VR-Yhtymä

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VR-Yhtymä Oy
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Rechtsform AG
Gründung 1862/1995
Sitz Helsinki
Leitung Mikael Aro
Mitarbeiter 12.376 (2009) [1]
Umsatz 1.399 Mio. Euro (2009) [1]
Branche Bahngesellschaft, Logistik
Website www.vrgroup.fi

VR-Yhtymä Oy, auch VR Group (abgekürzt VR), ist ein aus der finnischen Staatseisenbahn hervorgegangener Logistikkonzern. Neben dem Bahnverkehr betreiben die zu ihm gehörenden Tochtergesellschaften heutzutage u.a. auch Bus- und LKW-Verkehr.

In ihrer heutigen Form ist die VR eine Aktiengesellschaft, deren Aktien vollständig in staatlichem Besitz sind. Die Aktiengesellschaft wurde 1995 gegründet, als die 1862 gegründete Staatsbahn, die sich bis dahin Valtionrautatiet („Staatseisenbahn“) genannt hatte, in zwei Teile aufgespalten wurde. VR übernahm das Rollmaterial, während die Bahnanlagen an die neugegründete Bahnverwaltungszentrale (Ratahallintokeskus) fielen. Die Bahnverwaltungszentrale wurde 2010 in die Verkehrsbehörde (Liikennevirasto) eingegliedert.

Abgesehen von einigen kleineren Museumsbahnen und dem Verkehrsbetrieb der Stadt Helsinki, der in Helsinki eine U-Bahn und eine Straßenbahn betreibt, war VR lange die einzige Bahngesellschaft in Finnland. Allerdings wurde der Schienengüterverkehr bereits 2007 für den Wettbewerb freigegeben, und auch für den Schienenpersonenverkehr ist dasselbe geplant. Als erster privater Konkurrent von VR im Schienengüterverkehr will die Firma Proxion Train im Jahr 2013 den Betrieb aufnehmen.[2] Die S-Bahn Helsinki wird zwar von VR betrieben, Aufgabenträger ist aber der regionale Verkehrsverbund HSL. Die neueren Züge der S-Bahn gehören nicht VR, sondern der 2004 gegründeten Firma Pääkaupunkiseudun Junakalusto.

Geschichte[Bearbeiten]

Lokdenkmal in Tampere (2004)

Der Eisenbahnbau begann in Finnland verhältnismäßig spät. Die erste Strecke wurde am 31. Januar 1862 zwischen Helsinki und Hämeenlinna eröffnet und von Anfang an von der VR betrieben. 1870 war eine Verbindung nach St. Petersburg fertiggestellt und damit die damals als vorrangig eingestufte Verbindung zur Hauptstadt des russischen Kaiserreiches. Als Teil dieses Reiches wurden in Finnland von Anfang an die Gleise in russischer Breitspur (1524 mm) verlegt. 1959 wurde diese Spurweite geringefügig angepasst, als neue Nennspurweite wurden 1520 mm festgelegt.[3]

Am 22. Juni 1876 wurde die Strecke Helsinki–Hämeenlinna über Toijala nach Tampere verlängert. Gleichzeitig wurde ein Abzweig von Toijala nach Turku eröffnet. Damit waren die drei wichtigsten Städte des Landes miteinander verbunden. 1878 folgte eine Verbindung von Tampere über Haapamäki und Seinäjoki nach Vaasa, und sechs Jahre später war Oulu von Seinäjoki aus angeschlossen. 1909 wurde schließlich die lappländische Hauptstadt Rovaniemi erreicht.

Der Bahnbau setzte sich noch weit bis in das 20. Jahrhundert fort. Wichtige Abschnitte, wie die 1970 eröffnete Strecke Parkano–Seinäjoki, die die Verbindung von Südfinnland in den Norden erheblich verkürzte, konnten erst in den 1960er und 1970er Jahren eröffnet werden.

1968 begann ein umfangreiches Elektrifizierungsprogramm mit dem Stromsystem 25 kV 50 Hz. Ein Jahr später wurde der erste elektrische Abschnitt zwischen Helsinki und Kirkkonummi in Betrieb genommen.

