Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe

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Flagge der VdgB

Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) war eine Massenorganisation für Bauern in der Deutschen Demokratischen Republik - von der SED geführt, wie auch alle anderen Parteien und Massenorganisationen der DDR. Zuletzt (1989) hatte die VdgB rund 640.000 Mitglieder in 8.000 Ortsorganisationen.

Geschichte[Bearbeiten]

Aus den seit Herbst 1945 gebildeten Kommissionen für die Bodenreform und Ausschüssen der gegenseitigen Bauernhilfe, wurde auf dem Ersten Deutschen Bauerntag in Berlin (Ost) im November 1947 die Zentralvereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe („ZVdgB“) gegründet, die sich im November 1950 mit dem Zentralverband der landwirtschaftlichen Genossenschaften Deutschlands zur Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe / Bäuerliche Handelsgenossenschaften (VdgB/BHG) zusammenschloss. Höchste Organe der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe waren die „Deutschen Bauerntage“, später die „Zentralen Delegiertenkonferenzen“. Ziel der Organisation war es, zunächst die Bodenreform und später den Aufbau einer sozialistischen Landwirtschaft zu unterstützen. Für die 1952 begonnene Kollektivierung der DDR-Landwirtschaft - Bildung von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) -, betrieben von der SED nach dem Vorbild des „Leninschen Genossenschaftsplanes“, setzte sich die VdgB/BHG auch mit den ihr obliegenden Funktionen bei der Ausgabe von Saatgut, Dünge- und Futtermitteln und bei der Erfassung landwirtschaftlicher Erzeugnisse ein.

Als Presseorgan erschien ab 1946 die Wochenzeitung Der Freie Bauer, ab 1985 als VdgB-Zeitung Unser Dorf. Nach 1957 wurde die Organisation nur noch „Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe“, oder abgekürzt „VdgB“, genannt (Beschluss des V. Deutschen Bauerntages). Sie bestand aus den Ortsorganisationen der VdgB, deren Arbeit von Kreisvorständen, Bezirksvorständen und dem Zentralvorstand der VdgB angeleitet und kontrolliert wurde. Die Bezirksvorstände und der Zentralvorstand der VdgB waren auch die wirtschaftsleitenden und "Bilanz"-Organe sowie Prüfungsverband der Genossenschaften der VdgB, vor allem der Bäuerlichen Handelsgenossenschaften (BHG) (1989: 272 juristisch selbständige Betriebe 26.000 Mitarbeitern), der zwei Winzergenossenschaften der DDR in Freyburg und Meißen und der 86 Molkereigenossenschaften (für diese nur Prüfungsdienst), die ihrerseits Einrichtungen der Ortsorganisationen der VdgB waren. Die VdgB war Mitglied in der Nationalen Front der DDR und war in Kommunalparlamenten sowie von 1950 bis 1963 und von 1986 bis 1990 in der Volkskammer vertreten.

Spätestens seit den siebziger Jahren sah sie Ihre Aufgaben verstärkt – neben materiell-technischer Versorgung der Landwirtschaftsbetriebe - in der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in den Dörfern, der Pflege bäuerlicher Traditionen, von Kultur und Sport sowie der Urlaubsgestaltung der Genossenschaftsbauern („Feriendienst“ - u.a. „VdgB-Erholungsheim Ringberghaus“ in Suhl mit über 180.000 Urlaubern seit Eröffnung 1979, „Gäste- und Urlauberheim der VdgB“ in Ziegenrück ). Die internationalen Beziehungen der DDR unterstützte die VdgB mit dem Austausch von Bauern-Delegationen und der Qualifizierung von Funktionären anderer Länder an der Agraringenieurschule der VdgB „Friedrich Wehmer“ in Teutschenthal. Eine eigener Bereich im Zentralvorstand der VdgB bemühte sich um die Beziehungen zur BRD, speziell zum Deutschen Bauernverband (DBV). Ihre Arbeit finanzierte die VdgB aus Gewinn-Abführungen der VdgB-Genossenschaften, v.a. der BHG.

Im Zuge der Wende 1989/90 teilte sich die VdgB in den Bauernverband der DDR e.V. (für die Interessenvertretung der Bauern) einerseits und den Raiffeisenverband der DDR e.V. (v.a. für die Bäuerlichen Handelsgenossenschaften) andererseits, der aber seine Tätigkeit spätestens anlässlich des Beitritts der DDR zur BRD einstellte. Vorausgegangen war die - von der (west)deutschen Genossenschaftsorganisation vehement unterstützte Forderung - der Bundesanstalt für des Kreditwesen (BAKred - heute BAFin) am 30. August 1990, nach der am 3. Oktober 1990 das Prüfungsrecht der Raiffeisenverbände im Beitrittsgebiet erloschen sei und sie sich den Verbänden im alten Bundesgebiet anzuschließen hätten. Bis auf Sachsen kamen alle Raiffeisenverbände in der DDR dieser Forderung nach; der Thüringer Verband beschloss seine Liquidation schon im September 1990, der in Mecklenburg-Vorpommern fusionierte - bis dahin geduldet - 1993. In Sachsen-Anhalt kam es erst gar nicht zu einer Verbandsgründung im juristischen Sinne. Die Aufgaben als Spitzenverbände wurden von den westdeutschen Genossenschaftsverbänden (Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV), Verband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV)) der Bundesrepublik übernommen. Der Raiffeisenverband der DDR wurde in den Arbeitskreis genossenschaftlicher Verbände umgewandelt und etwa 1994 liquidiert. Als ostdeutscher Verband verblieb nur der Genossenschaftsverband Sachsen - gegründet am 19. April 1990, der spätere (ab 2004) Mitteldeutsche Genossenschaftsverband (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch) e.V. bestehen, bis auch dieser 2013 mit dem Genossenschaftsverband e.V., Frankfurt, durch Fusion in diesem aufging.

Vorsitzende[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien