Velarium

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Mögliche Rekonstruktion des Velariums am Kolosseum [1]
Rekonstruktion vom Maler Jean-Léon Gérôme auf dem Bild Ave Caesar Morituri te Salutant

Ein Velarium (Plural: Velaria) war eine große ringförmige Segeltuch-Plane. Am Außenrand des obersten Geschosses des Kolosseums in Rom wurden 240 senkrechte Masten aufgestellt, an denen das riesige Sonnensegel aufgezogen werden konnte, so dass bei starker Hitze die Zuschauer auf den Rängen im Inneren des Kolosseums beschattet wurden.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Velarium war in jener Zeit eine grandiose technische Meisterleistung. Es wurde aus zahlreichen Planen zusammengeknüpft, die aufgrund des elliptischen Grundrisses jeweils unterschiedlich geschnitten sein mussten. Daher wurde die äußerst komplizierte Konstruktion von sehr erfahrenen Matrosen der kaiserlichen Flotte angefertigt. Diese Flotteneinheit war bei Misenum am Golf von Neapel stationiert und wurde extra für diesen Auftrag nach Rom berufen.

Das Kolosseum verfügte über 240 Masthalterungen am oberen Gebäuderand. Die Masthalterungen war so konstruiert, dass sich die Masten nicht in ihren Fassungen bewegen konnten. Der Abstand zwischen den einzelnen Halterungen ist kleiner als bei anderen Amphitheatern der Antike. Beides sollte die Stabilität des aufgespannten Sonnensegels garantieren.

Der innere Rand der Segelkonstruktion bildete einen elliptischen Ring, der auf dem Boden des Amphitheaters platziert wurde. Von diesem Ring liefen 240 Seile über die Masten zum Außenbereich der Arena. Dort wurden Winden eingesetzt, um das Velarium aufzuspannen. Das Aufspannen war überaus mühselig und zog sich über mehrere Tage hin. Bis zu 1000 Männer waren nötig, um das Velarium zu montieren.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Außer im römischen Kolosseum gab es solche Vela oder Velaria in vielen Theatern und Amphitheatern des Römischen Reiches. Bei Ankündigungen von Spielen wurde mitunter ausdrücklich erwähnt, dass die Sonnensegel aufgezogen würden.

In der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Kunst bezeichnete Velarium bis ins beginnende 20. Jahrhundert eine horizontal ausgespannte Leinwand entweder in einem Raum mit Oberlicht, wie ein Ausstellungs- oder Gemäldesaal, oder über eine Straße oder einen Platz.
Erfolgte seine Herstellung aus einem festlichen Anlass, wurde das Velarium oft mit Ornamenten oder figürlichen Malereien aus der Hand bedeutender Künstler versehen. Es war nicht üblich, das Velarium über das tagesaktuelle Ereignis hinaus öffentlich auszustellen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Enigme tenace - Comment pouvait-on tirer le velum dessus?, wohlgesinnter Essay über René Chambons Velarium-Rekonstruktion, Site velum-colisee.com, abgerufen 2014