VDI/VDE Innovation + Technik

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VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT)

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Rechtsform GmbH
Gründung 1. April 1978
Sitz Berlin-Charlottenburg
Leitung Peter Dortans, Dr. Werner Wilke
Mitarbeiterzahl 461[1]
Umsatz 47 Mio. Euro (2017)[2]
Branche Forschung
Website vdivde-it.de

Die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (kurz: VDI/VDE-IT) ist ein Projektträger sowie Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen für verschiedene Bundes- und Landesministerien, die Europäische Kommission sowie die Finanzwirtschaft und die Industrie, dort vor allem für Kleine und mittlere Unternehmen. Im Fokus stehen gesellschaftliche und technische Herausforderungen wie Digitalisierung, demografischer Wandel, Mensch-Technik-Interaktion, Elektromobilität, Elektronik, Gesundheit, Bildung und Fragen der Innovationspolitik.[3][2]

Gesellschafter des 1978 gegründeten Unternehmens sind der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE).

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Standorten Berlin, Dresden, München und Stuttgart erstellt das Unternehmen im Auftrag Studien zu Innovationen und Technik. Es organisiert und unterhält Kontakt- und Geschäftsstellen für öffentliche Förderprogramme. Außerdem organisiert das Unternehmen für Ministerien die Forschungsförderung im Rahmen von Förderprogrammen. Als Projektträger ist das Unternehmen eine Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Forschung.

Als Projektträger unterstützt und berät die VDI/VDE-IT Bundes- und Landesministerien sowie die Europäische Kommission dabei, öffentliche Mittel effizient für Innovationen und Technik einzusetzen. Im Jahr 2016 hat die VDI/VDE-IT für ihre Auftraggeber rund 510 Mio. Euro Fördermittel bewirtschaftet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970er: Gründung und erste Aufträge der Bundesregierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Aufkommen der Mikroelektronik waren deutsche mittelständische Unternehmen mit einem technologischen Wandel konfrontiert, dem sich Unternehmen in den Vereinigten Staaten und Japan bis in die 1970er besser angepasst hatten. Auswirkungen dieser nicht erfolgten Umstellung auf Mikroelektronik innerhalb ihrer Produkte gab es in Form von Arbeitsplatzverlusten und Umsatzrückgängen beispielsweise in der Uhren-, Druck- und Unterhaltungsindustrie.[4][5][6] Daraufhin beschloss die Bundesregierung 1978 dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Kleinen und mittleren Unternehmen sollte bei Anpassungsschwierigkeiten durch die schnellen Fortschritte der Mikroelektronik geholfen werden. Dazu wurde in Berlin zum 1. April 1978 das VDI-Technologiezentrum (VDI-TZ) als Abteilung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) gegründet.[7] Dieses Unternehmen sollte zum technologischen Wandel in den Bereichen Mikroelektronik und Physikalische Technologien beraten, Belegschaften weiterbilden und andere Unternehmen bei der Ausarbeitung von Förderanträgen unterstützen.[8]

1980er: Ausgliederung und Wandel der Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 übernahm das VDI-TZ als Projektträger das Programm „Einstieg in die Mikroelektronik für KMU mit strukturbedingten Anpassungsschwierigkeiten“ des Bundesforschungsministeriums für Bildung und Wissenschaft. In den Folgejahren managte das VDI-TZ ab 1981 für die Bundesregierung ein Sonderprogramm zur Förderung der Anwendung in der Mikroelektronik im Umfang von 300 Mio. D-Mark.[7] Ab 1983 standen dann außerdem Programme zur Förderung von technologieorientierten Unternehmensgründungen im Mittelpunkt.

Sechs Jahre nach Gründung des Unternehmens wurde der Themenbereich „Physikalische Technologien“ 1984 ausgegliedert und wurde Grundlage des VDI-Technologiezentrums Düsseldorf. Der verbliebene Teil des Unternehmens firmierte am Standort Berlin in den folgenden zwei Jahren als VDI-Technologiezentrum Informationstechnik. Im Jahr 1986 trat der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE) als zweiter Gesellschafter bei und das Unternehmen wurde umgewandelt in die VDI/VDE-Technologiezentrum Informationstechnik GmbH (VDI/VDE-IT). Ab 1987 unterhielt die VDI/VDE-IT ein Verbindungsbüro in China, um die deutsch-chinesische Kooperation in der Elektronik und Informationstechnik zu unterstützen.[7]

