Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas

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Studentendemonstration in Bad Honnef 1968

Im Unitas-Verband (UV), dem ältesten katholischen Studenten- und Akademikerverband Deutschlands, sind Wissenschaftliche Katholische Studentenvereine (W.K.St.V.) zusammengeschlossen, die an vielen deutschen und einigen ausländischen Hochschulstandorten bestehen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband entwickelte sich aus dem 1847 in Bonn gegründeten katholischen Studentenverein Ruhrania. Zunächst stand die Mitgliedschaft nur Studenten der Theologie offen. Die Aufnahme von Mitgliedern anderer Fakultäten war ausschließlich bei Einstimmigkeit möglich. Im Jahre 1850 wurde der Name des Vereins in Unitas geändert. In diesem Zeitraum fand die Entwicklung der bis heute geltenden Prinzipien virtus, scientia und amicitia statt.

Im Jahre 1855 entstand der zweite Unitas-Verein in Tübingen. Die beiden Gründungen bildeten ab 1855 den Unitas-Verband. 1859 wurde der dritte Verein in Münster gegründet. 1860 fand die erste Generalversammlung des Verbandes statt, an der neben Bonn und Tübingen auch die Münsteraner teilnahmen. 1873 wurden die Vereine für Studenten aller Fakultäten geöffnet und das Einstimmigkeitsprinzip aufgehoben.

Im Jahr 1938 wurde der Verband durch den Runderlass des Chefs der Gestapo, Heinrich Himmler, als „staatsfeindliche Organisation“ zwangsaufgelöst, nachdem der Verband bereits 1934 per Reichsgesetz zur Aufgabe des Katholizitätsprinzips gezwungen wurde. 1934 wurde daher einvernehmlich die österreichische Sektion („Unitas-Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine in Österreich“, UVÖ) abgetrennt, da ein gemeinsames Verbandsleben zwischen Vereinen aus Nazi-Deutschland und aus dem noch freien Österreich schwer vorstellbar erschien.

1947 konstituierte sich der Verband neu. Seit den 70er Jahren können nichtkatholische Christen am Vereinsleben des UV teilnehmen und bei Erfüllung gewisser Voraussetzungen auch vereinsbezogene Rechte erlangen; Mitglieder des Vereins können sie allerdings noch immer nicht werden. Seit 1996 können mit eigenen, weiblichen Vereinen auch Studentinnen Mitglied des UV werden. Gemischte Vereine sind jedoch ausgeschlossen.

Von 1972 bis zu seinem Austritt im Jahre 1986 war der UV als Gründungsmitglied in der Arbeitsgemeinschaft akademischer Verbände vertreten.

Im Jahre 2005 übernahm der Frauen-Verein Unitas Clara Schumann den Vorort des UV.

Der UV ist nicht, wie fast alle deutschen Korporationsverbände, ein Verband aus selbstständigen Verbindungen, sondern ein Einheitsverband mit einer gemeinsamen Verfassung für alle Aktiven-, Hohedamen- und Altherrenvereine. Alle Vereine führen daher die Bezeichnung „Unitas“ vor ihrem Eigennamen und als gemeinsame Farben seit 1863 blau-weiß-gold, teilweise auch in unterschiedlicher Reihenfolge.

Heute besteht der UV aus 40 aktiven Vereinen mit circa 900 Studenten sowie 7.000 Alten Herren und Hohen Damen.

Prinzipien und Verbandsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der UV will die Mitglieder seiner Vereine in ihrem Streben nach Vertiefung im Glauben, wissenschaftlicher Fortbildung und lebenslanger freundschaftlicher Verbundenheit über Generationsgrenzen hinweg unterstützen. Diese gemeinsamen Grundlagen aller Unitas-Vereine werden in den drei Prinzipien des Unitas-Verbands zusammengefasst: Virtus (Tugend), Scientia (Wissenschaft) und Amicitia (Freundschaft). Virtus bezeichnet im heutigen Kontext kirchliches und gesellschaftliches Engagement, Zivilcourage und christliche Lebensführung; Scientia die Wissenschaftlichkeit im Sinne einer breit angelegten Wissensbasis; Amicitia schließlich die tätige Freundschaft unter den Bundesschwestern und Bundesbrüdern, der bleibende Lebensbund. Dazu gehört indes auch die correctio fraterna (gegenseitige Zurechtweisung im Sinne freimütiger Kritik), die nicht als Demütigung oder gar Bloßstellung des Kritisierten gedacht ist, sondern als freundschaftlicher Ratschlag nach einem begangenen Fehler.

Die Grundlagen konkretisieren sich im Verbandsleben folgendermaßen:

  • Mittelpunkt der unitarischen Gemeinschaft ist die gemeinsame Eucharistie, die in den Vereinsfesten gefeiert wird. Das Vereinsfest, das aus einer Eucharistiefeier und einer anschließenden Morgensitzung mit einem wissenschaftlichen Festvortrag besteht, wird zu Ehren der Verbandspatrone Thomas von Aquin, Bonifatius und Maria Immaculata gefeiert.
  • Um einen Blick über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes zu erlangen, treffen sich die Mitglieder der einzelnen Vereine regelmäßig zu wissenschaftlichen Sitzungen, die aus einem Referat über ein zeitnahes Thema und anschließender Diskussion bestehen.
  • Die Prinzipien tragen den Lebensbund der aktiven Studenten sowie der Ehemaligen, der „Hohen Damen“ und „Alten Herren“. Dieser Lebensbund eröffnet die Möglichkeit, mit älteren oder jüngeren Bundesbrüdern und -schwestern Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen auszutauschen und an vielen Orten Ansprechpartner zu haben.

Jeder Unitas-Verein führt am Hochschulort sein eigenes Semesterprogramm mit den verschiedensten religiösen, wissenschaftlichen und geselligen Veranstaltungen im Sinne dieser Prinzipien durch. Die Verbandsgemeinschaft kann jeder Unitarier auf der jährlichen Generalversammlung (GV), den Hohedamenbunds-, Altherrenbunds- und Aktiventagen oder gegenseitigen Besuchen erfahren. Viele Vereine unterhalten darüber hinaus eigene Häuser und bieten dort ihren Mitgliedern eine günstige Unterkunft und einen Ort für die gemeinsamen Veranstaltungen.

Wahlspruch und Verbandssymbole[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wahlspruch des Unitas-Verbands lautet: In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas (Zu deutsch: im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem aber Sorge für den Nächsten).

Neben der Fahne in den Farben blau-weiß-gold (die Reihenfolge kann an verschiedenen Hochschulorten abweichen) ist der Zirkel Erkennungszeichen der Unitas. Der Verbandszirkel enthält die Buchstaben „v“ (vivat ‚es lebe‘), „c“ (crescat ‚es wachse‘), „f“ (floreat ‚es blühe‘) und „u“ (unitas)[1]. Auch die Zirkel der einzelnen Vereine enthalten die ersten drei Buchstaben, daneben noch ein bis zwei Buchstaben, die für den Vereinsnamen stehen.

Das Bundeslied des Unitas-Verbands heißt Erschalle jetzt, du Bundessang. Das Wappen des Unitas-Verbandes enthält das Kreuz als Zeichen für die Virtus, die Eule als Zeichen der Scientia und die Hände als Zeichen der Amicitia. Auch die meisten Vereinswappen führen diese Symbole, zusätzlich meist das jeweilige Stadtwappen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Verband der Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereine Unitas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bild des Verbandszirkels (Memento vom 11. März 2007 im Internet Archive)