V-Bomber

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Als V-Bomber wurden die drei strahlgetriebenen strategischen Bomber der britischen Royal Air Force bezeichnet. Sie wurden in den späten 1940er Jahren entwickelt, in den 1950er Jahren in Dienst gestellt und trugen allesamt ein V als ersten Buchstaben der Typbezeichnung; Zitat (Rowland White): „Along with the Vulcan and a third bomber, the Vickers Valiant, the Victor had made up the RAF's V-bomber force.“, vgl. 'Vulcan 607, 2nd Ed., 2012, Corgi Edition: Seite 79, Abs 2. Alle drei Flugzeug-Typen waren für den Einsatz von Kernwaffen konzipiert, konnten aber auch konventionelle Abwurf- und später (abgesehen von Valiant) auch Lenkwaffen tragen.[1]

Die V-Bomber waren eine neue Generation des britischen Bombenflugzeugbaus und lösten die kolbenmotorbetriebenen, relativ preiswerten und für den Masseneinsatz konzipierten schweren Bomber des Zweiten Weltkrieges wie die Avro Lancaster,[2] die Handley Page Halifax, die Short Stirling[3] und auch die zuvor von den US-Amerikanern gelieferte B-29 ab.[4][5][6]

Zitat Rowland White: „RAF Waddington sits on Lincolnshire heights, five miles south of the county’s cathedral city. Carved from flat, well drained farmland during the First World War, it wasn’t until the RAF’s rapid expansion in the late 1930s that Waddington became a significant bomber base. Although operations were flown on the first day of the Second World War, it wasn’t an auspicious start. The Handley Page Hampdens of 44 and 50 Squadrons failed to identify the German fleet and returned to Waddo after dropping their bombs into the North Sea. With the introduction of Lancasters in 1941, things improved dramatically <…> By 1956 with the formation of 230 Operational Conversion Unit, she became home to the RAF’s first Vulcans and the piston-engined heavies were consigned to history.“ reference: 'Vulcan 607, 2nd Ed., 2012, Corgi Edition: page 101, Abs 4 and page 120 Abs. 1.

Übersetzung: „Der <Fliegerhorst> RAF-Waddington befindet sich auf den Lincolnshire Höhen, fünf Meilen südlich der Dom- und Bezirkshauptstadt. Während des Ersten Weltkriegs auf flachem, gut entwässertem Ackerland errichtet, dauerte es bis zum raschen Wachstum der britischen Luftwaffe in den späten 1930-ern, dass Waddington zu einer bedeutenden Bomber Basis wurde. Auch wenn Operationen vom ersten Tage des Zweiten Weltkriegs von hier aus geflogen wurden, war es kein verheißungsvoller Anfang. Die Hadley Page Hampdens der 44-igsten sowie 55-igsten Geschwader scheiterten dabei, die deutsche Flotte zu finden und kehrten zum Fliegerhorst zurück, nachdem sie ihre Bomben über der Nordsee abgeworfen hatten. Mit Einführung der Lancaster 1941 änderten sich die Sachlage dramatisch <…> Mit der Aufstellung der 230-igsten Einheit zur Operationsanpassung während des Jahres 1956 wurde er <der Fliegerhorst, Anm. d. Übersetzers> das Zuhause der ersten Vulcans und die kolbengetriebenen Schwerlastflieger wurden der Geschichte anheim gegeben.“ Zitatbezug: 'Vulcan 607, 2nd Ed., 2012, Corgi Edition: Seite 101, Abs 4 sowie Seite 120 Abs. 1.

