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Vera Rüdiger

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Vera Rüdiger 1989 im Bundesrat mit Klaus Wedemeier

Vera Rüdiger (* 5. April 1936 in Vollmarshausen, Landkreis Kassel; † 12. November 2025[1]) war eine deutsche Politologin und Politikerin (SPD). Sie war von 1972 bis 1974 Gründungspräsidentin der Gesamthochschule Kassel. Von 1970 bis 1972 und von 1978 bis 1987 war Rüdiger Mitglied des Hessischen Landtags, von 1978 bis 1984 Ministerin für Bundesangelegenheiten und anschließend bis 1987 Ministerin für Wissenschaft und Kunst des Landes Hessen. Von 1988 bis 1991 war sie Bremer Senatorin für Gesundheit und Bundesangelegenheiten.

Nach dem Abitur an der Jacob-Grimm-Schule in Kassel 1956 studierte Rüdiger am Pädagogischen Institut Weilburg für das Lehramt an Volks- und Realschulen. Die beiden Staatsexamen legte sie 1959 und 1961 ab. Nach einer kurzen Tätigkeit als Lehrerin im Schuldienst wechselte sie als pädagogische Mitarbeiterin an die Universität Gießen. Dann absolvierte sie ein weiteres Studium in den Fächern Theaterwissenschaften, Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Im letztgenannten Fach wurde sie dort 1965 mit einer Arbeit über Die kommunalen Wahlvereinigungen in Hessen bei Wolfgang Abendroth zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Politikwissenschaften weiter an der Universität Gießen tätig. Sie war von 1972 bis 1974 Gründungspräsidentin der Gesamthochschule Kassel.

Rüdiger trat 1957 in die SPD und in die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein. Nach einer erfolglosen Kandidatur auf der SPD-Landesliste bei der Landtagswahl 1966 gelang ihr 1970 als direkt gewählte Abgeordnete des Wahlkreises 19 (Gießen-Stadt und Gießen-Land-West) der Einzug in den Hessischen Landtag, dem sie bis zur Mandatsniederlegung 1972 angehörte. Nach ihrer Zeit als Präsidentin der Gesamthochschule Kassel war sie von 1974 bis 1978 Staatssekretärin im hessischen Kultusministerium (unter Kultusminister Hans Krollmann, SPD).

Bei der Landtagswahl 1978 wurde Rüdiger erneut in den Landtag gewählt, diesmal über die SPD-Landesliste, wie auch bei den Wahlen 1982 und 1987. Als erste Frau wurde sie im Dezember 1978 von Holger Börner in eine hessische Landesregierung berufen, im Kabinett Börner II (einer sozial-liberalen Koalition) amtierte sie bis 1984 als Ministerin für Bundesangelegenheiten in der Staatskanzlei. In dieser Funktion war sie auch Mitglied des Bundesrates. Bei der Landtagswahl in Hessen 1983 gewann sie das Direktmandat im Wahlkreis Main-Kinzig III.

Im 1984 gebildeten Kabinett Börner III, der ersten rot-grünen Koalition, wurde das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst aus dem Kultusministerium ausgegliedert, das Vera Rüdiger als erste Ministerin bis 1987 leitete. Ab Dezember 1985 war sie zudem Bevollmächtigte der Hessischen Landesregierung für Frauenangelegenheiten. Infolge der Niederlage der SPD bei der hessischen Landtagswahl 1987 schied sie aus der Regierung aus und legte im Oktober desselben Jahres auch ihr Parlamentsmandat nieder.

Von 1988 bis 1991 war Rüdiger im Bremer Senat unter Klaus Wedemeier als Senatorin für das Gesundheitsressort und für Bundesangelegenheiten zuständig. Zugleich gehörte sie erneut dem deutschen Bundesrat an.

  • Die kommunalen Wahlvereinigungen in Hessen (= Marburger Abhandlungen zur politischen Wissenschaft, Band 8), Hain: Meisenheim am Glan 1966 (zugleich Dissertation Marburg 1965).
  • Schul- und Hochschulreform. Nachdruck eines Referates, das im Rahmen der Regionalfrauenkonferenz im Frühjahr 1968 in Gießen gehalten worden ist (= Frauenpolitik, Heft 7), SPD-Vorstand: Bonn 1970.
  • Die Emanzipation der Frau als Vorwand für die Lust an der Macht, dargestellt am Beispiel der Behandlung missliebiger ehemaliger Kollegen oder: Die innerparteiliche Demokratie, Wahlbüro-Verlag: Lahnstadt 1970/71.
  • als Hrsg.: NS-Lager in Hessen. Auszug aus dem Protokoll der Landtagsdebatte am 28. Februar 1985, HMWK: Wiesbaden 1985.
  • Jochen Lengemann: Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Hrsg.: Präsident des Hessischen Landtags. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-458-14330-0, S. 367–368 (hessen.de [PDF; 12,4 MB]).
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 317.
Commons: Vera Rüdiger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Traueranzeige im Wiesbadener Kurier vom 15. November 2025, abgerufen am 15. November 2025.