1990er: Internationale Ausrichtung und Aufbau Ost[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Fall der Berliner Mauer befasste sich die VDI/VDE-IT ab 1989 auch mit dem Aufbau Ost. Schwerpunkte waren hier Förderprogramme zur Mikrosystemtechnik sowie die Ausweitung der Gründungsprogramme auf die ostdeutschen Bundesländer, in deren Rahmen bis 1996 rund 370 Unternehmen neu gegründet wurden.[7] Ab 1992 setzte die VDI/VDE-IT für das Bundesministerium für Wirtschaft zudem ein Innovationsförderungsprogramm in den ostdeutschen Bundesländern um. Im Folgejahr verlegte das Unternehmen seinen Sitz ins brandenburgische Teltow und suchte damit die Nähe zu jungen, technologieorientierten Unternehmen. Ebenso wurden die Beratungsaktivitäten ab 1993 auch international ausgerichtet. Im Rahmen des 3. EU-Forschungsrahmenprogramms entstanden in diesem Zeitraum an vier Standorten in ganz Deutschland sogenannte EU-Verbindungsbüros für Forschung und Technologie, sogenannte Value Relay Centre. Die Koordination des später in Innovation Relay Centre umbenannten Netzwerks übernahm für Norddeutschland ab 1995 die VDI/VDE-IT. In den folgenden Jahren leistete das Unternehmen zudem in zehn mittel- und osteuropäischen Ländern Beratungshilfe. Ab 1994 setzte das Unternehmen in Ostdeutschland unterschiedliche Förderprogramme im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie um. Dabei unterstützte die VDI/VDE-IT beispielsweise über 180 Innovationsprogramme in den ostdeutschen Bundesländern mit rund 75 Mio. D-Mark aus dem SED-Parteivermögen.[9][7] Von 1997 bis 2001 unterstützte die VDI/VDE-IT mit der Umsetzung des ersten Gründerwettbewerbs des Bundeswirtschaftsministeriums die Gründung von über 1.000 Unternehmen mit mehr als 5.000 Arbeitsplätzen.

2000er: Neue Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der 2000er eröffnete das Unternehmen Geschäftsstellen in München und Dresden, erweiterte seinen Fokus und befasste sich auch mit den Themenfeldern Erneuerbare Energien, Elektromobilität, IT-Sicherheit sowie der schulischen, beruflichen und Hochschulbildung. In diesem Zeitraum der thematischen Erweiterung erfolgte im Jahr 2004 die Umbenennung des Unternehmens in VDI/VDE Innovation + Technik GmbH.[7]

2006 wurde der Firmensitz dann erneut verlegt. Diesmal in das denkmalgeschützte Hoechst-Haus in Berlin-Charlottenburg. Ein Schwerpunkt des Unternehmens ist Ende der 2000er die Förderung der Elektromobilität. Dazu organisierte die VDI/VDE-IT im Jahr 2008 die Nationale Strategiekonferenz Elektromobilität im Auftrag verschiedener Bundesministerien und wirkte drei Jahre später an der Erarbeitung eines Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität mit und war außerdem als Projektträger des Bundesumweltministeriums in diesem Bereich tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Management von Wirtschaftsnetzwerken, sogenannten Clustern. In diesem Bereich unterstützt das Unternehmen das Bundeswirtschaftsministerium im Clustermanagement. Zur Unterstützung der ClusterAgentur Baden-Württemberg eröffnete die VDI/VDE-IT 2014 ein Projektbüro in Stuttgart.

2010er: Digitalisierung und Gesundheitsforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem Jahr 2012 übernahm das Unternehmen neue Projektträgerschaften für das Bundesministerium für Bildung und Forschung und befasst sich seither mit der Forschungsförderung in den Bereichen Mensch-Technik-Interaktion sowie IT-Sicherheitsforschung, Mikroelektronik und autonomes Fahren.[10]

Seit dem Jahr 2014 betreibt die VDI/VDE-IT ein Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) nach ISO-Norm 27001. Das Qualitätsmanagement des Unternehmens wurde 2016 nach der ISO-Norm 9001 zertifiziert.[11]

Seit 2015 betreut die VDI/VDE-IT im Rahmen der Digitalen Agenda für das Bundesbildungsministerium als Projektträger das Thema Digitaler Wandel in Bildung, Wissenschaft und Forschung. Für das Bundesgesundheitsministerium ist das Unternehmen seit dem Jahr 2017 als Projektträger für die Ressortforschung verantwortlich.

