Vach (Fürth)

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Vach
Stadt Fürth
Wappen von Vach
Koordinaten: 49° 31′ 37″ N, 10° 58′ 2″ O
Höhe: 285 m
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 90768
Vorwahl: 0911
Vach, im Hintergrund Stadeln (Blick von Norden, 2003)
Vach, im Hintergrund Stadeln (Blick von Norden, 2003)

Vach ist ein Ortsteil der kreisfreien Stadt Fürth in Mittelfranken.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt fünf Kilometer nördlich des historischen Fürther Stadtkernes auf einer Höhe von 285 m ü. NN direkt unter der Einflugschneise des Nürnberger Flughafens. Westlich verläuft der Main-Donau-Kanal und östlich die dort frei mäandernde Regnitz. Diese nimmt als Vorfluter von links die Zenn und nur wenige hundert Meter nördlich den Michelbach auf, bevor sie die Kunstmühle Fürth erreicht. Die Flussauen von Zenn und Regnitz sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Unmittelbar nördlich von Vach grenzt der Erlangener Ortsteil Hüttendorf an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Ersterwähnung bis zur Reformation

Urkundlich wurde Vach erstmals 1059 erwähnt. Der Ortsname Vach leitet sich von dem Begriff für eine Wehranlage zum Aufstauen von Wasser ab, die zum Fischfang genutzt wurde. Lange Zeit gehörte der Ort zur Pfarrei Zirndorf, wurde aufgrund seiner steigenden Einwohnerzahl jedoch 1422 zur eigenständigen Pfarrei erhoben. Neben dem Hauptort gehörten auch Flexdorf und Ritzmannshof zum Pfarrsprengel.[1]

Am 4. Juli 1449 wurde Vach im Ersten Markgrafenkrieg niedergebrannt. Durch dendrochronologische Untersuchungen ließen sich die Balken des Chordachstuhls auf das Jahr 1404 datieren. Dies lässt vermuten, dass die Wehrkirche St. Matthäus verschont blieb.[1]

Mit der Einführung der Reformation im Markgraftum Brandenburg-Ansbach unter Markgraf Georg dem Frommen von Ansbach wurde 1528 auch in Vach die evangelisch-lutherische Lehre eingeführt. Der erste evangelische Geistliche im Ort war Friedrich Scheffer.[1]

Das Gründungsjahr der Vacher Schule ist nicht bekannt. Bei dem 1533 erstmals genannten Mesner Friedrich Schmidt könnte es sich jedoch um den ersten Schulmeister handeln. Der erste sichere Beleg eines Schulmeisters und damit das Vorhandensein einer Schule ist für das Jahr 1609 belegt, als Ludwig Zettwach zum Mesner und Schulmeister angenommen wurde.[2]

Im Dreißigjährigen Krieg

Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen waren bereits in den ersten Kriegsjahren in der Umgebung Nürnbergs zu spüren, die von Beginn an unter Einquartierungen und Truppendurchzügen zu leiden hatte. Das Jahr 1632 brachte über die Region jedoch das mit Abstand größte Leid. Pfarrer Johann Georg Renner berichtet in den Kirchenbüchern der Gemeinde ausführlich über die Vorkommnisse in dieser Zeit. Im Sommer des Jahres kam es zur Schlacht an der Alten Veste bei Zirndorf. Gustav Adolf von Schweden lagerte in Nürnberg und versuchte das Quartier Wallensteins im Raum Zirndorf einzunehmen. Immer wieder streiften die Soldaten plündernd, brandschatzend und mordend durch die umliegenden Dörfer. Auch durch Hunger und Seuchen starb ein Großteil der Bevölkerung - allein in Vach forderte der Krieg über 200 Opfer.[1]

Wie überall im Markgraftum Brandenburg-Ansbach ließen sich auch in Vach viele Exulanten nieder. Rund 100 Personen, vorwiegend aus den niederösterreichischen Eisenwurzen und aus Oberösterreich, siedelten sich in Vach an und trieben den Wiederaufbau voran. Einzelne Personen stammten jedoch auch aus Bayern, Böhmen, Ungarn und aus der Steiermark. Hervorzuheben ist an dieser Stelle insbesondere die Familie Storch von Klaus, die das obere Schloss in Vach wiedererrichtete und der Gemeinde Vach die Vasa sacra stiftete, die bis heute vor Ort erhalten geblieben sind.[1]

Vach im 18. Jahrhundert

Durch regen Zuzug hatte sich der Ort bereits Ende des 17. Jahrhunderts von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erholt. Reger Bau-Eifer setzte ein: 1706 wurden in der Kirche eine neue Empore und Orgel errichtet, 1708 folgte die Anschaffung eines neuen Altars. 1710 baute man eine Mühle, 1725 eine überdachte Holzbrücke. Im Siebenjährigen Krieg kam es zu einem Gefecht, als die preußischen Truppen nahe Vach auf Teile der Reichsarmee trafen. Die wichtige Vacher Brücke wurde dabei von den Preußen in Brand gesteckt und erst 1761 von Markgraf Alexander aus Sandstein wiedererrichtet.[1]

Herrensitze in Vach

In Vach gab es zwei Herrensitze: den "Burgstall im Lohe" und das "Obere Schloss".

