Valsartan

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Strukturformel
Strukturformel von Valsartan
Allgemeines
Freiname Valsartan
Andere Namen
  • (S)-3-Methyl-2-{N-[2′-(2H-tetrazol-5-yl)biphenyl-4-ylmethyl]pentanamido}-butansäure (IUPAC)
  • (S)-3-Methyl-2-{N-[2′-(2H-tetrazol-5-yl)biphenyl-4-ylmethyl]pentanamido}-buttersäure
Summenformel C24H29N5O3
Kurzbeschreibung

weißer hygroskopischer Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 137862-53-4
EG-Nummer 604-045-2
ECHA-InfoCard 100.113.097
PubChem 60846
DrugBank DB00177
Wikidata Q155472
Arzneistoffangaben
ATC-Code
Wirkstoffklasse

Antihypertensivum

Wirkmechanismus

AT1-Antagonist

Eigenschaften
Molare Masse 435,52 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

116–117 °C[2]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [3]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [3]
Toxikologische Daten

> 2000 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Valsartan ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der AT1-Antagonisten, der in der Behandlung von Bluthochdruck und leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz, falls eine ACE-Hemmer-Therapie ungeeignet ist, eingesetzt wird. Valsartan wurde 1991 von Ciba-Geigy AG – heute Novartis – patentiert.[2]

Im Juli 2018 wurde eine vermutlich krebserregende Verunreinigung von Chargen eines chinesischen Wirkstoffherstellers bekannt und betroffene Fertigarzneimittel in Europa und Nordamerika vom Markt genommen.

Klinische Angaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Valsartan wird für die Behandlung folgender Krankheiten eingesetzt:

Essentielle Hypertonie

  • Behandlung der essentiellen Hypertonie leichten und mäßigen Grades.

Herzinsuffizienz

Status nach akutem Myokardinfarkt

  • Langzeitprophylaxe bei Patienten mit stabilem Status nach Myokardinfarkt verbunden mit einer linksventrikulären Dysfunktion mit einer Auswurffraktion ≤ 40 %.[4]

Gegenanzeigen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überempfindlichkeit gegenüber Valsartan. Hereditäres Angioödem; Angioödem in der Anamnese unter Therapie mit einem ACE-Hemmer oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten; Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min): keine Erfahrung; Es liegen keine Therapieerfahrungen mit Valsartan bei Kindern und Jugendlichen (unterhalb von 18 Jahren) vor.

Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 2001 veröffentlichte Val-HeFT-Studie (Valsartan heart failure trial) mit 5010 Patienten ergab bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit NYHA-Stadium II bis IV eine verringerte Hospitalisierungsrate. Bei den anderen Endpunkten der Studie (kardiopulmonale Reanimation, Gesamtsterblichkeit u. a.) gab es keinen Unterschied von Valsartan plus Standardtherapie versus Standardtherapie plus Placebo. Patienten ohne Betablocker und ACE-Hemmer profitierten vom Valsartan. Die Kombination von ACE-Hemmer, Betablocker und Valsartan zeigte sich eher ungünstig.[5][6]

Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schwangerschaft

Es gibt mit Valsartan keine Erfahrungen bei schwangeren Frauen. Präklinische Studien mit Tierversuchen zeigten mit Valsartan jedoch fetale und neonatale Schäden mit Todesfällen, welche auf die Wirkungen des Arzneistoffs im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) zurückgeführt werden. Arzneistoffe, die direkt auf das RAAS wirken, können Schäden in der fetalen Entwicklung verursachen, wenn sie während der Schwangerschaft im zweiten und dritten Trimenon angewendet werden. Die fetale Nierenperfusion beginnt beim Menschen, welche von der Entwicklung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems abhängig ist, im zweiten Trimenon. Demnach erhöht sich das Risiko bei einer Therapie mit Valsartan-haltigen Arzneimitteln im zweiten und dritten Trimenon. Im ersten Trimenon wird die Anwendung von Valsartan nicht empfohlen, sondern es ist die Umstellung auf ein Mittel Therapie mit geeignetem Sicherheitsprofil vorzuziehen. Im zweiten und dritten Trimenon ist Valsartan kontraindiziert.[7]

  • Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Valsartan in die Muttermilch übertritt. Bei der Ratte wurden demgegenüber bedeutsame Spiegel von Valsartan und seinem aktiven Metaboliten in der Milch gefunden. Daher ist eine alternative blutdrucksenkende Therapie mit einem besseren Sicherheitsprofil bei Anwendung in der Stillzeit vorzuziehen, insbesondere wenn Neugeborene oder Frühgeburten gestillt werden.[7]

