Verena

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Verena ([veˈʀeːnaː][1] oder [feˈreːna][2]) ist ein schweizerischer weiblicher Vorname, nach der heiligen Verena von Zurzach. Gedenktag der heiligen Verena ist der 1. September.

Herkunft und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verena oder dialektal Vre, Vrene, Vreni, Vreneli ist einer der traditionellsten Taufnamen der Schweiz, und die heilige Verena von Zurzach wird vielerorts verehrt. Als Lostag spielt der Verenatag (1. September) eine zentrale Rolle.[3]

Belegt ist der Name erstmals mit der Vita prior der Heiligen, verfasst um 888 von Hatto I. von Reichenau. Die Herkunft des Namens ist unklar, es besteht eine starke Assoziation mit den frühchristlichen Frauennamen Vera und Veronika (letzterer eine Umdeutung des antiken Namens Berenike). Ebenfalls in Betracht kommt ein Vergleich mit dem Namen des heiligen Veranus von Cavaillon. Es wurde auch vorgeschlagen, die Verehrung einer Verena in Zurzach ginge zurück auf eine falsch gelesene Grabinschrift V.IRENA (für Virgo Irena).[4]

Die Interpretation der heiligen Verena als Reflex einer vorchristlichen Göttin geht zurück auf Ernst Ludwig Rochholz (1870).[5] Von Hans Georg Wackernagel stammt der Vorschlag, der Name Verena sei eine Umgestaltung von Dirona (eine galloromanische Göttin der Heilung). Dieser Vorschlag wurde allerdings von Julius Pokorny als lautlich unmöglich verworfen.[6] Eine keltische Herleitung (von einer angeblichen keltischen Göttin Belena, Femininum zum Götternamen Belenus) wurde in jüngerer Zeit in der „Matriarchalen Landschaftsmythologie“ um Kurt Derungs und Heide Göttner-Abendroth vertreten.[7]

Gegen eine Kontinuität aus vorchristlicher Zeit spricht die Tatsache, dass die Verehrung der Verena sich vor dem 9. Jahrhundert nicht nachweisen lässt, und vom 9. bis zum 11. Jahrhundert eng auf die unmittelbare Umgebung von Zurzach begrenzt blieb. Erst im Hochmittelalter begann die Heilige, überregionale Bedeutung zu gewinnen. Als Taufname ist Verena erstmals 1254 belegt, und dies in der nahen Umgebung von Zurzach (eine Tochter des Minnesängers Walther von Klingen).[8] Die Verbreitung des Taufnamens im Kleinbürgertum beginnt im früheren 14. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert kam der Taufname (in der Form Varenne) auch wiederholt im Hause Neuenburg vor.

Eine grössere Zahl von schweizerischen Flurnamen, die an den Namen der Heiligen anklingen, wurden volksetymologisch mit ihr, oder mit weiblichen Sagengestalten mit ihrem Vornamen, in Verbindung gebracht, darunter Vereina, Valvarena (Laax), Vrin, u. a.[9] Herleitung dieser Flurnamen von einem keltischen Stamm ver- für „hoch“ wurde 1947 von J. U. Hubschmied vorgeschlagen, aber von Pokorny (1950) bekämpft.[9]

In Schweizer Sagen und Erzählungen des 18. und 19. Jahrhunderts wird Vreneli häufig als generischer Vorname eines Mädchens vom Lande angetroffen. Der Gletschername Vrenelisgärtli ist in einer Sage (aufgezeichnet um 1840) ausdrücklich an eine Gestalt namens Vreneli gebunden.[10] Im Volkslied Vreneli ab em Guggisberg ist Vreneli eine verlassene Liebende (1756 beschrieben als schöne Alpmeyerin), das Lied war bereits um 1740 weit verbreitet und geht im Kern wohl auf das 17. Jahrhundert zurück.[11] Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg bürgerte sich überdies für eine Goldmünze mit einer jugendlichen Darstellung der nationalen Allegorie der Helvetia der volkstümliche Name «Goldvreneli» ein.

Namensträgerinnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eva-Maria Krech, Eberhard Stock u. a.: Deutsches Aussprachewörterbuch. De Gruyter, Berlin / New York 2010, S. 1027.
  2. Hans Bickel, Christoph Landolt: Schweizerhochdeutsch. Wörterbuch der Standardsprache in der deutschen Schweiz. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl. Hrsg. vom Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache. Dudenverlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-411-70418-7, S. 102.
  3. Siehe Schweizerisches Idiotikon, Band I, Spalten 915–1917, Artikel Verēne, und Band XII, Spalte 829, Artikel Verēnen-Tag.
  4. Josef Bütler, Eucherius von Lyon und andere. Die Thebäische Legion (1951), S. 57.
  5. E. L. Rochholz, Drei Gaugöttinnen: Walburg, Verena und Gertrud als deutsche Kirchenheilige. Leipzig 1870.
  6. Adolf Reinle, Die heilige Verena von Zurzach: Legende, Kult, Denkmäler Holbein-Verlag, 1948, S. 149.
  7. Heide Göttner-Abendroth, Berggöttinnen der Alpen : matriarchale Landschaftsmythologie in vier Alpenländern (2016)
  8. Egli, In: Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich 24 (1899) S. 30.
  9. a b Julius Pokorny, Zeitschrift für romanische Philologie, 66–67 (1950), 431.
  10. F. Keller, Das Panorama vom Uetliberg (1840), 24; Theodor Vernaleken, Alpensagen (1857).
  11. Otto von Greyerz: Das alte Guggisberger Lied. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 16, 1912, S. 196.