Vennbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt eine ehemalige Eisenbahnstrecke; die heutige Verwendung der Trasse als Radfernweg siehe unter Vennbahn (Radweg).
Aachen–Troisvierges
Strecke der Vennbahn
Streckennummer (DB): 2563 Aachen-Rothe Erde – Hahn
2572 Stolberg – Walheim Grenze
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Bundesland (D): Nordrhein-Westfalen
Provinz (B): Lüttich
Distrikt (L): Diekirch
Strecke – geradeaus
SFS von Aachen Hbf
Bahnhof, Station
0,0 Aachen-Rothe Erde
   
SFS nach Köln
   
0,6 Philips (Anst)
   
0,7 Aachen-Rothe Erde Eifelanschluß (Anst)
   
5,2 Brand (Rheinl)
   
7,4 Niederforstbach
   
Rollefbachviadukt
   
9,3 Kornelimünster
   
Itertalviadukt
   
Strecke von Stolberg
   
12,2 Hahn
   
13,2 Walheim (b Aachen)
   
15,1 Schmithof
BSicon STR.svg
Grenze
17,3 Walheim (b Aachen) Grenze (Gp)
  Staatsgrenze Deutschland / Belgien
BSicon STR.svg
   
19,7 Raeren
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Strecke nach Eupen
   
ca. 20 ab hier Gleise abgebaut
BSicon exSTR.svg
   
Staatsgrenze Belgien / Deutschland
  (Strecke belgisches Territorium)
BSicon exSTR.svg
   
27,8 Roetgen
   
Bundesstraße 258
   
30,4 Roetgen Süd
   
36,6 Lammersdorf
   
41,2 Konzen
   
45,4 Monschau
   
Viadukt Reichenstein
   
Staatsgrenze Deutschland / Belgien
   
52,3 Kalterherberg ab hier Gleise wieder vorhanden
   
59,4 Sourbrodt ab hier Gleise abgebaut
   
Robertville
   
Viadukt Weywertz
   
64,7 Weywertz-Nidrum
   
ehem. Vennquerbahn von Bütgenbach, Jünkerath
   
66,5 Weywertz
   
71,1 Faymonville
   
71,8 Waimes
   
ehem. Strecke nach Stavelot
   
74,3 Ondenval
   
79,3 Montenau
   
ehem. Strecke von Vielsalm
   
82,9 Born (Eifel)
   
88,9 St. Vith
   
ehem. Strecke nach Libramont
   
Tunnel Lommersweiler (120 m/166 m )
   
95,1 Lommersweiler
   
ehem. zur Westeifelbahn
   
Elcherather Tunnel (385 m)
   
Ourtalviadukt
   
Staatsgrenze Belgien / Deutschland
   
Staatsgrenze Deutschland / Belgien
   
Auel
   
Reuland
   
99,9 Burg-Reuland
   
104,9 Oudler
   
108,4 Lengeler
   
Tunnel Wilwerdingen (790 m)
   
111,4 Staatsgrenze Belgien / Luxemburg
   
   
114,5 Wilwerdingen
   
Strecke von Spa
Tunnel
Tunnel Ulflingen (165 m)
Bahnhof, Station
Troisvierges
Strecke – geradeaus
Strecke nach Luxemburg
Distanz- und Höhenangaben

Die Vennbahn ist eine ehemalige Eisenbahnstrecke zwischen Aachen und Ulflingen (frz. Troisvierges) in Luxemburg über Monschau und St. Vith mit Anschlüssen nach Stolberg (Rheinland), Eupen, Malmedy, Jünkerath und Prüm. Infolge der Grenzziehung und der Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg wechselte die ursprünglich deutsche Trasse in ihrem Verlauf von Aachen nach Ulflingen von deutschem auf belgisches Staatsgebiet.

