Van Bo Le-Mentzel

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Van Bo Le-Mentzel auf einem „Hartz-IV-Sessel“ während der See-Conference 2015

Van Bo Le-Mentzel (* 18. Februar 1977 in Laos; ursprünglich Le Jumbo Jet[1]) ist ein deutscher Architekt laotischer Herkunft. Er wurde bekannt durch das Design der „Hartz-IV-Möbel“ zum Selbstbau mit geringem Kostenaufwand. 2015 war er Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Van Bo Le-Mentzel kam 1979 mit seinen Eltern aus Laos nach Deutschland und wuchs in Berlin-Wedding auf, wo er die Humboldthain-Grundschule besuchte. Später betätigte er sich in Berlin unter dem Namen „Prime Lee“ als Rapper und Graffiti-Künstler und studierte Architektur an der Beuth Hochschule für Technik Berlin.[3] 2010 absolvierte der junge und arbeitslose Architekt Van Bo Le-Mentzel einen Tischler-Wochenendkurs an der Berliner Volkshochschule. Diese handwerkliche Erfahrung inspirierte ihn dazu, selbst eine Möbelkollektion zu entwerfen. Sein erster Entwurf war der sogenannte „24 Euro Chair“. Vorbilder für dessen Gestaltung waren Designarbeiten der niederländischen Gruppe De Stijl und im deutschen Bauhaus, zum Beispiel von Gerrit Rietveld, Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Erich Dieckmann.[1]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartz-IV-Möbel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Van Bo Le-Mentzel beim Zusammenbauen eines „Hartz-IV-Sessels“

Van Bo Le-Mentzel entwickelte eine Möbelkollektion, die mittlerweile aus einem Stuhl, Sessel, Schlafsofa, Regal und Tisch besteht. 2010 stellte Van Bo Le-Mentzel im Rahmen des Internationalen Design-Festivals (DMY) in Berlin seine 21 Quadratmeter große „Hartz-IV-Wohnung“ vor.[4]

100-Euro-Wohnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Projekt „100-Euro-Wohnung“ ist eine Wohneinheit, die ein Tiny House ist und als Teil eines gemeinschaftlichen Wohnens dienen soll, das er „Co-Being House“ nennt. Menschen sollen dabei gemeinsam unter einem Dach in einzelnen Wohnungen leben, von denen die Kleinste nur 100 Euro Miete pro Monat kosten soll. Die 6,4 m² kleine, auf einen Anhänger aufgestellte Wohnung umfasst Küche, Bad, Büro, Schlafzimmer und Wohnstube. Im „Co-Being House“ sollen auch Menschen mit wenig Geld in der Innenstadt leben können.[5]

Bauhaus Campus Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 10. März 2017 bis 9. März 2018 kuratierte Van Bo den „Bauhaus Campus Berlin“ auf dem Freigelände vor dem Museum für Gestaltung Bauhaus-Archiv im Berliner Bezirk Tiergarten. Das Projekt sollte ein künstlerisches Experiment sein unter dem Motto „Study. Build. Research.“ und Möglichkeitsräume für demokratische Utopien von Menschen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit schaffen. Akteure aus Design, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und der Startup-Szene studierten und forschten auf einem temporären Campus. Alle beteiligten Projekte waren im Tiny House Movement organisiert, das sich mit mobilen Architekturen befasst, die in der Regel nicht größer als ein Parkplatz sind, also 10 m². Vorbild für dieses Experiment sei das Bauhaus als schulische Institution, in der vor 100 Jahren Bildung und Bauen neu gedacht wurde.

Open Academy Of The Fine Hearts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg begründete er 2015 mit Studierenden symbolisch die Hochschule als Open Academy of the Fine Hearts neu. Da Le-Mentzel seinen Lehrauftrag durch Crowdfunding finanzierte, gab er die Einkünfte seiner Professur an die Studierenden ab. Die Lehrveranstaltungen waren öffentlich zugänglich und von Zwiegesprächen und Eigeninitiative geprägt, einem Prozess, den Le-Mentzel als "Crowducation" beschrieb. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Vorgehen, da er zur Förderung der Eigeninitiative im Vornherein allen Studierenden die Bewertung "1,0" gab.[6][7]

