VEM Sachsenwerk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
VEM Sachsenwerk GmbH
Logo VEM
Rechtsform GmbH
Gründung 1903
Sitz Dresden
Leitung Torsten Kuntze, Falk Lehmann
Mitarbeiter 612 (2013)[1]
Umsatz über 117,14 Millionen EUR (2012)[1]
Website www.vem-group.com
Das Sachsenwerk zur Zeit seiner Gründung

Die VEM Sachsenwerk GmbH ist ein deutscher Hersteller von Mittel- und Hochspannungsmaschinen sowie Antrieben. Neben Großmaschinen für den Industriebereich machen Schiffs- und Fahrmotoren sowie Windkraftgeneratoren einen Teil der Produktion aus. Das zur VEM Holding gehörende Dresdner Werk fertigt vor allem Einzelstücke. Derzeit beschäftigt es rund 600 Mitarbeiter.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dresden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 Mark der Sachsenwerk, Licht- und Kraft-AG vom April 1922
VEM Sachsenwerk GmbH, Dresden

Der Vorläufer des Sachsenwerkes wurde 1886 von Oskar Ludwig Kummer gegründet. Seine Fabrik für elektrische Geräte und Maschinen produzierte in Niedersedlitz erste große Kraftwerksausrüstungen, Straßenbahnen und Ausrüstungen für die Straßenbeleuchtung in Großstädten.

1903 wurde die „Sachsenwerk, Licht- und Kraft AG“ an der Hennigsdorfer Straße als Nachfolgeunternehmen der in Konkurs gegangenen Kummerwerke gegründet und baute vor allem Transformatoren und Schaltgeräte für elektrische Beleuchtungen sowie große Motoren und Generatoren. Seit den 1920er Jahren ist das Werk ein bedeutender Hersteller von Straßenbahn- und Lokomotivmotoren. Zwischenzeitlich stellte das Werk auch kleinere Apparate wie z. B. Radios und Sirenen her.

Da das Werk mit Rüstungsproduktion befasst war, wurde es 1946 demontiert. Neben Motoren wurden nach dem folgenden Wiederaufbau Konsumgüter wie Kochtöpfe, elektrische Sägen und Kühlschränke gebaut. 1952 erreichte der Produktionsumfang wieder das Vorkriegsniveau.

Vom Sachsenwerk ging in Dresden der Volksaufstand des 17. Juni 1953 aus: Eher durch Zufall erfuhr die Belegschaft des Werkes von den Protesten gegen die Normerhöhung in Berlin. Am Nachmittag entstand deshalb am Werk ein wachsender Demonstrationszug, der sich Richtung Theater- und Postplatz bewegte und dort bis 21 Uhr aufgelöst wurde. Im Gedenken an den Tag wurde 2003 die am Sachsenwerk vorbeiführende Hennigsdorfer Straße in Straße des 17. Juni umbenannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Sachsenwerk mit der Entstehung der Marke VEM sowie der Zuordnung des Werkes zum VEB Kombinat Elektromaschinenbau (VEM) das Stammwerk des VEM und erhielt die Aufgabe, vorrangig Mittel- und Großmaschinen für die Industrie zu bauen. Die Firma entwickelte sich auf diese Weise zum größten Elektromaschinenwerk der DDR und blieb bis 1990 Alleinhersteller für mittlere und große elektrische Maschinen in der DDR.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands sank die Mitarbeiterzahl im Zuge mehrerer Umfirmierungen von 2800 auf etwa 400. 1997 erfolgte die Privatisierung durch die Blaubeurener Unternehmerfamilie Adolf Merckle. Das Sachsenwerk gehört seitdem zur VEM Holding. Es ist der einzige Elektromaschinenbauer, der Großmaschinen in Deutschland produziert.

Radeberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachsenwerk Radeberg: „E-Gebäude“ (ehem. Zünderwerkstatt) (2013)

1920 übernahm die „Sachsenwerk, Licht- und Kraft AG“ das Königliche Feuerwerkslaboratorium Radeberg und begann mit ca. 800 Angestellten die Produktion von Schalttafeln, Nieder- und Hochspannungsschaltern und anderen Produkten der Elektrotechnik. Die allgemeine Wirtschaftsflaute der 1920er Jahre traf auch das Radeberger Werk. Das Sortiment wurde um verschiedene Haushaltsgeräte wie Staubsauger, Kühlschränke oder Rundfunkempfänger erweitert. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise wurde das Werk in Radeberg 1932 geschlossen.

