Vöhrum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vöhrum
Stadt Peine
Wappen von Vöhrum
Koordinaten: 52° 20′ 32″ N, 10° 11′ 6″ O
Höhe: 63 m ü. NHN
Einwohner: 7168 (30. Sep. 2010)
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 31228
Vorwahl: 05171
Vöhrum (Niedersachsen)
Vöhrum

Lage von Vöhrum in Niedersachsen

Vöhrum (niederdeutsch Vührm) ist mit 7168 Einwohnern[1] die größte Ortschaft im Landkreis Peine in Niedersachsen. 1974 wurde Vöhrum nach Peine eingemeindet und ist seither ein Ortsteil.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vöhrum liegt etwa vier Kilometer westlich von Peine, ist aber durch den Ortsteil Telgte im Osten bebauungsmäßig bereits mit der Stadt verbunden. Vöhrum grenzt direkt an die Region Hannover an. Im Süden begrenzt die Bahnstrecke Hannover-Braunschweig den Ort, im Norden die moorige Fuhseniederung.

Nachbarorte sind Peine, Sievershausen, Telgte (statistischer Bezirk von Peine), Eixe, Berkum, Landwehr, Rosenthal und Schwicheldt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stein mit Gründungsjahr am Ortseingang
Gemarkungskarte des Amtes Peine aus dem Jahr 1729
Schautafel am Standort der Wasserburg Vöhrum
Das zum Wohnhaus umgebaute ehemalige Zollhaus
Eines der ältesten noch erhaltenen Gehöfte in Vöhrum in Form eines Zweiständerhauses

Funde im Bereich des Dorfes, vor allem südlich, lassen auf erste Ansiedlungen bereits in der Jungsteinzeit schließen. Ein genaues Datum der Gründung der Ortschaft ist nicht bekannt, aufgrund der Namensendung -um kann man jedoch von einer Gründung in der Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert nach Christus ausgehen. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1022, als „Vordem“ in einer Aufzählung der Besitztümer des Bistums Hildesheim auftauchte. Das Dorf Vöhrum entwickelte sich an einer Furt des Flusses Fuhse, worauf auch noch die alten Dorfnamen Vorden (erstmals erwähnt um 1013, nach anderen Quellen auch Vordem) und Kerchvorden (1380) hinweisen.

In diese Zeit datiert auch die Wasserburg Vöhrum des Typs Motte, die um 1180 erbaut worden ist. Im Zeitraum 2004/2005 fanden archäologische Ausgrabungen statt.[2] Dabei wurden über 200 Pfähle gefunden, von denen einige Reste im Kreismuseum Peine ausgestellt sind. Heute weist eine am Rande des Grabungsgebietes aufgestellte Informationstafel auf die Existenz der Burg hin.

Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Vöhrum in die Grafschaft Peine eingegliedert, wechselte in den folgenden Jahren aber noch häufig den Besitzer.

Bis ins 14. Jahrhundert ist noch von „groten Vordem“, „lutteken Vordem“ und „Kerchvorden“ die Rede, also Großvöhrum, Kleinvöhrum und Kirchvöhrum. Danach ist Groß Vöhrum nicht mehr auf Karten zu finden und wird auch nicht mehr erwähnt. Der Grund für diese Aufgabe des Dorfes ist unbekannt. Aus dieser Zeit stammt auch das erste Kirchengebäude (1370 zum ersten Mal urkundlich erwähnt), welches heute in unmittelbarer Nähe der evangelischen Kirche als Wohnhaus dient.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Vöhrum immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, die Hildesheimer Stiftsfehde führte dazu, dass Vöhrum 1526 in den Pfandbesitz der Stadt Hildesheim überging, und sorgte indirekt dafür, dass in Vöhrum die Reformation durchgeführt wurde. 1553 erfolgte dann die Rückgabe an den Stift Hildesheim. 1608 wurde zum ersten Mal der Name Vöhrum verwendet.

Vöhrum stellte bis 1807 einen Grenzübergang zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und dem Bistum Hildesheim dar. Daran erinnert noch das alte Zollhaus am westlichen Ortsausgang. 1803 führte der Reichsdeputationshauptschluss dazu, dass der Stift Hildesheim und damit Vöhrum dem Königreich Preußen zugeschlagen wurde. 1807 wurde Vöhrum nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt jedoch bereits wieder im neu gegründeten Königreich Westphalen eingegliedert. Ab diesem Zeitpunkt war Vöhrum kein Grenzdorf zwischen zwei Ländern mehr. Seit 1814 gehörte Vöhrum zum Königreich Hannover. 1829 wurde die erste Brücke über die Fuhse nach Eixe gebaut, 1843 der Vöhrumer Bahnhof an der Bahnstrecke Hannover-Braunschweig fertiggestellt. Seit 1885 gehörte Vöhrum dann zum neu gegründeten Landkreis Peine.

