Vegetation

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Die Vegetation ist die Gesamtheit der Pflanzenformationen und Pflanzengesellschaften, die in einem Gebiet wachsen. Die Vegetation wird geprägt durch Klima, Boden, Relief, Gestein, Wasserhaushalt und durch die Einflüsse von Feuer, von Tieren und durch Menschen. Die durch das Großklima beeinflussten Vegetationsformationen sind auf der Erde zonal in Vegetationszonen angeordnet (hauptsächlich entsprechend den Klimazonen). Bei kleinräumigen Untersuchungen wird auch oft von einer Pflanzendecke gesprochen, bei der wissenschaftlichen Aufnahme spricht man generell von einer Vegetationsaufnahme. Im Falle eines Schadfeuers, bei dem primär die Flora betroffen ist, spricht man von Vegetationsbränden.

Die verwandten Begriffe Flora und Florenreich beziehen sich dagegen nicht auf die Pflanzenformation, sondern auf die Gesamtheit aller Pflanzensippen eines Gebietes.

In der Medizin versteht man unter Vegetation das Wachstum von Bakterien, zum Beispiel auf Herzklappen bei infektiöser Endokarditis. Das Verb vegetieren bedeutet „untätig“ zu leben wie eine Pflanze.[1]

Vegetationstypen in der Botanik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wird zwischen verschiedenen Vegetationskonzepten unterschieden:

Ursprüngliche natürliche Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche natürliche Vegetation ist die – v.a. mittels Gesteinsanalysen, Klimamodellen sowie Pollenanalysen und Analysen anderer organischer Funde – rekonstruierte Vegetation, die vor dem Erscheinen von menschlicher Kultur in einem Gebiet ausgebildet gewesen sein könnte.[2] Da die ursprüngliche natürliche Vegetation anderen klimatischen Bedingungen unterworfen war und aus einem anderen Artenpool gebildet wurde, unterscheidet sie sich in der Regel mehr oder weniger deutlich nicht nur von der realen heutigen Vegetation, sondern auch von der heutigen potenziell natürlichen Vegetation.

Reale Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die reale Vegetation ist die in einem Gebiet tatsächlich vorkommende Vegetation. Diese ist häufig durch menschliche Kultur beeinflusst, zum Beispiel durch land- und forstwirtschaftliche Beeinflussung. Haben kulturelle Einflüsse zu erheblichen Veränderungen der Vegetation geführt, spricht man von Ersatzgesellschaften, die die natürlichen Pflanzengesellschaften abgelöst haben.[3]

Potenzielle natürliche Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „potenzielle natürliche Vegetation“ (pnV) bezeichnet den Endzustand der Vegetation, den man im jeweiligen Gebiet erwarten würde, sofern dort fortan keine menschlichen Eingriffe mehr erfolgen.[4] „Dabei sollen etwaige Änderungen abiotischer Faktoren, die im Laufe einer hypothetischen Sukzession eintreten könnten … gedanklich ausgeschlossen sein.“[5] Die pnV ist also die aufgrund der aktuellen natürlichen und ggf. anthropogen veränderten Standortfaktoren erwartete Vegetation, wenn der menschliche Einfluss beendet würde. Die pnV ist daher zumeist nicht mit jener Vegetationsform identisch, die man erwarten würde, wenn der Mensch nie eingegriffen hätte (= Rekonstruierte natürliche Vegetation).[6] Man kann den Begriff der pnV auf verschiedene Zeiten beziehen. Bezieht man ihn auf die heutige Zeit, so spricht man von der heutigen potenziell natürlichen Vegetation (hpnV). Wenn keine Zeitangabe gemacht wird, meint pnV die hpnV.[7]

Der Begriff der potentiellen natürlichen Vegetation baut primär auf dem Konzept einer Schlussgesellschaft von Pflanzen, der sogenannten Klimaxvegetation, auf.[8] Damit wird eine längerfristig stabile Vegetationsform bezeichnet, die sich an einem Wuchsort nach einer Sukzessionsreihe, während der sich die Standorteigenschaften des Wuchsortes verändern können, einstellt. Die Klimaxvegetation selbst unterliegt in sehr langen Zeiträumen einem allmählichen Wandel durch klimatische, geologische und floristische Veränderungen an einem Wuchsort (z. B. Vegetationsentwicklung im Holozän). Ein alternatives Konzept zur Klimaxvegetation ist das Mosaik-Zyklus-Konzept.

Rekonstruierte natürliche Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rekonstruierte natürliche Vegetation ist die rekonstruierte Vegetation, die man in einem Gebiet erwarten würde, wenn der Mensch dort niemals erschienen wäre. Sie berücksichtigt im Gegensatz zur potentiellen Vegetation also keine anthropogenen Veränderungen, sondern schließt diese durch Extrapolierungen aus.[8] Die rekonstruierte natürliche Vegetation wird für den Naturschutz im Prozessschutz und für das Wildniskonzept relevant.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Vegetation – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Vegetieren?hl=vegetieren
  2. Otti Wilmanns: Ökologische Pflanzensoziologie. Heidelberg 1993: 56. Vgl. Reinhold Tüxen: Die Grundlagen der Urlandschaftsforschung. Ein Beitrag zur Erforschung der Geschichte der anthropogenen Beeinflussung der Vegetation Mitteleuropas. Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 8, 1931: S. 59–105.
  3. Otti Wilmanns: Ökologische Pflanzensoziologie. Heidelberg 1993: 55.
  4. Reinhold Tüxen: Die heutige potentielle natürliche Vegetation als Gegenstand der Vegetationskartierung. Angew. Pflanzensoz. 13, 1956: S. 5–42
  5. Otti Wilmanns: Ökologische Pflanzensoziologie. Heidelberg 1993: 55.
  6. Otti Wilmanns: Ökologische Pflanzensoziologie. Heidelberg 1993: 56.
  7. Otti Wilmanns: Ökologische Pflanzensoziologie. Heidelberg 1993: 55f.
  8. a b Alessandro Chiarucci, Miguel B. Arau’ jo, Guillaume Decocq, Carl Beierkuhnlein & Jose’ Marı’a Ferna’ ndez-Palacios: The concept of potential natural vegetation: an epitaph? Journal of Vegetation Science 21: 1172–1178, 2010