Ursprünglich verband die Vennbahn die Industriezentren von Aachen-Rothe Erde auf dem kürzesten Wege mit Luxemburg. Der Gleiskörper ist größtenteils abgebaut, und auf dem Bahndamm wurde ein Fernradweg gebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Bau und Betrieb bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Urkunde zur Strecke St. Vith–Ulfingen aus dem Jahr 1884
Der einst bedeutende belgische Bahnhof Sourbrodt nach der Fassadenrenovierung
Typisches Empfangsgebäude der Vennbahn im Bahnhof Walheim

Seit 1873 forderten die Städte und Kreise Malmedy, Monschau, Eupen und Stolberg der Rheinprovinz eine Bahnstrecke, die die Industrieorte miteinander verbinden und bis nach Luxemburg führen sollte. Mit Beschluss der preußischen Regierung wurde ab 1882 an der Strecke gebaut und ab 1885 die Teilstrecke von Aachen-Rothe Erde nach Walheim in Betrieb genommen. Beim Anschluss der Stolberger Talbahn traten jedoch Verzögerungen auf.

Der Gesamtbetrieb wurde nach Fertigstellung der Stolberger Strecke am 4. November 1889 von der Preußischen Staatsbahn zunächst eingleisig aufgenommen und diente in erster Linie dem Transport von Kohle aus dem Wurm- und Inderevier in Richtung Luxemburg und in Gegenrichtung von Eisenerz zum Thomasstahlwerk nach Aachen Rothe Erde und zur Konkordia-Hütte in Eschweiler. Außerdem erschloss die Strecke die strukturschwachen Wirtschaftsräume von Westeifel und Hohem Venn, indem sie eine Fahrmöglichkeit zu den Arbeitsplätzen in der Aachener Industrie bot. Der angebundene Ort Breinig erhielt ein Bahnhofsgebäude, weitere Betriebe entlang der Trasse erhielten eigene Anschlussgleise. Ab 1893 begann der zweigleisige Ausbau der Strecke von Stolberg über Hahn (Anschluss von Aachen) bis Walheim (Grenze), der schließlich am 8. Mai 1909 mit dem Abschnitt zwischen Walheim und Lommersweiler beendet wurde.[1] Der Ausbau erfolgte in erster Linie aufgrund der engen Kurven mit Radien ab 300 m und den häufigen Steigungen von bis zu 1,7 %. Das Teilstück Aachen – Hahn blieb eingleisig.

St. Vith war ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Zitat: Besonders das Wirtschaftsleben in St.Vith und Umgebung ist durch die Bahn gefördert worden. Der Bahnhof St.Vith beschäftigte in seiner Glanzzeit (1910–1925) rund 1.200 Personen und war das größte Unternehmen der Gegend. Die Bevölkerungszahl St.Viths nahm ständig zu. In den 1920er Jahren passierten täglich knapp 30 Personenzüge den St.Vither Bahnhof. Dazu kamen rund 80 Güterzüge. Pro Tag wurden 1.200 bis 1.500 Waggons in St. Vith rangiert.[2]

Erster Weltkrieg und Versailler Vertrag[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg kam der Vennbahn durch ihre Nähe zur Westfront und über den Schlieffenplan eine weitere Bedeutung als Aufmarsch- und Nachschubstrecke zu. Ab dem 2. August 1914 wurden entlang der Strecke die Truppen für den Handstreich auf den Festungsring Lüttich ausgeladen. Später wurden weitere von ihr ausgehende Eisenbahnstrecken erbaut, so dass die Vennbahn die Kernlinie eines ganzen Netzes von strategischen Bahnen darstellte.

Aufgrund des Versailler Vertrags musste das Deutsche Reich 1919 die seit 1815 preußischen Kreise Eupen und Malmedy an Belgien abtreten. Die Strecke wechselte durch die neue Grenzziehung in ihrem Verlauf nun mehrfach zwischen dem deutschen Reichsgebiet und Belgien. Belgien forderte, die Vennbahn unter belgische Verwaltung zu stellen, da diese für die Städte Malmedy und Eupen von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung sei, und konnte sich durchsetzen. Am 27. März 1920 wurde von einer Grenzfeststellungskommission, der Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens und Japans angehörten, festgelegt, dass der belgische Staat Eigentümer der Eisenbahnstrecke mitsamt ihren Bahnhöfen zwischen Raeren und Kalterherberg (dessen Bahnhof heute im belgischen Orten Leykaul liegt) sein sollte. Ab Raeren wurde die Bahnstrecke belgisches Hoheitsgebiet. Den Betrieb auf der Vennbahn führte somit seit dem 1. November 1921 die belgische Staatsbahn NMBS/SNCB durch. 1924 wurde das zweite Gleis auf Veranlassung der alliierten Besatzer wieder zurückgebaut.

