Verband Schweizer Medien

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Verband Schweizer Medien
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Rechtsform Verein
Zweck Branchenorganisation der privaten Schweizer Medienunternehmen
Sitz Zürich
Gründung 26. Oktober 1899 (als Schweizerischer Zeitungsverlegerverein)
Ort Olten
Präsident Pietro Supino (seit 22. September 2016)[1]
Geschäftsführer Andreas Häuptli (seit 1. Juni 2016)[2]
Website www.schweizermedien.ch

Der Verband Schweizer Medien (VSM) ist die Branchenorganisation der privaten Schweizer Medienunternehmen mit Schwerpunkt Print und Digital. Er vereinigt über 100 Unternehmen und branchennahe assoziierte Mitglieder,[3] die zusammen rund 300 Zeitungen und Zeitschriften herausgeben sowie verschiedene Newsplattformen und elektronische Medien anbieten.[4]

Der Verband hat die Rechtsform eines Vereins. Präsident ist Pietro Supino,[1] Geschäftsführer Andreas Häuptli.[2]

Die Schwesterverbände des VSM sind Média Suisses[5] für die französischsprachige und Stampa Svizzera für die italienischsprachige Schweiz. Dem Verband angegliedert ist das Medieninstitut.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit den beiden Schwesterverbänden Média Suisses und Stampa Svizzera setzt sich der VSM für die Freiheit und Unabhängigkeit der privaten Medien gegenüber Politik und Wirtschaft ein. Er vertritt die gemeinsamen berufsständischen, ideellen, politischen, wirtschaftlichen und rechtsetzenden Interessen seiner Mitglieder in der Schweiz gegenüber Öffentlichkeit, politischen Institutionen, Behörden, Wirtschaft, Verbänden und Organisationen im In- und Ausland.[4] Er unterstützt die Idee der indirekten Presseförderung (z. B. die ermässigte Zustellung von Zeitungen und Zeitschriften).[6]

Das Medieninstitut beobachtet die Marktentwicklung, bündelt die damit verbundenen Interessen seiner Mitglieder und engagiert sich für eine hochwertige Aus- und Weiterbildung in der Medienbranche.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organe sind die Mitgliederversammlung und das Präsidium.[7] Präsident ist seit dem 22. September 2016 Pietro Supino (Verwaltungsratspräsident Tamedia)[1], als Vizepräsidenten fungieren Peter Wanner (AZ Medien), Gilbert A. Bühler (Freiburger Nachrichten), Beat Lauber (Zürichsee Medien/Zürichsee-Zeitung, Meier + Cie/Schaffhauser Nachrichten, Mengis Medien/Walliser Bote), Andrea Masüger (Somedia), Christof Nietlispach (Freiämter Regionalzeitungen) und Markus Somm (Basler Zeitung Medien). Ehrenpräsidenten sind die früheren Präsidenten Hanspeter Lebrument (Somedia, 2003–2016) und Hans Heinrich Coninx (Tamedia, 1992–2003).[8]

Aus dem Präsidium gebildet ist der Finanz- und Anlageausschuss.[9]

Zur Behandlung fachspezifischer Themen, die aus dem Verbandszweck abgeleitet sind, bildet der Verband themenspezifische Departemente. Jedes Departement setzt sich aus einem Vorsitzenden, der zugleich Präsidiumsmitglied ist, und mindestens vier weiteren Mitgliedern zusammen. Zurzeit (2017) ist der Verband in die Departemente Aussenbeziehungen, Bildung, Distribution, digitale und elektronische Medien, Märkte, Medienpolitik, Publizistik sowie Recht gegliedert.[10]

Geschäftsführer ist seit dem 1. Juni 2016 der im Oktober 2014 von der Neuen Zürcher Zeitung zum VSM gestossene Andreas Häuptli, Leiter des Medieninstituts Othmar Fischlin.[11]

Der VSM gibt neben den Journalistenorganisationen einen Presseausweis für die Akkreditierung von Anlässen ab, der zu vergünstigten Angeboten, namentlich im öffentlichen Verkehr, berechtigt.[12]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband ist Mitglied im Schweizer Presserat, bei ProLitteris sowie in der European Newspaper Publishers’ Association (ENPA) und in der World Association of Newspapers (WAN).

Gesamtarbeitsvertrag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 gibt es in der Deutschschweizer Presse keinen Gesamtarbeitsvertrag mehr. Der VSM bot 2016 den Arbeitnehmervertretern Impressum und syndicom Verhandlungen über den Abschluss eines GAV an unter der Bedingung, dass Impressum, die aus historischen Gründen dem Verlegerverband angehört, den VSM verlässt. Der VSM ist an einem GAV interessiert, weil dieser die gesetzlich verlangte Arbeitszeitregelung erleichtern würde. Er lehnt anderseits die von den Journalistenorganisationen verlangten Mindestlöhne ab.[1]

