Venezolanischer Bolívar

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Venezolanischer Bolívar
Staat: VenezuelaVenezuela Venezuela
Unterteilung: 100 Céntimos
ISO-4217-Code: VEF
Abkürzung: BsF.
Wechselkurs:
(28. August 2015)

1 USD = 6,30 VEF (fix, allgemeiner Wechselkurs)
1 EUR = 7,0988 VEF
1 VEF = 0,14087 EUR
1 CHF = 6,5687 VEF
1 VEF = 0,15224 CHF

Der Venezolanische Bolívar ist seit dem Jahr 1879 die Landeswährung des südamerikanischen Staates Venezuela. Sie wurde benannt nach Simon Bolívar. Nach einer Umbewertung des Bolívar zum 1. Januar 2008 wird er zur Unterscheidung von der alten Währung Bolívar fuerte (Starker Bolivar; Abkürzung: BsF) genannt. Die offizielle Währungsbezeichnung ist jedoch weiterhin Bolívar.

Geschichte und Hintergründe[Bearbeiten]

Im Jahre 1879 wurde der Bolívar offiziell in Venezuela eingeführt. Er ersetzte den davor gültigen Venezolano im Verhältnis 1 Venezolano = 5 Bolívares. Gemäß den Prinzipien der Lateinischen Münzunion, denen der Bolívar damals folgte, entsprach er 4,5 Gramm Feinsilber. 1887 wurde der Gold-Bolívar als gesetzliche Währung eingeführt. 1910 wurde er alleiniges Zahlungsmittel.

Im Jahre 1930 nahm man vom Goldstandard Abstand. In der Folgezeit galt der Bolívar als die stabilste und international anerkannte Währung der Region. Dies endete am 18. Februar 1983 mit dem später so genannten Schwarzen Freitag Venezuelas. Seit dem befindet sich der Bolívar in einem Prozess der ständigen Abwertung. Nach einem Streik der Ölarbeiter im Jahre 2003 führte die Regierung von Hugo Chávez Kapitalkontrollen ein. Der Bolívar konnte nicht mehr frei in andere Währungen, wie den US-Dollar, getauscht werden, woraufhin sich ein unregulierter Handel zwischen dem US-Dollar und dem Bolívar entwickelte.[1]

Die Veröffentlichung des Schwarzmarktpreises des Bolívars zum Dollar wurde 2007 unter Strafe gestellt.[2]

Am 1. Januar 2008 bekam der Bolívar einen neuen Namen, Bolívar Fuerte. Gegenüber dem alten Nominalwert wurden drei Nullen gestrichen. Das Umtauschverhältnis betrug also 1000 Bs zu 1 BsF. Während der Umtauschphase von einem Jahr waren beide Währungen parallel gültiges Zahlungsmittel in Venezuela. Der bestehende, seit 2005 gültige, feste Wechselkurs zum US-Dollar wurde beibehalten und betrug 2,15 BsF zu 1 USD.[3] Ziel der Regierung war es, die Inflation einzudämmen und das Vertrauen in die Währung wiederherzustellen.

Mit Wirkung vom 11. Januar 2010 musste die venezolanische Regierung eine weitere Abwertung vornehmen. Aufgrund der beständig hohen Inflationsrate von jährlich 25 bis 30 Prozent hatte sich der Schwarzmarktkurs zu weit vom offiziellen Tauschkurs entfernt. Es wurde eine zweigeteilte Wechselkursrate eingeführt: Der günstigere Kurs von 2,60 BsF zu 1 USD, was einer Abwertung um 17 Prozent entspricht, gilt seitdem für „priorisierte Importe“, wie zum Beispiel Lebensmittel, für staatliche Behörden und sogenannte Remesas, Überweisungen von im Ausland lebenden Familienangehörigen an ihre Angehörigen in Venezuela. Der allgemein gültige Wechselkurs wurde jedoch um 50 Prozent auf 4,30 Bolívares je Dollar abgewertet.[4]

Im unregulierten Markt, also dem Schwarzmarkt, betrug der Wechselkurs zu diesem Zeitpunkt um die 6,25 BsF pro Dollar.[1] Viele Volkswirte hielten die Abwertung für überfällig, da der Bolívar extrem stark überbewertet gewesen sei. Die Inflation in Venezuela war rund 25-mal so hoch, wie in den USA. Immer mehr Kapital floss in andere Währungen ab.[5]

Der venezolanischen Regierung erlaubte die Abwertung eine Verringerung des Haushaltsdefizits. Die Bevölkerung reagierte mit Hamsterkäufen.[5] Ökonomen kritisieren jedoch, dass das zweigeteilte Wechselkurssystem in Lateinamerika schon in den 1980er Jahren nicht funktioniert habe. Es eröffne neue Wege der Korruption. Man könne sehr einfach über die verschiedenen Wechselkurse dem System Geld entziehen. Die venezolanische Opposition erinnerte an den Schwarzen Freitag Venezuelas von 1983.[1] Damals wurde ebenfalls ein mehrstufiges Wechselkurssystem eingeführt, welches Chávez als „korrupt“ bezeichnete. Damals seien 60 Milliarden Dollar Kapital abgeflossen.[5]

Am 9. Juni 2010 wurde ein weiterer Parallelmarkt, das sogenannte System für Transaktionen mit Titeln in ausländischer Währung (Sistema de Transacciones con Títulos en Moneda Extranjera – SITME) eingeführt.[6] Firmen, die auf Grund Devisenmangels nicht zum offiziellen Wechselkurs einkaufen können, können sich auf diesem Markt mit bis zu 50.000 US-Dollar täglich bedienen.[7]

Zum 1. Januar 2011 erfolgte eine erneute Abwertung des Bolívar. Der vergünstigte Wechselkurs für wichtige Güter wie Lebensmittel oder Medikamente wurde gestrichen und dem allgemeinen Wechselkurs von 4,30 Bolívares je Dollar angepasst, was eine Abwertung um 65 Prozent für diese Importgüter bedeutete.[8] Der SITME-Kurs blieb bestehen. In Venezuela besteht für diese Güter eine hohe Importabhängigkeit, sodass ein starker Einfluss auf die Verbraucherpreise und damit auf die Inflation erwartet wird.

Im Februar 2013 musste der Bolívar angesichts der anhaltend hohen Inflation erneut kräftig abgewertet werden. Der neue offizielle Wechselkurs betrug nun 6,30 Bolívares pro Dollar.[9] Damit sollten vor allem Schulden im Inland abgebaut werden, nachdem sich das Wahljahr 2012 durch eine extensive Ausgabenpolitik der Regierung des im März 2013 verstorbenen Präsidenten Chávez auszeichnete. Gleichzeitig wurde das Wechselkurssystem für Unternehmen SITME abgeschafft. Der Schwarzmarktkurs für den Bolívar zum US-Dollar betrug zu dieser Zeit rund 20:1.[10] Statt des SITME führte man das SICAD-Verfahren (Sistema Complementario de Administración de Divisas) zur Devisenbewirtschaftung ein, das als Zweitpreisauktion ausgelegt ist.[11] Bei der ersten Ende März 2013 stattgefundenen Auktion war aus Bieterkreisen zu erfahren, dass zwischen 12 und 15 Bolívares pro Dollar geboten wurden, also gut das doppelte des offiziellen Nominalpreises. Weder der genaue Ablauf der Versteigerungen, noch die zugeteilten Umtauschkurse wurden offiziell veröffentlicht.[12]

Da der Tausch von venezolanischen Bolívares in konvertible Währungen stark reglementiert ist, entwickelte sich hierfür ein Schwarzmarkt.

