Verein Berliner Künstler

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Der Verein Berliner Künstler (VBK) ist der älteste Verein bildender Künstler Deutschlands und hat heute seinen Sitz in Berlin Mitte (Ortsteil Tiergarten). Der Verein wurde im Mai 1841 von Johann Gottfried Schadow gegründet.

Zu seinen Mitgliedern zählten seit damals u.a. Adolph Menzel, Anton von Werner, Oskar Begas, Carl Steffeck, Max Liebermann, Philipp Franck, Walter Leistikow, Hans Baluschek, Otto Nagel, Georg Kolbe, Eckart Muthesius, Heinrich Zille, Emil Orlik, Conrad Felixmüller und A. Paul Weber.[1]

Im Januar 2016 waren 120 Berliner Künstler aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Installation und Neue Medien als Mitglieder eingetragen.[2] Die Gesamtzahl der Mitglieder seit der Gründung bis zum Jahr 2011 betrug ungefähr 1800.

Die Mitgliedschaft im Verein Berliner Künstler ist kostenpflichtig.

Erste Vorsitzende des Vereins ist Sabine Schneider.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Schöneberger Ufer 57 in Berlin-Tiergarten
Gedenktafel für Carl Langhammer am Haus Schöneberger Ufer 57

Der Verein wurde 1841 als Berliner Künstler-Verein gegründet. Seinen heutigen Namen erhielt der Verein im Jahr 1859. Zu Beginn des Vereinslebens trafen sich die Künstler, damals ausschließlich Männer, einmal wöchentlich, um gegenseitig ihre Arbeiten zu begutachteten und Vorträge zu Fragen der Kunst zu hören. Zunehmend gewann der Verein auch soziale Bedeutung. Es wurden Hilfskassen für notleidende Künstler und deren Hinterbliebene eingerichtet, oft die wichtigste Einnahmequelle der Betroffenen. Nach der bürgerlichen Revolution von 1848 begann der Verein, Einfluss auf die Kulturpolitik zu nehmen. Man machte der Königlichen Akademie der Künste und dem Preußischen Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten erfolgreich Vorschläge mit dem Ziel, die Bedingungen für Ausstellungen zu verbessern und einen Etat für Bildende Kunst festzusetzen. 1867 wurden dem VBK die Korporationsrechte verliehen. Damit war er, obwohl einst eine rein private Gründung, eingebunden in das institutionelle System der Monarchie und abhängig von Entscheidungen des Kultusministeriums.

Die Künstlerfeste des Vereins waren Höhepunkte im gesellschaftlichen Leben Berlins. Mit Hilfe eines vereinseigenen Kostümfundus wurden Ereignisse wie „Der Hof der Mediceer“ im Kronprinzenpalais (1875), ein Festzug zur Silberhochzeit des Kronprinzenpaares (1883) und das Pergamonfest von 1886 mit etwa 1300 Mitwirkenden ausgestaltet.

Unter dem Vorsitz Anton von Werners stieg seit 1887 die Bedeutung des Vereins für das Einkommen der Künstler durch eine Modernisierung des Ausstellungs- und Verkaufsprogramms und den Bau eines neuen Galeriegebäudes an zentraler Stelle in der Bellevuestraße. In offiziellen Kommissionen und Ausschüssen wuchs die Präsenz des Vereins auf Kosten der Akademie, dem Werkzeug der absolutistischen Regierung.[3] Werner behielt das Amt des jährlich neu zu wählenden Vorsitzenden bis 1895 und hatte es von 1899 bis 1901 und zuletzt von 1906 bis 1907 inne.

Seit 1893 konnte der VBK gleichberechtigt mit der Akademie der Künste die Große Berliner Kunstausstellung ausrichten. In diesem Zusammenhang war er auch in die Auseinandersetzungen verwickelt, die schließlich 1898 zur Berliner Secession führten. Im Folgenden wandelte sich der Verein zu einer traditionsorientierten Gemeinschaft.[4]

