Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
(ver.di)
Logo
Zweck: Gewerkschaft
Vorsitz: Frank Bsirske
Gründungsdatum: 19. März 2001
Mitgliederzahl: 2.038.638 (Stand: 31. Dezember 2015)
Sitz: Berlin
Website: www.verdi.de
Die Verdi-Bundesverwaltung am Paula-Thiede-Ufer in Berlin
Verdi-Zentrale Berlin-Brandenburg Köpenicker Straße in Berlin-Mitte
Haupteingang der Verdi-Zentrale in Berlin-Mitte

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (kurz Verdi, Eigenschreibweise: ver.di, Aussprache: [ˈvɛʁdiː]) ist eine deutsche Gewerkschaft mit Sitz in Berlin. Sie entstand im Jahr 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften und ist Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund. Mit rund zwei Millionen Mitgliedern ist sie nach der IG Metall die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft.[1] Verdi beschäftigt bundesweit rund 3.000 Mitarbeiter und nimmt durch Beitragszahlungen jährlich etwa 454 Millionen Euro ein.[2] Die Gewerkschaft ist in 10 Landesbezirke und 13 Fachbereiche untergliedert und wird von einem 14-köpfigen Bundesvorstand geleitet. Vorsitzender ist seit ihrer Gründung Frank Bsirske.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdi entstand im März 2001 durch Zusammenschluss von fünf Einzelgewerkschaften, die mit Ausnahme der DAG zuvor alle dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) angehörten:

Als älteste Vorläuferorganisation gilt der 1866 gegründete Verband der Deutschen Buchdrucker.[3]

Gespräche über eine engere Kooperation hatte es bereits in den 1990er Jahren gegeben. An diesen Verhandlungen waren neben den späteren Verdi-Gründungspartnern auch die damalige Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (GdED), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beteiligt.

Am 4. Oktober 1997 unterzeichneten die Vorsitzenden von DAG, DPG, GEW, HBV, IG Medien und ÖTV eine „Hamburger Erklärung“, in der sie eine Neuordnung der gewerkschaftlichen Interessenvertretung im Dienstleistungssektor befürworteten.[4][5] Ein Lenkungsausschuss wurde gebildet, der in enger Abstimmung mit den Führungsgremien der beteiligten Gewerkschaften die Eckpunkte der Fusion sowie die Struktur der künftigen Großgewerkschaft erarbeitete.

Nachdem die GEW zwischenzeitlich aus dem Fusionsprozess ausgeschieden war, vereinbarten die Spitzen von DAG, DPG, HBV, IG Medien und ÖTV im Juni 1999 in Magdeburg den Zusammenschluss.[6] Im Herbst desselben Jahres wurde ein gemeinsames Büro in Berlin eröffnet,[7] und im November 1999 stimmten die Delegierten der fünf Gewerkschaften auf außerordentlichen Gewerkschaftstagen der Gründung einer Übergangsgesellschaft (GO-ver.di) zu.[8]

Von Vertretern der beteiligten Gewerkschaften wurde der Zusammenschluss als historischer Schritt gewertet. Das „Konkurrenzdenken unter Gewerkschaften“ im Dienstleistungssektor sollte damit beendet werden.[9] Andere Beobachter kritisierten den Zusammenschluss: Insbesondere die IG Metall äußerte Bedenken, Verdi könnte durch seine Größe den DGB „sprengen“.[10] Man befürchtete zudem, die neue Gewerkschaft könne in originäre Zuständigkeitsbereiche der Industriegewerkschaften eindringen.[11] Die Vereinigung Cockpit nahm den geplanten Zusammenschluss zum Anlass, ihre bisherige Kooperation mit der DAG zu beenden.[12]

Im Frühjahr 2000 geriet das Fusionsprojekt vorübergehend ins Stocken, nachdem DAG und HBV unterschiedliche Positionen zur Samstagsarbeit bei Banken vertreten hatten.[13] Vor allem die Verhandlungen um die neue Verdi-Satzung sorgten für Konfliktstoff, zeitweilig wurde gar vor einem Scheitern der Großgewerkschaft gewarnt. Teile der ÖTV-Basis sahen ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt, Beobachter waren der Meinung, der ÖTV drohe wegen Verdi die Spaltung.[14][15][16] Vor diesem Hintergrund schlug die IG Medien eine Fusion notfalls auch ohne die ÖTV vor.[17]