Gegenwart[Bearbeiten]

Netzkarte 2004;
rot: Personen- und Güterverkehr,
blau: nur Güterverkehr

Bedeutung[Bearbeiten]

Maximale Reisegeschwindigkeit auf den finnischen Eisenbahnstrecken

In den letzten 30 Jahren sank in Finnland wie in den meisten anderen europäischen Ländern der Marktanteil des Schienenpersonenverkehrs. 1996 teilten sich die finnischen Verkehrsträger den Personenverkehr wie folgt:

  • KFZ-Verkehr: 79,4 %
  • Busverkehr: 12,6 %
  • Eisenbahn (VR): 5,2 %
  • Flugzeuge: 1,2 %

In absoluten Zahlen ist der Schienenpersonenverkehr hingegen gestiegen. Allein 1996 stiegen die Personenkilometer um 2,2 % (nach leichten Einbrüchen während der Wirtschaftskrise Anfang der 1990er Jahre). Der Güterverkehr hat sich zwischen 1960 und 1998 besonders positiv entwickelt. Trotz der Wirtschaftskrise weisen die Gütertransportzahlen zwischen 1990 und 1995 offensichtlich keinen Einbruch auf. Entwicklung des Verkehrsaufkommens:

Jahr Personen (1) Güter (2)
1960 2,3 4,9
1970 2,2 6,3
1980 3,2 8,3
1982 3,3 8,0
1983 3,3 8,1
1990 3,3 8,4
1995 3,2 9,3
1998 3,4 9,9
  • (1): Entwicklung der Personenkilometer in Mrd.
  • (2): Angaben in Mrd. Nettotonnenkilometern

Streckennetz[Bearbeiten]

1996 war das Streckennetz der RHK (Ratahallintokeskus, „Zentrale Bahnverwaltung“) 5.660 km lang. Davon waren 37 %, also 2.073 km, elektrifiziert. Elektrische Züge leisteten 65 % des Gesamtverkehrs. Inzwischen wurden weitere Strecken elektrifiziert, unter anderem OuluRovaniemi sowie erst 2006 die Strecken Iisalmi–Kontiomäki–Oulu und Kontiomäki–Vartius. Seit 1982, als das Netz noch 6.041 km umfasste, wurden 381 km stillgelegt.

Das Netz ist nach wie vor überwiegend eingleisig (91,5 %). In der Region Helsinki wurden auf stark befahrenen Strecken eigene Gleise für die S-Bahn Helsinki gebaut, die ansonsten auf den Gleisen des Fernverkehrs fährt.

Fahrzeiten und Geschwindigkeiten[Bearbeiten]

Die Höchstgeschwindigkeit für konventionelle Züge beträgt 160 km/h. Da bei der VR jedoch Züge, die schneller als 140 km/h sind, mit einem zusätzlichen Lokführer versehen werden müssen, fahren sie diese Geschwindigkeit nur, um eventuelle Verspätungen aufzuholen. Für 160 km/h waren 2003 die Abschnitte (Helsinki–) Kerava–Tampere–Seinäjoki und (Helsinki–) EspooKarjaaSalo–Turku zugelassen.

Die Pendolinozüge bilden eine Ausnahme: Sie dürfen zwischen Kerava und Tampere sowie zwischen Karjaa und Salo 200 km/h, zwischen Espoo und Karjaa sowie zwischen Salo und Turku 180 km/h fahren.

Am 3. September 2006 wurde die Neubaustrecke Kerava–Lahti eröffnet. Dadurch verkürzten sich die Reisezeiten zwischen Helsinki und den östlicheren Regionen Finnlands sowie nach Russland deutlich.

Fahrzeiten und durchschnittliche Geschwindigkeiten der schnellsten Züge von Helsinki aus (2005, noch ohne Neubaustrecke Kerava–Lahti):