Andere Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Architekt ist in verschiedenen Projekten engagiert. Er ist Mitbegründer des Berliner Vereins „Kiez-Tank-Stelle“, der sogenannte „Schooltalks“ organisiert. Interessante Persönlichkeiten werden dazu in die Schulen eingeladen, um den Jugendlichen zu erzählen, wie sie es geschafft haben, trotz schlechter Startbedingungen im Leben weiter zu kommen.[8]

Unter dem Motto „Konstruieren statt Konsumieren“ will Van Bo Le-Mentzel Menschen mit wenig Geld aber Stilbewusstsein dazu motivieren, selbst Hand anzulegen.[9] Van Bo Le-Mentzel lebte eine Zeit lang selbst von staatlicher Unterstützung und experimentierte in dieser Zeit mit selbstgebauten Möbeln. Der Architekt verschickt seine Baupläne auf Anfrage und bittet im Gegenzug darum, anschließend darüber zu berichten, wie das Projekt verlaufen sei.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu der zahlreichen positiven Resonanz übte die Junge Welt polemische Kritik an Van Bo Le-Menzel und warf ihm vor, er habe „seinen sozialen Aufstieg zynisch aus dem politisch forcierten sozialen Abstieg Abertausender, wie man heute sagt, ‚generiert‘.“ Autor Eike Stedefeldt hielt den 21 m² der „Hartz-IV-Wohnung“ von 2010 das Mindestmaß 28 m² für ein Neubauapartments in der DDR entgegen. Außerdem verglich er die Durchschnittsmiete einer Berliner 30 m²-Wohnung von stadtweit 12,08 EUR/m² bzw. 12,22 Euro/m² in Kreuzberg im Mietspiegel 2017 mit rechnerisch 15,63 Euro/m² bei 6,4 Quadratmetern für die „100-Euro-Wohnung“.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ZeitWISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit (2015)[11]
  • Bayreuther Vorbildpreis der bayreuther dialoge dem Zukunftsforum für Ökonomie, Philosophie und Gesellschaft (2015)[12]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Kleine Professor: 34 Dinge, die mich mein Sohn über das Leben, die Liebe und die Welt gelehrt hat. Ecowin, Wals 2016, ISBN 978-3-7110-5171-4
  • als Hrsg. (mit Birgit S. Bauer): Hartz IV Moebel.com. Build more, buy less! Konstruieren statt konsumieren. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3395-3
  • Mit Silke Helfrich: Der Architekt Van Bo Le-Mentzel lebt Offenheit, Commons und bedingungslose Grundarbeiten. In: Silke Helfrich, David Bollier und Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3245-3 (online verfügbar).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Van Bo Le-Mentzel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bauhausdesign für Hartz-IV-Empfänger? Art (Zeitschrift), 8. Juni 2011, archiviert vom Original am 28. Oktober 2017; abgerufen am 26. März 2019.
  2. Susanne Lenz: Van Bo Le-Mentzel. Der Professor, der jedem Studenten eine Eins gibt. In: Berliner Zeitung. 2. Januar 2015, abgerufen am 23. April 2019.
  3. „Ich stelle mir Berlin als Spielwiese vor“. Die Tageszeitung, 7. Juni 2010, abgerufen am 29. März 2019.
  4. Open Design City feat. Le Van Bo. DMY Internationales Design-Festival, archiviert vom Original am 29. August 2014; abgerufen am 29. März 2019.
  5. Dieter Kassel: Architekten suchen Ideen gegen Platzmangel. Interview. Deutschlandradio Kultur, 10. März 2017, abgerufen am 26. März 2019.
  6. Van Bo Le-Mentzel. In: re:publica - The most inspiring Festival for the Digital Society. Abgerufen am 23. April 2019.
  7. Reinhard Kahl: Lernen durch die Crowd. In: FUTURZWEI.org. Stiftung Zukunftsfähigkeit, 11. März 2019, abgerufen am 23. April 2019.
  8. Le Van Bo. kultur-im-quartier.de, archiviert vom Original am 19. April 2011; abgerufen am 26. März 2019.
  9. Van Bo Le-Mentzel: Hartz-IV-Möbelbau. 23. April 2011, archiviert vom Original am 24. Juli 2012; abgerufen am 26. März 2019.
  10. Eike Stedefeldt: Frage nie Frau Annemarie! Junge Welt, 17. März 2017, abgerufen am 26. März 2019.
  11. Die Preisträger 2015. Abgerufen am 20. August 2019.
  12. Bayreuther Vorbildpreis. In: bayreuther dialoge 2019. Abgerufen am 20. August 2019 (amerikanisches Englisch).