Im November 2000 stimmten die Delegierten von DAG, DPG, HBV und IG Medien jedoch mit Mehrheiten zwischen 78 und 99 Prozent für die Gründung von Verdi.[18] Mit nur 65 Prozent fiel sie bei der der ÖTV am niedrigsten aus.[19] Herbert Mai verzichtete daher auf eine erneute Kandidatur für den Vorsitz. Zu seinem Nachfolger wurde Frank Bsirske gewählt, der ebenfalls als Fusionbefürworter galt und ankündigte, auch für den Vorsitz von Verdi zu kandidieren.[20][21][22]

Letzter Schritt zur Gründung von Verdi waren die Verschmelzungskongresse der fünf Gewerkschaften vom 16. bis 18. März 2001, die mit Mehrheiten zwischen 80 und 91 Prozent ihre Selbstauflösung beschlossen.[23] Auf dem anschließenden Verdi-Gründungskongress vom 19. bis 21. März 2001 wurde die Gründung formell vollzogen und der erste Bundesvorstand gewählt.[24]

Noch im gleichen Monat erzielte Verdi seinen ersten Tarifabschluss mit der Deutschen Lufthansa.[25] Wenig später wurde Verdi in den DGB aufgenommen.[26]

Organisationsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ver.di-Organigramm mit Ebenen, Fachbereichen und Personengruppen

Höchstes Organ von Verdi ist der Bundeskongress, der alle vier Jahre zusammentritt. Er legt die Grundsätze der Gewerkschaftspolitik fest, wählt und entlastet den Bundesvorstand und den Gewerkschaftsrat.[27] Die Gewerkschaft gliedert sich sowohl in Ebenen, Fachbereiche und Personengruppen. Fachbereiche und Personengruppen weisen eigene Organe und Gremien auf örtlicher Ebene, Bezirksebene, Landes- und Bundesebene auf.[27] Diese Matrixorganisation war bereits bei der Gründung von Verdi umstritten,[28] auch danach wurden Probleme in Bezug auf die Leitung der Gewerkschaft thematisiert.[29] Mit ihr sollen sowohl die Organisation Verdi in ihrer Gesamtheit als auch die Interessen der einzelnen Berufsgruppen abgebildet werden.[30] Für alle organisatorischen Einheiten ist in der Verdi-Satzung die Gleichstellung von Männern und Frauen festgeschrieben.[27] Dies ist ein zentrales Thema der Gewerkschaft seit ihrer Gründung.[31]

Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen den Bundeskongressen stellt der Gewerkschaftsrat das höchste Organ von Verdi dar. Er besteht aus Vertretern der Landesbezirke, der Fachbereiche sowie der Frauen, Jugend und Senioren.[27] Der Gewerkschaftsrat wacht über die Einhaltung der Satzung, genehmigt den jährlichen Haushalt und die Jahresabschlüsse und kontrolliert den Bundesvorstand.

Der Bundesvorstand übernimmt alle Tätigkeiten, die nicht durch Satzung dem Bundeskongress oder Gewerkschaftsrat vorbehalten sind. Er führt die Geschäfte von Verdi und vertritt die Gewerkschaft nach innen und außen. Der Bundesvorstand besteht aus einem Vorsitzenden, den Leitern der Fachbereiche und bis zu fünf weiteren Mitgliedern.[27] Derzeit gehören dem Gremium 14 Personen an.[32]

Landesbezirke, Bezirke und Ortsebene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinste regionale Einheit sind die Ortsbezirke, die dann gebildet werden können, wenn regional mehrere Fachbereiche existieren. Sie sollen die Zusammenarbeit der Mitglieder fördern und vereinfachen.[27] Über der Ortsebene existieren bundesweit Bezirke, denen wiederum die Landesbezirke übergeordnet sind. Über den regionalen Zuschnitt von Bezirken entscheiden diese einvernehmlich,[27] während Landesbezirke vom Gewerkschaftsrat eingerichtet werden.[27] Derzeit gibt es in Verdi zehn Landesbezirke[33]:

Fachbereiche und Personengruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fachbereiche orientieren sich an den Branchen der Mitglieder und nehmen die „Aufgaben der fachbezogenen mitglieder- und betriebsnahen Interessenvertretung“ wahr.[27] Die Fachbereiche legen ihre innere Struktur selbst fest und besitzen eigene Statuten, die der Zustimmung des Gewerkschaftsrats bedürfen.[27]:32 Derzeit gibt es 13 Fachbereiche:[32]

  1. Finanzdienstleistungen
  2. Ver- und Entsorgung
  3. Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen
  4. Sozialversicherung
  5. Bildung, Wissenschaft und Forschung
  6. Bund und Länder
  7. Gemeinden
  8. Medien, Kunst und Industrie
  9. Telekommunikation, Informationstechnologie, Datenverarbeitung
  10. Postdienste, Speditionen und Logistik
  11. Verkehr
  12. Handel
  13. Besondere Dienstleistungen

Innerhalb der einzelnen Fachbereiche können Fachgruppen und Fachkommissionen gebildet werden, um die spezifischen Interessen einzelner Berufsgruppen besonders zu fördern.

Neben den Fachbereichen sieht die Verdi-Satzung vor, dass auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene sogenannte Personengruppen gebildet werden. Derzeit existieren insgesamt acht Personengruppen:

  • Jugend
  • Senioren
  • Arbeiter
  • Beamte
  • Meister, Techniker und Ingenieure
  • freie Mitarbeiter, persönlich selbstständige, freiberufliche oder arbeitnehmerähnliche Personen
  • Erwerbslose und
  • Migranten.

Eine Richtlinie regelt jeweils die Aufgaben, Struktur und Mitgliedschaft der einzelnen Personengruppen. Sie wird vom Gewerkschaftsrat auf Vorschlag verschiedener Gremien erlassen.[27]

Mitgliederzahlen und -struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2001 bis 2014 sank die Zahl der Mitglieder von 2,81 auf 2,04 Millionen.[34] Ein Grund dafür ist zum Beispiel die Konkurrenz anderer Gewerkschaften wie z. B. Marburger Bund oder die Vereinigung Cockpit.[35] Beobachter urteilten, Verdi rekrutiere neue Mitglieder zwar „vergleichsweise gut“, könne sie aber nur eingeschränkt an sich binden.[36] Bereits vor dem Zusammenschluss der fünf Einzelgewerkschaften 2001 kämpfte man mit abnehmendem Interesse vor allem bei Angestellten und Frauen.[37] 2003 führten die gesunkenen Mitgliederzahlen dazu, dass Verdi selbst Stellen abbauen musste.[38] Dies war aber auch der Tatsache geschuldet, dass nach der Fusion in der Verdi-Verwaltung viele Strukturen mehrfach vorhanden waren.[39] 2007 beauftragte der Bundeskongress den Vorstand, Maßnahmen zu ergreifen, um den Mitgliederschwund aufzuhalten oder sogar umzukehren. Daraufhin wurde die Kampagne „Chance 2011“ ins Leben gerufen.[40] 2012 führte man sie unter dem Titel „Perspektive 2015“ in vergleichbarer Form fort.[41] Tatsächlich sprachen 2015 Gewerkschaftsvertreter von einem „Ende des Mitgliederschwunds“, der zumindest für die neuen Bundesländer gelte.[42]

Seit Dezember 2008 betreibt Verdi ein Mitgliedernetz, für das sich ausschließlich Verdi-Mitglieder registrieren können.[43] Es bietet neben Mitgliederinformationen und Online-Service die Möglichkeit, sich zu vernetzen und in Foren auszutauschen.[44] 2012 wurde das Mitgliedernetz um eine Arbeitsplattform für Gremien, Interessenvertretungen, Vertrauensleute und andere Verdi-Aktive ergänzt. Diese können dort in geschlossenen Gruppen diskutieren, chatten und Informationen bereitstellen.[45][46]

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kampagne für den gesetzlichen Mindestlohn von Verdi und NGG bei der DGB-Kundgebung zum 1. Mai 2009

Tarifpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdi setzt sich dafür ein, die Arbeitsbedingungen von Arbeitnehmern durch Tarifverträge abzusichern und zu gestalten.[47] In der Vergangenheit hat sich Verdi mehrfach für den Erhalt der Tarifeinheit ausgesprochen, weil dies die Durchsetzungsfähigkeit der Belegschaft und die Akzeptanz der Tarifautonomie fördere.[48] Eingriffe in das Streikrecht der Arbeitnehmer lehnt Verdi ab[49] und kündigte an, gegen entsprechende gesetzliche Einschränkungen zu klagen, auch vor dem Bundesverfassungsgericht.[50] Im Rahmen ihrer Tarifpolitik setzt sich Verdi insbesondere für die Gleichstellung von Frauen und Männern ein.[51] Auch bei der Besetzung des eigenen Vorstands spielt das Gender-Mainstreaming eine Rolle.[52] Ein weiteres Ziel der Tarifpolitik von Verdi ist die Angleichung von Löhnen[53] und Renten[54] in alten und neuen Bundesländern.