Ein Kuriosum sind fünf deutsche Exklaven, die bei Roetgen und Monschau entstanden sind, da die Eisenbahntrasse belgisches Hoheitsgebiet wurde. Allerdings war und ist das Bahngelände ohne belgische Zoll- oder Polizeikontrolle zugänglich. Eine weitere Exklave bestand bis 1958 bei Hemmeres, der dortige Trassenabschnitt wurde jedoch an Deutschland zurückgegeben.[3]

Betrieb um den Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Haltepunkt Ondenval im Zweiten Weltkrieg
Durch eine Sprengung zerstörter Tunnel der Vennbahn bei Lommersweiler

Das anfänglich hohe Verkehrsaufkommen ging nach dem Krieg zurück, da im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise vor allem Luxemburg seine Märkte für das Eisenerz nach Frankreich verlagerte. Hinzu kam der neu eingeführte Zoll, der die luxemburgischen Erze im Deutschen Reich verteuerte. Ab dem 1. Januar 1932 fuhren keine Kokstransporte mehr auf der Strecke. Der grenzüberschreitende Verkehr nach Luxemburg wurde kurz vor dem Zweiten Weltkrieg schließlich ganz eingestellt.[4]

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Vennbahn während der Ardennenoffensive Kriegsschauplatz. Dabei wurden viele Brücken und Tunnel zerstört. Der Wiederaufbau zog sich lange hin, zwischen Lommersweiler und Burg-Reuland unterblieb er aufgrund der umfangreichen Zerstörungen ganz. Das nördliche Reststück konnte daher trotz der sich abzeichnenden europäischen Einigung nicht weiter für seinen ursprünglichen Zweck genutzt werden und wurde ebenfalls nach und nach stillgelegt. Zwischen Raeren und Sourbrodt wurde 1945 der Personenverkehr nicht mehr aufgenommen. Zwischen Wilwerdingen und Troisvierges wurde noch bis zum 17. November 1950[4], zwischen Aachen und Brand bis zum 22. November 1959 und zwischen Stolberg und Schmithof bis zum 31. Dezember 1961 Personenverkehr durchgeführt.

Niedergang nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Zugfahrt auf der Vennbahnlinie 1998

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Auslastung stetig, so dass die Strecke schließlich bis 1989 vollständig stillgelegt und teilweise rückgebaut wurde. Der Güterverkehr zwischen Burg-Reuland und Wilwerdingen endete schon 1962, zwischen Wilwerdingen und Troisvierges 1977[4], zwischen Aachen-Rothe Erde und Brand am 31. August 1984, zwischen Raeren und Sourbrodt am 30. Juni 1989 und zwischen Stolberg-Mühle und Walheim-Schmithof am 1. Juni 1991. Der Abschnitt Raeren-Sourbrodt ging 1989 von der SNCB in den Besitz der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien über. Die letzten Güterzüge auf einem eher kurzen Abschnitt der Vennbahn bedienten den belgischen Bahnhof Sourbrodt mit militärischem Material für den nahe gelegenen Truppenübungsplatz Elsenborn bis 1999; diese schweren Panzertransporte erreichten Sourbrodt allerdings vorrangig über die Vennquerbahn, von Jünkerath kommend über Bütgenbach und Weywertz, wo Kopf gemacht werden musste. Von Stavelot über Malmedy und Weywertz gab es darüber hinaus noch bis Anfang 2004 Holztransporte zum Sägewerk in Büllingen. Mit Einstellung dieser Verkehre Anfang 2004 endete nicht nur der Güterverkehr auf den letzten befahrbaren Abschnitten der Vennbahn, sondern auch der Gesamtverkehr im ehemaligen Vennbahnnetz.

Nach der Einstellung des Güterverkehrs durch die SNCB 1989 wurde der Versuch unternommen, die landschaftlich reizvolle Strecke über einen gemeinnützigen Verein als Museumsbahn für den Tourismus zu etablieren. Zwischen Raeren und Bütgenbach gab es seither in der Sommersaison Wochenend- und Feiertagsverkehr mit dampf- und dieselbespannten Museumszügen; einige Züge fuhren sogar bis Stavelot und Trois Ponts. Nach zwölf durchaus erfolgreichen Jahren musste aber auch diese Form der Nutzung Ende 2001 eingestellt werden, weil der Oberbau völlig abgenutzt und die Deutschsprachige Gemeinschaft nicht Willens war, die notwendigen zweistelligen Millionenbeträge für eine mögliche Sanierung aufzubringen. Damit waren die Weichen endgültig gestellt für die Umwandlung der Trasse in einen Fahrradweg[5].