Mit dem Fortschreiten der Aufrüstung der Wehrmacht wurde die Fabrik als Unternehmen für die Rüstungsindustrie 1935 wiedereröffnet. Neben Zündern und Granaten fertigten zeitweilig bis zu 5000 Beschäftigte auch Teile für die Rakete Aggregat 4 in Radeberg. Von 1944 bis 1945 betrieb die Geheime Staatspolizei auf dem Unternehmensgelände das Arbeitserziehungslager Radeberg, in dem Hunderte meist ausländische Gefangene ums Leben kamen. Nach Kriegsende erfolgte die vollständige Demontage des Radeberger Werkes als Reparationsleistung an die Sowjetunion.
Das Sachsenwerk produzierte ab 1946 als Sowjetische Aktiengesellschaft 'Gerät' in Deutschland, Werk Sachsenwerk in Radeberg zunächst einfache Radiogeräte, ab 1947 Geräte der Richtfunk- und Messtechnik, ab 1949 Elektromotoren und Schaltgeräte und ab 1950 Fernsehgeräte. 1952 erfolgte die Verstaatlichung des Werkes, das von nun an als VEB Sachsenwerk Radeberg firmierte. 1948 schlossen sich in der Sowjetischen Besatzungszone 24 Betriebe des Elektromaschinenbaus mit rund 7000 Beschäftigten zu einer Vereinigung zusammen. Die Deutsche Wirtschaftskommission (DWK) beschloss diesen Schritt verbindlich, diese juristische Einheit erhielt den Namen VEM, der Name wurde Bestandteil der Firmierung des Sachsenwerkes Radeberg. Als SAG-Betrieb konnte das Sachsenwerk Radeberg jedoch zunächst nicht Mitglied im VEM werden, und nach Überführung in Volkseigentum 1952 entsprach das Produktionsprofil nicht mehr den für eine Mitgliedschaft geltenden Anforderungen.[2]
Die Entwicklung und Fertigung von Fernsehgeräten und Richtfunktechnik wurde zum Kerngeschäft, so dass schließlich im November 1956 die Umbenennung des gesamten Werkes in VEB RAFENA-Werke Radeberg erfolgte. Die Produktion von Elektromotoren und Schaltgeräten wurde 1959 eingestellt, damit bestand keine kausale Beziehung mehr zum Profil der VEM.[3]

VEM-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1948 eingeführte Bezeichnung VEM hat sich als Warenzeichenverband mit drei anderen Werken in Sachsen-Anhalt und Sachsen erhalten. Seitdem etablierte sich das Werk in dieser Gruppe als Anbieter für elektrische Großmaschinen auf dem Weltmarkt. Die VEM-Gruppe gehört mit etwas mehr als 200 Millionen Euro Umsatz zu den 100 größten Unternehmen der Neuen Bundesländer und ist heute mehrheitlich im Besitz der Merckle Unternehmensgruppe.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Branchen Verkehrstechnik, Anlagenbau, Industrietechnik, Schiffbau, Energietechnik sowie Kraftwerks- und Umwelttechnik bestimmen heute das Geschäft des Sachsenwerks. Drehstrom-Synchron- und Asynchronmotoren in Mittel- und Hochspannungsausführung decken einen Leistungsbereich bis 42 MW ab. Im Bereich erneuerbare Energien werden u. a. Synchron- und Asynchrongeneratoren mit bis zu 8 MW, Azimut- und Pitchantriebe produziert. Zum Kerngeschäft gehören weiterhin Traktionsmaschinen für Vollbahn- und Industrieloks, Triebzüge, S-, U- und Straßenbahnen, Monorails, Trolley- und Hybridbusse sowie Miningtrucks.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • VEM-Gruppe (Hrsg.): Menschen, Motoren und Metall. Ein Rundgang durch 125 Jahre Industriegeschichte. Amalia Verlag, Dresden 2008, ISBN 978-3-9808680-4-4.
  • VEM Sachsenwerk GmbH (Hrsg.): 100 Jahre Sachsenwerk. Eine Manufaktur bewegt die Zeit. Dresden 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sachsenwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b [1]
  2. Klaus Schönfuß: Fertigung von Elektromotoren und Schaltgeräten in Radeberg. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  3. Das Sachsenwerk und RAFENA 1945 bis 1969. Abgerufen am 23. Januar 2017.

Koordinaten: 51° 0′ 5″ N, 13° 49′ 37″ O