Die Tarifpolitik von Verdi erfuhr vor allem durch Arbeitskämpfe im öffentlichen Dienst eine breite mediale Rezeption. 2006 nahmen die Mitglieder der Gewerkschaft einen neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder an, nachdem zuvor über drei Monate gestreikt worden war.[55] Der Marburger Bund lehnte das Verhandlungsergebnis seinerzeit ab[56], Medien sprachen daraufhin von einem „Konfrontationskurs“ zu Verdi.[57] Die Tarifgemeinschaft zwischen beiden Gewerkschaften war bereits im Jahr zuvor aufgelöst worden.[58] 2007 starteten Verdi und der Deutsche Beamtenbund eine drei Millionen Euro teure Werbekampagne unter dem Motto „Genug gespart“.[59] Diese sollten im Vorfeld neuer Tarifverhandlungen die Leistungen des öffentlichen Dienstes bekannter machen.[60] Nach einer Welle von Warnstreiks und mehreren Verhandlungsrunden rief man im März 2008 die Schlichtung an.[61][62] Obwohl diese scheiterte einigte sich Verdi mit Bund, Ländern und Kommunen schließlich auf einen neuen Tarifvertrag.[63][64] Die Gewerkschaft setzte einen Lohnzuwachs von acht Prozent durch[65], was von einigen Beobachtern als schwere Belastung für die öffentlichen Haushalte eingestuft wurde.[66] Im Zuge des Tarifkonflikts 2008 gewann Verdi 50.000 neue Mitglieder.[67]

Gewerkschaftliche Bildungsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ver.di-Bildungszentren spielen eine zentrale Rolle im Bereich der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit
Das ver.di-Bildungs- und Begegnungszentrum „Clara Sahlberg“ in Berlin (Wannsee)

Verdi unterhält bundesweit eine Reihe von Bildungszentren. Ihr Zweck ist es, den Austausch der Mitglieder zu fördern. Das Angebot richtet sich insbesondere aber nicht ausschließlich an aktive Betriebsräte. Außerdem findet in den Bildungszentren berufliche und allgemeine Weiterbildung zu den unterschiedlichsten Themen statt.[68] Derzeit existieren Bildungszentren in Berlin, Bielefeld, Brannenburg, Gladenbach, Mosbach, Naumburg (Hessen), Saalfeld, Undeloh und Walsrode.[69] Der Standort Hörste wurde Ende 2015 aufgegeben, in dem Gebäude wohnen seitdem Flüchtlinge.[70]

Neben den genannten Bildungszentren gibt es in mehreren Bundesländern eigenständige ver.di-Bildungswerke, die aus der früheren Deutschen Angestelltengewerkschaft übernommen wurden.

ver.di Bildung + Beratung Gemeinnützige GmbH

ver.di Bildung + Beratung, kurz ver.di b+b, ist der bundesweit agierende Bildungsträger von ver.di, der für die Durchführung von Seminaren für gesetzliche Interessenvertretungen, also für Betriebsrats-, Personalrats- und JAV-Mitglieder sowie Mitglieder der Schwerbehindertenvertretung und Mitarbeitervertretung verantwortlich ist. ver.di b+b wurde von dem unabhängigen Institut „Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung“ geprüft und zertifiziert.

Als Buchverlag veröffentlicht ver.di b+b Ratgeber, Arbeitshilfen und Gesetzeskommentare.

Der Hauptsitz des Unternehmens ist in Düsseldorf. Deutschlandweit ist ver.di b+b an 25 Orten vertreten.

Die Tochtergesellschaft "Rat.geber GmbH" berät Gremien und betreibt die öffentliche Buchhandlung in der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin.

