Verbindungsbahn (Wien)

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Der Begriff Verbindungsbahn wird in Wien für zwei Bahnstrecken verwendet:

Mit 1. Juni 1899 wurde der Betrieb auf der Wiener Verbindungsbahn von den k. k. österreichischen Staatsbahnen übernommen;[1] die Eröffnung erfolgte, gemeinsam mit der unteren Wientallinie der Wiener Dampfstadtbahn – die 1925 in der Wiener Elektrischen Stadtbahn aufging, einen Monat später, am 30. Juni 1899.[2][Anm. 1]

Die Strecken waren und sind erforderlich, weil Wien bis 2012 keinen Haupt- oder Zentralbahnhof hatte, sondern die von Wien ausgehenden Bahnlinien, von unterschiedlichen Betriebsgesellschaften erbaut, in Kopfbahnhöfen endeten. Erst seit 9. Dezember 2012 wurde der neue Hauptbahnhof sukzessive in Teilbetrieb genommen; seit 13. Dezember 2015 an wird der gesamte ÖBB-Fernverkehr Wiens zum beziehungsweise vom Hauptbahnhof geführt.

Abgesehen von der ständigen Nutzung durch Fernzüge bestand auf beiden Verbindungsbahnstrecken schon im 19. Jahrhundert lokaler, teilweise über beide Strecken durchgehender Personenverkehr, der im 20. Jahrhundert bis zur Aufnahme des S-Bahn-Betriebes jahrzehntelang eingestellt war.

Verbindungsbahn von West- zu Südbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brücke der Verbindungsbahn über den Wienfluss (2008) aus Richtung Wien Penzing (links) nach Richtung Wien Speising (rechts)
S-Bahn-Zug nach Unter-Purkersdorf vor der ehemaligen Bahnstation St. Veit an der Wien nahe der Hietzinger Hauptstraße (2010)
Haltestelle Wien Speising an der Verbindungsbahn von West- zu Südbahn

Streckendiagramm siehe hier

Von der Westbahn in Fahrtrichtung Wien Westbahnhof zweigt sie nach dem Bahnhof Wien Hütteldorf bzw. nach der 1950 aufgelassenen Haltestelle Baumgarten im Bogen nach Süden ab, in Fahrtrichtung Linz im Bahnhof Wien Penzing ebenfalls im Bogen nach Süden; beide im 14. Wiener Gemeindebezirk, Penzing.

Jede der beiden eingleisigen Abzweigungen überquert auf separater Brücke den Wienfluss in den 13. Wiener Gemeindebezirk, Hietzing. Beim ehemaligen Bahnhof St. Veit an der Wien bei der Hietzinger Hauptstraße in Unter-St.-Veit vereinigen sich die beiden Gleise zu einer von hier an zweigleisigen Strecke in Richtung Süden. Der Bahnhof wurde am 22. Jänner 1960 zu einer Abzweigung abgewertet und das Stellwerk 2 aufgelassen; das dritte Bahnhofsgleis wurde ebenfalls entfernt. Hier soll nach aktuellen Planungen, die 2015 bekräftigt wurden, bei der Kreuzung der Verbindungsbahn mit der Hietzinger Hauptstraße bald eine neue S-Bahn-Haltestelle errichtet werden.[3] Einige hundert Meter südlich davon bestand einst die Haltestelle Lainz.

Durch die Fertigstellung des Spurplanstellwerkes im Bahnhof Maxing war es möglich, die bisher handbedienten Schrankenanlagen Auhofstraße, Hietzinger Hauptstraße (jeweils am 19. Jänner 1979), Veitingergasse, Jagdschlossgasse (jeweils am 2. Februar 1979), Versorgungsheimstraße und Speisinger Straße (jeweils am 23. Februar 1979) auf Automatikbetrieb umzustellen. Der Schließvorgang erfolgt bei den ersten drei Eisenbahnkreuzungen fahrtbewirkt durch Einschaltstellen, die anderen werden fahrstraßengesteuert eingeschaltet. Alle Schrankenanlagen bis auf jene in Veitingergasse und Speisinger Straße schließen versetzt - das heißt, dass sich von den beiden für den Straßenverkehr hintereinanderliegenden Schrankenbäumen zuerst der vordere und erst danach der hintere senkt, wodurch ein Einsperren von Fahrzeugen schwerer möglich ist. [4]

Es folgen ein Bogen nach Osten und die im Personenverkehr benützte Haltestelle Speising bei der Speisinger Straße bzw. Lainzer Straße. Dort befand sich 2006–2011 ein Ladegleis für Aushubmaterial des Lainzer Tunnels, der mit Fahrplanwechsel vom 9. Dezember 2012 eröffnet wurde und den beträchtlichen Güterverkehr der Strecke, ab Dezember 2015 auch den kompletten Fernverkehr zum Hauptbahnhof, aufnimmt.

