Vera Friedländer

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Vera Friedländer (eigentlich Veronika Schmidt geb. Rudau; geboren am 27. Februar 1928 in Woltersdorf; gestorben am 25. Oktober 2019 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vera Friedländer am 18. Oktober 2018 am Mahnmal Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald

Vera Friedländer wurde in der NS-Zeit als „Halbjüdin“ verfolgt und musste Zwangsarbeit leisten. Als Anfang März 1943 ihre Mutter im Rahmen der „Fabrikaktion“ in der Großen Hamburger Straße in Berlin festgehalten wurde, harrte sie als eben 15-Jährige mit ihrem Vater und anderen Partnern aus so genannten Mischehen viele Stunden vor der Gestapo-Sammelstelle aus. Ähnlich wie bei dem beharrlichen Frauen-Protest in der Rosenstraße gelang es auch hier, die festgenommenen Juden wieder freizubekommen.

Viele Angehörige ihrer Familie wurden deportiert und in Auschwitz, Theresienstadt und anderen Orten ermordet.

Nach dem Abitur an der Vorstudienanstalt, dem Vorläufer der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät, studierte Friedländer Germanistik, wurde promoviert und habilitierte sich an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie bekam drei Kinder und arbeitete zunächst als Verlagslektorin und ab 1960 an der Humboldt-Universität. 1975 gingen sie und ihr Mann nach Warschau, sie lehrte dort an der Universität. 1982 erhielt sie den Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Preis. 1982 bis 1986 hatte sie eine Professur für Deutsche Sprache an der Humboldt-Universität inne.

1990 war sie Mitbegründerin des Jüdischen Kulturvereins Berlin. Mit Unterstützung des Vereins gründete sie in Berlin eine Sprachschule, u. a. für jüdische Einwanderer aus Osteuropa – die heutige Friedländer-Schule.[2] Friedländer arbeitete in der Zwangsarbeit-Forschung der Berliner Geschichtswerkstatt mit und hat sich aktiv an dem Projekt Stolpersteine beteiligt.

Seit 2009 gibt es ein Theaterstück mit dem Titel Vera, das auf ihren Texten fußt und bei dem sie zeitweise selbst mit einer freien Theatergruppe auf der Bühne stand.

Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre war Vera Friedländer u. a. als Autorin für die Weltbühne tätig. 2012 erschien ein Artikel von ihr in der in der Tradition der Weltbühne stehenden Zeitschrift Ossietzky.

Vera Friedländer starb im Oktober 2019 im Alter von 91 Jahren.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Gebrauch des Wortes „Nationalsozialismus“ sagte Vera Friedländer am 18. Oktober 2018 am Mahnmal Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald und am 12. März 2019 im Museum Hotel Silber in Stuttgart: „Die Nazis haben dieses Wort schon vor 1933 geprägt, um die Massen zu gewinnen, die sich unter Sozialismus etwas Erstrebenswertes vorstellten. Sie versprachen ihnen einen nationalen Sozialismus. Das war Betrug. Denn die Nation führten sie in den Krieg, und den Sozialismus bekämpften sie. Leider verwendet heute fast jeder in unserem Land dieses Wort, als sei es gesellschaftlich vorgeschrieben. Ich nenne das System der Naziherrschaft mit dem Wort, das international üblich ist: Faschismus, deutscher Faschismus. Alle Völker um uns herum sagen dazu Faschismus. Nur hier bei uns wird dieses verlogene, demagogische Wort „Nationalsozialismus“ gebraucht. Ich finde das sehr bedauerlich.“

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vera Friedländer. In: Kürschners Deutscher Literatur-Kalender 2018/2019. Band II: P-Z. Walter de Gruyter, 2018, ISBN 978-3-11-057616-0, S. 254.
  2. Zur Friedländer-Schule siehe deren Homepage