Der Burgstall im Lohe war ein Lehen der Familie von Brauneck und wurde 1399 als Haus in einem Weiher beschrieben. Das Anwesen gehörten unter anderem den (lokal-)geschichtlich bedeutenden Familien Grundherr, Pirckheimer, Geuder, von Danngrieß und Heysinger zu Waldeck bis es 1822 von Bürgermeister Georg Leonhard Reuthner übernommen wurde, der im Vorhof eine Brauerei errichtete. 1863 bis 1980 gehörte das Anwesen, das im Kern noch aus dem 16. Jahrhundert stammen soll, der Familie Paulus. 1989/1990 erfolgten umfassende Renovierungen.

Das obere Schloss stand um 1600 an der Stelle der späteren Brauerei Dorn. Der Herrensitz wurde im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt und von der aus Niederösterreich stammenden Exulantenfamilie Storch von Claus wieder aufgebaut. Seit 1873 bestand auf dem Gelände die oben genannte Brauerei Dorn.[1]

Sehenswürdigkeiten

Kirche, Pfarrhaus und Kantorat bilden ein schönes Denkmalensemble. Die Kirche mit Westturm und eingezogenem Chor mit je einem Windtürmchen an den östlichen Ecken geht im Kern auf die gotische Zeit zurück. Langhaus und Chor wurden wohl um 1422 errichtet, als Vach zur Pfarrei erhoben wurde; der dreigeschossige Westturm wurde wohl ein wenig später angefügt.

Eine Besonderheit ist der alte Ginkgobaum im Garten des Pfarrhauses.

Die Korbbogenbrücke über die Regnitz von 1788 ist ein interessantes Verkehrsdenkmal aus dem ländlichen Bereich. Sie wurde errichtet, bevor die Industrialisierung im 19. Jahrhundert einsetzte, und 1993 erneuert.

Das bayerische Urkataster zeigt das Kirchdorf Vach in den 1810er Jahren mit 107 Herdstellen und einem Gottesacker.[3] In den 1850er Jahren stagnierte die Entwicklung des Ortes, da die Trassenführungen des Ludwig-Donau-Main-Kanales und der Ludwigs-Nord-Süd-Bahn rechts der Regnitz geschaffen wurden.[4]

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Vach am 1. Juli 1972 ein Stadtteil von Fürth.[5]

Erst mit dem in den 1960er Jahren einsetzenden Bauboom vergrößerte Vach seine Siedlungsfläche von ehemals 15 Hektar auf heute etwa 1,1 km².

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio speed+ betreibt seine Sendestudios und Geschäftsräume für das bundesweite gleichnamige Programm in Fürth (Vach). Mit seinen 32 Mitarbeitern in Verwaltung, Studiobetrieb und Zulieferern (kopfKINO.fm und ANTENNE GOLD) ist das Unternehmen eines der größeren in diesem Ort. [7]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Straße: Die Kreisstraße FÜ 1 erschließt Vach in Nord-Süd-Richtung. Diese schließt zu der FÜ 4 an, die zu der östlich der Regnitz verlaufenden Bundesautobahn 73 führt. Eine Auffahrtsmöglichkeit besteht an der Anschlussstelle Fürth-Steinach.
  • Schiene: Der Bahnhof Vach ist ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg und wird von der S-Bahn-Linie S1 bedient. Dieser liegt allerdings weitab im Ortsteil Stadeln.
  • Der ÖPNV bietet in Vach Zustiegsmöglichkeiten zu den VGN-Buslinien 174 und 175.
  • Luftfahrt: Die nächstgelegenen Flugplätze sind der Flughafen Nürnberg östlich und der Flugplatz Herzogenaurach nordwestlich; beide sind jeweils neun Kilometer entfernt.
  • Schifffahrt: Drei Kilometer südlich befindet sich der Hafen Fürth und vier Kilometer nördlich die Lände Frauenaurach.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vach (Fürth) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Markus Pöllinger (Hrsg.): 950 Jahre St. Matthäus Vach. Geschichte - Kunst - Leben. Fürth 2009.
  2. Andreas Hammer: Schulmeister im ehemaligen markgräflichen Dekanat Langenzenn. Sechster Teil: Pfarrei Vach. In: Gesellschaft für Familienforschung in Franken (Hrsg.): Blätter für fränkische Familienkunde. Band 40. Nürnberg 2017, S. 63–142.
  3. Vach auf BayernAtlas Klassik
  4. Vach auf Karte von 1864 bei BayernAtlas Klassik
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 601.
  6. TV Vach: Turnverein Vach 1903 e.V. Abgerufen am 14. März 2017.
  7. Impressum - Radio mauma.fm