Es folgt für Güterzüge der Bahnhof Maxing. Das Mittelstellwerk (Bauart: DrS) wurde am 14. Dezember 1978 in Betrieb genommen und ersetzte auch das mechanische Stellwerk St. Veit an der Wien und den Blockposten St. Veit 1. Die Gesamtkosten der Errichtung beliefen sich auf 48 Millionen Schilling. [5]

In Maxing soll nach aktuellen Planungen bei der Stranzenbergbrücke (einer Straßenbrücke über die Bahnstrecke nahe der Atzgersdorfer Straße, der Grenze zwischen Speising und Hetzendorf) ebenfalls eine neue S-Bahn-Haltestelle entstehen.

Die Strecke wechselt nun bei der Kernstraße (wo sich ehemals eine schmale Brücke über die Bahn befand) ostwärts in den 12. Wiener Gemeindebezirk, Meidling, und verläuft dort teilweise im Tunnel. Die früher oberirdische Führung der Strecke mit zwei Eisenbahnkreuzungen über die Schönbrunner Allee wurde in der ersten Hälfte der 1970er Jahre aufgegeben. Kurz bevor der Bahnhof Wien Meidling an der Südbahn, Fahrtrichtung Nordosten, erreicht wird, zweigt südöstlich beim Hetzendorfer Friedhof eine die Südbahn und die Breitenfurter Straße überquerende Direktverbindung zur Donauländebahn ab, die unter anderem zur Ostbahn stadtauswärts führt.

Auf die andere Verbindungsbahn durchgehende Züge benützen von Meidling zum Hauptbahnhof die Südbahnstrecke. Sie tauchten von dieser früher vor dem 2010 abgerissenen Südbahnhof in den nicht mehr bestehenden Steudeltunnel ein, unterfuhren die Südbahn und bedienten die in der Diagonale zwischen Süd- und Ostbahnhof im Einschnitt gelegene Haltestelle Favoriten, bevor sie Richtung Hauptzollamt weiterfuhren. In dieser Diagonale befindet sich seit 2012 der neue Hauptbahnhof.

Zur Betriebsaufnahme der Wiener Schnellbahn, 1962, wurde ein neuer S-Bahn-Tunnel gebaut, der die neu gebauten Haltestellen Südtiroler Platz, seit 9. Dezember 2012 Wien Hauptbahnhof (Gleise 1 und 2) genannt, und Südbahnhof (S-Bahn), seit 9. Dezember 2012 Wien Quartier Belvedere, im Tiefgeschoss erreicht und von dort Richtung Wien Mitte weiterführt.

Verbindungsbahn von Süd- zu Nordbahn
Kursbuchstrecke (ÖBB):900
Streckenlänge:8,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:15 kV / 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 21,5 
Höchstgeschwindigkeit:100[6] km/h
Strecke – geradeaus
Nordbahn
Bahnhof, Station
0,065 Wien Praterstern Stammstrecke (Wien)
Strecke – geradeaus
0,000
6,738
Brücke über Wasserlauf (groß)
Verbindungsbahnbrücke über den Donaukanal
   
5,602 Wien Radetzkyplatz
   
   
4,845 Wien Mitte Stammstrecke (Wien)
   
   
Teil des St. Marxer Tunnels (1727 m)
   
3,725 Wien Rennweg Stammstrecke (Wien)
   
Aspangbahn
   
Kilometer-Wechsel
2,675
2,584
Fehlerprofil (-91 m)
   
Schnellbahntunnel 1235 m
   
1,925 Wien Quartier Belvedere Stammstrecke (Wien)
   
1,340 Wien Hauptbahnhof Stammstrecke (Wien) S-Bahn Wien S-Bahn Wien
   
   
Abzweig zur Südbahn
Strecke – geradeaus
0,000
9,558
Haltepunkt, Haltestelle
9,414 Wien Matzleinsdorfer Platz Stammstrecke (Wien) S-Bahn Wien
   
Abzweig zur Südbahn
Bahnhof, Station
7,726 Wien Meidling Stammstrecke (Wien) S-Bahn Wien S-Bahn Wien
   
Verbindungsbahn, Südbahn, Pottendorfer Linie

Verbindungsbahn von Süd- zu Nordbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiener Verbindungsbahn ist auch der historische Name der Strecke zwischen dem 2010 abgetragenen Südbahnhof, dessen S-Bahn-Haltestelle im Tunnel weiterhin in Betrieb ist, und dem Nordbahnhof (heute: Bahnhof Wien Praterstern).[7] Die Strecke ist heute Teil der S-Bahn-Stammstrecke und wird allgemein auch als solche bezeichnet.

