Deutscher Verband für Kunstgeschichte

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Deutscher Verband für Kunstgeschichte e. V.
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 26. August 1948[1] in Brühl
Sitz Bonn (Koordinaten: 50° 43′ 33,9″ N, 7° 6′ 12,1″ O)
Zweck Berufsverband und Fachverband
Vorsitz Kerstin Thomas[2]
Geschäftsführung Marcello Gaeta[3]
Mitglieder 5200 (2022)
Website kunsthistoriker.org
Sitz des Verbandes im Bonner Haus der Kultur (2012)

Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte e. V. mit Sitz in Bonn ist ein Berufs- und Fachverband für Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, die in Deutschland oder in deutschen Institutionen im Ausland arbeiten. Der Verband organisiert u. a. den im Zweijahresrhythmus stattfindenden Deutschen Kongress für Kunstgeschichte (bis 2022: Deutscher Kunsthistorikertag). Mit derzeit rund 5200 Mitgliedern (Stand: Oktober 2022)[4] gehört er zu den größten Verbänden der deutschen Geisteswissenschaften.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband wurde 1948 im Rahmen des ersten Deutschen Kunsthistorikertages in Brühl unter dem Namen Verband Deutscher Kunsthistoriker e. V. als Berufsverband neu gegründet und trat damit an die Seite des der Forschungsförderung verpflichteten Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft e. V. Ziel war es außerdem, zu den emigrierten Fachkolleginnen und -kollegen während der Zeit des Nationalsozialismus Kontakt aufzunehmen. Die Initiative der Gründung des Verbandes ging auf den ersten Vorsitzenden Hans Jantzen und seine Nachfolger Hans Kauffmann, Herbert von Einem und Heinrich Lützeler zurück.

Bei dem Kunsthistorikertag 1968 in Ulm kam es zu einem offenen Konflikt, der dazu führte, dass sich der Ulmer Verein abspaltete.

Seit 2005 unterhält der Verband eine Geschäftsstelle in Bonn. Auf dem Kunsthistorikertag in Stuttgart hat die Mitgliederversammlung am 25. März 2022 eine Änderung des Vereinsnamens und des Kongressnamens beschlossen. Der Verband wurde in „Deutscher Verband für Kunstgeschichte e. V.“ umbenannt. Zugleich entschied sich die Mitgliederversammlung für die Umbenennung des „Deutschen Kunsthistorikertages“ in „Deutscher Kongress für Kunstgeschichte“.[5] Die Umbenennung erhielt mit der Eintragung in das Vereinsregister Bonn am 29. August 2022 juristische Gültigkeit.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organe des Verbandes sind die Mitgliederversammlung und der Vorstand.[6]

Der Vorstand besteht aus erstem und zweitem Vorsitzenden sowie vier weiteren Mitgliedern, die jeweils eine der Berufsgruppen Hochschulen und Forschungsinstitute, Museen, Denkmalpflege sowie Freie Berufe repräsentieren.

Der Verband ist als berufsständische Interessengemeinschaft nicht gemeinnützig und erhält keinerlei öffentliche oder private Zuwendungen. Er finanziert sich ausschließlich über die Beiträge persönlicher Mitgliedschaften. Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich.