Stadt Reisezeit Früher (1991) 2007 Durchschnittsgeschw. Zugtyp
Hämeenlinna (108 km) 0:54 1:01 1:03 120,0 km/h Pendolino
Joensuu (508  km) 5:11 4:34 4:17 98,0 km/h Pendolino
Jyväskylä (342 km) 3:00 3:26 2:51 114,0 km/h Pendolino
Kajaani (767 km) 7:02   5:33 109,1  km/h Pendolino und Schnellzug
Kotka (243 km) 2:45 2:24 2:18 88,4  km/h InterCity und Regionalzug
Kouvola (192 km) 1:56 1:23 99,3 km/h InterCity
Kuopio (511 km) 4:45 4:08 3:52 107,6 km/h Pendolino
Lahti (130 km) 1:21 1:14 0:48 96,3 km/h InterCity
Lappeenranta (278  km) 2:42 2:30 2:09 103,0 km/h InterCity
Mikkeli (305 km) 3:13 2:45 2:23 94,8 km/h InterCity
Moskau (Leningradski) (1117 km) 13:28 13:08 82,9 km/h Schnellzug
Oulu (680 km) 5:44 6:00 5:43 118,6 km/h Pendolino
Sankt Petersburg (Ladožski) (456 km) 5:41 5:21 80,2 km/h Schnellzug
Pori (322 km) 3:00 3:16 3:02 107,3 km/h Pendolino und Regionalzug
Rovaniemi (900 km) 9:51 9:22 91,4 km/h InterCity
Seinäjoki (346 km) 2:42 2:39 128,1 km/h Pendolino
Tampere (187  km) 1:27 1:40 1:23 129,0 km/h Pendolino
Turku (194 km) 1:44 1:59 1:44 111,9  km/h Pendolino
Vaasa (420 km) 3:42 4:15 3:44 113,5  km/h Pendolino und Regionalzug

Hersteller des Pendolinos ist Alstom. Die finnische Transtech liefert Doppelstock-Personenwagen für den Intercity-Verkehr, Doppelstock-Schlafwagen und doppelstöckige Autotransportwagen.

Neue Entwicklungen[Bearbeiten]

Die im September 2006 eröffnete Neubaustrecke Kerava–Lahti entwickelt heute auch Hochgeschwindkeitsverkehr zwischen Helsinki und St. Petersburg. Dieser Verkehr wird von finnischen und russischen Staatseisenbahnen zusammen unter Markenname Allegro (Zug) durch neuer Generation Triebfahrzeug des Typs Pendolino abgewickelt. [4] Im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzte Pendolinozüge sind, gegenüber seit 1990er Jahren auf finnischen Hauptverkehrsachsen eingesetzten Pendolino-Triebfahrzeuge, angeblich von einigermaßen unterschiedlicher Bauart.

Im Jahre 2012 feierte die finnische Eisenbahn ihr 150-jähriges Jubiläum.[5]

Triebfahrzeuge[Bearbeiten]

Dampflokomotiven[Bearbeiten]

  • Hr1 - Schnellzuglokomotiven der Bauart 2'C1'h2, von 1937 bis 1971 im planmäßigen Einsatz
  • Pr2 - Tenderlokomotiven der Bauart 2'C2'h2t, mit Ölfeuerung, ursprünglich für die estnische Staatsbahn Eesti Vabariigi Raudtee gebaut

Diesellokomotiven[Bearbeiten]

  • Dr12
  • Dr13
  • Dr14 – Diesellokomotiven der Reihe Dr14 werden sehr oft auf den größten Häfen und Güterbahnhofen Finnlands eingesetzt.
  • Dr16 – Zu den neueren Diesellokomotiven in Finnland gehört die Dr16. Die erste Maschine entstand 1985 bei Valmet (jetzt Transtech). Trotz oder gerade wegen neuester Technologie gab es anfangs bei dieser Baureihe einige Probleme, nicht nur wegen der niedrigen Leistung. Die Dr16 ist die erste Lokomotive mit Dreiphasenfahrmotoren. 21 Lokomotiven sind mit SEMT-Pielstick 12PA4V200 VG Dieselmotoren ausgerüstet, zwei Prototypen mit Wärtsilä-Motoren.
  • Dv12 – Die 192 gebauten Lokomotiven der Baureihe Dv12 entstanden zwischen 1964 und 1984 bei Valmet (gerade Zahlen) und Lokomo (ungerade Zahlen). Sie erreichen 85 km/h im G-Gang im Güterverkehr oder 125 km/h im M-Gang im Reisezugverkehr und bilden das Rückgrat der Dieseltraktion.