Streckenbeschreibung[Bearbeiten]

Bahnhof Rothe-Erde[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnhof Aachen-Rothe Erde

Haltepunkt Philipswerk[Bearbeiten]

In einem weiten Rechtsbogen verläuft die Strecke parallel zum Eisenbahnweg. Nach etwa 1,5 Kilometern kreuzt die Strecke die Philipsstraße an der Straßenkreuzung Philipsstraße. Wenige Meter hinter dieser Kreuzung befand sich früher ein Anschlussgleis, welches den Eisenbahnweg kreuzte und mehrere Firmen im Bereich des Freunder Weges anschloss. Ein kurzes Stück weiter beim Kilometerpunkt 1,8 befand sich früher der Haltepunkt Philipswerk.

Dieser Haltepunkt war nur eine temporäre Einrichtung, vermutlich für das Personal des Philipswerkes und der anderen dort ansässigen Industriebetriebe angelegt. Beim Beginn der fünfziger Jahre gebaut, blieb der Haltepunkt nur bis zur Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1960 erhalten. Heute existiert von diesem Haltepunkt nichts mehr.

Dort befand sich auch das Anschlussgleis der Philipswerke. Von diesem Anschluss ausgehend verzweigten sich einzelne Gleise über das gesamte Areal der Philipswerke. Das Ausziehgleis verlief ein ganzes Stück parallel zum Streckengleis bis hinter die Brücke des Madrider Rings.

Heute enden die Gleise am Werktor. Nach der Stilllegung des weiterführenden Streckengleises wurde das noch erhaltene Rumpfstück der Strecke fest auf das Anschlussgleis geschwenkt. Dort befand sich früher eine Weiche, an der das Streckengleis der Vennbahn geradeaus weiterführte.

Bahnhof Brand[Bearbeiten]

Ehemaliger Vennbahn-Bahnhof Brand (Rheinland)

Die Trasse verläuft entlang des westlichen Ortsrands von Brand, zwischen der Siedlung und der Autobahn. Auf Höhe der Gewerbeflächen an der Nordstraße beschreibt die Strecke einen Linksbogen und erreicht noch vor der Kreuzung mit der Trierer Straße den Bahnhof Brand.

Der Bahnhof Brand befand sich zwischen Trierer Straße und Eckenerstraße (s. !550.7529685506.1585545Lage50.752967666.15855419) am Kilometerpunkt 5,2. Er wurde am 1. Dezember 1885 als Bahnhof Brand eröffnet und in den 1950er Jahren nach Brand (Rheinland) umbenannt. Am 29. Mai 1960 wurde der Personenverkehr eingestellt, am 1. April 1980 schließlich auch der Güterverkehr. Neben zwei Gleisen für Personenverkehr gab es auch ein Stumpfgleis für den angebauten Güterschuppen und die Ladestraße. Zwischen 1913 und 1928 war im Bahnhof ein Anschlussgleis der Waggonfabrik Goosens, deren Firmensitz sich im Bereich des heutigen Camp Pirotte befand. Hinter dem Bahnhofareals beim Kilometerpunkt 7,0, befand sich ein Anschlussgleis für die Tuchfabrik Becker. Die Gleise wurden 1982 zunächst von Brand bis Kornelimünster abgebaut, nach der Streckenstilllegung am 31. August 1984 folgte der Abbau des Reststücks nach Aachen-Rothe Erde im Jahr 1985.

Die frühere Bahntrasse zwischen Rothe Erde und Walheim wird heute als Rad- und Fußgängerweg genutzt und ist als Vennbahnweg bekannt. Das Empfangsgebäude des Bahnhofs wurde von der Stadt Aachen gekauft und Vereinen aus Brand zur Nutzung zur Verfügung gestellt. 2006 wurde das Bahnhofsgebäude wieder verkauft und zu einem Restaurant umgebaut. Die Nutzungsmöglichkeiten für die Vereine bestehen weiterhin.