Kongresse und Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1948 Brühl, Schloss Augustusburg, Hans Jantzen
  2. 1949 München, Schloss Nymphenburg
  3. 1951 Berlin-Charlottenburg
  4. 1952 Nürnberg, Hans Kauffmann
  5. 1954 Hannover
  6. 1956 Essen, Hans Kauffmann
  7. 1958 Trier
  8. 1960 Basel, Herbert von Einem
  9. 1962 Regensburg
    1964 Mitgliederversammlung Bonn, Herbert v. Einem
  10. 1965 Münster
    1966 Mitgliederversammlung Münster
  11. 1968 Ulm, Tilmann Buddensieg
  12. 1970 Köln
  13. 1972 Konstanz, Willibald Sauerländer
    1972 Außerordentl. Mitgliederversammlung Nürnberg
  14. 1974 Hamburg
  15. 1976 München, Dietrich Ellger
  16. 1978 Düsseldorf: Kunst – Wissenschaft – Öffentlichkeit
  17. 1980 Mainz: Fragen heutiger Kunstgeschichte, Georg Friedrich Koch
  18. 1982 Kassel
  19. 1984 Stuttgart, Herwarth Röttgen
  20. 1986 Berlin: Bewahren – Erklären – Gebrauchen. Die Kunstwissenschaft und das künstlerische Erbe
  21. 1988 Frankfurt: Kunst – Geschichte – Moderne – Postmoderne, Dethard von Winterfeld
    1989 Darmstadt: Wissenschaftliches Symposion: Kultfigur und Mythenbildung
  22. 1990 Aachen: Europäische Kunst – Kunst der Nationen
    1992 Berlin: Mitgliederversammlung und Forum: Die Kunstgeschichte über ihre Berufsfelder, Reinhold Baumstark
  23. 1994 Dresden: Deutschland und seine östlichen Nachbarn
  24. 1997 München: Die Inszenierung des Kunstwerks, Sybille Ebert-Schifferer
  25. 1999 Jena: Neuzeiten
  26. 2001 Hamburg: Was war Kunstgeschichte im 20. Jh.?, Gabi Dolff-Bonekämper
  27. 2003 Leipzig: Kunst unter Künsten
  28. 2005 Bonn: Zeitgenossenschaft als Herausforderung, Georg Satzinger
  29. 2007 Regensburg
  30. 2009 Marburg: Kanon, Georg Satzinger
  31. 2011 Würzburg: Genius loci
  32. 2013 Greifswald: Ohne Grenzen, Kilian Heck
  33. 2015 Mainz: Der Wert der Kunst
  34. 2017 Dresden: Kunst lokal – Kunst global, Kilian Heck
  35. 2019 Göttingen: Zu den Dingen!
  36. 2022 Stuttgart: Form Fragen, Kerstin Thomas
  37. 2024 Erlangen/Nürnberg: Bild und Raum

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband versteht sich als Fachgesellschaft mit dem Ziel, die Interessen der Wissenschaft der Kunstgeschichte zu fördern. Als Berufsverband hat er auch die Aufgabe der berufsständischen Interessenvertretung. Der Verband vertritt dabei die klassischen Berufsfelder Museum, Denkmalpflege, Lehre sowie die weiteren, besonders die freiberuflichen kunsthistorischen Arbeitsfelder.

Der Verband vertritt die Interessen seiner Mitglieder und des Faches in zahlreichen Gremien. Er ist u. a. Mitglied im Deutschen Kunstrat[7], im Wissenschaftlichen Beirat des Zentralinstituts für Kunstgeschichte[8], im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz[9] und im Comité International d’Histoire de l’Art (CIHA)[10].

Der Verband nimmt außerdem öffentlich Stellung zu aktuellen Fragen der Denkmalpflege, der Museumspolitik und der kunsthistorischen Ausbildung sowie zu aktuellen gesetzlichen und rechtlichen Bestimmungen und kulturpolitischen Entwicklungen, die kunsthistorische Tätigkeitsfelder betreffen.[11] Im Dezember 2019 rief der Verband die Rote Liste – ein Denkmalgewissen für Deutschland ins Leben, mit der er auf Gefährdungen für Denkmäler aufmerksam macht, so beispielsweise 2020 die Städtischen Bühnen Frankfurt.[12] Die Rote Liste wurde 2021 vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz in der Kategorie Medienpreis ausgezeichnet.[13]

Als Träger des Deutschen Kongresses für Kunstgeschichte (bis 2022: Deutscher Kunsthistorikertag) konzipiert und organisiert der Verband alle zwei Jahre den größten kunsthistorischen Fachkongress in Deutschland.

Seit 2011 vergibt der Verband den Deubner-Preis des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte der Dr. Peter Deubner-Stiftung, der alle zwei Jahre im Rahmen des Deutschen Kongresses für Kunstgeschichte verliehen wird.[14] Seit 2016 werden zusätzlich zum Dissertationspreis zwei Projektpreise ausgelobt.

Die kunstwissenschaftliche Fachzeitschrift Kunstchronik galt bis 2022 als Mitteilungsblatt des Verbandes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nikola Doll: Der erste deutsche Kunsthistorikertag 1948. In: Nikola Doll u. a. (Hrsg.): Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte einer Wissenschaft zwischen 1930 und 1950. Weimar 2005, S. 325–337.
  • H. Hammer-Schenk, D. Waskönig, G. Weiss (Hrsg.): Kunstgeschichte gegen den Strich gebürstet? 10 Jahre Ulmer Verein. 1968-1978. Geschichte in Dokumenten. Ulmer Verein, Marburg 1997, ISBN 3-93758-00-5. (Neuaufl. der Ausg. Hannover 1979)
  • Annette Dorgerloh (Red.): 30 Jahre Ulmer Verein. Strategien des Überdauerns I. Jonas, Marburg 1999 (Themenband der kritischen berichte. 27, 2, 1999).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]