Triebwagen[Bearbeiten]

Elektrotriebzug der Reihe Sm1
  • Sm1 – In den Anfangsjahren nach den ersten Elektrifizierungen führten die Triebwagen der Reihe Sm1 den elektrischen Zugverkehr allein durch. Bis heute leisten sie treue Dienste bei der VR, und inzwischen sind sie auch modernisiert worden.
  • Sm2 – Die Nachfolgereihe des Sm1 unterscheidet sich durch einen Leichtmetallkasten, Luftfederung der Drehgestelle und in der elektrischen Ausrüstung. Der Triebzug besteht aus einem Motorwagen Sm2 und einem Steuerwagen vom Typ Eioc. Er erreicht im Bereich von 0 bis 30 km/h eine Beschleunigung von 0,84 m/s2 (vollbesetzt) und 1,13 m/s2 (leer). Maximal sechs Sm2- und Sm1-Einheiten können gekuppelt werden, um einen Zug mit zwölf Wagen bilden. Normalerweise lassen die Längen der Bahnsteige jedoch nur fünf Einheiten aus zehn Wagen zu.
  • Sm3 – Der Pendolino wurde seit 1995 erprobt. Die Serie Sm3/S220 stammt von Fiat, in Zusammenarbeit mit Rautaruukki-Transtech, einer finnischen Waggonfirma. Vorbild ist der italienische ETR 460 der FS. Die 220 km/h schnellen Züge wurden für die spezifischen Anforderungen der VR und den unterschiedlichen klimatischen Verhältnissen angepasst. 1997 bestellten die VR die ersten acht Serientriebzüge.
  • Sm4 – moderne Triebwagen für die S-Bahn Helsinki.
  • Sm5 – moderne Triebwagen für die S-Bahn Helsinki (nur von VR betrieben, Eigentum der Firma Pääkaupunkiseudun Junakalusto).
  • Dm7 – von 1955 bis 1988 im Nahverkehr eingesetzte Schienenbusse.
  • Dm12 – moderne Dieseltriebwagen für wenig befahrene Nebenstrecken.

Elektrolokomotiven[Bearbeiten]

E-Lok der Baureihe Sr2
  • Sr1 – Die Sr1 waren die ersten elektrischen Lokomotiven in Finnland. Aus diplomatischen Gründen wurden sie in der UdSSR bestellt, aber viele seiner elektrischen Teile wurden in Finnland von Oy Strömberg Ab (jetzt ABB Finland) hergestellt. Trotz ihres finnischen Einschnittnamens Siperian susi (Sibirischer Wolf) sind sie durchaus zuverlässig gewesen. Die ersten Lokomotiven wurden im Jahr 1973 geliefert. Die Fahrzeuge haben einen Thyristor-Energienentzerrer und Gleichstromfahrmotoren.
  • Sr2 – Die Sr2 sind die neuesten und stärksten Elektrolokomotiven in Finnland. Sie können 230 km/h erreichen, ziehen InterCity-Züge mit bis zu 160 km/h und können ebenfalls schwere Güterzüge ziehen. Über 50 % der Maschine wurde in Finnland gebaut. Die ersten 20 bestellten Exemplare wurden 1996 ausgeliefert. Am 12. Januar 1999 bestellten die VR 20 weitere Loks und am 29. Dezember 2000 noch einmal sechs Stück, so dass seit Auslieferung der letzten Lok (2003) der Gesamtbestand bei 46 liegt. Die Sr2 gehört zur 'Lok 2000'-Familie.
  • Sr3 – Die VR will 80 Siemens Vectron Elektrolokomotiven bestellen, mit der Option über weitere 97 Elektrolokomotiven desselben Typs. Die Lokomotiven sollen im Zeitraum 2016 bis 2026 geliefert werden. 2017 soll der Einsatz im Güter- und Personenverkehr beginnen. Die Lokomotiven werden im Siemens-Werk München gebaut, die Fahrwerke im Siemens-Werk Graz.[6] Die von der VR bestellten Vectron, sollen mit zwei zusätzlichen Dieselmotoren ausgestattet werden. Mit diesem Rangiermodul (Last-Mile) kann der Betreiber kurze, nicht elektrifizierte Abschnitte (z. B. in Güterbahnhöfen oder Gleisanschlüssen) befahren.[7]

Historisch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jahresbericht 2009 (PDF; 3,5 MB)
  2. VR saa kilpailijan syksyllä 2013 Yleisradio, 16. März 2012.
  3. Mikko Alameri: Eisenbahnen in Finnland, Wien 1979, S. 18
  4. http://www2.liikennevirasto.fi/julkaisut/pdf3/lti_2012-06_finnish_railway_web.pdf
  5. Seite zum 150-jährigen Jubiläum der VR (fin.)
  6. eisenbahn magazin, Februar 2014, S. 23
  7. eisenbahn magazin, April 2014, S. 20