Vejprty

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Vejprty
Wappen von Vejprty
Vejprty (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Chomutov
Fläche: 977,1474[1] ha
Geographische Lage: 50° 30′ N, 13° 2′ OKoordinaten: 50° 29′ 48″ N, 13° 2′ 1″ O
Höhe: 725 m n.m.
Einwohner: 2.827 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 431 91–431 94
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Chomutov–Vejprty
Annaberg–Vejprty
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: Jitka Gavdunová (Stand: 2007)
Adresse: Tylova 870/6
431 91 Vejprty
Gemeindenummer: 563404
Website: www.vejprty.cz
Lage von Vejprty im Bezirk Chomutov
Karte

Vejprty (deutsch Weipert) ist eine Stadt im Ústecký kraj in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vejprty befindet sich im böhmischen Teil des Erzgebirges auf 760 m n.m.. Die Ortslage grenzt im Westen unmittelbar an das benachbarte Bärenstein in Sachsen. Zwischen beiden Orten verläuft der Pöhlbach, der die Staatsgrenze zwischen Tschechien und Deutschland bildet. Beide Orte liegen am Fuße des Basalt-Tafelberges Bärenstein.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Vejprty besteht aus den Ortsteilen České Hamry (Böhmisch Hammer), Vejprty (Weipert) und Výsada (Lauxmühle)[3]. Grundsiedlungseinheiten sind České Hamry, Nové Zvolání (Neugeschrei) und Vejprty[4]. Der Ortsteil Weipert-Grund mit dem Blechhammer, der sich im Norden der Stadt direkt gegenüber dem Bärensteiner Gemeindeteil Kühberg befand, wurde nach 1945 ausgesiedelt und vollständig abgerissen.[5]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke České Hamry u Vejprt und Vejprty[6]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königswalde
Bärenstein Nachbargemeinden Kryštofovy Hamry (Christophhammer)
Oberwiesenthal Loučná pod Klínovcem (Böhmisch Wiesenthal) Kovářská (Schmiedeberg)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisches Stadtwappen
Die Belegschaft des Grenzbahnhofs Weipert (um 1905)
im Stadtzentrum (2011)

Im frühen Mittelalter führte ein Handelsweg von Prag über den Pressnitzer Pass bis nach Leipzig und Halle und überquerte beim Blechhammer in Weipert die Grenze.

1413 wurde erstmals ein Grenzzeichen „by dem wyprechte“ genannt und in Lehensurkunden von 1526 und 1573 ist die Rede vom „Wüsten Hammer Weyberth“. Nach dem Einzug der Reformation erhielt Weipert im Jahr 1551 eine evangelische Kirche, die zu Ehren Martin Luthers "Martinskirche" genannt wurde. Sie wurde auch von Gläubigen aus dem sächsischen Nachbarort Bärenstein jenseits der Grenze besucht. Offenliegendes Silbererz zog immer mehr Bergleute an; Zechen und Ansiedlungen entstanden. 1607 wurde Weipert „Königlich Freie Bergstadt“. Seit 1617 unterstand Weipert nicht mehr der Herrschaft Preßnitz, sondern direkt dem König von Böhmen.[7] Im Zuge der Gegenreformation verließ der letzte evangelische Pfarrer von Weipert im Jahr 1625 das Königreich Böhmen. Zahlreiche protestantische Einwohner von Weipert und der Nachbarorte verließen ebenfalls das Land und siedelten sich auf der gegenüberliegenden, sächsischen Seite des Pöhlbachs als Exulanten an, wo sie die Siedlungen Stahlberg, Niederschlag und Hammerunterwiesenthal gründeten. Das evangelische Gotteshaus wurde zunächst als katholische Kirche genutzt und später zur Friedhofskapelle umfunktioniert.[8]

Die Zeit von 1860 bis 1910 wurde zu Weiperts Blütezeit. 1872 erhielt Weipert mit Inbetriebnahme der Bahnstrecke Komotau–Weipert einen großzügig dimensionierten Grenzbahnhof. 50 Fabriken, Bankgebäude, Verwaltungs- und Bürgerhäuser machten die Stadt mit ihren fast 13.000 Einwohnern zu einer der bedeutendsten Industriestädte im oberen Erzgebirge.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges zerfiel die Donaumonarchie und Weipert gehörte ab 1919 zur neu gebildeten Tschechoslowakei. Im Oktober 1938 marschierten deutsche Truppen über die Grenzbrücke in Weipert ein und die Stadt wurde, wie das gesamte Sudetenland, Teil des Deutschen Reiches.

Vertreibung der Deutschen

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung von Weipert vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Stadtkirchen in der kommunistische Ära enteignet. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen. Krieg und Vertreibung forderten etwa 460 Todesopfer.

Die stark entvölkerte Stadt verfiel zunehmend. Hunderte Häuser, vor allem im nördlichen Stadtteil Grund und im Stadtzentrum sowie viele Fabrikgebäude wurden abgerissen. Selbst im Jahre 1982 wurde noch die evangelische Kirche gesprengt. An ihrer Stelle hat die Stadtverwaltung in einer Gemeinschaftsaktion mit dem „Heimatausschuss Weipert“ im Sommer 2005 einen Gedenkstein aufgestellt. Die daran angebrachte Tafel erinnert an das im Jahre 1905 im Jugendstil erbaute Gotteshaus und trägt zweisprachig die Aufschrift: Herzen wurden verletzt, aber der Verstand verlangt Versöhnung!

