Vals GR

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GR ist das Kürzel für den Kanton Graubünden in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Valsf zu vermeiden.
Vals
Wappen von Vals
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden GR
Region: Surselvaw
BFS-Nr.: 3603i1f3f4
Postleitzahl: 7132 Vals
7116 St. Martin
Koordinaten: 733633 / 164308Koordinaten: 46° 37′ 0″ N, 9° 11′ 0″ O; CH1903: 733633 / 164308
Höhe: 1'252 m ü. M.
Fläche: 175,56 km²
Einwohner: 966 (31. Dezember 2014)[1]
Einwohnerdichte: 6 Einw. pro km²
Website: www.vals.ch
Ansicht von Norden

Ansicht von Norden

Karte
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Vals ([fals], von den Walserdeutsch sprechenden Einheimischen Falsch [faɫʃ] ausgesprochen,[2] rätoromanisch Val [val]?/i) ist eine politische Gemeinde in der Region Surselva des schweizerischen Kantons Graubünden.

Vals ist eine walserdeutsche Sprachinsel im rätoromanischen Val Lumnezia. Die Walser sind Nachkommen von Oberwallisern, die vor rund 700 Jahren einwanderten und die höchsten Täler Graubündens besiedelten.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet besteht aus fünf Tälern, wobei jedoch nur das Haupttal, das Valsertal bewohnt ist, das vom Valser Rhein durchflossen wird. Der Ort Vals wird in diesem Haupttal von zwei Schluchten, jeweils im Norden und im Süden, abgeschnitten. Von den knapp 176 km² Fläche besteht knapp die Hälfte aus Wiesland und Alpweiden, der Bergwald bedeckt acht Prozent des Tals und der Rest besteht aus Fels und Eis (Gletscher). Flächenmässig etwa so gross wie das Fürstentum Liechtenstein ist Vals eine der grössten Gemeinden der Schweiz. Die höchste Erhebung mit Anteil der Gemeinde Vals ist das Rheinwaldhorn auf 3'402 m ü. M.

Die Nachbargemeinden von Vals sind nördlich Lumnezia (rätoromanisches Sprachgebiet), östlich Safiental (deutschsprachig) sowie südlich Nufenen (deutsch), Hinterrhein (deutsch), sowie jenseits der Adula-Alpen die Gemeinde Blenio (italienischsprachig). Der Dorfkern heisst Vals-Platz. Es gibt auf dem Gebiet der Gemeinde Vals eine ganze Reihe typischer Walser-Hofsiedlungen, die früher alle ganzjährig bewohnt waren. Die meisten werden heute noch als Maiensäss genutzt. Ganzjährig bewohnt sind neben Vals-Platz nur noch Camp, Leis und Valé.

Die erwerbstätige Bevölkerung arbeitet zu 23 % in der Land- und Forstwirtschaft, zu 29 % in Industrie und Gewerbe und zu 48 % im Dienstleistungssektor.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Schrägrechtsgeteilt von Gold (Gelb) und Schwarz, in Gold eine schwarze Blockstiege (Belmontstiege), in Schwarz ein goldener Schlüssel, den Schlüsselbart linksgewendet

Der Schlüssel ersetzt die Petrusfigur aus einem alten Gemeindesiegel, während die Stiege auf die grundherrlichen Rechte der Belmont hinweist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Deutsch sprechenden Walser wanderten aus Westen in mehrere Täler des romanischsprachigen Graubünden ein. Die Gegenden waren nicht unbewirtschaftet, wie der Ortsname Vals (zu romanisch val ‚Tal‘[3]) sowie eingedeutschte romanische Flurnamen wie Selvaalp (zu romanisch selva ‚Wald‘) bezeugen. Der Grundherrschaft waren Zuzüger durchaus nicht unerwünscht, und dementsprechend erfolgte die Besiedelung im Einvernehmen.

Der Weg talauswärts war bis zum Bau der Strasse 1881 beschwerlich, weshalb Vals lange Zeit gegen Süden und Osten zu seinen walserischen Nachbarn im Rheinwald und im Safiental orientiert war. Im Gegensatz zu diesen vermochte sich jedoch die Reformation in Vals nicht durchzusetzen, und Vals blieb katholisch.

Die bisher selbständige Gemeinde St. Martin wurde per 1. Januar 2015 in die Gemeinde Vals eingegliedert.

Kapellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vals stehen zahlreiche Kapellen und Bildstöcke. Die bekanntesten sind die

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lawinenkatastrophe vom 20. Januar 1951[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Lawinenwinter 1951 ging in Vals eine zerstörerische Lawine nieder. Im Talgrund waren innert drei Tagen anderthalb Meter Neuschnee gefallen. Am 20. Januar 1951 ging im Malatobel eine Lawine nieder, was zuletzt 1812 der Fall gewesen war. Der Gemeindepräsident ordnete die Evakuierung gefährdeter Häuser an, was aber nicht oder nur teilweise befolgt wurde. Um 21.59 Uhr ging die Alpbühllawine nieder und erfasste den gesamten Dorfteil auf der Westseite des Tals zwischen Glüs und dem Kurhaus bei der Therme. 11 Häuser und 12 Ställe wurden von der Lawine erfasst. Insgesamt wurden 30 Menschen verschüttet, davon starben 19, darunter 14 Kinder. Auch 12 Rinder und 13 Ziegen kamen ums Leben. [4]

Bombardierung durch alliierte Kampfbomber vom 22. Februar 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Dorf von alliierten Kampfbombern bombardiert. Mehrere Dorfbewohner wurden getötet oder verletzt. Ob es sich um ein Versehen handelte, ist ungeklärt. Die Luftlinie zwischen der italienischen Grenze und dem Dorf beträgt nur gerade mal 15 Kilometer.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vals ist zum grossen Teil vom Tourismus abhängig, besitzt jedoch dank dem anstehenden Gestein und der Thermalquelle auch eine starke Industrie.

Truffer AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Familienunternehmen Truffer AG bearbeitet Steinplatten (Valser Quarzit) für die Baubranche und stellt Platten für den Bau von Inneneinrichtungen (z.B. Küchen) her. Ausser für die Therme lieferte die Unternehmung auch Steinplatten für den Bundesplatz in Bern und den Zürcher Sechseläutenplatz.

In Vals sind sämtliche Dächer – auch neuer Häuser – mit dem lokalen Stein zu decken. Das Ortsbild bleibt dadurch einheitlicher als in vergleichbaren Gebieten.

Durch einen mit der Truffer AG verbundenen Kunsthandwerker werden zudem Dreharbeiten aus diesem Gestein hergestellt. Dies ist erwähnenswert wegen der Neigung des Gesteins zum Abschuppen und gelegentlichem Aufspalten infolge seines Glimmergehaltes, für die Dreharbeit eine unangenehme Gesteinseigenschaft.

Kraftwerke Zervreila AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kraftwerke Zervreila erzeugen durch Wasserkraft ihrer Speicherbecken Elektrizität. Der Stausee Zervreila ist der fünftgrösste in der Schweiz. Nach der kleinen Zentrale in Zervreila nutzt die Firma das Wasser durch Produktionsanlagen in Wanna, Safien, Rothenbrunnen und Realta, mit insgesamt genutzten knapp 1200 Höhenmetern. Die gesamte Anlage wurde im Jahre 1958 in Betrieb genommen. Am Bau beteiligten sich bis zu 1500 Personen. Der Name entstammt der ursprünglichen Siedlung Zervreila, welche sich in der Teilung des Tales etwa 1.5 km hinter der Staumauer befand. Wie üblich wurde für die abgerissene Kirche eine Kapelle erstellt, sie steht rund 100 Höhenmeter südöstlich über der Staumauer.

Valser Wasser

Valser Mineralquellen AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valser, im Jahre 1960 von Donald M. Hess und Dr. Robert Schrauder gegründet und in die Hess Group integriert, gehört der Coca-Cola HBC. Valser ist nach inoffiziellen Angaben das bekannteste Mineralwasser der Schweiz und verdankt seinen Namen der St. Petersquelle. Die Quelle wird bereits seit Jahrhunderten als Heilquelle genutzt. Funde beim Bau des ersten Kurhotels hatten gezeigt, dass sie vermutlich schon in prähistorischer Zeit genutzt wurde. Die Valser Mineralquellen AG ist ein wichtiger Arbeitgeber im Dorf und besitzt neben verschiedenen modernen Anlagen auch ein Besucherzentrum.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Therme Vals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Therme in Vals

Seit 1893 bestanden mit wechselndem Erfolg Hotelbetriebe an der Thermalquelle. Die Therme Vals (früherer Name: Felsentherme) erfüllt die strenge Definition für ein Thermalbad, während die in ähnlichem Gestein liegenden Andeerer Quellen (südlich der Via Mala) nur 18 °C erreichen. Das Wasser tritt mit zirka 30 °C aus dem Boden aus. Jeweils die Hälfte des Wassers wird von der Valser Mineralquellen AG und vom Thermalbad genutzt. Die aktuelle, 1996 neu gebaute Therme des Architekten Peter Zumthor wurde mit rund 60'000 Steinplatten aus Valser Quarzit gebaut, die im nahegelegenen Steinbruch abgebaut werden.

