Val Pellice

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Lage des Tals im Westen Piemonts

Koordinaten: 44° 48′ 4,3″ N, 7° 9′ 2,9″ O

Karte: Italien
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Val Pellice
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Italien
Der Fluss Pellice im Oberlauf

Die Val Pellice ist eines der drei sogenannten Waldensertäler und eine Gebietskörperschaft (Comunità montana) in der italienischen Metropolitanstadt Turin. Sie liegt im Westen der Region Piemont in den Cottischen Alpen an der Grenze zu Frankreich. Ihr Name stammt von dem sie durchfließenden Fluss Pellice, der an der Ostseite des Monte Granero (3171 m) entspringt, des höchsten Berges des Tals.

Die Talgemeinden sind (in alphabetischer Ordnung) Angrogna, Bibiana, Bobbio Pellice, Bricherasio, Luserna San Giovanni, Lusernetta, Rorà, Torre Pellice und Villar Pellice. Weitere Orte im Tal sind Villanova am Oberlauf, Garzigliana beim Zufluss des Chisone und Pancalieri bei der Mündung des Pellice in den Po.

Paralleltäler sind die Val Chisone und dessen Seitental Germanasca im Norden und die Valle Po (Hier entspringt der Po) im Süden.

Die sogenannten Waldensertäler Pellice, Chisone und Germanasca waren vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert Rückzugsgebiete der Waldenser; ihr Hauptort war und ist Torre Pellice.

Das obere Pellice-Tal wird von Fernwanderwegen der Systeme Grande Traversata delle Alpi, Via Alpina und Sentiero Italia berührt.

Als eines von wenigen Tälern der italienischen Westalpen besitzt das Pellice-Tal keinen befahrbaren Pass nach Frankreich, wodurch es seine Urtümlichkeit bewahrt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die "Conca del Pra" von dem Weg aus gesehen, der zum Rifugio Granero führt

Das Tal verläuft von den Cottischen Alpen etwa 60 km weit nach Osten. Es fällt innerhalb von kaum 30 km vom Alpenhauptkamm bis zur Tiefebene des Po ab. Der Talausgang aus dem Gebirge liegt etwa 5 km östlich von Torre Pellice und 6 km südlich von Pinerolo. Der Pellice fließt hier weiter nach Osten, nimmt den wasserreichen Chisone-Fluss auf, und mündet nach insgesamt rund 60 km in den Po.

Bei Torre Pellice mündet die Angrogna in den Pellice, die auf 2452 m Höhe aus dem Lago della Sella Vecchia zu Füßen des 2832 m hohen Monte Rous entspringt.[1]

Der oberste Talschluss, die Conca del Pra, ein aufgeweitetes Gletschertal südlich des Rifugio Willy Jervis, ist ein beliebtes Ausflugsziel. Hier warfen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg Nachschub für italienische Partisanen ab.

Seitentäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Val Pellice beherbergt eine Reihe von Seitentälern, die nördlich oder südlich quer zu ihm verlaufen:

  • Die Valle d'Angrogna, die bei Torre Pellice in Richtung Norden einbiegt und die gleichnamige Gemeinde enthält.
  • Die Valle di Luserna, die bei Luserna San Giovanni in südliche Richtung (Valle Po) einbiegt; hier liegt Rorà.
  • Die Valle dei Carbonieri, die etwas östlich von Bobbio Pellice in südliche Richtung (Valle Po) einbiegt; hier befindet sich das Rifugio Barbara Lowrie.
  • Der Vallone degli Invincibili, welcher zwischen Villar und Bobbio Pellice in nördliche Richtung (Valle Germanasca) einbiegt; hier befindet sich das Rifugio degli Invincibili.

Gipfel des Tals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Monte Granero (3171 m), höchster Berg des Tals, aus der Nähe des gleichnamigen Rifugio gesehen

Zu den wichtigsten Gipfeln des Tals, von denen man häufig den alles überragenden Monviso sehen kann, gehören:

  • Der Monte Granero (3171 m) am nördlichen Talschluss.
  • Die Monte Meidassa (3105 m), direkter Nachbargipfel des Granero.
  • Die Bric Bucie (2998 m) am südlichen Talschluss in Richtung Valle Germanasca und an der Grenze zu Frankreich.
  • Der Monte Manzol (2933 m) am nördlichen Talschluss.
  • Der Monte Friolànd (2738 m) auf dem Grat zwischen Val Po und Val Pellice.
  • Die Punta Cornour (2619 m) in Richtung Valle Germanasca.
  • Der Monte Vandalino (2121 m) am Taleingang bei Torre Pellice.
  • Der Castelluzzo (1416 m) an der südöstlichen Bergflanke des Vandalino.

Pässe im Tal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Colle della Vaccera (1461 m) zwischen dem Valle d'Angrogna und dem Val Chisone
  • Colle Giulian (2451 m) in Richtung Valle Germanasca
  • Colle Bucie (2630 m) unterhalb der Bric Bucie; Hier befindet sich das Bivacco Nino Soardi.
  • Colle della Croce (2298 m) oberhalb des Rifugio Willy Jervis, niedrigster Fußübergang nach Frankreich
  • Colle dell'Urina (2525 m) in Richtung Queyras
  • Colle Manzol (2700 m) unterhalb des gleichnamigen Gipfels
  • Colle Sellière (2851 m) östlich vom Monte Granero in Richtung Queyras
  • Colle della Gianna (2531 m) zwischen dem Valle Po und dem Val Pellice westlich des Monte Frioland

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Val Pellice befinden sich zahlreiche Monumente, Denkmäler und Orte der waldensischen Geschichte.

