Verbraucherzentrale

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Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.
(vzbv)
Verbraucherzentrale Bundesverband Logo.svg
Zweck: Verbraucherschutz; Dachorganisation
Vorsitz: Klaus Müller
Gründungsdatum: 1. November 2000
Mitgliederzahl: 50 Verbraucherorganisationen:
  • 16 Verbraucherzentralen
  • 25 weitere Verbände
  • 9 Fördermitglieder[1]
Sitz: Berlin, DeutschlandDeutschland Deutschland
Website: www.vzbv.de

Die deutschen Verbraucherzentralen sind auf Landesebene organisierte Vereine, die sich aufgrund eines staatlichen Auftrags dem Verbraucherschutz widmen und Beratungsleistungen erbringen. Sie sind als gemeinnützig anerkannt und in der politischen Dachorganisation Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (vzbv) zusammengeschlossen.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Ziel ist es, die Verbraucher in Fragen des privaten Konsums zu informieren, zu beraten, zu unterstützen und rechtlichen Beistand zu leisten. Beraten wird beispielsweise zu Themen wie Kaufrecht, Werkvertragsrecht (Handwerkerleistungen), Dienstvertragsrecht, Kreditrecht, Schuldnerberatung und privatem Insolvenzverfahren sowie deren Prävention, Banken und Geldanlage, Grauem Kapitalmarkt, Versicherungen, Patientenrecht, Pflegeberatung, Wohnberatung, Gesundheitsdienstleistungen, Reiserecht, Privater Altersvorsorge, Baufinanzierung, Energie, Stromanbieterwechsel, Umwelt, Ernährung, Haushalt, Freizeit oder Telekommunikation.

Die Verbraucherzentralen helfen gegen Entgelt bei individuellen Rechtsproblemen und vertreten Interessen jedes Verbrauchers im Einzelnen wie auch in Verbands- oder Sammelklagen. Insbesondere ist es satzungsgemäße Aufgabe der Verbraucherzentralen, außergerichtlich wie auch gerichtlich gegen unzulässige Allgemeine Geschäftsbedingungen, verbraucherschutzwidrige Geschäftspraktiken und unlautere Werbemaßnahmen eines Anbieters vorzugehen.

In den letzten Jahren ergab sich bezüglich fragwürdiger Vertragsbedingungen und Geschäftspraktiken sowie Verbraucherbeschwerden ein Arbeitsschwerpunkt der Verbraucherzentralen bei Telekommunikationsdienstleistungsverträgen – siehe Telekommunikationsunternehmen in der Kritik.

Die Verbraucherzentralen versuchen auch, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Beispielsweise ist die Verbraucherzentrale Hamburg neben 23 anderen Organisationen (unter anderem der BUND Hamburg, Kirchen sowie Verbände aus dem Bereich erneuerbare Energien) Mitinitiatorin einer Volksinitiative, die das Ziel einer Rekommunalisierung der Energienetze und der Etablierung „echter“ Stadtwerke (Stadtwerke mit Energienetzen) in Hamburg hat.[2]

Rechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbraucherzentralen erhielten durch das Gesetz gegenüber anderen Vereinen besondere Privilegien. So haben sie in Deutschland gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 4 Rechtsdienstleistungsgesetz (seit 1. Juli 2008, davor § 3 Nr. 8 Rechtsberatungsgesetz) das Recht zur außergerichtlichen Rechtsbesorgung und können so im Rahmen ihres Aufgabenkreises neben Rechtsanwälten Verbraucher außergerichtlich beraten und vertreten. Dies erfolgt gegen Entgelt.

Seit dem 1. Januar 2002 können sich Verbraucherzentralen individuelle Ansprüche von Verbrauchern abtreten lassen, um diese vom Anbieter einzufordern und gegebenenfalls auch einzuklagen. Damit können Verbraucherzentralen Ansprüche einzelner Verbraucher bündeln und im Interesse des Verbraucherschutzes bis hin zum Bundesgerichtshof geltend machen.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständig für Informationen und Beratung sind die in Deutschland auf Landesebene organisierten Verbraucherzentralen der einzelnen Bundesländer. Politische Dachorganisation dieser Landes-Verbraucherzentralen ist der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. (abgekürzt vzbv) mit Sitz im GSW-Hochhaus in Berlin-Kreuzberg. Er vertritt die Verbraucherinteressen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf Bundesebene. Der vzbv bietet jedoch keine direkte Verbraucherberatung an. Dies übernehmen die einzelnen Verbraucherzentralen in den Ländern.[3]

Er ist federführend für die Klimaschutzkampagne „für mich. für dich. fürs klima.“ mit dem Ziel der Verbraucherberatung bei Mobilität, Ernährung und Finanzprodukten, finanziert von der Bundesregierung. Die Klimakampagne des vzbv endete mit dem Jahr 2010. Insgesamt wurden circa 1.900 Aktionen und 1.500 Bildungsaktionen durchgeführt.

