VEB Schokoladen- und Verpackungsmaschinen (Gebäude)

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Ostfassade des Schokopack-Hochhauses

Der VEB Schokoladen- und Verpackungsmaschinen war eine Industrieanlage in Dresden. Das an der Breitscheidstraße 48 in Dresden-Reick befindliche Hochhaus (genannt Schokopack-Hochhaus) der Werkanlage gehört als erstes Dresdner Skelettbauweise-Hochhaus zu den frühesten Bauten des Internationalen Stils in Dresden. Das Hochhaus mit Nebenbauwerk (Viergeschosser mit überdachten Gang dahin) und Park steht seit 2008 unter Denkmalschutz.[1]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude ist verknüpft mit der Geschichte des Verpackungsmaschinenbaus im Dresdner Raum. Dieser begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Firmen

wurden 1950 zum VEB Schokopack vereinigt und erhielt Anfang der 1960er Jahre diesen Neubau. 1972 wurden der VEB Schokopack und der VEB Tabakuni (Vorgängerfirma Universelle, Zigarettenmaschinen) zum VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden zusammengelegt. Dieser wiederum war bis 1990 Leitbetrieb des Kombinates Nagema.[3] Das Hochhaus galt als Wahrzeichen des Kombinates.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgraf-Plastik im Park, 2010

Von 1957 bis 1963 wurde nach Plänen des Architekten Johannes Junghans das 12-geschossige Hochhaus im Internationalen Stil in Dresden-Reick erbaut.[1] Das Gebäude wurde in einer Stahlbetonskelettmontage errichtet und deren Fassade erhielt eine vertikale Gliederung mit Betonlamellen, wobei die Fensterbrüstungen mit Mosaiken geschmückt wurden.[4]

Das Hochhaus war Teil der früheren Industrieanlage VEB Schokopack mit Werkhallen, die mit einer Shedhallenkonstruktion und Stahlbetonfertigteilen von den Betrieben BMK Kohle und Energie und VEB Industrieprojektierung Dresden II nach Plänen der Architekten Hans Rösler, Lothar Kaden, Manfred Neumann und Christiane Langer errichtet wurden. Mitwirkende Ingenieure waren Ferdinand Ullrich, Erich Türke, Armin Schäfer, Siegfried Rischke, Günter Malz und Rainer Kloß. Die eingeschossige Werkhalle zählte zur gleichen Bauwerkskategorie wie eine Rostocker Reparaturhalle. Die Halle diente der Endmontage von Verpackungsmaschinen für die Schokoladenproduktion. Sie wurde rechtwinklig zu einer siebenschiffigen Produktionshalle angeordnet, die nach oben mit Sheddächern abgeschlossen wurde. Die Halle war 109 Meter lang und 16 Meter breit. Die Traufhöhe betrug 12,6 Meter und das Rastermaß 7,5 Meter. Bemerkenswert hierbei war die besondere Fertigungsweise der Stützelemente.[5] Da diese in einem zwei Kilometer entfernten Betonwerk vorgefertigt und von der dortigen Krananlage bedient werden mussten, galt es, den oberen einstieligen Teil der Stützelemente auf eine besondere Art und Weise aufzusetzen. Die Giebelseiten wurden als massive Scheiben gestaltet, während die Längsseite eine kittlose Verglasung erhielt.

Die ursprüngliche, längst demontierte Schokopack-Leuchtschrift wurde erst Ende der 1980er Jahre mit einer für NAGEMA ersetzt.[6]

Im Park neben dem Hochhaus stand bis 2011 eine 1963 von Wilhelm Landgraf geschaffene Plastik, die zwei Arbeiter darstellt.

Nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Anfang der 1990er Jahre bis 2017 – seit 1996 der Nachfolgefirma Theegarten-Pactec gehörend – verfiel das Hochhaus immer mehr.

Die Meiag Sächsische Immobilien AG kaufte das Hochhaus samt Nebengebäude 2011. Ziel war der Ausbau zu einer Seniorenresidenz mit Arztpraxen. Die Stadtverwaltung verweigerte ihre Zustimmung wegen der Nähe zum benachbarten Gewerbegebiet.

Im März 2017 kaufte die Itelligence AG das Gelände und kündigte an, dass bis zum Herbst 2018[veraltet] auf einer Bürofläche von 9000 Quadratmetern IT-Arbeitsplätze für zunächst 350 Mitarbeiter entstehen werden. Im Erdgeschoss werde eine große Kantine eingerichtet. Über eine Terrasse gelangen die Mitarbeiter künftig in den Park, der zwischen zwei Gebäuden liegt. In den benachbarten Viergeschosser soll ein Fitnessstudio einziehen. An der Ostseite ist ein Parkdeck mit zwei Ebenen geplant.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hochhaus Schokoladen- und Verpackungsmaschinen, Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter May, Werner Pampel, Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. Verlag für Bauwesen, Berlin 1979.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Verlagshaus der Sächsischen Zeitung – ehemals „Haus der Presse“: Die zweite Moderne hält Einzug in Dresden. In: das-neue-dresden.de. Abgerufen am 6. April 2017.
  2. Bestand 11659: Maschinenfabrik Richard Gäbel, Dresden. Sächsisches Staatsarchiv, abgerufen am 6. April 2017.
  3. Manfred Woelk: Industriegeschichte Folge 8: Schokopack und Schwabbelhülle. In: Sächsische Zeitung. 16. Februar 2006, archiviert vom Original am 18. September 2012; abgerufen am 18. September 2012.
  4. Walter May, Werner Pampel, Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. Verlag für Bauwesen, Berlin 1979, Nr. 112
  5. Junghanns: Werkanlage für den VEB Schokopack in Dresden. In: Deutsche Architektur Heft 1, Jahrgang 1962 S. 26, Bild 7/8
  6. Bildbeschreibung auf kombinat-nagema.de
  7. Nora Domschke: Schokopack-Haus wird IT-Standort, Sächsische Zeitung vom 4. April 2017, abgerufen am 18. Juni 2017


Koordinaten: 51° 0′ 49,3″ N, 13° 48′ 37,3″ O