Veneter (Weichsel)

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Dieser Artikel behandelt die Veneter im Weichselraum bzw. östlich Germaniens. Weitere Bedeutungen befinden sich unter Veneter.

Der Name Veneter (Venedi, Venetae, Venedae) wird in der Antike von verschiedenen Autoren zur Bezeichnung einer Bevölkerung östlich Germaniens verwendet. Auf den Begriff geht möglicherweise das Wort „Wenden“ (auch: „Winden“) zurück, mit dem später slawische Bevölkerungsgruppen bezeichnet wurden. Aus einer derartigen Namensübertragung ließen sich jedoch weder intensive Beziehungen noch eine ethnische Kontinuität zwischen Venetern und Wenden ableiten.

Vorrömische Eisenzeit ca. 600 v. Chr. bis zur Zeitenwende. Nord- und Nordosteuropa Legende: [1]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Autoren des Altertums und Frühmittelalters erwähnen östlich Germaniens ein Volk der Veneter. Der Name wird als Quelle des mittelalterlichen und neuzeitlichen Begriffs Wenden für verschiedene westslawische Völker angesehen, zumeist im Sinne einer Fehlzuschreibung. Schon die Aussagen der alten Autoren über dieses am äußersten Rand der den antiken Literaten bekannten Welt lebende Volk sind nicht ganz einheitlich. Als Sarmatien, benannt nach den in der heutigen Ukraine und Südrussland lebenden Sarmaten, bezeichneten antike Autoren den ganzen Osten Europas östlich der Weichsel.

Plinius (* etwa 23; † 25. August 79) bezieht sich in seiner Naturalis historia auf Aussagen von Skandinaviern, in dem Land Aengina (östlich der Ostsee), nicht kleiner als Skandinavien, wohnten bis an die Weichsel (d. h. nordöstlich und östlich derselben) die Sarmatae, Venetae, Skiren und Hirren.[2]

Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120) erwähnt in seiner Germania am östlichen Rand Germaniens die Peucini, Venedi und Fenni, bei denen er nicht sicher sei, ob er sie den Germanen oder den Sarmaten zurechnen solle. Seine Lokalisierung der Venedi beschränkt sich auf „zwischen Fenni und Peucini“. Als Küstenbewohner erwähnt er die Aesti gentes in einer Weise gegenüber den Suiones (Vorfahren der Schweden), dass ihr Siedlungsgebiet östlich an die von ihm nirgends erwähnte Weichselmündung anschließend vermutet wird. Daher wird teilweise angenommen, Tacitus habe mit Aesti die oder ein Volk der Balten bezeichnet.[3]

Claudius Ptolemaios (* um 100; † um 175) beschreibt die Stämme westlich der Weichsel in seiner Geographike Hyphegesis im Kapitel Germanien des zweiten Buches,[4] die Stämme östlich der Weichsel im Kapitel Sarmatien des dritten Buches.[5] Aesti oder Aisti erwähnt er nirgends. An der Küste einer Venedischen Bucht wohnen bei ihm die großen Völker der Uenedai, an der (unteren) Weichsel die kleineren Völker derselben, dazu in der Nähe Galindoi und Sudonoi, noch über ein Jahrtausend später Namen baltischer Stämme, sowie östlich nicht weit vom Meer die Veltae. Aufgrund seiner geografischen Angaben wird von einigen Forschern angenommen, dass Ptolemaios' mit Venedai einen baltischen Stamm bezeichnete, der an der preußischen Haffküste oder der Rigaer Bucht lebte. Mit diesem Stamm werden die neuzeitlichen Ortsnamen Ventspils, Venda (Fluss bei Ventspils) und Wenden (früherer Name von Cēsis) in Lettland in Verbindung gebracht.[6]

Moderne Übertragung zeigt Venedai an der Haffküste

Jordanes erwähnt eine Legende, nach der die Gepiden einst auf Inseln im frischen oder kurischen Haff gelebt haben sollen. Tacitus erwähnt die Aesti östlich davon. Archäologisch lässt sich im 1. Jhd. östlich der Goten eine weitere Kultur am kurischen Haff (heutiges Litauen, Lettland) nachweisen, die als westbaltisch angesehen wird.

Jordanes erwähnt um 550 in seiner Darstellung der Geschichte der Goten (Getica 23, 119) sowohl die Aesti als auch die Venethi. Er schreibt wortwörtlich, das Reich der Goten unter dem Gotenkönig Ermanarich (lat.Hermanaricus, † 376) reiche von den Aestii bis zum Pontus.[7] Zudem hätten die Goten die Venethi, Anten und Sclaveni (griechisch Sklavini) geschlagen.

.., von der Quelle der Vistula durch eine unermessliche Strecke hin wohnt das mächtige Volk der Venether, deren Name freilich nun bei verschiedenen Familien und Orten wechseln mag, so werden sie dennoch grundsätzlich Sclaveni und Anten genannt.[8] Als mögliche Gruppierung kommen hier die 5 Stämme der Lugier sowie die Charini bzw. Harier in Frage, die ausschließlich im 1. Jhd. erwähnt werden und teilweise auch als Vandalen bezeichnet wurden. Sie sind Teil der Przeworsk-Kultur.

Um 550 platziert Jordanes die Sclaveni als ursprünglicher Teil der Venethi von Noviodunum ad Istrum bis zum Mursianischem See (bei Novae) und nordwärts bis zu den Quellen der Weichsel (in den Schlesischen Beskiden), daneben leben die Anten. Diese Aussage wird durch den Zeitgenossen Prokopios von Caesarea bestätigt, der die Sklavini um ca. 550 zur Zeit des Justinian I. nördlich des verfallenen Kastell Ulmetum verortete.

Awaren werden 559 in Noviodunum ad Istrum von Ostrom angeworben und 562 werden die Anten die 545 Turris bekamen, von den Awaren angegriffen. Fortan wird der Begriff Sklavini historisch für alle osteuropäischen Barbaren jenseits der Donau genutzt und verschwindet nach ca. 250 Jahren wieder mit der Ausbreitung der Bulgaren.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich Beck, Heiko Steuer, Dieter Timpe (Hrsg.): Reallexikon der germanischen Altertumskunde. Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. = Die Germanen. Studienausgabe, 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin u. a. 1998, ISBN 3-11-016383-7, S. 145, Schraffur im Original durch Farben ersetzt.
  2. Plinius, Naturalis Historia 4, ?. Das „bis zur Weichsel“ dieses Passus ist leicht misszuverstehen, aber die Sarmaten lebten nach übereinstimmender Aussage aller Quellen östlich der Weichsel; westlich des Flusses wohnten damals Germanen.
  3. Tacitus, Germania, lateinisch; Google-Suche „aesti gentes“ Lexikon der germanischen Altertumskunde. 2. Auflage. Band 26, Walter de Gruyter, Berlin 2004, S. 392–393.
  4. Ptolemaios 2, 10: Germanien.
  5. Ptolemaios 3, 5: Sarmatien.
  6. Ptolemaios 3, 5: Sarmatien.
  7. Jordanes, Getica 34, Neuübersetzung L. Möller, 2012.
  8. Jordanes, Getica 34, Neuübersetzung L. Möller, 2012.
  9. Florin Curta, The making of Slavs