Firmenstruktur und Geschäftsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die VDI/VDE-IT setzt sich zusammen aus insgesamt zehn Fachbereichen und fünf Querschnittsabteilungen. Die Mitarbeiter kommen aus den Bereichen Natur-, Ingenieur-, Gesellschafts-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften.

Die zehn Fachbereiche[12]:

  • Administratives Projektmanagement
  • Bildung und Wissenschaft
  • Demografischer Wandel und Zukunftsforschung
  • Elektronik- und Mikrosysteme (teilweise am Standort Dresden)
  • Gesellschaft und Innovation
  • Industrielle Forschung und Innovation (Standort München)
  • Innovation und Kooperation
  • Internationale Technologiekooperationen und Cluster (teilweise am Standort Stuttgart)
  • Kommunikationssysteme, Mensch-Technik-Interaktion, Gesundheit
  • Zukunftstechnologien und Europa

Fünf Querschnittsabteilungen nehmen Unterstützungsaufgaben für die Fachabteilungen wahr:

  • Digitalisierung
  • Informationsmanagement und Datenverarbeitung
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Strategische Unternehmensentwicklung
  • Unternehmensverwaltung

Für die Erstellung von Studien, Evaluationen und Prognosen, die den Auftraggebern zur Planung von Forschungsförderungen oder für die Organisations- und Produktentwicklung dienen, unterhält das Unternehmen seit 2007 das Institut für Innovation und Technik (iit) mit Repräsentanzen in den Vereinigten Staaten von Amerika, Chile, Argentinien, Peru und Frankreich.

Auftraggeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auftraggeber der VDI/VDE-IT sind u. a.:[10]

Aktuelle und abgeschlossene Förderprogramme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für seine Auftraggeber setzt der Projektträger VDI/VDE-IT zahlreiche Förderprogramme oder Teile dieser Programme um. Dazu gehören unter anderem:[13]

  • Mensch-Technik-Interaktion für den demografischen Wandel (BMBF)
  • Kommunikationssysteme und IT-Sicherheit (BMBF)
  • Elektroniksysteme/Elektromobilität (BMBF)
  • Bund-Länder-Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: offene Hochschulen“ (BMBF)
  • Digitaler Wandel in Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBF)
  • Digitale Hochschullehre (BMBF)
  • mFund (BMVI)
  • Erneuerbar Mobil (BMUB)
  • ZIM – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (BMWi)
  • Automatisiertes und vernetztes Fahren (BMVI)
  • Ressortforschung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)
  • Informations- und Kommunikationstechnik (Bayern)
  • ProFIT – Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien (Berlin)
  • Nationale Kontaktstelle Mensch-Technik-Interaktion im Demografischen Wandel (BMBF) zum EU-Förderprogramm Horizont 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresbericht der VDI/VDE-IT (PDF, abgerufen: Oktober 2018)
  2. a b Unternehmenspräsentation (PDF, abgerufen: Oktober 2018)
  3. Bundesbericht Forschung und Innovation (abgerufen: Juli 2017)
  4. Mikroelektronik – eine neue Dimension von technischem Wandel und Automation, S. 5 (abgerufen: August 2017)
  5. Ein Radikaler in der Industrie in: Die ZEIT 15/1978 (abgerufen: August 2017)
  6. Kann die Uhrenindustrie überleben? (abgerufen: August 2017)
  7. a b c d e f Unternehmensgeschichte auf vdivde-it.de (abgerufen: August 2017)
  8. Bundestagsdrucksache Nr.: 08/2107 vom 19. September 1978 (PDF, abgerufen: Juni 2017)
  9. Bundestags-Drucksache Nr. 13/5691, S. 2 (abgerufen: August 2017)
  10. a b Referenzen auf vdivde-it.de (abgerufen: Juli 2017)
  11. Zertifizierungen auf vdivde-it.de (abgerufen: Juni 2017)
  12. Fachbereiche des Unternehmens auf vdivde-it.de (abgerufen: Juli 2017)
  13. Aufträge auf vdivde-it.de (abgerufen: Juli 2017)