Gewöhnliche Wasserschraube

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Gewöhnliche Wasserschraube
Vallisneria spiralis.jpg

Gewöhnliche Wasserschraube (Vallisneria spiralis)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Froschlöffelartige (Alismatales)
Familie: Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae)
Unterfamilie: Hydrilloideae
Gattung: Vallisneria
Art: Gewöhnliche Wasserschraube
Wissenschaftlicher Name
Vallisneria spiralis
L.

Die Gewöhnliche Wasserschraube[1][2] (Vallisneria spiralis), auch Schraubenvallisnerie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Vallisneria innerhalb der Familie der Froschbissgewächse (Hydrocharitaceae). Diese submerse Wasserpflanze ist sehr weit verbreitet und wird zur Bepflanzung von Aquarien verwendet.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration von Erasmus Darwin

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vallisneria spiralis ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze. Sie bildet grobe, stielrunde, bis zu 10 cm lange Stolonen. Die grundständigen, linealischen, bandförmigen Laubblätter sind bis zu 50 Zentimeter lang und 1 bis 1,5, selten bis zu 2 Zentimeter breit. Die sieben bis neun Blattadern verlaufen parallel, der Blattrand ist schwach gezähnt bis ganzrandig.[4][5]

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vallisneria spiralis ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Bei männlichen Pflanzen ist der Blütenstandsschaft 2 bis 3 Zentimeter lang und die Spatha bei einer Länge von etwa 6 Millimetern länglich. Die gestielten männlichen Blüten besitzen einen Durchmesser von etwa 0,5 Millimetern und ihre ungleichen Kelchblätter sind zurückgekrümmt und es sind zwei aufrechte Staubblätter vorhanden oder sie sind zu einem verwachsen. Beim weiblichen Blütenstand umhüllt eine 1 bis 2 Zentimeter lange Spatha über die Hälfte des Fruchtknotens und sie endet zweilappig; Ihr fadenförmiger Blütenstandsschaft ist länger bis etwa gleich lang wie die Laubblätter und dreht sich bis zur Fruchtreife spiralförmig ein. Die haltbaren Kelchblätter der weiblichen Blüten sind bei einer Länge von 1,5 bis 4 Millimetern sowie einer Breite von 1 bis 2 Millimetern eiförmig-länglich mit stumpfem oberen Ende. Es sind schuppenförmige, rudimentäre Kronblätter vorhanden. Der Fruchtknoten ist 1,5 bis 2,5 Zentimeter lang. Die drei zweispaltigen Griffel enden in behaarten Narbe.[4]

Frucht und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die grünlich-gelben Früchte sind bis zu 20 Zentimeter lang und enthalten viele Samen. Die Samen sind 1,5 bis 3 Millimeter lang und spindelförmig bis zylindrisch.[4]

Chromosomenzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16, 20, 22, 24, 30, 33 oder 40.[6]

Habitat

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vallisneria spiralis ist ein Hydrophyt[7][2] und wächst als submerse Wasserpflanze mit flutenden Laubblättern[5], die mit Faserwurzeln im Gewässergrund verankert ist.[4]

