Vera Oelschlegel

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Vera Oelschlegel 1970 in Berlin

Vera Oelschlegel (* 5. Juli 1938 in Leipzig) ist eine deutsche Sängerin, Schauspielerin, Regisseurin, Professorin und Theaterleiterin, die bis zur Wende in der DDR wirkte. Danach leitete sie bis 2013 das Tourneetheater Theater des Ostens Berlin und trat damit im deutschsprachigen Raum auf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vera Oelschlegel in Goya, Wels, Oktober 2007

Vera Franziska Oelschlegel wurde 1938 als Tochter des Kaufmanns Gottfried Oelschlegel (1910–1945) in Leipzig geboren. Ihre Mutter, Ruth Oelschlegel (geb. Lauterbach, 1914–2014), war gelernte Journalistin und u. a. Chefin der Bezirkskommission für Unterhaltungskunst Leipzig. Sie war zuerst beim Frauenfunk von Radio Leipzig tätig und später Leiterin der Konzert- und Gastspieldirektion Leipzig. Ihr Großvater mütterlicherseits Carl Lauterbach war Verleger und Förderer Max Regers. Ihr Bruder Axel Oelschlegel (1942–1989) war Journalist und Schriftsteller (Das Pseudonym, 1988). Oelschlegel besuchte von 1946 bis 1950 die Helmholtzschule und absolvierte 1956 ihr Abitur an der Thomasschule zu Leipzig. Danach studierte sie von 1956 bis 1959 an der Fakultät Schauspiel der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und schloss ihr Studium mit dem Diplom ab.

Von 1959 bis 1961 arbeitete sie am Theater Putbus, bevor sie von 1961 bis 1974 Mitglied des Ensembles des Deutschen Fernsehfunks der DDR wurde. 1966 war sie Gründungsmitglied bei der Schaffung des Ensemble 66. Knapp 10 Jahre später war Vera Oelschlegel 1976 an der Gründung des experimentierfreudigen und in der DDR nicht unumstrittenen Theaters im Palast (TiP) beteiligt, dessen Intendantin sie bis 1990 war. Corinna Harfouch war bei ihr in den 1980er-Jahren Meisterschülerin im TiP. Außerdem arbeitete Oelschlegel als Regisseurin. Sie zeichnete u. a. verantwortlich für die Inszenierungen von Dürrenmatts Der Meteor, Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor und König Johann, Peter Hacks’ Ohne Zorn und Eifer sowie Ulrich Plenzdorfs Freiheitsberaubung. Ab 1981 war sie Dozentin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Berlin, und unterrichtete eine Meisterklasse für Schauspiel. 1984 wurde sie Honorarprofessorin für Schauspiel an dieser Hochschule.

Als Schauspielerin und Sängerin wurde sie – auch international – vor allem durch ihre Brecht-Interpretationen bekannt und trat mit ihrem Ensemble 66 in 37 Ländern auf. Am TiP veranstaltete sie auch Kunstausstellungen und Dichterlesungen sowie Komponistenporträts mit u. a. Günter Grass, Christoph Hein, Daniil Granin, Stefan Heym, Luigi Nono, Alfred Schnittke, Paul-Heinz Dittrich und Witold Lutosławski.

1991 wurde das Tourneetheater Theaters des Ostens Berlin gegründet. Mit diesem Theater war Vera Oelschlegel als Prinzipalin, Regisseurin und Schauspielerin unterwegs. Das Theater arbeitete ohne Subventionen, ohne Sponsoring und spielte auf Tourneen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien, Luxemburg und Holland. Das Ensemble war mehrere Monate im Jahr unterwegs und fuhr mit Bus und Lkw für Dekoration und Technik von Ort zu Ort, weit über 10.000 km pro Jahr.

Das Repertoire umfasste u. a. Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor, Strindbergs Totentanz, Ibsens Gespenster, Goethes Iphigenie auf Tauris. Besonders erfolgreich waren Vera Oelschlegels Literaturbearbeitungen wie Umberto Ecos Der Name der Rose (200 Vorstellungen) und Theodor Storms Der Schimmelreiter (mehr als 100 Vorstellungen) sowie Hermann Melvilles Moby Dick. Von 1991 bis 2013 hat das Theater mehr als 1500 Vorstellungen gespielt. Im Januar 2013 fand nach 22 Jahren die letzte Tournee statt und das Theater wurde aufgelöst.

1991 publizierte Vera Oelschlegel ihre Autobiografie unter dem Titel Wenn das meine Mutter wüsst.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vera Oelschlegel war in erster Ehe (1961–1967) mit dem Schriftsteller und Regisseur Günther Rücker verheiratet, dieser Ehe entstammt eine Tochter. In zweiter Ehe (1971–1976) mit dem Schriftsteller und Ex-Präsidenten des DDR-Schriftstellerverbandes Hermann Kant und in dritter Ehe (1977–1987) mit SED-Politbüromitglied Konrad Naumann, der 1. Sekretär der SED von Berlin war. Von 1988 bis 2006 lebte sie mit dem Drehbuchautor Gregor Edelmann zusammen. Seit 2008 ist ihr Lebenspartner der Zürcher Architekt und Stadtplaner Fritz Stuber.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ca. 1960: Lied vom Deutschen Armin Röhrig
  • ca. 1960: Knüpflied auf eine Unruhestifterin
  • 1975: Wie Wolken, wie Feuer, wie Salz
  • 1978: Meine Lieder haben Flügel, haben Wurzeln (Live Mitschnitt eines Konzerts im Theater im Palast am 4. Februar 1977)
  • 1979: Liedertheater
  • 1979: Chansons, Songs, Lieder: von Interpreten der DDR

Filmographie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl Vera Oelschlegel hauptsächlich auf der Bühne zu Hause war, spielte sie auch in einigen Film- und TV-Produktionen:

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wenn das meine Mutter wüsst. Selbstportrait. Ullstein, Frankfurt/Main, Berlin 1991. ISBN 3-550-07509-X.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vera Oelschlegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Musik und Gesellschaft 24 (1974), S. 717.