Die Therme Vals gehörte zusammen mit dem Hotel Therme der Gemeinde Vals. Diese hatte die Gesellschaft im Oktober 1983 von einer Schweizer Grossbank gekauft, um den drohenden Konkurs abzuwenden.[5][6] Am 9. März 2012 entschied die Gemeindeversammlung, dass die Hotel und Thermalbad Vals AG an die Stoffelpart AG des Churers Immobilienhändlers Remo Stoffel verkauft werden soll. Ebenfalls beworben hatte sich die IG Therme Vals mit Peter Zumthor.[7] Im Dezember 2012 wurde der Verkauf abgeschlossen.[8]

Skigebiet Vals3000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zervreilasee und -horn

Das kleine Skigebiet beginnt ganz zuhinterst im Dorf und reicht hinauf zum Dachberg (ca. 2900 m), womit Vals zu den höhergelegenen Skigebieten des Kantons Graubünden zählt. Eine 8er-Gondelbahn vom Talgrund bis auf ca. 1820 m erschliesst das Skigebiet, oberhalb führen Skilifte bis auf den Dachberg (vier Skilifte, davon ein Kinderlift).

Gastronomie-Betriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bergrestaurant Gadastatt (ca. 1'800 m ü. M.)
  • Dachberghütte (ca. 2'500 m ü. M.)
  • Flee Bar (bei der Talstation)
  • Après-Ski Bar Ganni (im Hof Leis)

Bei Gadastatt und der Talstation ist ein Sportgeschäft und die Verwaltung von Vals3000.

Projekt Turmhotel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. März 2015 präsentierten der Valser Steinbruchunternehmer Pius Truffer und der Churer Finanzinvestor Remo Stoffel, aufgewachsen in Vals, das Projekt „Femme de Vals“: ein 381 Meter hohes Hotel mit 107 Zimmern auf 82 Stockwerken über einer Grundfläche von nur 30 x 16 m. Im Jahr 2016 sollen die Valser darüber abstimmen.[9][10]

Zervreila[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zervreila mit dem gleichnamigen Stausee vor dem Zervreilahorn wird vor allem im Sommer von zahlreichen Gästen besucht. Im Winter wird die etwa 8 km lange Strasse von Vals nach Zervreila streckenweise zur Schlittelbahn präpariert. Im Sommer kann die Strecke mit einem Trottinett befahren werden.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Baumann (* 1957), Werbefachmann, Radio- und Fernsehmoderator, Satiriker und Fernsehproduzent, lebt in Vals
  • Gabriella Baumann-von Arx (* 1961), Autorin und Verlegerin, lebt in Vals
  • Josef Jörger (1860–1933), Arzt, Psychiater, Dialektschriftsteller und erster Direktor der Klinik Waldhaus in Chur
  • Martin Schmid (* 1969), Regierungsrat des Kantons Graubünden (Justiz- und Polizeidepartement)
  • Konrad Toenz (1939–2015), Radiojournalist und Fernsehmoderator

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürg Simonett: Vals im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Duri Blumenthal et al.: Kulturführer Val Lumnezia und Vals. Fundaziun da cultura Val Lumnezia, 2000.
  • Wilfried Dechau: Dorfbrücke. Fotografisches Tagebuch, Vals 28. Juli 2008 – 16. April 2010. Wasmuth, Tübingen, 2010.
  • Peter Zumthor Therme Vals. Scheidegger & Spiess, Zürich, 2007.
  • Ruedi Vieli: Valserdeutsch. Desertina, Chur 2009.
  • Gion A. Caminada: Cul zuffel e l’aura dado. Quart, Luzern, 2005.
  • Gion A. Caminada: Stiva das morts. Vom Nutzen der Architektur. gta, Zürich 2005, 2. Aufl.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vals – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band V 1b. Das Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 912, gibt eine Aussprache [falts] an.
  3. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen, hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld 2005, S. 912.
  4. Christian Pfister: Am Tag danach. Zur Bewältigung von Naturkatastrophen in der Schweiz 1500–2000; Haupt, 2002; ISBN 3-258-06436-9; S. 158
  5. Übersichtsartikel zur Valser Therme
  6. Geschichte der Therme Website der Therme Vals
  7. Vals bricht mit dem Architekten Peter Zumthor NZZ, 10. März 2012.
  8. Gemeinde Vals besiegelt den Verkauf der Therme BZ Berner Oberländer, 1. Dezember 2012, abgerufen am 30. Oktober 2015.
  9. NZZ vom 21. März 2015
  10. Immobilien Business vom 30. September 2015
  11. Wallfahrtskapelle Mariä Schmerzen auf www.graubuendenkultur.ch.
  12. Thermalbad auf www.graubuendenkultur.ch.
  13. Hotel Alpina auf www.graubuendenkultur.ch.
  14. Maschinenhaus auf www.graubuendenkultur.ch.
  15. Hohe Brücke auf www.graubuendenkultur.ch.