Das Rolleftalviadukt

Haltepunkt Niederforstbach[Bearbeiten]

Der Haltepunkt (km 7,4) wurde 1949 gebaut und lag an der Beckerstrasse. Er hatte eine einfache Ausstattung. Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1960 wurde der Haltepunkt auch wieder abgerissen. Reste sind keine mehr zu finden.

Rollefbachtalviadukt[Bearbeiten]

Am Kilometerpunkt 7,7 befindet sich das gut erhaltene und sanierte Rollefbachtalviadukt. Das Viadukt ist 128 m lang und maximal 24 m hoch. Es wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört.

Bahnhof Kornelimünster[Bearbeiten]

Der ehemalige Bahnhof Kornelimünster. Es ist heute ein Restaurant.

Der Bahnhof Kornelimünster wurde wie der Bahnhof Brand 1885 am Kilometerpunkt 9,3 gebaut. Er hatte für den Personenverkehr mit drei Gleisen zwei Bahnsteige. Ferner existierten für den Güterverkehr zwei Gleise und ein Stichgleis mit Kopframpe und Ladestraße. Im Bahnhof gab es noch ein Anschlussgleis für die nahegelegenen Kalkwerke. Nach dem Ende des Personenverkehrs im Jahr 1960 wurde die Güterabfertigung im Jahr 1980 eingestellt.

Das Empfangsgebäude samt Güterschuppen ist noch erhalten und steht nach einer Renovierung unter Denkmalschutz. Seine heutige Funktion ist wie beim Bahnhof Brand ein Restaurant mit dem Namen Bahnhofsvision.

Iterbachtalviadukt[Bearbeiten]

Das Itertalbachviadukt

Hinter Kornelimünster liegt das denkmalgeschützte Iterbachtalviadukt am Kilometerpunkt 9,8. Das Viadukt ist 130 m lang und 22 m hoch. Im Zweiten Weltkrieg wurden die beiden letzten Bögen der Brücke von der Wehrmacht gesprengt und nach dem Krieg in der ursprünglichen Bauform wieder aufgebaut.

Haltepunkt Hahn[Bearbeiten]

Bis ins Jahr 1895 bestand bei km 11,2 – etwa einen halben Kilometer hinter dem Rüst-Viadukt – ein Abzweig, an dem die Strecke von Stolberg in die Strecke Aachen-Rothe Erde – Walheim (Aachener Ast der Vennbahn) mündete. Von dort aus wurde der Verkehr auf einem Gleis bis in den Bahnhof Walheim geführt. 1895 wurde wegen des hohen Verkehrsaufkommens ein eigenes Gleis für die Strecke von Stolberg parallel zum Gleis von Aachen bis zum Bahnhof Walheim verlegt, der damit zum neuen Endpunkt der Strecke wurde. 1951 wurde an der Strecke von Aachen der neue Haltepunkt Hahn eingerichtet. Erst ab 1955 wurde der am Streckenkilometer 11,7 befindliche Haltepunkt auch von Zügen von und nach Stolberg bedient und bereits 1961 wieder aufgegeben. Am Abzweig Hahn befand sich früher ein Stellwerk, das mittlerweile genauso wie der Haltepunkt abgerissenen wurde.

Bahnhof Walheim[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bahnhof Walheim (b Aachen)

Haltepunkt Schmithof[Bearbeiten]

Der Haltepunkt Schmithof wurde zwischen 1927 und dem 02. Oktober 1932 wegen der Folgen des ersten Weltkriegs als Grenzhaltepunkt Deutschlands gebaut. Er lag am Kilometerpunkt 15,1 und hatte eine einfache Bauweise mit einem Seitenbahnsteig und einem kleinen Stationsgebäude. In der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 bis zum 29. Mai 1960 war der Haltepunkt Schmithof die Endstation im Personenverkehr auf der deutschen Seite der Vennbahn. Nach Verlassen des Haltepunktes überquert die Trasse die Frennetstraße; weiter verläuft die Strecke nahezu geradlinig in südwestlicher Richtung durch den Münsterwald. Dort passiert die Strecke die deutsch-belgische Grenze bei km 17,3.