2004 lebten etwa 3000 Tschechen und ca. 400 Deutsche (11 Prozent) in der Stadt. Mit gezielten Spendenaktionen sanierten die einst Vertriebenen die katholische Dekanalkirche Zu Allen Heiligen. Darüber hinaus sorgte ein anonymer Geldgeber dafür, dass die im Kriegsjahr 1942 abgenommenen drei Glocken im Mai 2005 bei Perner in Passau neu gegossen, am 31. Juli 2005 vom Pilsner Bischof František Radkovský geweiht und beim Heimattreffen am 4. September 2005 wieder erklingen konnten. Zur Glockenweihe wurde erstmals seit Kriegsende auch wieder die Kirmes, das „Weiperter Fest“ gefeiert, es soll alljährlich wieder im Monat Juli stattfinden.

Zur Erhaltung des um 1551 erbauten Martinskirchleins konnte mittels einer gemeinsamen Spendenaktion der einstigen und der heutigen Bewohner sowie weiterer Finanzmittel des Denkmalschutzes eine umfassende Innenrestaurierung erfolgen. Am Martinstag, den 11. November 2006, ist das von Klaus Kastler aus Nürnberg rekonstruierte Altarbild feierlich enthüllt worden. Mit der Erneuerung der Außenfassade haben die letzten Arbeiten ihren Abschluss gefunden.

Am 16. Dezember 2005 wurde der Grenzübergang nach Bärenstein nach 60 Jahren wieder für Kraftfahrzeuge (bis 3,5 t) geöffnet, nachdem die Grenzbrücke kurz zuvor neu gebaut worden war. Dabei wurden die verfallenen Gebäude der ehemaligen Firma „Bayer & Kreuzig“, die Fabrik „Langer & Söhne“ und die „Kraft-Fabrik“ abgerissen. Auf dem abgeräumten Areal befinden sich Teile der Grenzabfertigungsanlage sowie ein Einkaufsmarkt und eine Tankstelle. Die Stadt bemüht sich sichtbar, dem einstigen Stadtzentrum, in dem heute viele Plattenbauten stehen, wieder ein freundliches Gesicht zu geben.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[9]
1869 5.349
1880 6.308
1890 8.196
1900 9.850
1910 11.692
Jahr Einwohnerzahl
1921 10.256
1930 11.751
1950 4.476
1961 4.467
1970 3.546
Jahr Einwohnerzahl
1980 3.820
19911 3.320
20011 3.336
20111 2.950
1 Vejprty mit České Hamry und Výsada
Davon die ethnologische Volksgruppenzugehörigkeit

1921: 9.996 (94 %) Deutsche [10] 1930: 238 (2 %)Tschechen [11].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Waldfriedhof am Ortsausgang Richtung Kovářská mit seinen imposanten Grüften kündet vom einstigen Reichtum der Stadt.
  • Kostel Všech Svatých (Zu Allen heiligen).
  • Anton-Günther-Ruh im ehemaligen Stadtteil Grund, gelegen am Weg vom Bahnhof zum früheren Blechhammer (Richtung Bärenstein, Ortsteil Kühberg)
  • Wardis-Kreuz

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Panoramablick vom Hohen Stein auf Nové Zvolání, Bärenstein mit dem Bärenstein und Vejprty

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gunzenhausen in Bayern ist seit 1954 die Patenstadt der einst aus Weipert vertriebenen Bevölkerung. Mit dem unmittelbaren Ortsnachbarn Bärenstein besteht seit 2005 ein Partnerschaftsvertrag. Zwischen der Stadt Vejprty, ihrem Nachbarort Bärenstein in Sachsen und dem „Heimatausschuss Weipert“, der die Interessen der Vertriebenen aus Weipert vertritt, wurden seit 1990 gute Kontakte aufgebaut.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es bestehen im Saisonverkehr (Sommer) planmäßige Bahnverbindungen nach Chomutov (Bahnstrecke Chomutov–Vejprty) und Cranzahl (Bahnstrecke Vejprty–Annaberg-Buchholz unt Bf).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Innitzer (1875–1955), Kardinal, Erzbischof von Wien
  • Wilhelm Dick (1897–1947), Skispringer
  • Ernst Bartl (1899–1972), Heimatpfleger und Bundesvorstand der Eghalanda Gmoi, ferner Kommunalpolitiker in Eger
  • Jupp Müller (1921–1985), Schriftsteller

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vejprty – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Badenheuer: Die Sudetendeutschen. Eine Volksgruppe in Europa. Sudetendeutscher Rat, München 2007, ISBN 978-3-00-021603-9.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/563404/Vejprty
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/563404/Obec-Vejprty
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/563404/Obec-Vejprty
  5. Private, deutschsprachige Homepage über den Ortsteil Weipert-Grund
  6. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/563404/Obec-Vejprty
  7. "Allgemeiner Anzeiger der Kreisstadt Saaz, S. 341
  8. Die evangelische Kirche von Weipert in der Geschichte der Erlöserkirche Bärenstein
  9. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 23. Januar 2016 (PDF, tschechisch).
  10. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Seite 647. Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. ISBN 3-925362-47-9
  11. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 474. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.