Ein vergleichbares Flugzeug ihrer Zeit war die sowjetische Tu-16.[7]

Die Aufgabe als strategischer Kernwaffen-Träger verloren sie aber spätestens Ende der 1960er Jahre aufgrund der wachsenden Leistungsfähigkeit der modernen Luftabwehr. Als Rückgrat der britischen Atomstreitmacht im Kalten Krieg wurden sie durch die Atom-U-Boote der Resolution-Klasse ersetzt, die von den USA gelieferte Polaris-Raketen führten.[8]

Danach erhielten sie andere Aufgaben als strategischer Fernaufklärer, Tankflugzeug und konventioneller Freifall-Bomber. Besonders die als Teil der V-Bomber Kräfte in Norfolk stationierten Handley Page H.P.80 Victor sowie die Victor K2 des 55-igsten und 57-igsten Geschwaders wurde für Luftbetankungszwecke eingesetzt, während die Vulcans im Fliegerhorst Waddington dieser Aufgabe bereits früher nicht mehr zugewiesen wurden. In diesen Rollen kamen sie auch in einigen Konflikten zum Einsatz; Zitat (Rowland White): „For the last ten years <1972-1982>, though, the remaining Victors had served exclusively as air-to-air refuelling tankers“, vgl. 'Vulcan 607, 2nd Ed., 2012, Corgi Edition: Seite 79, Abs 2.[9]

Diese Typenfamilie bildete den Höhepunkt und läutete gleichzeitig auch den Anfang vom Ende des eigenständigen britischen Flugzeugbaus ein. Nach den V-Bombern und dem späteren BAC-TSR-2-Desaster beschaffte die Royal Air Force, neben den einheimischen Mustern Harrier, Buccaneer und Hawk aufgrund der enormen Kosten nur noch Gemeinschaftsprojekte wie den Jaguar, den Tornado oder den Eurofighter. Diese Entwicklung bewirkte letztendlich, dass die großen britischen Luftfahrtpioniere Avro (1963), Handley Page (1970) und Vickers (in BAE Systems aufgegangen) aufgeben mussten.

Die Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die V-Bomber-Flotte erreichte ihren quantitativen Höhepunkt im Juni 1964, als 50 Valiants, 39 Victors und 70 Vulcans im aktiven Dienst standen. Die Valiant wurde für die ersten britischen Kernwaffentests[12] genutzt, danach aber recht schnell zum Tanker umgerüstet,[13] hatte die kürzeste Einsatzdauer und musste schon 1964 wegen Materialermüdung außer Dienst genommen werden. Die Victor wurden nach dem Ausscheiden der Valiants zum Tankflugzeug umgebaut und erst 1993 außer Dienst gestellt. Sie hatte mit 35 Jahren die längste Einsatzdauer der drei Flugzeugtypen. Einzig die Vulcan verblieb überwiegend in ihrer ursprünglichen Aufgabe als Bomber und wurde 1984 endgültig ausgemustert. Somit sind inzwischen alle V-Bomber außer Dienst gestellt.

Kampfeinsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SVG Refuelling Plan Black Buck 1.svg

Während der Sueskrise 1956 griffen Valiants ägyptische Flugplätze an.[14] Die Basis für diese Angriffe war Luqa auf Malta, das zu diesem Zeitpunkt noch britische Kolonie war. Zwischen 1962 und 1966 wurden während des Borneo-Konfliktes zwei Victor als Bomber eingesetzt.

Die mit Sicherheit letzten und für die Vulcan auch ersten Kampfeinsätze flogen die verbliebenen V-Bomber 1982 während des Falklandkrieges im Rahmen der Operation Black Buck.[15] Hierbei wurde eine Vulcan als Bomber und elf Victor als Tanker erfolgreich eingesetzt, um die Landebahn des Flugplatzes von Port Stanley vom 6.250 km entfernten Ascension aus anzugreifen.[16][17] Bei späteren Einsätzen wurden Radarstellungen mit Lenkwaffen vom Typ AGM-45 Shrike angegriffen.

