Vektor (Biologie)

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Ein Vektor (von lateinisch vector ‚Reisender‘, ‚Träger‘) oder Krankheitsüberträger ist in der Biologie und der Medizin ganz allgemein ein Überträger von Krankheitserregern, die Infektionskrankheiten auslösen.[1] Der Vektor transportiert einen Erreger vom Wirt auf einen anderen Organismus, ohne selbst zu erkranken. Dies gilt auch für Menschen und Tiere mit Infektionen, die schon während der Inkubationszeit ansteckend sind. Das entspricht einem indirekten Infektionsweg. Man unterscheidet zwei Arten der Übertragung.

Biologische Übertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der biologischen Übertragung, auch aktive Übertragung genannt, wird eine Erregerart von einem speziellen Vektor – beispielsweise einem blutsaugenden Insekt – während der Nahrungsaufnahme bei einem infizierten Hauptwirt aufgenommen. Der Erreger überlebt im Vektororganismus, er kann sich dort möglicherweise auch vermehren und/oder wandeln. Bei der nächsten Nahrungsaufnahme des Vektors an einem noch nicht infizierten Lebewesen wird dieses neue Opfer infiziert. Der Vektor handelt hier als Zwischenwirt. Grundsätzlich gilt bei der biologischen Übertragung, dass jeder Vektor nur die für ihn spezifischen Erreger übertragen kann.
Als Beispiele seien die Gelbfiebermücke als Überträger des Gelbfiebers und des Zika-Virus und die Zecken als Überträger der FSME und der Lyme-Borreliose genannt.[2]

Übergang von MERS-CoV und SARS-CoV-1 auf den Menschen

Der Übergang von MERS-CoV auf den Menschen geht wahrscheinlich von Fledertieren und Dromedaren als Überträger aus,[3] SARS-CoV-1 von Hufeisennasen und über den Marderhund zum Menschen.[4][5] Bei SARS-CoV-2 werden verschiedene Tierarten als Überträger auf den Menschen diskutiert, besonders die Hufeisennasen und ebenfalls der in China zur Pelzherstellung gezüchtete Marderhund (Seefuchsfell). Symptomfreie oder noch symptomfreie mit SARS-CoV-2 infizierte Menschen spielen als potenzielle Überträger von Mensch zu Mensch eine Rolle.[6]

Mechanische Übertragung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der mechanischen Übertragung, auch passive Übertragung genannt, ist der Vektor nur äußerlich mit einem Erreger oder mehreren kontaminiert und überträgt diese per Kontaktinfektion (Schmierinfektion) auf einen anderen Organismus. Beispiele sind die Stubenfliege, die Schmeißfliege und die Kakerlake. Der Vektor tritt hier als Transportwirt auf. Bei der mechanischen Übertragung kann ein Vektor alle möglichen Krankheitserreger übertragen. Der Transport über einen längeren Zeitraum ist allerdings nur möglich, wenn der Erreger luftunempfindlich ist.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Vektoren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vektor (Gentechnik)

Zoonose

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vector. In: WordNet Search 3.1. Abgerufen am 5. Mai 2020.
  2. C. Frank, M. Faber et al.: Wichtige, durch Vektoren übertragene Infektionskrankheiten beim Menschen in Deutschland- Epidemiologische Aspekte. In: Bundesgesundheitsblatt. 2014, doi:10.1007/s00103-013-1925-9.
  3. M. Coleman, Matthew B. Frieman: Coronaviruses: Important Emerging Human Pathogens. In: Journal of Virology. Mai 2014, Band 88, Nr. 10, S. 5209–5212, doi:10.1128/JVI.03488-13.
  4. Fabian Schmidt: Der Marderhund als Coronavirus-Schleuder? Auf: dw.com vom 29. April 2020.
  5. James D. Cherry, Paul Krogstad: SARS: The First Pandemic of the 21st Century. In: Pediatric Research. Band 56, 2004, S. 1–5, doi:10.1203/01.PDR.0000129184.87042.FC.
  6. Wycliffe E. Wei, Zongbin Li et al.: Presymptomatic Transmission of SARS-CoV-2 In: CDC: Morbidity and Mortality Weekly Report. (MMWR) April 10, 2020, Band 69, Nr. 14, S. 411–415.