In Torre Pellice gibt es seit 1989 das Centro Culturale Valdese, das zwei Museen - ein ethnografisches und ein historisches - umfasst.[2] Überhalb der zu Torre Pellice gehörigen Borgata Bonnet, an der südöstlichen Bergflanke des Monte Vandalino liegt am Fuß des Felsklotzes Castelluzzo die Höhle Bars de la Tagliola, die den Waldensern in Zeiten der Verfolgung als Zufluchtsort diente.

Im Angrognatal befinden sich der Waldensertempel Ciabas, das Denkmal von Chanforan, das an den dort 1532 erfolgten Anschluss an die Reformation erinnert, die Scuola Odin-Bertot, die Grotte Gueiza d'la Tana, die neueren Forschungen zufolge wohl eher nicht einen ehemaligen Ort der Kultausübung darstellt, aber lange dafür gehalten wurde, sowie das sogenannte Coulège de barbe oberhalb von Pra del Torno. Hier könnten die mittelalterlichen Wanderprediger der Waldenser ausgebildet worden sein.

In Bobbio Pellice erinnert das Monument von Sibaud an ein für die waldensische Geschichte wichtiges Ereignis:[3] 1686 waren die Waldenser gezwungen worden, nach Genf ins Exil zu gehen; 1689 kehrten sie unter Henry Anraud im Zuge des sogenannten "Glorioso Rimpatrio" zurück, und am 11. September leisteten sie in Sibaud einen Schwur, der den Guerillakrieg gegen die Obrigkeit im Tal einleitete.[4]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rifugio Barbara Lowrie in der Valle dei Carbonieri
Das Rifugio Granero
Das Rifugio Willy Jervis auf der "Conca del Pra"

Rifugi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tal ist Ort zahlreicher Bivacchi und Rifugi, die in der Regel dem Club Alpino Italiano angehören und Besuchern als Zwischenstation bei ihren Wanderungen dienen:

  • Rifugio Willy Jervis (1732 m) auf der Conca del Prà am Talschluss
  • Rifugio Granero (2377 m) unterhalb des Monte Granero
  • Rifugio Barbara Lowrie (1753 m) am Ende der Valle dei Carbonieri
  • Rifugio Barant (2370 m) am Colle Barant[5]
  • Rifugio Jumarre im Angrognatal am Colle della Vaccera (1469 m)
  • Rifugio Lago Verde (2583 m) unterhalb des Bric Bucie, gehört offiziell zu Prali und damit schon zur Valle Germanasca
  • Rifugio Barfè (1220 m) unterhalb des Monte Vandalino im Angrognatal[6]
  • Rifugio degli Invincibili (1356 m) im Vallone degli Invincibili[7]
  • ehemaliges Rifugio Valanza (nicht mehr in Betrieb) bei Rorà
  • Bivacco Nino Soardi (2630 m) am Colle Bucie

Seit 1972 findet im Juli eines jeden Jahres (mit wenigen Ausnahmen) das Bergrennen "Tre Rifugi Val Pellice" statt. Die längere Strecke (54 km und 4100 Höhenmeter) führt dabei an den Rifugi Barbara, Granero und Willy Jervis vorbei, die kürzere Strecke umfasst 32 km und 2200 Höhenmeter.[8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Livio Avanzini (Hrsg.): Guida Storico Turistica della Val Pellice. Torre Pellice, Coop Tipografica Subalpina, Juni 1977. (außerhalb des Verkaufs)
  • Gian Vittorio Avondo, Davide Rosso: Sui Sentieri dei Valdesi. Itinerari escursionistici dalla valle di Susa alla val Pellice. Edizioni del Capricorno, Turin 2015.
  • Gian Vittorio Avondo: Val Pellice (4 stagioni a…). Alzani, Pinerolo 1995.
  • Sabine Bade/ Wolfram Mikuteit: Piemont Wandern. Michael-Müller-Verlag, Erlangen 2010, ISBN 978-3-89953-566-2.
  • Guida della Val Pellice: ambienti, risorse, tradizioni, itinerari. Kosmos, Turin 1994. (außerhalb des Verkaufs)
  • Tullio Contino: C'era una volta a Torre Pellice. R. Chiomonte, Turin, 1995. (außerhalb des Verkaufs)
  • Giorgio Tourn: Le Valli Valdesi. Turin, Claudiana 2013.
  • Giorgio Tourn: I templi delle Valli valdesi. Claudiana, Turin 2011.
  • Sara Tourn: Torre Pellice. La “Ginevra italiana” attraverso i secoli. Turin, Claudiana, 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Osvaldo Coisson: Angrogna. Die Geschichte einer Waldenser-Gemeinde. Übersetzt von Robert Zwilling, Fusta, Angrogna 2013, ISBN 978-88-95163-98-7, S. 22.
  2. Vgl. etwa Fondazione Centro Culturale Valdese (aufgerufen am 9. April 2016).
  3. Vgl. Comune di Bobbio Pellice, aufgerufen am 24. April 2016.
  4. Vgl. Giorgio Tourn: Geschichte der Wallender. kitab Erlanger Verlag, Klagenfurt/Wien 2013, 4. Aufl., S. 152.
  5. Vgl. http://www.rifugiobarant.it/index.php/rifugio/dovesiamo (aufgerufen am 11. April 2016 um 10:02 Uhr)
  6. Vgl. http://www.valpellice.to.it/spip.php?article87 (aufgerufen am 11. April 2016 um 10:07 Uhr)
  7. Vgl. http://www.rifugioinvincibili.it/view.php?page_id=2 (aufgerufen am 11. April 2016 um 10:16 Uhr)
  8. Vgl. 3rifugivalpellice.it (aufgerufen am 24. April 2016).