Verband Deutscher Kunsthistoriker

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Sitz des Verbandes im Bonner Haus der Kultur (2012)

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker mit Sitz in Bonn ist ein Berufs- und Fachverband für Kunsthistoriker, die in Deutschland oder in deutschen Institutionen arbeiten. Der Verband organisiert u. a. den im Zweijahresrhythmus stattfindenden Deutschen Kunsthistorikertag. Mit nahezu 3300 Mitgliedern gehört er zu den größten Verbänden der deutschen Geisteswissenschaften.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband wurde 1948 im Rahmen des ersten Deutschen Kunsthistorikertages in Brühl neu gegründet. Neben dem Deutschen Verein für Kunstwissenschaft e.V. stellte er einen Berufsverband für Kunsthistoriker dar. Ziel war es außerdem, zu den emigrierten Kunsthistorikern während der Zeit des Nationalsozialismus Kontakt aufzunehmen. Die Initiative der Gründung dieses Verbandes ging auf den ersten Vorsitzenden Hans Jantzen und seine Nachfolger Hans Kauffmann, Herbert von Einem und Heinrich Lützeler zurück.

Bei dem Kunsthistorikertag 1968 in Ulm kam es zu einem offenen Konflikt, der dazu führte, dass sich der Ulmer Verein abspaltete.

Kunsthistorikertage und Vorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1948 Brühl, Schloß Augustusburg, Hans Jantzen
  2. 1949 München, Schloß Nymphenburg
  3. 1951 Berlin-Charlottenburg
  4. 1952 Nürnberg, Hans Kauffmann
  5. 1954 Hannover
  6. 1956 Essen, Hans Kauffmann
  7. 1958 Trier
  8. 1960 Basel, Herbert von Einem
  9. 1962 Regensburg
1964 Mitgliederversammlung Bonn, Herbert v. Einem
  1. 1965 Münster
1966 Mitgliederversammlung Münster
  1. 1968 Ulm, Tilmann Buddensieg
  2. 1970 Köln
  3. 1972 Konstanz, Willibald Sauerländer
1972 Außerordentl. Mitgliederversammlung
  1. 1974 Hamburg
  2. 1976 München, Dietrich Ellger
  3. 1978 Düsseldorf: Kunst-Wissenschaft-Öffentlichkeit
  4. 1980 Mainz: Fragen heutiger Kunstgeschichte, Georg Friedrich Koch
  5. 1982 Kassel
  6. 1984 Stuttgart, Herwarth Röttgen
  7. 1986 Berlin: Bewahren - Erklären - Gebrauchen. Die Kunstwissenschaft und das künstlerische Erbe
  8. 1988 Frankfurt: Kunst-Geschichte-Moderne-Postmoderne, Dethard von Winterfeld
1989 Darmstadt: Wissenschaftliches Symposion Kultfigur und Mythenbildung
  1. 1990 Aachen: Europäische Kunst - Kunst der Nationen
1992 Berlin: Mitgliederversammlung und Forum: Die Kunstgeschichte über ihre Berufsfelder, Reinhold Baumstark
  1. 1994 Dresden: Deutschland und seine östlichen Nachbarn
  2. 1997 München: Die Inszenierung des Kunstwerks, Sybille Ebert-Schifferer
  3. 1999 Jena: Neuzeiten
  4. 2001 Hamburg: Was war Kunstgeschichte im 20. Jh.?, Gabi Dolff-Bonekämper
  5. 2003 Leipzig: Kunst unter Künsten
  6. 2005 Bonn: Zeitgenossenschaft als Herausforderung, Georg Satzinger
  7. 2007 Regensburg
  8. 2009 Marburg: Kanon, Georg Satzinger
  9. 2011 Würzburg: Genius loci
  10. 2013 Greifswald: Ohne Grenzen, Kilian Heck
  11. 2015 Mainz: Der Wert der Kunst
  12. 2017 Dresden: Kunst lokal - Kunst global, Kilian Heck

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband widmet sich den klassischen Berufsfeldern Museum, Denkmalpflege, Lehre sowie dem freiberuflichen Schaffen.

