VDO Automotive

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VDO

Rechtsform Marke
Gründung 1929
Auflösung 2008
Sitz Regensburg, Deutschland (bis 2001 Frankfurt am Main)
Mitarbeiterzahl 53.000 (30. September 2006)
Umsatz 10,0 Mrd. € (2006)
Branche Automobilelektronik und Automobilmechatronik
Website www.vdo.de

VDO ist eine Marke für Automobilelektronik und -mechatronik des weltweit tätigen Automobilzulieferers Continental AG.[1][2] Bis 2008 wurde sie unter dem Namen VDO Automotive AG als separates Unternehmen geführt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

VDO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deuta-Tachometer eines historischen DAAG-Postbusses aus dem Jahr 1925

Die Firma VDO (Vereinigte Deute-Ota) entstand 1929 durch den Zusammenschluss der Deuta (damals: Deutsche Tachometer-Werke GmbH; heute: DEUTA-WERKE GmbH) mit der OTA Apparate GmbH (Offenbacher Tachometer-Werke).[4] Aus dem Firmenteil Automobil der Deuta wurde später die VDO Adolf Schindling Tachometerwerke GmbH, die wiederum zur VDO Adolf Schindling AG wurde. 1978 wurden die Firmen IWC und Jaeger-LeCoultre (mechanische Armbanduhren) zugekauft.

Die Alleinerbin von Adolf Schindling, Liselott Linsenhoff, verkaufte den gesamten Besitz 1991 an Mannesmann. Zuvor wurden bereits die Unternehmensbereiche VDO Luftfahrt (heute zu: Diehl Aerospace), VDO Marine, VDO Verkehrsleittechnik (heute zu: Designa) und VDO Mess- und Regelungstechnik (heute: tecsis GmbH, Teil der WIKA Group)[5][6][7] veräußert. Daraufhin wurde die Mannesmann Kienzle GmbH (Tachographen und Taxameter) in die Mannesmann VDO AG integriert. 1998 folgte die Akquisition des Philips-Geschäftszweiges Philips Car Communications (Audio und Autonavigation) welcher dann als VDO Dayton firmierte. 1999 wurde die VDO-Sparte Fahrrad-Computer an die Firma Cycle Parts GmbH in Rohrbach/Landau verkauft. Diese bietet weiterhin Fahrrad- und Puls-Computer unter der Marke VDO an.

2001 übernahm Vodafone die Mannesmann AG, behielt deren Telekommunikationsanteile und beabsichtigte zunächst, die industriellen Geschäftsbereiche, darunter die VDO, die bereits Mannesmann im Abwehrkampf der Übernahme unter dem Namen ATECS („Advanced Technologies“) zusammengefasst hatte, an die Börse zu bringen. Dies kam jedoch nicht zustande, da die Siemens AG zusammen mit der Robert Bosch GmbH diese Bereiche übernahm. Siemens übernahm dabei aus Wettbewerbsgründen allein die VDO, während Bosch den Rexroth-Bereich übernahm. Durch den Zusammenschluss mit der Siemens Automotive AG entstand so ein führender Zulieferer von Automobilelektronik und -mechatronik.

Siemens Automobiltechnik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siemens AG gründete 1989 den eigenständigen Geschäftsbereich Automobiltechnik. 2000 wurde der Bereich Automobiltechnik aus der Siemens AG als Siemens Automotive AG ausgegliedert und im folgenden Jahr 2001 mit VDO zur Siemens VDO Automotive AG fusioniert.[3]

Siemens VDO Automotive (AG)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand 2005 hatte die Siemens VDO ca. 50.800 Mitarbeiter, einen Umsatz von 9.6 Milliarden EUR, 630 Millionen EUR Gruppen-Gewinn und 913 Millionen EUR für Forschung & Entwicklung.[3]

Im März 2006 wurde Siemens VDO Automotive AG rechtlich in die Siemens AG integriert. Die Firmen- und Produktmarken „Siemens VDO“ und „VDO Dayton“ wurden nach der Integration des Unternehmens weitergeführt. Der Bereich trug innerhalb der Siemens AG den Namen „Siemens VDO Automotive“.

Am 25. Januar 2007 gab Siemens die Absicht bekannt, seinen Bereich Siemens VDO Automotive an die Börse zu bringen, wobei die Aktienmehrheit sowie die industrielle Führung weiterhin bei Siemens bleiben sollten.[8] Am 1. Juni 2007 wurde der Geschäftsbereich wieder unter dem alten Namen als „Siemens VDO Automotive AG“ ausgegliedert.

Am 25. Juli 2007 entschied der Aufsichtsrat der Siemens AG, die Siemens VDO Automotive AG für 11,4 Mrd. € an die Continental AG zu verkaufen. Seit dem 5. Dezember 2007 ist die ehemalige Siemens VDO Automotive AG vollständig im Besitz der Continental AG.[9][10][11]

VDO Automotive AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Erwerb der Siemens VDO Automotive AG durch Continental wurde die Firma am 10. Dezember 2007 in das Handelsregister unter dem Namen VDO Automotive AG eingetragen.

Am 1. April 2008 wurde die Elektromotoren-Sparte an die Brose-Unternehmensgruppe verkauft.[12][13] Dies umfasst Fensterhebermotoren und Antriebe für ABS/ESP, Heizung/Lüftung (HVAC), Motorkühlung, elektrische Lenkungen, Schiebedächer, Doppelkupplungen (DCT) sowie Parkbremsen.