Abbau der Gleise und Folgen für die Grenze[Bearbeiten]

Exklaven durch die belgische Vennbahntrasse

Im Januar 2008 bemerkte der beigeordnete belgische Bezirkskommissar Marcel Lejoly, dass der geplante Abbau der Schienen „internationale Konsequenzen“ nach sich ziehen könne. Es sei nicht auszuschließen, dass die ehemalige Eisenbahntrasse und ihre Aufbauten an Deutschland zurückzugeben seien.[6] Der deutsch-belgische Grenzvertrag von 1956 (BGBl. 1958 II S. 262) enthält keine Regelung für diesen Fall.

Jedoch erklärten sowohl das belgische Außenministerium als auch das Auswärtige Amt in Deutschland, dass die Grenzen abschließend vertraglich geregelt seien und somit keine Änderung stattfinden werde.[7]

Die Option auf den Bahnverkehr ist zudem nicht aufgegeben worden. Auch der inzwischen gebaute Radweg verhindert das nicht.

Im südlichen Teil der Vennbahn hingegen, wo die Gleise schon seit 1954 abgebaut waren, wurde durch den Grenzvertrag von 1956 auch die bei Hemmeres für gut einen Kilometer durch Rheinland-Pfalz verlaufende Bahntrasse von Belgien an Deutschland zurückgegeben.[8]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Sonderfahrt der Eisenbahnfreunde Grenzland zwischen Walheim und Schmithof im Juni 2015
Vennbahn-Radweg bei Ondenval in Belgien
Bahnhof Kalterherberg mit Draisinen (2012)
Warnschild am Bahnhof Sourbrodt, das auf kreuzende Draisinen hinweist
Hauptartikel: Vennbahn (Radweg)

Da eine Wiederaufnahme des Betriebes für den Schienenverkehr zwischen Deutschland, Belgien und Luxemburg nur nach einer umfangreichen Sanierung möglich gewesen wäre, wurde auf (bzw. streckennah) der Vennbahntrasse ein neuer Fernradweg gebaut, der 2013 offiziell eröffnet wurde. Er ist in das RAVeL-Netz (frz.: Réseau Autonome de Voies Lentes) integriert worden.

Als Schienenstrecke verblieben lediglich die Gleise zwischen Walheim und Raeren, Walheim und Stolberg sowie Kalterherberg-Sourbrodt. Auf dem im Juni 2001 reaktivierten kurzen Abschnitt zwischen Stolberg (Rheinl.) Hbf und Stolberg-Altstadt wird heute Personenverkehr mit Triebwagen der Euregiobahn durchgeführt. Die Haltepunkte Stolberg Altstadt (bis 2001 Stolberg Hammer), Stolberg Rathaus, Stolberg Mühlener Bf und Stolberg Schneidmühle entstanden neu. Außerdem verkehren regelmäßig Güterzüge zwischen Stolberg (Rheinl) Gbf und Rüst.[9]

Die Strecke Stolberg-Raeren ist gesperrt, aber noch befahrbar und wird teilweise für Sonderfahrten der Euregiobahn genutzt. Die Strecke Raeren-Eupen ist wildbewachsen und kann aktuell nicht befahren werden. Die belgischen Eisenbahnen ziehen daher in Betracht, diese Strecke im Güterverkehr mit Köln zur Umgehung des Knotens Aachen zu reaktivieren.[9] Im Januar 2009 wurden deshalb von Raeren bis zur Grenze Richtung Walheim die Schwellen ausgetauscht und die Gleise neu eingeschottert. Die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS) als Eigentümer der Strecke Walheim (Grenze)–Stolberg und der Aachener Verkehrsverbund (AVV) planen, diesen Abschnitt in unbestimmter Zukunft zu reaktivieren (Stand 2014).[10]

Bereits im Jahr 2004 wurde zwischen den Bahnhöfen von Kalterherberg und Sourbrodt von einem belgischen Unternehmer ein Verkehr mit Fahrraddraisinen unter der Bezeichnung RailBike eingeführt.[11]

Auf der Teilstrecke von Kornelimünster bis kurz hinter der Autobahn bei Aachen-Brand entstand als Oberstufen-Projekt des dortigen Inda-Gymnasiums ein sechs Kilometer langer Planetenlehrpfad. An den auf der Strecke verteilten Planetenstationen befinden sich ein Halbrelief und einige Informationen zu den jeweiligen Planeten. Die Sonne wird hierbei von einer 1,5 Meter großen Betonkugel gebildet.