Er ist Mitglied des Deutschen Kunstrates[1] und vertritt die Interessen der Kunsthistoriker gegenüber staatlichen Institutionen.

Außerdem nimmt er öffentlich Stellung zu aktuellen Fragen der Denkmalpflege, der Museumspolitik und der kunsthistorischen Ausbildung. So protestierte der Verband 2010 in einem offenen Brief gegen die Neuerung des Denkmalschutzgesetzes in Sachsen.[2] Außerdem protestierte der Verband 2010 gegen die Verbreitung von "Stellenanzeigen, die zu unbezahlter Arbeit durch Fachleute aufrufen" als Antwort auf die Suche nach ehrenamtlichen Redakteuren des E-Journals kunsttexte.de.[3][4] 2011 veröffentlichte er unter seinen Vorsitzenden Georg Satzinger und Hubert Locher in Würzburg ein Memorandum zur Umstellung bzw. Einstellung des „Allgemeinen Künstlerlexikons“ durch den Verlag Walter de Gruyter.[5]

Auf dem Kunsthistorikertag 2011 in Würzburg verlieh der Verband erstmals den Deubner-Preis des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker der Dr. Peter Deubner-Stiftung, der alle zwei Jahre zum Kunsthistorikertag als Promotions- und Aufsatzpreis verliehen wird. Den mit 5.000 Euro dotierten Dissertationspreis erhielt Magdalena Holzhey aus Düsseldorf für ihre Arbeit „Im Labor des Zeichners. Joseph Beuys und die Naturwissenschaft“ (Berlin 2009). Den mit 2.000 Euro prämierten Aufsatzpreis erhielt Jan von Brevern aus Berlin für seinen Essay „Wolken und Berge. John Ruskins ‘Law of obscurity’“.[6]

2011 zählte der Verband 2600 Mitglieder, 2017 fast 3300 Mitglieder

Die kunstwissenschaftliche Fachzeitschrift Kunstchronik gilt als Mitteilungsblatt des Verbandes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nikola Doll: Der erste deutsche Kunsthistorikertag 1948. In: Nikola Doll u. a. (Hrsg.): Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte einer Wissenschaft zwischen 1930 und 1950. Weimar 2005, S. 325–337.
  • H. Hammer-Schenk, D. Waskönig, G. Weiss (Hrsg.): Kunstgeschichte gegen den Strich gebürstet? 10 Jahre Ulmer Verein. 1968-1978. Geschichte in Dokumenten. Ulmer Verein, Marburg 1997, ISBN 3-93758-00-5. (Neuaufl. der Ausg. Hannover 1979)
  • Annette Dorgerloh (Red.): 30 Jahre Ulmer Verein. Strategien des Überdauerns I. Jonas, Marburg 1999 (Themenband der kritischen berichte. 27, 2, 1999).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mitgliedsverbände. Deutscher Kunstrat, abgerufen am 9. Dezember 2011.
  2. Offener Brief: Entwurf zur Novellierung des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen (SächsDSchG) (Stand 03/2010). Abgerufen am 9. Dezember 2011 (PDF; 719 kB).
  3. Protest vom Verband Deutscher Kunsthistoriker. Artefakt - Zeitschrift für junge Kunstgeschichte und Kunst, abgerufen am 9. Dezember 2011.
  4. Stellenanzeigen, die zu unbezahlter Arbeit durch Fachleute aufrufen. Abgerufen am 9. Dezember 2011.
  5. Der Text des Memorandums auf kunsthistoriker.org, abgerufen am 10. Juni 2016
  6. Deubner-Preis 2011 des Verbandes Deutscher Kunsthistoriker e. V. Abgerufen am 9. Dezember 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]