Continental Automotive GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Juni 2008 verschmolz die VDO Automotive AG in die Continental Automotive GmbH. Im November 2008 gab Continental bekannt, zum Jahresende die Marke VDO Dayton und deren Endkundengeschäft aufzugeben. Die Produktion und der Vertrieb von portablen und nachrüstbaren Navigationsgeräten, sowie Autoradios und DVD-Playern wurde eingestellt. Allerdings wird das OEM-Geschäft mit Kfz-Herstellern wie VW und BMW mit Navigations- und Multimedialösungen fortgeführt. 2019 wurde der Bereich Powertrain in eine eigene Gesellschaft überführt: Vitesco Technologies.[14][15]

Konzernstrukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Siemens VDO war in vier Geschäftsbereiche eingeteilt, die wiederum jeweils mehrere Bereiche beinhalteten. Diese Bereiche waren:[3]

Chassis & Safety[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Motor Drives
  • Safety & Chassis Electronics

Interior Electronics & Infotainment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Infotainment Solutions
  • Information Systems Passenger Cars
  • Interior Controls
  • Radio Navigation

Powertrain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Diesel Systems
  • Engine Actuators, Air and Emissions Management
  • Electronics & Drivetrain
  • Fuel Supply Systems
  • Gasoline Systems
  • Sensors

Commercial Vehicles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Eingliederung in den Continental-Konzern gingen diese Geschäftsbereiche in den neu entstandenen Divisionen Powertrain, Interior und Chassis & Safety ein.

Produkte (Beispiele)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tachometer von VDO in einem BMW 2002 ti Alpina

Die Continental Automotive GmbH bietet damit unter anderem folgende Produkte (siehe auch dort):

Chassis & Safety[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interior & Infotainment[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Powertrain[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abgasregelsysteme
  • Elektronische Getriebesteuerung
  • Hybridlösungen
  • Kraftstofffördereinheiten (Module aus Kraftstoffpumpen, Vorratsgeber, Druckregler und Filter)
  • Piezo-Common-Rail-Systeme (PCR)
  • Piezo-Pumpe-Düse-Einspritzsysteme (PPD)
  • Systeme und Komponenten für die Einspritzsysteme in Ottomotoren
  • Tankentlüftungssysteme

Service & Special solutions[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innovationen (Beispiele)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Piezo Common Rail System (Deutscher Zukunftspreis 2005)
  • Farbiges Head-Up-Display (im Audi A6 und Audi A7)
  • Elektronische Keilbremse per Brake-by-Wire
  • Wirkte mit bei dem „ALLFA-Ticket“ des Forschungsprojektes „intermobil“ (Elektronisches Ticket im Raum Dresden)
  • MAPPS (Magnetischer Passiver Positionssensor) ist ein vollständig gekapselter Drehwiderstand, der im Wesentlichen aus 52 biegsamen Metallzungen besteht, die wie die Tasten auf einem Klavier nebeneinander angeordnet sind. Die Kontakte werden von außen über einen beweglichen Magneten durch die Kapselung hindurch geschlossen. Der Drehwiderstand unterliegt praktisch keinem mechanischen oder chemischen Verschleiß. Anwendung vorzugsweise bei Füllstandsanzeigen.
  • Siemens VDO ist einer der Hersteller der On-Board-Unit (OBU) für die Lkw-Maut in Deutschland.[16]

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Continental Automotive in Regensburg

Heutzutage (Stand 2021) ist die Continental AG weltweit an etwa 561 Standorten vertreten.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: VDO – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Marke VDO im Continental Konzern. Abgerufen am 5. Oktober 2021.
  2. VDO.de. Continental Automotive GmbH, abgerufen am 5. Oktober 2021.
  3. a b c d Wolfgang Dehen: Siemens VDO - a success story in a consolidating industry. Hrsg.: Siemens VDO. Dearborn, MI August 2006, S. 1 ff. (siemens.com [PDF]).
  4. Seit 1905 auf der Erfolgsschiene – DEUTA-WERKE GmbH. DEUTA-WERKE GmbH, abgerufen am 5. Oktober 2021.
  5. Chronik - tecsis im Profil. tecsis GmbH, 28. August 2019, abgerufen am 5. Oktober 2021.
  6. tecsis - WIKA - tecsis: eine Erfolgsgeschichte. WIKA Alexander Wiegand SE & Co. KG, abgerufen am 5. Oktober 2021.
  7. tecsis im Profil - Messtechnik aus einer Hand. tecsis GmbH, 28. August 2019, abgerufen am 5. Oktober 2021.
  8. Umbrüche bei Siemens: Mitten in der Krise der Blick nach vorn. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 5. Oktober 2021]).
  9. VerkehrsRundschau: Conti übernimmt Siemens VDO. Abgerufen am 5. Oktober 2021 (deutsch).
  10. 150 Jahre Continental: Wechselvolle Historie, harter Wandel. Abgerufen am 5. Oktober 2021.
  11. manager magazin: Siemens: VDO geht an Conti. Abgerufen am 5. Oktober 2021.
  12. Brose acquires electric motor operations from Continental AG. Brose Fahrzeugteile SE & Co. KG, 21. Dezember 2007, abgerufen am 5. Oktober 2021 (englisch).
  13. Andrea Löck: Brose erwirbt Elektromotorensparte der Continental AG - Reifenpresse.de. Abgerufen am 5. Oktober 2021 (deutsch).
  14. Vitesco Technologies Spin-off. Abgerufen am 5. Oktober 2021 (englisch).
  15. Victoria Waldersee, Arno Schuetze: Continental spin-off Vitesco falls flat in market debut. In: Reuters. 16. September 2021 (reuters.com [abgerufen am 5. Oktober 2021]).
  16. Autosieger.de: Lkw-Maut: Siemens-OBU ab sofort als Einbaugerät verfügbar. Abgerufen am 5. Oktober 2021.
  17. Continental Standorte weltweit. Abgerufen am 5. Oktober 2021 (deutsch).