Zu Beginn des Jahres 2015 lag der Umtauschkurs von Bolívar zu Dollar über SICAD 1 bei 1:12, über SICAD 2 bei 1:50 und der Schwarzmarktkurs betrug 190 Bolívar für 1 US-Dollar.[13][14]

Die Münzen[Bearbeiten]

Münzen des Bolívar Fuerte:

Nennwert Material Rand Design
Vorderseite
Design
Rückseite
Spitzname Bild
Vorderseite
Bild
Rückseite
1 Céntimo Kupfer glatt Nennwert der Münze, die acht Sterne und einige Wellen, welche die Streifen auf der Nationalflagge repräsentieren Staatswappen und Ausgabeland Céntavo 1ca.jpg 1cr.jpg
5 Céntimos Kupfer glatt Nennwert der Münze, die acht Sterne und einige Wellen, welche die Streifen auf der Nationalflagge repräsentieren Staatswappen und Ausgabeland Puya 5cr.jpg 5ca.jpg
10 Céntimos Nickel glatt Nennwert der Münze, die acht Sterne und einige Wellen, welche die Streifen auf der Nationalflagge repräsentieren Staatswappen und Ausgabeland Mocha 10ca.jpg 10cr.jpg
12½ Céntimos Nickel glatt Nennwert der Münze, die acht Sterne der Nationalflagge und zwei Palmen Staatswappen und Ausgabeland Locha 12ca.jpg 12cr.jpg
25 Céntimos Nickel glatt Nennwert der Münze, die acht Sterne und einige Wellen, welche die Streifen auf der Nationalflagge repräsentieren Staatswappen und Ausgabeland Medio 25ca.jpg 25cr.jpg
50 Céntimos Nickel glatt Nennwert der Münze, die acht Sterne und einige Wellen, welche die Streifen auf der Nationalflagge repräsentieren Staatswappen und Ausgabeland Real 50ca.jpg 50cr.jpg
1 Bolívar Ring: Messing
Kern: Nickel
glatt Porträt des Befreiers Nennwert der Münze, die acht Sterne, das Staatswappen und einige Wellen, welche die Streifen auf der Nationalflagge repräsentieren Bolívar 1 Bs. R.jpg 1 Bs..jpg

Die Banknoten[Bearbeiten]

Geldscheine des Bolívar Fuerte, die 2008 in den Umlauf gekommen sind:

Nennwert Abbild Farbe Bild Vorderseite Bild Rückseite
2 BsF Francisco de Miranda Blau
5 BsF Pedro Camejo Orange
10 BsF Cacique Guaicaipuro Orange und Blau
20 BsF Luisa Cáceres de Arismendi Rosa
50 BsF Simón Rodríguez Grün
100 BsF Simón Bolívar Braun und Gelb

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bolivar-Abwertung: Chávez schickt Venezuela zurück in die 80er (Memento vom 14. Januar 2010 im Internet Archive), ftd.de vom 11. Januar 2010
  2. Venezuela prohíbe dólar paralelo, CNN Extensión, 14. Dezember 2007
  3. n-tv.de: "Starker Bolivar" in Venezuela vom 2. Oktober 2007
  4. BBC: Venezuela will slash value of currency vom 9. Januar 2010
  5. a b c Wie Chávez Venezuela herunterwirtschaftet (Memento vom 18. Januar 2010 im Internet Archive), ftd.de vom 15. Januar 2010
  6. Abwertung der venezolanischen Währung auf 4,30 VEF pro US-Dollar: Niedrigerer Wechselkurs für Lebensmittel und Medikamente abgeschafft, Wirtschaftskammer Österreich vom 3. Januar 2011
  7. Venezuela Central Bank Said to Boost Sitme Bond Sales (Memento vom 18. Dezember 2010 im Internet Archive), Bloomberg.com vom 14. Dezember 2010
  8. Kampf um Wirtschaftswachstum: Venezuela wertet Währung ab, n-tv.de vom 30. Dezember 2010
  9. Venezuelas Währungsabwertung bereitet Sorgen, handelsblatt.com vom 16. Februar 2013
  10. Venezuela wertet kräftig ab, Deutsche Welle vom 9. Februar 2013
  11. Jan Ulrich: Venezuela reformiert Devisenhandel, amerika21.de vom 25. März 2013
  12. Dólar en primera subasta Sicad está duplicando el precio Cadivi, El Mundo (Venezuela) vom 26. März 2013
  13. Tim McLaughlin: U.S. companies face billions in Venezuela currency losses, Reuters analysis shows. In: Reuters. 2. Februar 2015, abgerufen am 6. Juli 2015.
  14. wwww.dolartoday.com