Vanille (Orchideen)

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Vanille
Gewürzvanille (Vanilla planifolia)

Gewürzvanille (Vanilla planifolia)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Vanilloideae
Tribus: Vanilleae
Gattung: Vanille
Wissenschaftlicher Name
Vanilla
Mill.

Vanille ([ʋaˈnɪljə] oder [vaˈnɪlə], landschaftsbezogen auch [faˈnɪlə] bzw. [vaˈnɪl]; botanisch Vanilla) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Orchideen (Orchidaceae).[1] Die 106[1] bis 127 Arten sind in den Subtropen bis Tropen verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Rumphia, sive, Commentationes botanicæ imprimis de plantis Indiæ Orientalis ..., 1835 von Vanilla albida
Illustration aus Martius, Eichler, Urban: Flora Brasiliensis, Band 3, Teil 4, Tafel 32 von Vanilla chamissonis
Illustration von Vanilla humblotii

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei vielen Arten variieren die vegetativen Merkmale sehr stark und sind deshalb als Bestimmungsmerkmale schlecht geeignet.[1] Die Arten der Gattung Vanilla sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Kletterpflanze wachsen direkt im Erdboden wurzelnd (terrestrisch) oder halbepiphytisch. Die dicke, kahle, grüne, monopodiale Sprossachse verzweigt sich manchmal und ist sukkulent. Die grau-grünen Wurzeln entspringen an jedem Knoten der Sprossachse. Ihre Laubblätter sind lederartig dick und fleischig; sie können groß und länglich sein oder schuppenförmig.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der traubige Blütenstand ist kurz und dicht mit resupinaten[2] Blüten besetzt. Die relativ kurzlebigen Blüten sind auffällig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Kelchblätter sind frei.

Die Früchte sind botanisch gesehen längliche Kapselfrüchte oder zylindrische, ledrige Beeren, die sich nicht öffnen.[2] Die Früchte werden auch, wenn sie fermentiert als Gewürz verwendet werden, „Vanilleschoten“ genannt. Die Früchte enthalten, wie bei allen Orchideenarten, sehr viele, sehr kleine Samen. Die Samenschale (Testa) ist hart.[2]

Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Botanische Geschichte und Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Arten, die zur Gattung Vanilla wurde bereits benannt bevor das binominale System der Nomenklatur nach Carl von Linné 1753 festgelegt wurde.[1] Die Gattung Vanilla wurde am 28. Januar 1754 durch Philip Miller in The Gardeners Dictionary...Abridged...fourth edition aufgestellt.[3][2] Als Lectotypusart wurde Vanilla mexicana Mill. (Syn.: Epidendrum vanilla L.) durch Mansfeld in Kulturpflanze, 2, 1959, Seite 587 festgelegt.[3] Synonyme für Vanilla Plum. ex Mill. sind: Myrobroma Salisb., Vanillophorum Neck. nom. inval.[1]

Wichtige Revisionen der Gattung Vanilla erfolgten durch Klotzsch 1846,[4] Rolfe 1896[5] und Portères 1954[6]. Nach molekulargenetischen Daten erfolgte eine umfassende Revision durch Arenas et al. 2010.[1]

Äußere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Vanilla gehört zur Tribus Vanilleae in der Unterfamilie Vanilloideae innerhalb der Familie Orchidaceae. Nach Arenas 2010 ist die Gattung Vanilla Plum. ex Mill. mit den Gattungen Dictyophyllaria Garay, Epistephium Kunth und Lecanorchis Blum am nächsten verwandt.[1] Nach Pansarin 2010 gehört die einzige Art der Gattung Dictyophyllaria Garay wieder zur Gattung Vanilla.[7][8]

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Vanilla wurde durch Arenas et al. 2010 in zwei Untergattungen gegliedert:[1]

  • Untergattung Vanilla Mill. subg. Vanilla (Syn.: Vanilla subsect. Membranacea Portères nom. illeg.): Sie enthält etwa 15 neotropische Arten, die meisten davon kommen in Brasilien vor.[1]
  • Untergattung Vanilla subg. Xanata Soto Arenas & Cribb: Sie wurde 2010 aufgestellt und wird in zwei Sektionen gegliedert:[1]
    • Vanilla subg. Xanata sect. Tethya Soto Arenas & Cribb: Sie wurde 2010 aufgestellt.[1]
    • Vanilla subg. Xanata Soto Arenas & Cribb sect. Xanata[1]
Die Verbreitung der Gattung Vanilla auf der Welt

Arten und ihre Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Vanilla sind die tropischen und subtropischen Gebiete verschiedener Kontinente. Es gibt Areale im südlichen Bereich Nordamerikas, auf den Karibischen Inseln, in Zentralamerika, Südamerika, Zentralafrika, Madagaskar, Südostasien und auf den westlichen Pazifischen Inseln.