Austritt von Ringier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. August 2015 gab das Medienunternehmen Ringier bekannt, dass es wegen «unüberbrückbarer Differenzen mit einzelnen Mitgliedern im Präsidium» mit sofortiger Wirkung aus dem VSM austrete.[13] Anlass dazu gab die geplante (und inzwischen verwirklichte) Werbeallianz Admeira von Ringier mit SRG SSR und Swisscom.[14] Während die Verleger befürchten, die Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR könnte sich durch die Allianz einen Zugang zum digitalen Werbemarkt verschaffen, lehnt Ringier ein umfassendes entsprechendes Verbot ab.[15]

Das Zerwürfnis führte weiter im Dezember 2015 zum Abgang der Geschäftsführerin Verena Vonarburg,[16] die als Head of Public Affairs zu Ringier wechselte.[17]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umschlag des mehr als 1000 Seiten umfassenden Buchs zum 25-Jahr-Jubiläum des Schweizerischen Zeitungsverlegervereins

Der Verband wurde auf Einladung des Präsidenten des Schweizerischen Buchdruckervereins (heute Viscom) Adolphe Niestlé am 26. Oktober 1899 im Hotel «Halbmond» in Olten als Schweizerischer Zeitungsverlegerverein (SZV) gegründet. Die Verleger, die häufig gleichzeitig Buchdrucker oder Journalisten oder alles zusammen waren, waren zuvor teils im Buchdruckerverein, teils zusammen mit den Journalisten im Verein der Schweizer Presse (1883 als Schweizerischer Presseverband gegründet, 1893 umbenannt, heute impressum) organisiert. Der Aufschwung des Zeitungswesens Ende des 19. Jahrhunderts (von 1879 bis 1923 stieg die Auflage der Zeitungen von 49 auf 289 Mio. Exemplare), von Journalisten und Druckern teils abweichende Interessen und das Aufkommen von Annoncenagenturen führten zur Bildung eines selbständigen Verlegerverbandes, wobei viele Verleger auch weiterhin Mitglied im Buchdruckerverein oder im Verein der Schweizer Presse oder gleichzeitig in beiden Vereinen waren. So waren der erste Präsident, Emanuel Wackernagel, und der erste Sekretär, Jean Grellet, zugleich Präsident bzw. Sekretär des Vereins der Schweizer Presse.

Erste Anliegen waren der Kampf gegen das «Schmarotzertum am Textteil» (Einsendungen, die nach Ansicht der Verleger in den Annoncenteil gehörten), der Zolltarif für Papier, die gemeinschaftliche Beschaffung von Zeitungspapier, Preisnormen für Inserate, eine raschere Übermittlung durch die PTT und – wie auch heute noch – günstige Zeitungstransporttaxen.[18]

Ein weiteres wichtiges Thema waren Gratispublikationen, gegen deren Aufkommen sich der Verband wehrte. Dabei ging es namentlich um Gratisinserateblätter, aber auch beispielsweise um den 1926 gegründeten Beobachter, der zwar neben der gratis verteilten auch eine abonnierte Auflage zu einer geringen Abonnementsgebühr vertrieb, nach Ansicht der Verleger aber nur, um von der verbilligten Zeitungstransporttaxe für abonnierte Zeitschriften zu profitieren. Heute ist der Beobachter ein geschätztes Mitglied des Verbandes (und keine Gratiszeitschrift mehr). Anderseits wendete sich der Verband auch immer wieder gegen eine «Inseratezensur», d. h. Bestrebungen, die Werbung für gewisse Produkte zu verbieten.

Im Zweiten Weltkrieg bildeten die Verleger zusammen mit dem Journalistenverband die Gemischte Pressepolitische Kommission und stellten mit dem Verlegerpräsidenten Karl Sartorius deren Präsidenten. Sie übte während der kriegsbedingt unvermeidlichen Zensur die Aufgabe eines Presserates aus, der zwischen dem Bundesrat und zeitweise auch der Armeeleitung und den Zeitungen vermittelte.[19] Forderungen aus Deutschland, in Form der Eingabe der Zweihundert aber auch aus der Schweiz, gewisse Chefredaktoren zu massregeln, namentlich Willy Bretscher (Neue Zürcher Zeitung), Albert Oeri (Basler Nachrichten) und Ernst Schürch (Der Bund), deren Zeitungen in Deutschland bereits verboten waren, wurden zurückgewiesen.

Beim Aufkommen neuer Medienformen wie Radio, Telefonnachrichten, Teletext wandte sich der Verband dagegen, dass die SRG SSR bzw. die PTT Nachrichten verbreiten, und erreichte – wiederum zusammen mit dem Journalistenverband – Einschränkungen oder die Bedingung, dass die von den Verlegern gegründete Schweizerische Depeschenagentur damit betraut wurde oder dass sie sich wie im Falle von Teletext an der Betreiberfirma beteiligen konnten. Bis heute wendet sich der Verband gegen eine vollständige Öffnung für die Verbreitung von Werbung im Fernsehen und im Internet durch die SRG SSR. Zugestimmt hatten die Verleger einer beschränkten Werbung im Fernsehen nur, weil sie sich anfänglich an der Vermarktung über die AG für das Werbefernsehen (später publisuisse) beteiligen konnten.