Die Strecke verlief von der ehemaligen Haltestelle Favoriten zwischen Süd- und Ostbahnhof, die sich unter dem heutigen Hauptbahnhof befand, teils unterirdisch, teils im Einschnitt in einem nach Nordosten zielenden Bogen, in dem sich einst die Haltestelle Arsenal befand, zur Station Rennweg (Einmündung der Pressburger Bahn), von dieser im Einschnitt ansteigend zur in Hochlage errichteten Station Hauptzollamt. Dies ist der ältere Teil dieser Strecke, da bereits nach 1849 auf dieser Trasse eine Güterzugsverbindung von der Südbahn zum Hauptzollamt errichtet wurde, um die Verzollung von Importen zu vereinfachen. Die Station Hauptzollamt wurde, um die Verbindung mit der neuen Wiener Stadtbahn zu ermöglichen, 1899 durch eine Station in Tieflage ersetzt. Der Streckenteil zwischen Südbahnhof und Arsenal hingegen wurde Ende der 1950er Jahre durch eine Neubaustrecke ersetzt, die den Südbahnhof direkt an die Verbindungsbahn anschloss.

Sodann führt die Strecke Richtung Nordosten beziehungsweise Norden über Straßenniveau zur 1899/1900 erbauten, nicht mehr bestehenden Haltestelle Radetzkyplatz und zur Verbindungsbahnbrücke über den Donaukanal und weiter in Hochlage zur 1883 projektierten, ebenfalls 1899/1900 errichteten und bis 2. Juli 1944 bedienten Haltestelle Praterstern, deren Mittelbahnsteig sich zwischen Ausstellungsstraße und Hedwiggasse befand,[8] und zum Nordbahnhof (beide nunmehr im Bahnhof Wien Praterstern zusammengelegt).

Die Strecke ist seit 1962 Teil der damals eröffneten S-Bahn-Stammstrecke (vor deren Betriebsaufnahme wurde der Streckenverlauf von der Haltestelle Favoriten zum 2010 demolierten Südbahnhof verlegt und auf dem Praterstern in die heutige Trasse verschoben) und heute die meistbefahrene Bahnstrecke in Wien. Neben S-Bahn-Zügen wird sie auch von Regionalzügen aus dem südlichen ins nördliche Niederösterreich benützt; Fernzüge verkehren hier derzeit nur in Ausnahmefällen. Der Bahnhof Wien Praterstern wurde von 2004 an komplett umgebaut. Die Haltestelle Wien Südbahnhof wurde am 9. Dezember 2012 in Wien Quartier Belvedere umbenannt, die Haltestelle Wien Südtiroler Platz in Wien Hauptbahnhof (Gleise 1 und 2).

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Wegenstein: Die Verbindungsstrecken im Raume Wien, Reihe "Bahn im Bild" Nr. 79. Verlag Pospischil, Wien 1991.
  • Wolfgang Zenker: Umbau der Verbindungsbahn Hütteldorf-Meidling. Diplomarbeit. Technische Universität Wien, Wien 1984.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. K. k. Oesterreichische Staatsbahnen. In: Das Vaterland, Morgenblatt, Nr. 157/1899 (XL. Jahrgang), 10. Juni 1899, S. 8, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/vtl.
  2. Localbericht. Die Eröffnung der unteren Wienthal-Linie und der Verbindungsbahn. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 12519/1899, 1. Juli 1899, S. 6, Mitte rechts. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  3. Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie: Ausbauplan Bundesverkehrsinfrastruktur 2013-2018 (PDF; 202 kB)
  4. Automatisierung von Schranken auf der Wiener Verbindungsbahn, in: ÖBB-Journal, Nr. 1 / 1979, S. 14
  5. Bahnhof Maxing: Neues Mittelstellwerk, in: ÖBB-Journal Nr. 1 / 1979, S. 26
  6. Buchfahrplan Heft 17L, 1995, S. 130
  7. Sommerfahrordnung im Wiener Local- und Stadtbahnverkehre. (…) Wiener Verbindungsbahn.. In: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 13893/1903, 1. Mai 1903, S. 20, unten links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/nfp.
  8. Verbindungsbahn. In: Wiener Zeitung, Nr. 155/1883 (XL. Jahrgang), 10. Juli 1883, S. 8, Mitte links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ab dem Eröffnungstag wurde vom Praterstern aus die Strecke zur Südbahn alle 15 Minuten befahren. – Siehe Einzelnachweis Neue Freie Presse, 1. Juli 1899.