Die ursprüngliche Verbreitung der meisten Arten ist Südamerika, wobei auch ein paar Arten, wie Vanilla imperialis oder Vanilla roscheri auf dem afrikanischen Kontinent heimisch sind.

Die Gattung Vanilla enthält je nach Autor 106[1] bis 127[9] Arten:

  • Vanilla ×tahitensis (Tahiti-Vanille) = Vanilla odorata × Vanilla planifolia

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannteste und wirtschaftlich bedeutendste Vertreter ist die Gewürzvanille oder Echte Vanille (Vanilla planifolia). Aus den fermentierten Kapseln („Vanilleschoten“) dieser Pflanze wird das Gewürz Vanille gewonnen. Etwa 15 Arten tragen aromatische Früchte. Einige andere Vanillearten wie die Tahiti-Vanille (Vanilla tahitensis und Vanilla pompona) werden kommerziell genutzt. Auch diese Vanilla-Arten können in der Küche verwendet werden. Da die Inhaltsstoffe jedoch etwas anders als bei der Echten Vanille zusammengesetzt sind, ist das Aroma nicht ganz so fruchtig. Die Tahiti-Vanille wird jedoch hauptsächlich zur Verwendung in Kosmetika genutzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p Miguel A. Soto Arenas, Phillip Cribb: A new infrageneric classification and synopsis of the genus Vanilla Plum. ex Mill. (Orchidaceae: Vanillinae). In: Lankesteriana. Band 9, Nr. 3, 2010, S. 379, doi:10.15517/lank.v0i0.12071 (ucr.ac.cr [PDF; 692 kB]).
  2. a b c d James D. Ackerman: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 26: Magnoliophyta: Liliidae: Liliales and Oechidales. Oxford University Press, New York und Oxford, 2003, ISBN 978-0195152081. Vanilla Miller, S. 507–510 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
  3. a b Vanilla bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 11. April 2020.
  4. J. F. Klotzsch: Ueber die Arten der Gattung Vanilla. In: Botanische Zeitung (Berlin), Band 4, 1846, S. 561–567. eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  5. R. A. Rolfe A revision of the genus Vanilla. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 32, 1896, S. 439–478.
  6. R. Porterès Le genere Vanilla et ses espèces.: pp. 94290. In: G. Bouriquet (Hrsg.): Le Vanillier et la Vanille dans le Monde. Enc. Biol. 46. Ed. Paul Lechevalier, Paris, 1954.
  7. a b Emerson R. Pansarin: Vanilla dietschiana, returns from Dictyophyllaria. In: Orchids (West Palm Beach), Volume 79, 2010, S. 106–109.
  8. a b Emerson R. Pansarin: Taxonomic notes on Vanilleae (Orchidaceae: Vanilloideae): Vanilla dietschiana, a rare South American taxon transferred from Dictyophyllaria. In: Selbyana, Volume' 30, 2010, S. 198–202.
  9. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj bk bl bm bn bo bp bq br bs bt bu bv bw bx by bz ca cb cc cd ce cf cg ch ci cj ck cl cm cn co cp cq cr cs ct cu cv cw cx cy cz da db dc dd de df dg dh di dj dk dl dm dn do dp dq dr ds dt du dv dw dx dy dz ea eb Rafaël Govaerts (Hrsg.): Vanilla. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 12. April 2020.
  10. M. Oliur Rahman, Md. Abul Hassan: New angiospermic taxa for the flora of Bangladesh In: Bangladesh Journal of Plant Taxonomy, Volume 24, Issue 2, 2017. doi:10.3329/bjpt.v24i2.35112

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Vanille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Vanille (Vanilla) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikispecies: Vanille (Vanilla) – Artenverzeichnis

Weiterführende Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Phillip Cribb: A synopsis of Vanilla in Borneo. In: Malesian Orchid Journal, Volume 13, 2014, S. 101–112.