Internationale Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdi ist Mitglied in vielen internationalen Gewerkschaftszusammenschlüssen, etwa der UNI Global Union, der Internationalen Transportarbeiterföderation, der Internationalen Grafischen Föderation, der Europäischen und der Internationalen Journalistenföderation sowie der Public Services International.[71] Außerdem ist Verdi Mitglied im Netzwerk Europäische Bewegung und Partner des Tax Justice Networks.[72]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verdi gibt eine Reihe von Mitgliederzeitschriften heraus. Alle Mitglieder erhalten kostenlos achtmal im Jahr die Zeitschrift Verdi Publik. Weitere Publikationen sind die medienpolitische Zeitschrift M – Menschen Machen Medien, die wie Druck + Papier und Kunst + Kultur vom Bundesvorstand und dem Fachbereich Medien, Kunst und Industrie herausgegeben werden.

Urheberrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verdi-Bundesvorstand veröffentlichte am 25. Oktober 2010 ein Positionspapier, in dem er sich für die Anwendung und Ausweitung des „Zugangserschwerungsgesetzes“ bzw. des „Internet-Stoppschilds“ auf Internet-Tauschbörsen aussprach. Diese würden „sowohl die Nutzer/innen als auch die Urheber/innen schädigen“. Erstere würden durch „Ausnutzung ihrer dezentralen Serverkapazitäten gleichzeitig als Anbieter illegaler Inhalte missbraucht werden“.[73]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gründung von Verdi gab es wiederholt Kritik an der komplexen Organisationsstruktur: So warnte Der Tagesspiegel schon 2001 vor drohenden „Reibungsverluste(n)“.[74] Auch die Welt am Sonntag berichtete von „Reibungen und Budget-Rangeleien“.[75] Die Tageszeitung bezeichnete das Matrix-Modell von Verdi als „derart kompliziert“, dass selbst hauptamtliche Verdi-Mitarbeiter es „nur mit Mühe“ erklären könnten.[76] Fachbereiche, Landesverbände und Bezirke würden „mehr gegeneinander als miteinander“ arbeiten, so der Stern.[77] Auch aus den eigenen Reihen wurde immer wieder Kritik an der Organisationsstruktur laut und im Rahmen der Initiative „Perspektive 2015“ aufgegriffen.[78]