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Nationalsozialismus verlor der Verein weitgehend seine Selbstständigkeit, er wurde in die Strukturen der Diktatur eingegliedert. Anders als andere Künstlervereine zu dieser Zeit wurde er jedoch nicht aufgelöst. Das in den Jahren von 1897 bis 1889 von Karl Hoffacker Bellevuestrasse Nummer 3 errichtete Vereinshaus und ein zweites in der Nähe des Tiergartens gelegenes Haus wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Schon im Juni 1945, zwei Monate nach Kriegsende, versuchten einige Künstler, den VBK neu zu beleben. Die erforderliche Lizenz wurde aber erst im September 1949 erteilt. Danach begann die neue Vereinstätigkeit unter demokratischen Verhältnissen.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aktuelle Standort des VBK, ein denkmalgeschütztes Stadthaus am Landwehrkanal, wurde 1964 erworben. Dort befinden sich das Büro, das künstlerische Archiv und die vereinseigene Galerie mit einem kleinen Skulpturengarten. Jährlich finden etwa acht bis zehn Ausstellungen statt. Es werden vor allem Arbeiten zeitgenössischer Künstler ausgestellt, meist von Mitgliedern des Vereins, aber auch von nationalen und internationalen Gästen. Der Verein feiert 2016 das 175. Jubiläum mit einer historischen "Popup"-Ausstellung, dem Jubiläumsfest mit einer Lichtinstallation von Philip Geist, einer historischen Ausstellung in der Kommunalen Galerie, einer Ausstellung in der Zitadelle in Spandau sowie einer Ausstellungsreihe mit 86 Arbeiten der derzeit aktiven Mitglieder.[5] [6] Das Jubiläumsjahr steht unter der Schirmherrschaft von Staatsministerin Monika Grütters.[7]

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um eine Mitgliedschaft kann sich jeder in Berlin lebende und professionell arbeitende Künstler bewerben. Bezüglich der künstlerisch-stilistischen Ausrichtung der Arbeiten gibt es dabei keine Vorgaben. Es gibt auch keine Altersbeschränkung, jedoch bewerben sich nur wenig junge Künstler für eine Mitgliedschaft, daher bewegt sich die aktuelle Altersspanne etwa zwischen 35 und 60 Jahren. Die Künstler kommen überwiegend aus Deutschland, einige auch aus dem Ausland, alle leben und arbeiten jedoch schwerpunktmäßig in Berlin.

Frauen dürfen dem Verein erst seit 1990 beitreten[8], trotzdem ist der Anteil weiblicher und männlicher Mitglieder heute in etwa gleich groß. Der Vorstand ist vollständig mit weiblichen Mitgliedern besetzt.[9]

Die Mitgliedschaft im VBK ist kostenpflichtig. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf 120 Euro pro Jahr, außerdem tragen die Mitglieder anteilig die Kosten für die stattfindenden Ausstellungen.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Börsch-Supan: Verein Berliner Künstler. Versuch einer Bestandsaufnahme von 1841 bis zur Gegenwart, Nicolai, Berlin 1991, ISBN 3-87 584-381-9
  • Rudolf Pfefferkorn: Von Schadow bis Gärtner. Zeichnungen aus dem Besitz des Vereins Berliner Künstler, Stapp Verlag Berlin, 1980, ISBN 3-87776-703-6
  • Anke Matelowski (Hrsg.): Berliner Künstlerleben. Fotografien und Dokumente des Vereins Berliner Künstler seit 1841. Ausstellung vom 3. Juni bis 5. August 2007. Akademie der Künste, Berlin 2007, ISBN 978-3-00-021359-5
  • Max Schlichting (Hrsg.): Hundert Jahre Berliner Kunst. Im Schaffen des Vereins Berliner Künstler. Selbstverlag des Vereins Berliner Künstler, Berlin. 1929.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verein Berliner Künstler - Verein Berliner Künstler | VBK. In: www.vbk-art.de. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  2. Verein Berliner Künstler | VBK - Verein Berliner Künstler | VBK. In: www.vbk-art.de. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  3. Peter Paret: Die Berliner Secession. Moderne Kunst und ihre Feinde im Kaiserlichen Deutschland. Severin und Siedler, Berlin 1981, S. 28–29
  4. „Berliner Künstlerleben. Fotografien und Dokumente des Vereins Berliner Künstler seit 1841“ im Archiv-Kabinett der Akademie der Künste | Akademie der Künste - Berlin. In: www.adk.de. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  5. http://www.vbk-art.de/index.php/de/archiv-15.html Jubiläumsfest, abgerufen am 26. Mai 2016
  6. Ausstellungen, aufgerufen am 26. Mai 2016
  7. Kommunale Galerie, abgerufen am 26. Mai 2016
  8. „Berliner Künstlerleben. Fotografien und Dokumente des Vereins Berliner Künstler seit 1841“ im Archiv-Kabinett der Akademie der Künste | Akademie der Künste - Berlin. In: www.adk.de. Abgerufen am 26. Mai 2016.
  9. Vorstand, abgerufen am 26. Mai 2016
  10. Verein Berliner Künstler | VBK - Verein Berliner Künstler | VBK. In: www.vbk-art.de. Abgerufen am 26. Mai 2016.