Vanadylsulfat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kristallstruktur
Strukturformel von Vanadylsulfat
Vanadylsulfat-Pentahydrat
__ V     __ S     __ O
Allgemeines
Name Vanadylsulfat
Andere Namen
  • Vanadin(IV)-oxidsulfat
  • Vanadiumoxysulfat
  • Vanadium(IV)-oxidsulfat
  • Vanadylsulfat
Verhältnisformel
  • VOSO4
  • VOSO4 · 5 H2O (Pentahydrat)
CAS-Nummer
  • 27774-13-6 wasserfrei
  • 123334-20-3 Hydrat
  • 12439-96-2 Pentahydrat
Kurzbeschreibung

blauer geruchloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 163,00 g·mol−1
Aggregatzustand

fest[1]

Dichte

1,09 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

105 °C[1]

Löslichkeit

leicht löslich in Wasser[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
05 – Ätzend 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 290​‐​302​‐​315​‐​319​‐​361​‐​372​‐​411
P: 234​‐​260​‐​273​‐​281​‐​301+330+331​‐​302+352​‐​305+351+338 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2][3]
Gesundheitsschädlich
Gesundheits-
schädlich
(Xn)

Hydrat

R- und S-Sätze R: 22
S: 36
Toxikologische Daten

448 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Vanadylsulfat, VOSO4, ist eine anorganische Verbindung des Vanadiums.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die meisten wasserlöslichen Sulfate, findet man es sehr selten in der Natur. Die wasserfreie Form ist Pauflerit, ein Mineral fumarolen Ursprungs. Die Hydrate sind ebenfalls sehr selten; Hexahydrat (Stanleyit), Pentahydrate (Minasragrit, Orthominasragrit und Anorthominasragrit) und Trihydrat (Bobjonesit).

Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Darstellung von Vanadylsulfat erfolgt gewöhnlich durch die Reduktion von Vanadium(V)-oxid durch Schwefeldioxid:

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vanadylsulfat

Der stark hygroskopische, blaue Feststoff ist eine der gebräuchlichsten Quellen von Vanadium im Labor. Es enthält das Vanadylion, VO2+, welches als das "stabilste zweiatomige Ion" bezeichnet wurde.

In wässriger Lösung kristallisiert das Salz als Pentahydrat, das fünfte Wasser ist nicht an das Metall gebunden. Als Komplex gesehen, hat dieser eine oktaedrische Struktur, mit Sauerstoff, vier Wasser und einem Sulfat als Liganden. Die V=O-Bindungslänge beträgt 160 pm, sie ist somit 50 pm kürzer als die V–OH2-Bindungen. In Lösung dissoziiert das Sulfat-Ion sehr schnell.

Das Pentahydrat und das Trihydrat haben eine monokline Kristallstruktur mit der Raumgruppe P21/a.[4]

In saurer Lösung ergibt die Oxidation von Vanadylsulfat gelbfarbene Vanadyl(V)-Derivate. Eine Reduktion, z. B. durch Zink, ergibt Vanadium(III)- und Vanadium(II)- Derivate, welche charakteristisch grün und violett sind.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zumeist ist Vanadylsulfat ein gebräuliches Edukt für andere Vanadylderivate, wie Vanadium(IV)-oxy(acetylacetonat):

Vanadylsulfat ist ein Zwischenprodukt in der Extraktion von Vanadium aus Erdölresten, einer kommerziellen Hauptquelle von Vanadium.

Vanadylsulfat ist vor allem im Ausland, beispielsweise in den USA, in einigen Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Vor allem im Bereich des Bodybuildings werden hilfreiche Effekte von Vanadylsulfat beworben, ein belegbarer Effekt konnte jedoch nicht festgestellt werden.[5] Vanadylverbindungen sollen den Effekt von Insulin nachahmen, die Wirkungsweise wird ähnlich der von Chrompicolinat beschrieben.[6] In Deutschland ist Vanadylsulfat als Mineralstoff nicht zugelassen.[5]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Norman Neill Greenwood, Alan Earnshaw: Chemistry of the elements. Pergamon Press, Oxford 1984, ISBN 978-0-08-022056-7, S. 1157.
  • Günter Bauer, Volker Güther, Hans Hess, Andreas Otto, Oskar Roidl, Heinz Roller, Siegfried Sattelberger: Vanadium and vanadium compounds. In: Ullman’s Encyclopedia of Industrial Chemistry. A27. Wiley-VCH, Weinheim 2002, S. 367–386 (PDF).
  • Burl E. Bryant, W. Conard Fernelius, Daryle H. Busch, R. Carl Stoufer, Wilmer Stratton: Vanadium(IV) Oxy(acetylacetonate). In: Inorganic Syntheses. 1957, S. 113–116, doi:10.1002/9780470132364.ch30.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Eintrag zu Vanadium(IV)-oxidsulfat in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  2. Für Stoffe ist seit dem 1. Dezember 2012, für Gemische seit dem 1. Juni 2015 nur noch die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung gültig. Die EU-Gefahrstoffkennzeichnung ist daher nur noch auf Gebinden zulässig, welche vor diesen Daten in Verkehr gebracht wurden.
  3. Datenblatt Vanadium(IV) oxide sulfate hydrate, ≥99.99% trace metals basis bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 17. Juni 2012 (PDF).
  4. M. L. Smith, J. Marinenko: A reexamination of minasragrite. In: American Mineralogist. Band 58, 1973, S. 531–534 (Online [PDF]).
  5. a b Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe: Verbotene Stoffe in Nahrungsergänzungsmitteln
  6. Pharmazeutische Zeitung online: Vorsicht vor der Prohormon-Falle, 10/2004.