Kritiker warfen Verdi außerdem vor, sich zwar in der Öffentlichkeit für Arbeitnehmerrechte und gerechte Löhne stark zu machen, diese Ziele aber im eigenen Haus nicht zu verfolgen: So werde die Kantine in der Berliner Zentrale vom internationalen Catering-Konzern Sodexo betrieben, der üblicherweise keine Branchen-, sondern Haustarifverträge abschließt.[79] Mitarbeiter der Verdi-nahen Deutschen Angestellten Akademie wurden nach Informationen der Neuen Ruhr Zeitung unter dem Tarif bezahlt, den Verdi mit Konkurrenten wie der AWO oder der Diakonie ausgehandelt hatte.[80] Auch das Vorgehen von Verdi während Streiks ist immer wieder Gegenstand von Kritik. So wurden beispielsweise vereinzelt Fälle bekannt, in denen Angestellte zum Streik verpflichtet worden seien, was die Gewerkschaft aber zurückwies.[81] Außerdem wurden einige Streiks von Verdi als unverhältnismäßig bezeichnet.[82][83]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berndt Keller: Multibranchengewerkschaft als Erfolgsmodell? Zusammenschlüsse als organisatorisches Novum - das Beispiel Verdi. VSA-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-89965-113-8.
  • Hans-Peter Müller, Horst-Udo Niedenhoff, Manfred Wilke: Verdi: Porträt und Positionen. Deutscher Instituts-Verlag, Köln 2002, ISBN 3-602-14588-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ver.di – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bert Losse: DGB: Gewerkschaften wildern im Revier der Kollegen. In: WirtschaftsWoche. 12. März 2015, abgerufen am 1. September 2015.
  2. Die Welt vom 19. Januar 2016.
  3. 150 Jahre jung. Vom Deutschen Buchdruckerverband zur Einheitsgewerkschaft ver.di. In: verdi.de. Abgerufen am 9. Juni 2016.
  4. Ulrike Füssel: Acht sitzen am runden Tisch. Dienstleistungssektor im DGB wird neu zugeschnitten. In: Frankfurter Rundschau. 2. Oktober 1997, S. 7.
  5. Neuordnung angestrebt. In: Handelsblatt. 6. Oktober 1997, S. 4.
  6. Ute Semkat: Gewerkschaftsgeschichte geschrieben. In: Stuttgarter Zeitung. 21. Juni 1999, S. 2.
  7. Schröder weist Kritik am Bündnis für Arbeit zurück – Dienstleistungs-Gewerkschaften in Berlin unter einem Dach. In: Der Tagesspiegel. 9. Oktober 1999, S. 20.
  8. Gewerkschaften: Weichen für Verdi gestellt. In: Spiegel Online. 19. November 1999 (spiegel.de [abgerufen am 9. Dezember 2015]).
  9. Mönig-Raane: Konkurrenzdenken unter Gewerkschaften beenden. In: Handelsblatt. 13. Oktober 1999, S. 4.
  10. Zwickel warnt vor Supergewerkschaft. In: Stuttgarter Zeitung. 4. Oktober 1999, S. 2.
  11. Front gegen neue Dienstleistungsgewerkschaft. In: Handelsblatt. 28. Mai 1999, S. 6.
  12. Piloten gehen von Bord. In: Der Spiegel. 7. Juni 1999, S. 84.
  13. Verdi-Partner gehen getrennte Wege. DAG einigt sich mit Banken, die HBV aber nicht. In: Rhein-Zeitung. 26. Januar 2000.
  14. Oliver Schade: Großgewerkschaft gefährdet. In: Stuttgarter Zeitung. 27. Januar 2000, S. 2.
  15. Anselm Bengeser: Der ÖTV-Chef vor der Quadratur des Kreises. In: General-Anzeiger. 9. Juni 2000, S. 4.
  16. Berliner Morgenpost (Hrsg.): ÖTV droht wegen Verdi Spaltung. 12. September 2000, S. 5.
  17. IG Medien für Verdi auch ohne ÖTV. In: Berliner Morgenpost. 9. September 2000, S. 2.
  18. Verdi nimmt weitere Hürden. Zwei Gewerkschaften stimmen zu – Post mit Traumergebnis. In: Die Welt. 21. November 2000, S. 13.
  19. Rückschlag für Supergewerkschaft ver.di. In: Hamburger Morgenpost. 7. November 2000, abgerufen am 22. August 2015.
  20. Frank Bsirske neuer ÖTV-Chef. In: Hamburger Morgenpost. 9. November 2000, abgerufen am 22. August 2015.
  21. ÖTV hebt einen Grünen auf den Chefsessel. In: Die Welt. 10. November 2000, abgerufen am 22. August 2015.
  22. Neuer ÖTV-Chef: „Aufbruchstimmung erzielt“. In: Spiegel Online. 10. November 2000, abgerufen am 22. August 2015.
  23. Verdi: ÖTV stimmt für Selbstauflösung. In: Spiegel Online. 16. März 2001, abgerufen am 22. August 2015.
