Ventotene

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Ventotene
Wappen
Ventotene (Italien)
Ventotene
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Latina (LT)
Koordinaten: 40° 48′ N, 13° 26′ OKoordinaten: 40° 48′ 0″ N, 13° 26′ 0″ O
Höhe: 18 m s.l.m.
Fläche: 1,89 km²
Einwohner: 739 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 391 Einw./km²
Postleitzahl: 04020
Vorwahl: 0771
ISTAT-Nummer: 059033
Volksbezeichnung: Ventotenesi
Schutzpatron: San Candida
Website: Ventotene
Santo Stefano von Ventotene aus gesehen

Ventotene ist eine der Pontinischen Inseln im Tyrrhenischen Meer mit 739 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015). Sie gehört zur Provinz Latina in der italienischen Region Latium. Ihr antiker Name lautete Pandataria oder Pandateria.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte: Ventotene (rechts)

Die Insel hat eine Fläche von ungefähr 153 Hektar und ist vulkanischen Ursprungs. Zur politischen Gemeinde Ventotene gehört auch die kleine vorgelagerte, heute unbewohnte Insel Santo Stefano, bis in die 60er Sitz eines berüchtigten Staatsgefängnisses.

Das Gemeindegebiet Ventotene ist einschließlich der Wasserflächen seit 1997 ein Naturschutzgebiet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel diente unter den römischen Kaisern häufig als Verbannungsort, insbesondere für weibliche Familienangehörige wie Julia, Tochter des Kaisers Augustus (2 v. Chr.), Agrippina (29 n. Chr.), Enkelin des Kaisers, und Octavia. Auch die Gattin des Flavius Clemens, Domitilla, soll nach Pandataria verbannt und dort zu Tode gemartert worden sein.

Nach der Antike wurde die Insel erst wieder in der Regierungszeit der Bourbonen in Neapel besiedelt.

Ventotene war eine jener Inseln (s. auch Lipari, Tremiti, Ponza), die das faschistische Regime als Verbannungsort für politische Gegner ausgewählt hatte (confino). Die Kolonie in Ventotene wurde 1926 eröffnet und im Jahre 1939 geschlossen, nachdem sie Tausende Antifaschisten aufgenommen hatte. Im Jahre 1940 wurde dort ein Internierungslager (campo di concentramento) errichtet. Die ersten Internierten waren ehemalige confinati, deren Status von den Behörden einfach geändert worden war, um sie als Internierte auf der Insel zurückhalten zu können und nicht entlassen zu müssen. Der Winter 1941/42 setzte den Insassen besonders zu; sie litten Kälte und Hunger. Im Juni 1943 befanden sich in Ventotene 640 „confinati“ und 230 Internierte. Im August 1943 wurden alle Internierten verlegt oder entlassen. Zu den prominenten Internierten in Ventotene gehören führende Sozialisten, Kommunisten und andere Antifaschisten wie Sandro Pertini, Francesco Fancello, Altiero Spinelli, Pietro Secchia und Mauro Scoccimarro, Alberto Jacometti, Mario Maovaz.[2] Altiero Spinelli wurde später auf Ventotene begraben.

Seit den 1960er-Jahren entwickelte sich der Tourismus, der heute die Haupteinnahmequelle der Insel ist. Der italienische Staat hat die Insel Ventotene mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet.

Die Insel wurde durch das 1941 verfasste Manifest von Ventotene „Für ein freies und einiges Europa“ bekannt. In der Tradition dieses Manifests findet jährlich das Internationale Ventotene-Seminar der Jungen Europäischen Föderalisten Italien auf der Insel statt.

Am 22. August 2016 trafen sich an Bord des Flugzeugträgers Giuseppe Garibaldi Matteo Renzi, François Hollande und Angela Merkel zu Beratungsgesprächen im Vorfeld des EU-Gipfels in Bratislava vor Ventotene.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1871 1901 1921 1951 1971 1991 2001[3]
2.049 1.986 1.302 1.270 508 671 633

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giuseppe Assenso wurde im April 2005 zum Bürgermeister gewählt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel zählen die unter den Bourbonen erbaute Kirche Santa Candida. Sie war eine Jungfrau und Märtyrerin in Karthago unter Maximian und ist die erklärte Schutzpatronin von Ventotene. Zu ihren Ehren wird am 20. September eine Wallfahrt veranstaltet, wobei ihre Statue aus der Kirche zum Hafen getragen wird, um dann wieder in die Kirche zurück zukehren. Auch ließen die Bourbonen die heute als Bürgermeisteramt genutzte Burg errichten. Ebenfalls gibt es die Überreste der antiken Villa di Giulia sowie die umliegenden Tauchgebiete. Auch haben die Römer an Land eine Fischzuchtanlage hinterlassen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es besteht eine tägliche Fährverbindung mit Formia. In den Sommermonaten steuern zusätzlich Fähren aus Neapel, Terracina und Ponza die Insel an.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belletristik:

Sachbücher:

  • Alberto Jacometti: Ventotene. (italienisch). Mondadori, Mailand 1946, OBV.
  • Fabrizia Ramondino, Maja Pflug (Übers.): L’isola riflessa. Im Spiegel einer Insel. (deutsch). Arche, Zürich (u.a.) 1999, ISBN 3-7160-2259-4.
  • Monika Mokre: Ein Versuch über Inseln: Ventotene und Lampedusa. In: Gertrude Moser-Wagner (Hrsg.): Zugunruhe. Sonderzahl-Verlagsgesellschaft, Wien 2010, ISBN 978-3-85449-342-6, S. 41–48.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ventotene – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Carlo Spartaco Capogreco: I campi del duce. L’internamento civile nell’Italia fascista (1940–1943). (italienisch). Einaudi, Torino 2004, ISBN 88-06-16781-2, S. 203–204.
  3. ISTAT