Die Gewöhnliche Wasserschraube weist eine interessante Bestäubung, Befruchtung und Ausbreitung der Diasporen auf. Wenn die männliche Spatha unter Wasser aufgerissen ist, lösen sich die männlichen Blüten los und steigen mit geschlossenem Kelch an die Wasseroberfläche. Hier biegen sich die Kelchblätter noch hinten um und diese halten dann als kahnförmige Träger die Blüte an der Wasseroberfläche aufrecht. Die zwei Staubblätter stehen dann wie ein Segel darüber. Der Pollen ist verkittet. Die weibliche Blüte wird an ihrem gar nicht oder wenig gewundenen Blütenstandsstiel so weit emporgehoben, bis sie schräg liegend mit den oberen Teilen des Kelchs aus dem Wasser herausragt. Da diese Teile aber mit einem Wachsüberzug versehen sind, sind sie unbenetzbar und erzeugen mit ihrem Gewicht eine kleine Vertiefung in der Wasseroberfläche. Auch bei einer Wasserbewegung kommt dieser Teil der Blüte wieder in die gleiche Lage zurück. Die männlichen Blüten werden durch Wasserbewegung oder durch Wind herangetrieben und sammeln sich in der Vertiefung der Oberfläche, die die weibliche Blüte erzeugt hat. Die nun offenen Staubbeutel berühren dabei die zurückgekrümmten Narben und laden dabei den Pollen ab. Der Pollenschlauch wächst in wenigen Stunden durch den Griffelkanal bis zu den Samenanlagen. Nach der Befruchtung zieht sich, durch ungleiches Flankenwachstum der Blütenstandsstiel spiralig zusammen, sodass die Frucht unter Wasser im Schutz der Blattrosette heranreifen kann. Mit der Reife fault der Blütenstandsstiel ab und die Samen werden durch Verfaulen der Fruchtwand frei.[8]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vallisneria spiralis eine weitverbreitete invasive Pflanze, ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet ist unklar.[9][4] Man findet sie von Südwest-, Mittel-, Süd- und Südosteuropa über Westasien sowie dem Kaukasusraum bis Zentralasien, Indochina und Afrika. Es gibt Fundorte in Algerien, Ägypten, Sudan, Uganda, Irak, Türkei, Ciscaucasien, Usbekistan, Ungarn, in der Schweiz, Moldawien, im europäischen Teil Russlands, in der Ukraine, Albanien, Bulgarien, Kroatien, Griechenland, Italien, Montenegro, Rumänien, Frankreich sowie Portugal.[3]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Vallisneria spiralis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 1015[10]. [6] Synonyme für Vallisneria spiralis L. sind: Vallisneria jacquinii Savi, Vallisneria michelii Savi, Vallisneria linnet Bercht. & J.Presl, Vallisneria jacquiniana Spreng., Vallisneria micheliana Spreng., Vallisneria pusilla Barbieri ex Bertol., Vallisneria aethiopica Fenzl, Vallisneria numidica Pomel. Von Vallisneria spiralis wurden mehrere Subtaxa beschrieben, je nach Autor werden sie unterschiedlich bewertet von Synonym bis zur eigenständigen Art.[3][11]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rolf Wisskirchen, Henning Haeupler: Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Mit Chromosomenatlas. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz (= Die Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Band 1). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1998, ISBN 3-8001-3360-1, S. 536.
  2. a b Steckbrief zu den Gefäßpflanzen Bayerns des Botanischen Informationsknoten Bayern.
  3. a b c Vallisneria spiralis im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 5. September 2014.
  4. a b c d e Abdul Ghafoor: Flora of Pakistan, Volume 169: Hydrocharitaceae. Department of Botany, University of Karachi, Karachi 1985, S. 7: Vallisneria spiralis bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  5. a b Datenblatt bei InfoFlora dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora.
  6. a b Vallisneria spiralis bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 22. August 2016.
  7. Gewöhnliche Wasserschraube. In: FloraWeb.de.
  8. Friedrich Markgraf: Hydrocharitaceae Froschbißgewächse. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 2, Seite 175–196; Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg, 1981. ISBN 3-489-51020-8
  9. Vallisneria spiralis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012.2. Eingestellt von: A. K. Gupta, 2011. Abgerufen am 20. Mai 2013.
  10. Linné 1753 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  11. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families beim Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herold Georg Wilhelm Johannes Schweickerdt: Untersuchungen über Photodinese bei Vallisneria spiralis. In: Jahrbücher für wissenschaftliche Botanik. Band 68, Nr. 1, Borntraeger, Leipzig 1928 (Ausg. 1931), S. 79–134 (Hochschulschrift Bonn, Philologische Dissertation).
  • Jean Belin-Milleron, L’expression bio-sociologique de la plante. Les mythes végétaux et la méthode en philosophie des sciences. In: Actes du Vie Congrès International d’Histoire des Sciences (Amsterdam 14–21. August 1950) (Collection de travaux de l'Académie Internationale d'Histoire des Sciences, 6). Band 2, Hermann & Cie, Paris 1953, S. 661–666.
  • Christel Kasselmann: Aquarienpflanzen. Ulmer Verlag, Stuttgart 1995; 2., überarbeitete und erweiterte Auflage 1999, ISBN 3-8001-7454-5, S. 435 (var. spiralis) und 436 (var. denseserrulata).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vallisneria spiralis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien