Vagusnervstimulator

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Artikel Vagusnervstimulator und Transkutane Vagusnervstimulation überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Partynia RM 11:39, 15. Apr. 2016 (CEST)

Die Vagusnervstimulation kommt in der Epilepsiebehandlung, der Migränetherapie und manchmal auch in der Behandlung von Depressionen zum Einsatz. Die Behandlung erfolgt durch die Stimulation des Vagusnervs. Der Nervus vagus ist der Zehnte von insgesamt zwölf Hirnnerven. Er ist an der Regulation nahezu aller inneren Organe beteiligt.

Bei der VNS werden zwei Verfahren unterschieden, die invasive Vagusnervstimulation und die transkutane Vagusnervstimulation (t-VNS).

Invasive VNS[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der invasiven VNS wird im Brustbereich ein Stimulationsgerät ähnlich dem Herzschrittmacher implantiert, das über eine Elektrode meist mit dem linken Nervus vagus verbunden ist. Über regelmäßige Stimulation dieses Hirnnervs (meist alle 5 Minuten über 30 Sekunden) wird die Wirkung erzielt.

Transkutane VNS (t-VNS)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die transkutane Vagusnervstimulation (t-VNS) basiert darauf, dass ein Ast des Vagusnervs, der sogenannte Ramus auricularis nervi vagi (RANV), die Haut der Ohrmuschel im Bereich der Concha sensibel versorgt.[1] Dieser Ast kann transkutan, also durch die Haut hindurch, mit elektrischen Impulsen stimuliert werden. Ein operativer Eingriff ist hierbei nicht notwendig. Die Erregung des Vagusnervs wird über spezielle Nervenfasern in das Gehirn weitergeleitet und gelangt über den Hirnstamm in höher gelegene Zentren des Gehirns, die eine krampfverhindernde (antikonvulsive Wirkung) auslösen können. Detailliert erklärt: Die Stimulationsparameter der t-VNS, wie Intensität, Pulsdauer und Frequenz sind so gewählt, dass die Reizweiterleitung analog zur invasiven VNS über dick-myelinisierte Aß-Fasern erfolgt. Die afferenten Fasern des RANV projizieren ebenso wie der zervikale Ast des Nervus vagus in den Nucleus tractus solitarii (NTS) im Hirnstamm.[2][3] Der NTS ist der Ausgangspunkt für die Aktivierung eines komplexen zerebralen Netzwerks, das weitestgehend dem der invasiven VNS entspricht und mit der antikonvulsiven Wirkung assoziiert ist.[4][5][6] Die Therapie erfolgt mit einem Gerät, das elektrische Impulse erzeugt und in etwa so groß ist wie ein herkömmliches Smartphone. Durch eine spezielle Ohrelektrode, die man wie einen Kopfhörer trägt, werden die Impulse durch die Haut an den Ast des Vagusnervs abgegeben.

Wirkung in der Epilepsiebehandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Wirksamkeit ist der Vagusnervstimulator vergleichbar mit antikonvulsiven (krampflösenden) Medikamenten. Bei Patienten mit fokalen Epilepsien wurde in Doppelblindstudien die Wirksamkeit des Vagusnervstimulators nachgewiesen. Auch für Patienten mit primär generalisierten Anfällen scheint die Vagusnervstimulation wirksam zu sein. Vollständige Anfallsfreiheit wird selten erreicht, eine Reduktion der Anfallshäufigkeit ist aber bei einem Drittel bis der Hälfte der behandelten Patienten möglich. Die Wirkung des Vagusnervstimulators tritt oft erst einige Monate nach der Implantation ein und kann häufig erst nach einem Jahr vollständig beurteilt werden.

Nebenwirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zur medikamentösen Epilepsiebehandlung hat der invasive Vagusnervstimulator weniger starke Nebenwirkungen. Mögliche Nebenwirkungen sind z. B.

  1. Heiserkeit und/oder erschwertes Atmen bei körperlicher Anstrengung während der Dauer der Stimulation
  2. Schmerzen im Kehlkopfbereich oder Schluckbeschwerden

Beim transkutanen Vagusnervstimulator treten diese Nebenwirkungen nicht auf. Die Nebenwirkungen sind hier allgemein sehr gering.

Weitere Effekte der Vagusnervstimulation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als weitere positive Effekte treten oft eine verbesserte Stimmungslage und erhöhte Wachheit auf.

Anwendung in der Epilepsiebehandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Implantation eines Vagusnervstimulators kommt meist nur bei anderweitig nicht behandelbaren („therapieresistenten“) Epilepsien in Frage. 1988 kam der Vagusnervstimulator zum ersten Mal bei einem Menschen zum Einsatz. 1997 genehmigte die zuständige Behörde in den USA, die Food and Drug Administration die Anwendung der Vagusnervstimulation zur Behandlung von Epilepsie. Bis Anfang 2007 wurden weltweit über 45.000 Patienten mit dem Vagusnervstimulator behandelt. Der Vagusnervstimulator kann nicht bei Krankheiten wie beispielsweise Asthma bronchiale angewandt werden.[7] In den meisten Fällen ist eine zusätzliche Behandlung mit antiepileptischen Medikamenten dennoch notwendig. Die Menge kann jedoch in manchen Fällen reduziert werden.

Der transkutane Vagusnervstimulator hat 2011 die CE-Zulassung für die Behandlung von Epilepsien erhalten und kann, da kein operativer Eingriff stattfindet, bereits frühzeitig in der Therapie zum Einsatz kommen.

Andere Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005 wurde der Vagusnervstimulator von der Food and Drug Administration auch zur Behandlung von therapieresistenten Depressionen zugelassen. Gegenwärtig wird auch die Wirksamkeit des Vagusnervstimulators in der Behandlung anderer psychiatrischer Krankheitsbilder wie z. B. Angststörungen, Alzheimer-Krankheit, Migräne und Cluster-Kopfschmerz[8] untersucht.

Eine randomisierte klinische Studie aus dem Jahre 2014 bestätigt, dass die t-VNS eine wirksame Therapieform zur Prophylaxe von Migräne ist [9]. Die Studie wurde mit dem ungefähr Smartphone-großen Therapiegerät VITOS von der Firma cerbotec GmbH durchgeführt. Mit diesem Gerät kann die Therapie vom Patienten eigenständig von zu Hause aus durchgeführt werden. Das Verfahren findet vor allem bei Patienten mit schwerer oder chronischer Migräne Anwendung.  

Eine andere Methode der nichtinvasiven transkutanen Vagusnervstimulation ist die Erzeugung eines elektrischen Feldes über dem Vagusnerv in Höhe der Halsschlagader (Arteria carotis). Dabei wird durch Anlegen eines handgroßen Gerätes am Hals der Vagusnerv ca. 2 Minuten lang stimuliert. Diese Methode ist in der Europäischen Union für die Behandlung von primären Kopfschmerzen, Depression, Angststörung und Epilepsie zugelassen. Studien zur Therapie der Migräne und des Cluster-Kopfschmerzes sind bereits publiziert.[10][11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peuker ET, Filler TJ: The nerve supply of the human auricle. Clin Anat 2002;15:35-37.
  2. Nomura S, Mizuno N: Central distribution of primary afferent fibers in the Arnold's nerve (the auricular branch of the vagus nerve): a transganglionic HRP study in the cat. Brain Res 1984;292:199-205.
  3. Gao XY, Rong P, Ben H, Liu K, Zhu B, Zhang S: Morphological and electrophysiological characterization of auricular branch of vagus nerve: Projections to the NTS in mediating cardiovascular inhibition evoked by the acupuncture-like stimulation; Society for Neuroscience Abstracts, 2010, p 694.22.
  4. Beekwilder JP, Beems T: Overview of the clinical applications of vagus nerve stimulation. J Clin Neurophysiol 2010;27:130-138.
  5. Amar AP, Levy ML, Liu CY, Apuzzo MLJ: Vagus Nerve Stimulation; in Krames ES, Peckham PH, Rezai AR, (eds): Neuromodulation. London, Academic Press, 2009, pp 625-637.
  6. Vonck K, Boon P, Van RD: Anatomical and physiological basis and mechanism of action of neurostimulation for epilepsy. In: Acta Neurochirurgica Suppl 2007;97:321-328.
  7. Spuck, S., Nowak, G., Sperner, J., Tronnier, V.: Implantation und Komplikation der Vagusnervstimulation, Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2007; 8 (4), 16-20
  8. http://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT01701245
  9. http://www.thejournalofheadacheandpain.com/content/pdf/s10194-015-0543-3.pdf
  10. Nesbitt et al.: Non-invasive vagus nerve stimulation for the treatment of cluster headache: a case series. The Journal of Headache and Pain 2013 1(Suppl 1):P231.
  11. S40 Headache: Clinical Non-Invasive Vagus Nerve Stimulation (nVNS) for Acute Treatment of Migraine: An Open-Label Pilot Study (S40.004)
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!