Technische Daten im Vergleich[18][19][20][21][22][23][24][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Avro Vulcan 698 B.MK 2 HP Victor BMk.2 Vickers 667 Valiant
Typ Mittlerer Bomber Mittlerer Bomber Mittlerer Bomber
Besatzung 5 (+1 Tankoperator) 5 5
Antrieb 4 × Rolls-Royce Olympus Mk103 (je 88,9 kN) 4 × Rolls Royce Conway 201 (je 87,88 kN) 4 × Rolls-Royce RA.28 Avon (je 44,7 kN)
Höchstgeschwindigkeit 1.038 km/h in 12.000 Höhe 1.024 km/h 912 km/h
Dienstgipfelhöhe 19.810 m 18.300 m 16.460 m
Reichweite 7.400 km 7.360 km 7.000 km
Länge 30,45 m 34,95 m 32,99 m
Höhe 7,95 m 8,97 m 9,80 m
Spannweite 33,83 m 36,80 m 34,85 m
Flügelfläche 368,26 m² 241 m² 219 m²
Leergewicht 37.144 kg 41.275 kg 34.419 kg
Max. Startgewicht 113.400 kg 97,980 kg 63.503 kg
Bewaffnung Blue Steel CM, 454-kg-Bomben (1.000 Lb), max. Waffenlast ca. 9.500 kg Blue Steel, 35 × 454-kg-Bomben, max Waffenlast ca. 15.890 kg 1 × 4.540-kg-Bombe oder 21 × 454-kg-Bomben, max Waffenlast ca. 9.500 kg
Produzierte Einheiten 134 (45 B.1 & 89 B.2) 86 107
Erstflug 30. August 1952 24. Dezember 1952 18. Mai 1951
Indienststellung 1956 1958 1955
Außerdienststellung 1984 1993 1964

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Downey, Bob, V-Bombers, Arms and Armour Press, 1985.
  2. Middlebrook, Martin, The Berlin Raids: RAF Bomber Command Winter 1943-44, Penguin, 1990
  3. Brooks, Andrew, V-Force: The History of Britains Airborne Deterrent, Jane's, 1982.
  4. Jackson, Robert - World Military Aircraft since 1945, Ian Allan 1979
  5. Jackson, Robert, Avro Vulcan, Patrick Stephens, 1984
  6. Jones, Barry, V-Bombers: Vilant, Vulcan and Victor, Crowood Press, 2000.
  7. Laming, Tim, The Vulcan Story: 1952-2002, Cassell, 2002
  8. Ring, Jim, We Come Unseen: The Untold Story of Britain's Cold War Submarines, John Murray, 2001
  9. vgl. a.: 'Vulcan 607', 2nd Ed., 2012, Corgi Edition: Seite 125, Abs 3 sowie Seite 127, Abs. 2
  10. Brookes, Andrew, Handley Page Victor, Ian Allen, 1998.
  11. Bulman, Craig, The Vulcan B.Mk2 from a Different Angle, Pentland Press, 2001
  12. Wynn, Humphrey, RAF Nuclear Deterrent Forces, HMSO, 1994
  13. Cruddas, Colin, In Cobham's Company: Sixty Years of Flight Refuelling Limited, Cobham, 1994.
  14. Delve, Ken, RAF Marham: The Operational History of Britains Front-line Base from 1916 to the Present Day, Patrick Stephens, 1995
  15. Burden, Rodney, Micheal Draper, Douglas Rough, Colin Smith, David Wilton: Falklands: The Air War, Arms and Armour Press, 1986.
  16. Rowland White, Vulcan 607 - The Epic Story of the Most Remarkable British Air Attack since the Second World War (Special 30th Anniversary Ed.), Corgi, 2012 (zweite Ausg.)
  17. 'Victor Flight', Aircraft Illustrated, Oktober 1986; Gething, Michael J., 'The Black Buck Raids', Vulcan News, November 2000
  18. 'The V-Bombers - Avro Vulcan - Part 1', Aeroplane Monthly, OCT 1980;
  19. The V-Bombers - Avro Vulcan - Part 2', Aeroplane Monthly, NOV 1980;
  20. The V-Bombers - Avro Vulcan - Part 3', Aeroplane Monthly, DEC 1980;
  21. The V-Bombers - Handley Page Victor - Part 1', Aeroplane Monthly, JAN 1981;
  22. The V-Bombers - Handley Page Victor - Part 2', Aeroplane Monthly, FEB 1981;
  23. The V-Bombers - Handley Page Victor - Part 3', Aeroplane Monthly, FEB 1981;
  24. 'Jets', Vulcan Special, Winter 1999