Seit Oktober 2008 setzt sich der Verein Eisenbahnfreunde Grenzland für den Erhalt der Bahnanlagen im Bahnhof Walheim ein. So wurde bereits das Stellwerk Auf der Kier und der Schrankenposten am Bahnübergang Schleidener Straße restauriert. Auch wurden und werden im Bahnhof Walheim von Vereinsmitgliedern historische Lokomotiven und Eisenbahnwagen wieder aufgearbeitet mit dem Ziel, eines Tages wieder den Abschnitt Stolberg–Raeren befahren zu können. Aus diesem Grund wird die Strecke bis zur deutsch-belgischen Grenze regelmäßig vom Verein freigeschnitten. Seit 2009 finden im Bahnhof Walheim jährlich Bahnhofsfeste statt, um den Erhalt zu finanzieren.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Franco Hoffmann: Stillgelegte Bahnstrecken im Rheinland. Sutton-Verlag, Erfurt 2014, ISBN 978-3-95400-396-9.
  • Heinrich Arenz: Kohle aus dem Norden, Erz aus dem Süden. Erinnerungen an die Vennbahn. In: Eisenbahn-Geschichte. Nr. 24, Oktober/November 2007, ISSN 1611-6283, S. 42–47.
  • Hans Schweers, Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen. 150 Jahre internationale Strecke Köln – Aachen – Antwerpen. Verlag Schweers + Wall, Aachen 1993, ISBN 3-921679-91-5.
  • Vennbahn. Damals und Heute / Hier et aujourd’hui / Vroeger en nu. Herausgeber: Verkehrsamt der belgischen Ostkantone 1991.
  •  W. Vogt: 50 Jahre Eisenbahn Aachen – Monschau. In: Der Eremit am hohen Venn. 10. Jahrgang, Nr. 7, Monschau Juli 1935, S. 73-79 (Digitale Sammlungen der Universität zu Köln, abgerufen am 8. August 2015).
  •  Wilhelm Davids: Die wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahn Aachen – Monschau – St. Vith. In: Der Eremit am hohen Venn. 10. Jahrgang, Nr. 7, Monschau Juli 1935, S. 80-84 (Digitale Sammlungen der Universität zu Köln, abgerufen am 8. August 2015).
  •  Bernhard Küpper: Der Kampf um unsere Eisenbahn. In: Der Eremit am hohen Venn. 10. Jahrgang, Nr. 7, Monschau Juli 1935, S. 85-104 (Digitale Sammlungen der Universität zu Köln, abgerufen am 8. August 2015).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vennbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

NRWbahnarchiv von André Joost:

weitere Belege:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Schweers, Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen. 150 Jahre internationale Strecke Köln – Aachen – Antwerpen. 1993, S. 89.
  2. Ausstellung Der Zug kommt, Schautafel 5 aufgerufen 23. Mai 2013.
  3. Geschichts- und Museumsverein zwischen Venn und Schneifel: Exklave Hemmerich
  4. a b c Ed Federmeyer: Eisenbahnen in Luxemburg. Band 1, Wolfgang Herdam Fotoverlag, Gernrode 2007, ISBN 978-3-933178-21-3, S. 169.
  5. http://vonderruhren.de/aachenbahn/seiten/str48.php Eisenbahnen in Aachen
  6. Belgien könnte Staatsgebiet an Deutschland verlieren – Große Fragen zum Ende einer kleinen Eisenbahn (Memento vom 19. September 2008 im Internet Archive). tagesschau.de am 9. Januar 2008.
  7. Belgien behält seine Exklaven in Deutschland (Memento vom 17. Januar 2008 im Internet Archive). wdr.de am 10. Januar 2008 (im Internet Archive)
  8. zvs.be
  9. a b Bahnhof Breinig bleibt auf der Wunschliste, Aachener Zeitung vom 20. Mai 2008.
  10. Jürgen Lange: Zug soll bis Belgien fahren. In: Aachener Volkszeitung. 14. Mai 2014.
  11. RailBike – Fahrraddraisinenverkehr zwischen Monschau-Kalterherberg und Sourbrodt.
  12. Eisenbahnfreunde Grenzland e. V. Termine.