Die Schachtanlage Peine I/II mit beiden Fördertürmen

In den Jahren 1928–1929 wurde der Mittellandkanal in der Nähe von Vöhrum ausgehoben. Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf Vöhrum, mit einem hohen Anteil von Arbeitern im Walzwerk Peine, hart. 1938 wurde an der Vöhrumer Gemeindegrenze Eisenerz entdeckt und beschlossen, einen Schachtanlage und Wohnungen für die Bergarbeiter zu bauen. Vöhrum verzeichnete daraufhin noch einmal ein starkes Wachstum.

Vöhrum wurde während des Zweiten Weltkrieges nicht beschädigt und am 10. April 1945 an die anrückende amerikanische Armee kampflos übergeben.

Im Schacht Peine I / II ereignete sich am 22. Januar 1946 kurz nach der Wiederinbetriebnahme ein schwerer Seilfahrtunfall bei dem 46 Menschen starben und eine Person schwer verletzt wurde. Der Schacht wurde 1968 nach 14 Millionen Tonnen geförderten Erzes aufgegeben und viele Gebäude abgebrochen. Heute erinnert noch der Schachtberg, das ehemalige Schachtgelände mit einigen Gebäuden (bis vor ein paar Jahren Sitz der Firma Elmeg, die aber an die Firma Funkwerk verkauft wurde und seitdem in Peine ihre Räume hat) und die ehemaligen Schachtarbeiterhäuser in der Nähe an diesen Teil der Vöhrumer Geschichte.

Ein positiver Nebeneffekt dieses Erzabbaus ist heute noch in der Umgebung in Form von vielen Kiesgruben zu sehen, die zum Teil als Badesee (Eixer See) oder Angelteich genutzt werden. Der Kies wurde verwendet um die ausgeerzten Schächte zu verfüllen.

1973 sollte in den noch nicht verfüllten Teilen der Schachtanlage Industriemüll eingelagert werden. Diese Pläne wurden jedoch nach massiver Gegenwehr der Vöhrumer Bevölkerung aufgegeben.

Am 1. März 1974 wurde im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform die Gemeinde Vöhrum aufgelöst und ist seitdem ein Ortsteil der Stadt Peine.[3]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1664: 0233
  • 1772: 0287
  • 1821: 0696
  • 1848: 0693
  • 1910: 1247
  • 1919: 1243
  • 1938: 1466
  • 1946: 3558
  • 1961: 3331[3]
  • 1966: 4000
  • 1970: 4575[3]
  • 1972: 5000
  • 1983: 6365
  • 2004: 7196
  • 2007: 7232

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche in Vöhrum
Die katholische Kirche St. Josef
  • Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Vöhrum hat neben ihrer Kirche von 1700 noch ein Pfarrhaus sowie ein Gemeindehaus.
  • Die aus dem Jahr 1960 stammende katholische St.-Josef-Kirche an der Burgdorfer Straße fällt durch ihr markantes Äußeres auf. Zuvor bestand bereits ab 1948 eine Notkapelle in einem Fachwerkhaus, da sich nach 1945 katholische Heimatvertriebene im seit der Reformation evangelischen Vöhrum niedergelassen hatten. Die St.-Josef-Kirche ist seit 2006 eine Filialkirche der Pfarrgemeinde „Zu den Heiligen Engeln“ in Peine.
  • Des Weiteren gibt es noch eine neuapostolische Kirche, die sich gegenüber dem Friedhof befindet und zum Kirchenbezirk Braunschweig gehört.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vöhrum hat einen gemeinsamen Ortsrat mit den Ortsteilen Eixe und Landwehr. Ortsbürgermeister ist Dirk Franz (SPD).[4]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt eine goldene Steinbrücke über einem doppelten silbernen Wellenbalken auf einem roten Schild. Die Brücke steht für die aus dem Ortsnamen erkenntliche Querungsmöglichkeit der Fuhse, denn der Name „Vöhrum“ leitet sich von „Furtheim“ ab. Die Furt wurde später durch den Bau einer festen Brücke ersetzt. Der silberne Wellenbalken symbolisiert die Fuhse und war ursprünglich bis zum Jahr 2000 ebenfalls golden. Die Farben Rot-Gold weisen auf die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum ehemaligen Fürstbistum Hildesheim hin.

Das Wappen wurde am 7. Juli 1951 durch den niedersächsischen Innenminister genehmigt, der Entwurf stammt von Rudolf Dehnke.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windmühle von Vöhrum

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die evangelisch-lutherische Kirche im Ortskern stammt aus der Zeit um 1700 und wurde an die Reste einer noch älteren Kirche aus dem 16. Jahrhundert angebaut. Als besonders sehenswert gelten die handgeschnitzten Figuren am Altar, die auf das Jahr 1480 geschätzt werden. Die denkmalgeschützte Orgel wurde 1778 durch den Orgelbauer Johann Conrad Müller aus Hildesheim erbaut.
  • Die Holländerwindmühle von 1891 steht am nördlichen Ortsausgang Richtung Sievershausen. Seit dem Frühjahr 2011 zur „Niedersächsische Mühlenstraße“ angeschlossen. Nur Außenbesichtigung ist möglich.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Berufsbildungszentrum (BBZ) Vöhrum befindet sich ein Stadion, das neben einem Fußballplatz und einer Tartanbahn auch eine Stabhochsprunganlage sowie eine große Flutlichtanlage besitzt. Der TSV Arminia Vöhrum nutzt diese Anlage für Leichtathletik-Wettkämpfe und Fußballspiele. Ein weiterer Fußballplatz mit Flutlichtanlage befindet sich hinter dem Dorfgemeinschaftshaus und wird ebenfalls vom TSV Arminia Vöhrum genutzt.

Am BBZ gibt es ebenfalls eine große Sporthalle mit Tribüne, die für Wettkämpfe genutzt wird. Diese, sowie die Sporthalle der Grundschule „Hainwaldschule“, werden vom TSV Arminia Vöhrum genutzt.

An der Posener Straße befinden sich sechs vom TSV betriebene Tennisplätze sowie eine von der Schützengilde betriebene Bogenschießanlage.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2010 gegründete "Heimat- und Kulturverein Vöhrum-Eixe-Landwehr" unterstützt verschiedene Veranstaltungen in Vöhrum. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Ortsgeschichte, die Heimatstube "Rumpelkammer" und das kulturelle Leben (z.B. Filmnacht, Osterfeuer, Themenabende) in Vöhrum aktiv zu gestalten. 2011 wird durch Mitglieder die Bücherei in Vöhrum weiter betrieben, die vor der Schließung stand.

Unter dem Namen „Vöhrum hat's“ wurde 1999 eine Werbegemeinschaft Vöhrumer Geschäftsleute gegründet die u.a. ein jährliches Maibaumfest organisiert.

Der Sportverein TSV Arminia Vöhrum bietet die Sportarten Basketball, Fußball, Leichtathletik, Handball, Volleyball, Tischtennis und Turnen an und hat ein Vereinsheim an der Posener Straße.

Die Vöhrumer Schützengilde, welche anbietet, den Schießsport auszuüben, und die Vöhrumer Junggesellschaft organisieren das jährliche Schützenfest sowie einige weitere Veranstaltungen wie z.B. ein Seifenkistenrennen zu dem ebenso die ehemalige Abordnung und nun eigenständige, ortsansässige Mädchengemeinschaft ihren Teil beiträgt.

Außerdem gibt es in Vöhrum noch die Laienspielgruppe der HUKL-Bühne sowie den „Männergesangverein von 1888 e.V.“. Ein gemischter (Volks-)Chor gestaltet zudem das Ortsleben mit Konzerten an unterschiedlichen Orten im Dorf. Des Weiteren besteht noch ein Posaunenchor.

Am westlichen Ende hinter Grundschule, Sportplatz, Dorfgemeinschaftshaus und Kindertagesstätte befindet sich der ca. 5 ha große Schrebergartenverein "KGV Erholung".

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Berufsbildungszentrum

Einige Unternehmen („Pelikan AG“, „Hoffmann - Glasbau“ und „Deufol“) haben ihren Sitz bzw. einen Teil der Produktion in Vöhrum ebenso wie zahlreiche Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen.

Vöhrum verfügt über einen städtischen Kindergarten, einen evangelischen Kinderspielkreis, die Grundschule „Hainwaldschule“ sowie ein Berufsbildungszentrum, in dem sich eine Berufsbildende Schule befindet. Die Räume werden aber auch noch von anderen Einrichtungen wie z.B. der Kreisvolkshochschule genutzt. 2001 neu gebaut wurde die IGS Vöhrum, die seit 2007 auch eine gymnasiale Oberstufe anbietet.

Segelflugplatz „Glindbruchkippe“

Vöhrum ist ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Hannover-Braunschweig und wird stündlich in beide Richtungen bedient. Vöhrum gehört zum Verbundtarif Region Braunschweig, die GVH bietet jedoch auch einen speziellen Tarif für Monatskarten an. Die Fahrtzeit nach Hannover bzw. Braunschweig beträgt je ca. 20 Minuten. Es besteht eine halbstündliche Busverbindung nach Peine. Die zentrale Lage Vöhrums ist vorteilhaft, die Städte Braunschweig und Hannover sind in kurzer Zeit über die A2 zu erreichen, die Städte Hildesheim, Celle und Salzgitter über Bundesstraßen. Des Weiteren befindet sich in der Vöhrumer Feldmark auf der sogenannten Glindbruchkippe der gleichnamige Segelflugplatz . Hierbei handelt es sich um eine 15 m hohe, künstliche Halde, die aus Bodenaushub des Mittellandkanals entstanden ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Von Vorden nach Vöhrum. (Eine Ortschronik). Ortsrat Vöhrum-Eixe-Landwehr, Vöhrum 1983.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Peine online - Vöhrum in Zahlen
  2. Braunschweigische Landschaft e.V.: Wasserburg Vöhrum
  3. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 217.
  4. Die Ortsräte der Stadt Peine und ihre Mitglieder, abgerufen am 28. Mai 2017
  5. Arnold Rabbow: Neues Braunschweigisches Wappenbuch. Braunschweiger Zeitungsverlag, Meyer Verlag, Braunschweig 2003, ISBN 3-926701-59-5, S. 130.