  24. Verdi: Die Fusion ist perfekt. In: Der Tagesspiegel. 19. März 2001, abgerufen am 24. August 2015.
  25. Tarifkonflikt bei Lufthansa-Bodenpersonal beigelegt. In: Schwäbische Zeitung. 24. März 2001, abgerufen am 24. August 2015.
  26. Verdi ist jetzt Mitglied im DGB – Aufnahme beschlossen. In: Berliner Zeitung. 4. Juli 2001, S. 31.
  27. a b c d e f g h i j k Satzung Verdi
  28. Stunde der Wahrheit für einen ehrgeizigen Zusammenschluss. In: Handelsblatt. 16. November 1999, S. 6.
  29. Die Gewerkschaft Verdi sucht „Steuerungsfähigkeit“. In: Handelsblatt. 28. September 2007, S. 5.
  30. Verdi-Partner regeln Fachbereichsarbeit. In: Handelsblatt. 19. September 2000, S. 8.
  31. Sabine Schanzmann: Potenzial der Frauen erschließen. In: Leipziger-Volkszeitung. 2. Juni 2001, S. 5.
  32. a b Organisation Verdi
  33. ver.di finden. Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft, abgerufen am 12. Oktober 2015.
  34. Anzahl der Mitglieder der Gewerkschaft ver.di von 2001 bis 2014 (in Millionen). Statista, Januar 2015, abgerufen am 1. September 2015.
  35. Seit dem Jahr 2001 hat Verdi jedes fünfte Mitglied verloren. In: Neue Württembergische Zeitung. 6. November 2007, S. 4.
  36. Bettina Munimus, Diana Rüdt, Wolfgang Schroeder: Seniorenpolitik im Wandel: Verbände und Gewerkschaften als Interessenvertreter der älteren Generation. Campus, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-593-39318-6, S. 371 (Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 1. September 2015]).
  37. Christine Möllhoff: Die deutschen Gewerkschaften bald Clubs der alten Männer? In: Darmstädter Echo. 7. August 1999.
  38. Weniger Mitglieder: Verdi muss Personalkosten senken. In: Handelsblatt. 11. März 2003, abgerufen am 1. September 2015.
  39. Ruppert Mayr, Kristina Pezzei: Verdi kämpft mit den Altlasten der Fusion. In: Sächsische Zeitung. 22. Oktober 2003, S. 2.
  40. Kolja Rudzio: Die Mitglieder laufen davon. In: Die Zeit. 15. September 2011, S. 33.
  41. Maike Rademaker: Verdi schrumpft. Die Dienstleistungsgewerkschaft will mit einer Kampagne den Mitgliederschwund stoppen. In: Financial Times Deutschland. 22. Oktober 2012, S. 9.
  42. Franziska Höhnl: Ende des Mitgliederschwunds. In: Mitteldeutsche Zeitung. 4. August 2015.
  43. Unser Mitgliedernetz feiert Geburtstag! In: jav.info. 6. Dezember 2013, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  44. Barbara Hackenjos, Romin Khan: Bei Facebook oder im Mitgliedernetz: Aus Kollegen werden Freunde. In: Frank Bsirske u. a. (Hrsg.): Grenzenlos vernetzt? Gewerkschaftliche Positionen zur Netzpolitik. VSA-Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-89965-488-2..
  45. Karl-Hermann Böker, Ute Demuth, Maria Lück: Intranet und Internet für Betriebsräte: Planung, Entwicklung, Umsetzung. Bund-Verlag, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-7663-8315-0.
  46. Hans Christian Voigt, Thomas Kreiml (Hrsg.): Soziale Bewegungen und Social Media. Handbuch für den Einsatz von Web 2.0. ÖGB-Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-7035-1462-3.
  47. § 5 Satzung. Vgl. auch Astrid Schmidt: Ver.di macht Tarifpolitik. Arbeitsbedingungen durch Tarifverträge absichern und mitgestalten. Hrsg.: ver.di Bundesverwaltung. Berlin 2011, DNB 1022763210.
  48. Carsten Denis Graser: Aufgabe des Grundsatzes der Tarifeinheit: Gefährden neue Spartengewerkschaften die Tarifpolitik im Betrieb? Diplomica, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8428-7900-3, S. 49.
  49. Stellungnahme zum „Entwurf eines Gesetzes zur Tarifeinheit“. In: verdi.de. 18. November 2014, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  50. Neues Gesetz: Ver.di droht mit Verfassungsbeschwerde gegen Tarifeinheit. In: spiegel.de. 22. April 2015, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  51. Juliane Achatz: Geschlechterungleichheiten im Betrieb: Arbeit, Entlohnung und Gleichstellung in der Privatwirtschaft. Ed. Sigma, Berlin 2010, ISBN 978-3-8360-8710-0, S. 525.