Valsartan bei Niereninsuffizienz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Qo-Wert von Valsartan hoch ist (Qo = 0,7), ist keine Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion notwendig. Bei vielen Arzneimitteln mit hohem Qo-Wert entstehen renal eliminierte Metaboliten, deren Aktivität nicht immer bekannt ist. Entsprechend ist bei schweren Einschränkungen der Nierenfunktion grundsätzlich Vorsicht geboten.[8][9]

Pharmakologische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkungsmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Valsartan wirkt als AT1-Antagonist direkt am Angiotensinrezeptor. Damit soll im Vergleich zu den ACE-Hemmern der durch Bradykinin ausgelöste Reizhusten seltener auftreten.[10]

Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden nach heutigen Erkenntnissen keine aktiven Metaboliten des Valsartan gebildet, die Ausscheidung erfolgt zu 30 % über die Nieren. Die restlichen 70 % werden über die Leber verstoffwechselt. Die Bioverfügbarkeit ist im Gegensatz zu Losartan geringer und beträgt etwa 23–25 %. Die Bioverfügbarkeit verringert sich durch Nahrungsaufnahme stärker als bei Losartan und Eprosartan, die Einnahme bei gleichzeitiger Nahrungsaufnahme senkt den Plasmaspiegel um 48 %. Der maximale Plasmaspiegel wird nach 2 Stunden erreicht. Die biologische Halbwertszeit von Valsartan liegt bei 6–9 Stunden.[11][12]

Krebserregende Verunreinigungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2018 wurde die Verunreinigung bestimmter Chargen eines chinesischen Wirkstoffherstellers mit einer als krebserregend geltenden Substanz aufgedeckt. Betroffene Fertigarzneimittel wurden in Europa und Nordamerika vom Markt genommen. In der Folge wurden sowohl Verunreinigungen in Valsartan weiterer Wirkstoffhersteller festgestellt als auch in anderen Arzneistoffen aus der Gruppe der Sartane (Irbesartan, Losartan).

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monopräparate

Angiosan (A), Cordinate (D), Diovan (protect/forte) (D, A, CH), Provas (D), Valsacor (D, A), Valsartan (A), zahlreiche Generika (D)

Kombinationspräparate
  • mit Hydrochlorothiazid: Co-Angiosan (A), CoDiovan (forte) (D, A, CH), Cordinate plus/ -forte (D), Provas comp/ -maxx (D), Cotareg (forte), zahlreiche Generika (D)
  • mit Amlodipin: Copalia (A), Dafiro (A), Exforge (D, A, CH), Imprida (A)
  • mit Amlodipin und Hydrochlorothiazid: Dafiro HCT[13][14][15]
  • mit Sacubitril: Entresto

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Valsartan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Datenblatt VALSARTAN FOR SYSTEM SUITABILITY CRS (PDF) beim EDQM, abgerufen am 26. Juli 2009.
  2. a b c Eintrag zu Valsartan. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 12. November 2014.
  3. a b c Datenblatt Valsartan ≥98% bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 17. August 2016 (PDF).
  4. Fachinformation Diovan® von Novartis-Pharma.
  5. T. Stefenelli: AT1-Rezeptorblocker nach Val-HeFT. In: Journal für Kardiologie. 9 (7-8), 2002, S. 332–334. (PDF-Datei; 577 kB) .
  6. arznei telegramm 2002: Herzinsuffizienz: Valsartan kann Mortalität erhöhen.
  7. a b Diovan Fachinformation, Novartis Pharma GmbH, Stand März 2014.
  8. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz bei Dosing (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive).
  9. G. Flesch, P. Muller, P. Lloyd: Absolute bioavailability and pharmacokinetics of valsartan, an angiotensin II receptor antagonist. In: Eur J Clin Pharmacol. 52, 1997, S. 115–120, doi:10.1007/s002280050259.
  10. Björn Lemmer, Kay Brune (Hrsg.): Pharmakotherapie. 14. Auflage. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-10540-1, S. 232 f.
  11. Hasso Scholz, Ulrich Schwabe (Hrsg.): Taschenbuch der Arzneibehandlung: angewandte Pharmakologie. 13., überarb. und aktualisierte Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2005, ISBN 978-3-540-20821-1, S. 431; 878.
  12. Björn Lemmer, Kay Brune (Hrsg.): Pharmakotherapie. 14. Auflage. Springer, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-10540-1, S. 207.
  13. Rote Liste Online, Stand: August 2009.
  14. Arzneimittelkompendium der Schweiz, Stand: August 2009.
  15. AGES-PharmMed, Stand: August 2009.