Der Verband ist als Arbeitgeberverband Verhandlungspartner der Journalistengewerkschaften Impressum und syndicom für die Ausarbeitung eines Gesamtarbeitsvertrags (früher Kollektivvertrag genannt). In den letzten Jahren wandelte er sich jedoch zunehmend von einem Arbeitgeberverband zu einer Branchenorganisation. In den Mittelpunkt rückte neben der Medienpolitik nun auch das Gattungsmarketing in Aktionen wie «Woche der Schweizer Presse» (1997) oder «Print macht aus Werbung Information» (2015).

1948 benannte sich der Verein in Schweizerischer Zeitungsverlegerverband (ab 1958 Schweizerischer Zeitungsverleger-Verband geschrieben; SZV), 1980 in Schweizerischer Verband der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger (SZV), 1996 in Verband Schweizer Presse (VSP) und 2010 in Verband Schweizer Medien (VSM) um.[20]

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Lüönd: Das Schweizer Medien-Jahrhundert. In: Flash Extra. 1999, Verband Schweizer Presse, S. 6 ff.
  • Jakob Auer: 50 Jahre Schweizerischer Zeitungsverlegerverband. Separatdruck aus dem Bulletin Nr. 288 des Schweizerischen Zeitungsverlegerverbands, Zürich 1949.
  • Jakob Auer: 25 Jahre Schweizerischer Zeitungsverlegerverein. In: Ernst Rietmann: Das Buch der schweizerischen Zeitungs-Verleger. 1899–1924. Verlag des Schweizerischen Zeitungsverlegervereins, Zürich 1925.
  • Zum 25. Jubiläum des Schweizerischen Zeitungsverlegervereins. In: Der Bund. 26. Oktober 1924, S. 3.
  • Ernst Schürch: Die Schweizerpresse im Weltbild. In: Zum 25. Jubiläum des Schweizerischen Zeitungsverlegervereins. In: Der Bund. 26. Oktober 1924, S. 3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Rainer Stadler: Supino neuer Verlegerpräsident. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. September 2016.
  2. a b Andreas Häuptli übernimmt die Geschäftsführung definitiv. In: Website des VSM. 12. Mai 2016 (Medienmitteilung).
  3. Mitglieder und Organe 2016 Verband Schweizer Medien. In: Website des VSM (PDF; 500 kB).
  4. a b Über uns. In: Website des VSM.
  5. Comité. In: Website der Médias Suisses.
  6. Indirekte Presseförderung. In: Website des VSM.
  7. Organigramm. In: Website des VSM.
  8. Präsidium. In: Website des VSM.
  9. Führungsgremien. In: Website des VSM (PDF; 114 kB).
  10. Departemente. In: Website des VSM.
  11. Geschäftsstelle. In: Website des VSM.
  12. Presseausweis. In: Website des VSM.
  13. Austritt von Ringier aus dem Verband Schweizer Medien (VSM). In: Website von Ringier. 20. August 2015 (Medienmitteilung).
  14. Valerie Zaslawski: Die Werbeallianz im Zeitraffer. In: Neue Zürcher Zeitung. 7. Juni 2017.
  15. Rainer Stadler: Ringier verlässt den Verlegerverband. Eklat in der Medienbranche. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. August 2015.
  16. Nick Lüthi: Streit um Strategie: Direktorin geht. In: Medienwoche. 25. November 2015.
  17. Verena Vonarburg wird Head of Public Affairs Ringier Group. In: Website von Ringier. 25. November 2015 (Medienmitteilung; PDF; 71 kB).
  18. Jakob Auer: 50 Jahre Schweizerischer Zeitungsverlegerverband. Separatdruck aus dem Bulletin Nr. 288 des Schweizerischen Zeitungsverlegerverbands. Zürich 1949.
  19. Edmund Richner: Zum Hinschied von Karl Sartorius. In: Neue Zürcher Zeitung. 11. Februar 1965, Abendausgabe, Blatt 3.
  20. Karl Lüönd: Das Schweizer Medien-Jahrhundert. In: Flash Extra. 1999, Verband Schweizer Presse, S. 6 ff.
  21. Ehemaliger Präsident des Verlegerverbandes. Max Rapold gestorben. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. September 2006.
  22. Alois Hartmann: Jahresbericht 2007. Schweizerischer Katholischer Presseverein, Freiburg 2008 (PDF; 1,2 MB).
  23. Adolf Collenberg: Condrau, Giusep. In: Historisches Lexikon der Schweiz..
  24. Konrad Suter: Pressegeschichte des Kantons Luzern von 1945 bis 1970. Saint-Paul, Freiburg 1996, ISBN 978-3-7278-1088-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  25. Jan Pagotto-Uebelhart: Sartorius, Karl. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  26. † E. Rietmann, directeur de la «NZZ». In: Gazette de Lausanne. 20. April 1945.
  27. Räber-Schriber, Josef. In: Max Huber: Geschichte der politischen Presse im Kanton Luzern 1914–1945. S. 336, Rex, Stuttgart/Luzern 1989, ISBN 3-7252-0529-9 (zugl. Dissertation Universität Zürich, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  28. Hermann Jent. In: Gazette de Lausanne. 29. April 1915.
  29. Nouvelles des cantons. In: Gazette de Lausanne. 25. Februar 1902.