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Seit 1978 koordiniert der vzbv die Energieberatung der Verbraucherzentrale, das größte interessenneutrale Beratungsangebot zum Thema Energie in Deutschland. In acht Beratungsangeboten (Telefonberatung, Onlineberatung[4], Stationäre Beratung, Basis-Check, Gebäude-Check, Heiz-Check, Solarwärme-Check und Detail-Check) beraten über 550 Energieberater jährlich rund 120.000 Verbraucher zur Energieeinsparung und zum Einsatz erneuerbarer Energien in privaten Wohngebäuden.[5]

Der Verbraucherzentrale Bundesverband wurde am 1. November 2000 als Nachfolgeorganisation der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände, des Verbraucherschutzvereins und des Verbraucherinstituts gegründet. Sein erster Vorstand war Edda Müller. Vom August 2007 bis Mitte Dezember 2013 war Gerd Billen Vorstand.[6] Am 1. Mai 2014 trat Klaus Müller, bisheriger Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, sein Amt als neuer Vorstand des vzbv an.[7]

NRW-Vorstand Schuldzinski und Dorothea Khairat, Leiterin der jüngsten Beratungsstelle in Neuss (2017)

Größte Einzelorganisation ist die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. Sie berät landesweit in 61 Beratungsstellen, per Internet und über eine kostenpflichtige Rechtsberatungshotline. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ist Gründungsmitglied des Vereins EnergieVision e. V., der das ok-power Label für Ökostrom-Angebote vergibt. Insgesamt gibt es 16 Landesverbraucherzentralen, die in den Bundesländern als selbstständige Organisationen auftreten und als solche arbeiten. Zwischen den einzelnen Verbraucherzentralen gibt es jedoch einen regen Austausch, so dass es einheitliche Beratungsstandpunkte gibt.[8]

International ist der Verbraucherzentrale Bundesverband Mitglied beim Europäischen Verbraucherverband (BEUC) und bei Consumers International.

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebensmittelklarheit.de[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Lebensmittelklarheit.de

Am 20. Juli 2011 ging in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Hessen die Website Lebensmittelklarheit.de im Rahmen der Initiative Klarheit und Wahrheit (bei der Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln) online.[9] Dieses neue Portal löste am selben Tag ein sehr großes Medienecho aus, so dass die Website nach der Freischaltung temporär aufgrund von Überlastung nicht zu erreichen war. Negative Kritik wurde von Seiten der Lebensmittelindustrie[10] und dem Deutschen Konsumentenbund geäußert.[11]

Studie zur bedarfsgerechten Beratung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Studie des vzbv sollte 2013 anhand einer Stichprobe zeigen, ob die Beratung von Banken und Versicherern bedarfsgerecht ist. Knapp 300 Fälle wurden dazu untersucht. Die Kritik des Bundesverbands: Oftmals passen die angebotenen Produkte oder abgeschlossenen Verträge nicht zu den Bedürfnissen der Kunden.[12] Im Dezember 2013 kritisierte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die Untersuchung als „irreführend“. Zudem sei die Studie aufgrund der geringen untersuchten Fälle nicht repräsentativ.[13]

Deutscher Verbrauchertag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um seine politischen Forderungen zu formulieren, richtet der Verbraucherzentrale Bundesverband jährlich den Deutschen Verbrauchertag als Tagung aus.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Finanzierung der Verbraucherzentralen beruht überwiegend auf Fördermitteln. In Nordrhein-Westfalen setzt sich der Etat beispielsweise aus institutioneller Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen, Mitteln der Städte und Kreise, Projektmitteln, Spenden sowie aus eigenen Einnahmen zusammen.[14]

Diese eigenen Einnahmen stammen zum Teil aus der Verbraucherberatung. Insbesondere die individuelle Rechtsberatung wird von Verbraucherzentralen in vielen Bundesländern nur gegen Entgelt angeboten. Die Preise der Verbraucherzentrale variieren oft zwischen telefonischer und persönlicher Beratung und sind abhängig vom Beratungsgegenstand.[15]

Bis 2012 galt für die kostenpflichtigen Beratungen der Verbraucherverbände der reduzierte Umsatzsteuersatz von derzeit 7 %. Seit dem 1. Januar 2012 wird stattdessen der volle Umsatzsteuersatz von derzeit 19 % erhoben. Diese gesetzliche Veränderung entspricht einer Verteuerung von 11,2 %. Gerd Billen, der Vorsitzende des vzbv, appellierte an Bund und Länder, im Gegenzug die Zuschüsse des Staates zu erhöhen.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den Verbraucherzentralen sind die Europäischen Verbraucherzentren keine Nichtregierungsorganisationen, sondern Einrichtungen der EU-Kommission.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Verbraucherzentrale – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Verbraucherzentrale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der vzbv – Seite des Verbraucherzentrale Bundesverbands
  2. Unser Hamburg – Unser Netz. 21. November 2010.
  3. Übersichtsseite der Verbraucherzentralen und des vzbv.
  4. Energieberatung online. Stand: April 2018.
  5. Verbraucherzentrale Energieberatung. Stand: April 2018.
  6. Gerd Billen wird Staatssekretär im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2014.
  7. Verbraucherzentrale fordert mehr Datenschutz. Handelsblatt, 5. Mai 2014, abgerufen am 16. Mai 2014.
  8. Verbraucherzentrale Bundesverband - vzbv
  9. Verbraucherzentrale Bundesverband: Klarheit und Wahrheit bei der Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln. 20. Juli 2011, abgerufen im 20. Juli 2011.
  10. n-tv online: Branche läuft Sturm. 20. Juli 2011, abgerufen im 20. Juli 2011.
  11. Konsumentenbund kritisiert „Prangerportal“ der Verbraucherzentrale, besucht am 30. Juli 2011.
  12. Anlageprodukte gehen am Verbraucherbedarf vorbei, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2014.
  13. Kritik an Verbraucherschützer-Studie, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2014.
  14. Finanzierung der Verbraucherzentrale NRW – Einnahmestruktur 2017. Stand 25. April 2018, abgerufen am 29. April 2018
  15. Kostenseite der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, abgerufen am 27. April 2018