  52. Frauenquote im Management: Ver.di-Vorstand räumt Posten für eine Frau. In: spiegel.de. 1. März 2011, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  53. Arbeitgeber warnen vor gleichen Löhnen in Ost und West. In: zeit.de. 10. Oktober 2014, abgerufen am 17. Dezember 2015.
  54. Ragnar Hoenig, Judith Kerschbaumer: Das ver.di-Modell 2.0 zur Ost-West-Rentenangleichung. In: bund-verlag.de. Abgerufen am 17. Dezember 2015.
  55. Mitglieder von Verdi nehmen Tarife an. In: Handelsblatt. 30. Mai 2006, S. 4.
  56. Ärzte lehnen Tarifeinigung mit ver.di ab. Streikruhe in der kommenden Woche. In: Main-Post. 22. Mai 2006.
  57. Marburger Bund sucht Kraftprobe. Kein Ende der Ärztestreiks nach Tarifkompromiß im öffentlichen Dienst. In: Berliner Morgenpost. 22. Mai 2006, S. 3.
  58. Carsten Grün: Ein neuer Tarif mit viele Gegnern. In: Die Tageszeitung. 30. September 2005, S. 6.
  59. Öffentlicher Dienst: Gewerkschaften drohen schon jetzt mit Streik 2008. In: spiegel.de. 9. August 2007, abgerufen am 5. Januar 2016.
  60. Inga Helfrich: Drei Millionen Euro für die Einheit. Ver.di und DBB schließen Zweckbündnis für die Tarifrunde 2008 und bekritteln den Egoismus der Kleingewerkschaften. In: Die Tageszeitung. 10. August 2007, S. 6.
  61. Öffentlicher Dienst: Jetzt haben Schlichter das Wort. Tarifverhandlungen nach nächtlicher Marathonsitzung ergebnislos beendet. In: Berliner Morgenpost. 8. März 2008, S. 2.
  62. Ruhe vor dem Sturm. In: WirtschaftsWoche. 17. März 2008, S. 36.
  63. Schlichtung im öffentlichen Dienst gescheitert – wegen einer halben Stunde Mehrarbeit. In: Frankfurter Neue Presse. 28. März 2008, S. 1.
  64. Sven Kästner: Tarif: Einigung nach zähen Verhandlungen. Der Streik ist abgewendet. In: Hamburger Abendblatt. 1. April 2008, S. 2.
  65. Stefan von Borstel: Teuer erkauft. In: Die Welt. 1. April 2008, S. 1.
  66. Einigung droht Kassen zu sprengen. In: Handelsblatt. 1. April 2008, S. 3.
  67. 50 000 neue Mitglieder für Ver.di. In: Hamburger Abendblatt. 1. April 2008, S. 2.
  68. Zum Bildungsverständnis der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. In: verdi.de. 4. Mai 2005, abgerufen am 5. Januar 2016 (PDF, 203 KB).
  69. Die Bildungszentren. Verdi-Webseite, abgerufen am 24. Februar 2016.
  70. Dirk-Ulrich Brüggemann, Patrick Bockwinkel: Verein: Ins Gewerkschaftshaus kommen Flüchtlinge. In: Neue Westfälische. 27. Oktober 2015, S. 4.
  71. world-psi.org
  72. Mitglieder. Blog des Netzwerk Steuergerechtigkeit Deutschland, abgerufen am 7. Oktober 2014.
  73. Internet und Digitalisierung – Herausforderungen für die Zukunft des Urheberrechts. Verdi-Bundesvorstand, 25. Oktober 2010, abgerufen am 7. Oktober 2014 (PDF-Datei; 120 kB).
  74. Verdi: Ich bin fünf Gewerkschaften. In: tagesspiegel.de. 15. März 2001, abgerufen am 5. November 2015.
  75. Cornelia Schmergal: Linke Verteidiger. In: welt.de. 19. Oktober 2003, abgerufen am 5. November 2015.
  76. Anja Krüger, Pascal Beucker: Vor dem Bundeskongress. In: taz.de. 16. September 2015, abgerufen am 5. November 2015.
  77. Andreas Hoffmann: Bekommt Frank Bsirske jetzt wegen des Kita-Streiks sein Fett weg? In: stern.de. 20. September 2015, abgerufen am 5. November 2015.
  78. Heiko Fritze: Verdi will sich anders aufstellen. In: Heilbronner Stimme. 15. März 2014, S. 2.
  79. Gewerkschaften: Anspruch und Wirklichkeit. In: Der Spiegel. Nr. 1, 4. Januar 2010, ISSN 0038-7452, S. 32.
  80. Jo Achim Geschke: Kritik an Verdi wegen Dumping-Löhnen. In: derwesten.de. 30. April 2014, abgerufen am 5. November 2015.
  81. Gewerkschaft Verdi wegen Knebelvertrag in der Kritik. In: mz-web.de. 28. Mai 2015, abgerufen am 5. November 2015.
  82. „Flughäfen werden zu Schauplätzen für Tarifkonflikte“. In: handelsblatt.com. 26. März 2014, abgerufen am 5. November 2015.
  83. Viola Volland: Eltern üben scharfe Kritik an Verdi. In: stuttgarter-zeitung.de. 30. Mai 2015, abgerufen am 5. November 2015.