. 79, Nr. 3, 2009, S. 328–350. doi:10.1111/j.1475-682X.2009.00293.x.
  2. Anna Gavanas in: Michael Kimmel, Amy Aronson (Hrsg.): Men & Masculinities: A Social, Cultural, and Historical Encyclopedia. Vol. 1. ABC-CLIO, Santa Barbara, Kalif. 2004, ISBN 1-57607-774-8, Fathers' Rights, S. 289 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Molly Dragiewicz: Equality with a vengeance: Men's rights groups, battered women, and antifeminist backlash. Northeastern University Press, Boston 2011, S. 13, 84–85, ISBN 978-1-55553-738-8.
  4. Michael A. Messner: The Limits of the „Male Sex Role“: An Analysis of the Men's Liberation and Men's Rights Movement's Discourse. In: Gender & Society. 12, Nr. 3, 1998, S. 255–276. doi:10.1177/0891243298012003002.
  5. Michael A. Messner: "Changing Men" and Feminist Politics in the United States. In: Theory & Society. 22, Nr. 5, 1993, S. 723–737. doi:10.1007/BF00993545.
  6. Vater werden, Vater sein, Vater bleiben. Dokumentation einer Fachtagung des Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung am 24/25. Mai 2002 in Berlin. Schriften zur Geschlechterdemokratie Nr. 5 (online; PDF; 567 kB)
  7. Heike Friauf: Vorbildliche Väter. In: junge welt vom 20. Februar 2008 (Beilage Feminismus)
  8. Tina Groll: Auch für “Männer sind Beruf und Kinder schwer vereinbar” In: Die Zeit online vom 25. März 2010.
  9. Mechthild Bereswill, Kirsten Scheiwe, Anja Wolde: Vaterschaft im Wandel: multidisziplinäre Analysen und Perspektiven aus geschlechtertheoretischer Sicht. 2006, Seite 78