Verfasserlexikon

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Das kurz Verfasserlexikon genannte Werk Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon ist in seiner zweiten, völlig neu bearbeiteten Auflage (²VL, VL²) ein bedeutendes Nachschlagewerk der Altgermanistik. Das mittlerweile abgeschlossene Projekt war bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt und wurde im Rahmen des Akademienprogramms finanziert.

In ausführlichen Artikeln werden Autoren, anonyme Werke und Werkgruppen unter Berücksichtigung der Textüberlieferung dargestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der deutschsprachigen Literatur des Hoch- und Spätmittelalters, berücksichtigt wird zudem eine Auswahl lateinischer Schriften.

Eine umfangreichere Einbeziehung des mittelniederländischen Schrifttums als „deutsch“, wie sie Kurt Ruh bereits um 1955[1] und als Hauptherausgeber vorgeschlagen hatte, scheiterte.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Auflage, begründet von Wolfgang Stammler, fortgeführt von Karl Langosch, erschien in fünf Bänden 1933–1955 in Berlin.

Die zweite Auflage umfasst vierzehn Bände und erschien von 1977 bis 2008. Die ersten zehn Bände enthalten die Einträge zu Verfassern und anonymen Werken von A bis Z; Band 11 bietet Nachträge und Korrekturen, Band 12 ein Register aller Handschriften. Die Bände 13 und 14 bieten weitere Register.

Die Zentralredaktion (Hauptredaktion: Christine Stöllinger-Löser) des von Kurt Ruh (Bände 1–8) und Burghart Wachinger (ab Band 9 Hauptherausgeber) herausgegebenen Werks war bis 2003 an der Universität Würzburg untergebracht, danach in Augsburg und München.[3] Die verlegerische Betreuung oblag dem Verlag Walter de Gruyter in Berlin.

2001 erschien eine Studienauswahl in einer einbändigen Ausgabe. 2010 erschien eine ungekürzte Studienausgabe, die allerdings nur die ersten elf Bände (ohne die Register) umfasst.

2013 wurde in der Herausgeberschaft durch Rolf Bergmann in Zusammenarbeit mit den Autoren der 2. Auflage unter Anregung durch den Verlag de Gruyter für die Lemmata des althochdeutschen und altsächsischen Textkorpus eine Überarbeitung und Aktualisierung auf den Forschungsstand des Jahres 2012 vorgenommen. Das Ergebnis dieser Revision wurde in die „De Gruyter Lexikon“ Reihe aufgenommen und unter dem Titel Althochdeutsche und altsächsische Literatur publiziert.

Inhaltsangabe der zweiten, völlig neu bearbeiteten Auflage (²VL)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bd. 01: ‚A solis ortus cardine‘ – Colmarer Dominikanerchronist (1978)
  • Bd. 02: Comitis, Gerhard – Gerstenberg, Wigand (1980)
  • Bd. 03: Gert van der Schüren – Hildegard von Bingen (1981)
  • Bd. 04: Hildegard von Hürnheim – Koburger, Heinrich (1983)
  • Bd. 05: Kochberger, Johannes – ‚Marien-ABC‘ (1985)
  • Bd. 06: Marienberger Osterspiel – Oberdeutsche Bibeldrucke (1987)
  • Bd. 07: ‚Oberdeutscher Servatius‘ – Reuchart von Salzburg (1989)
  • Bd. 08: ‚Revaler Rechtsbuch‘ – Sittich, Erhard (1992)
  • Bd. 09: Slecht, Reinbold – Ulrich von Liechtenstein (1995)
  • Bd. 10: Ulrich von Lilienfeld – ‚Das zwölfjährige Mönchlein‘ (1999)
  • Bd. 11: Nachträge und Korrekturen (2004)
  • Bd. 12: Handschriftenregister (2006)
  • Bd. 13: Register der Drucke, Sonstigen Textzeugen, Initien (2007)
  • Bd. 14: Register der Personennamen. Werktitel. Bibelstellen (2008)[4]

Auflagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, herausgegeben und begründet von Wolfgang Stammler, ab Band III herausgegeben von Karl Langosch, Band I bis V, Berlin (bis Band III auch Leipzig), (Erste Lieferung 1930) 1933–1955. (VL1)
  • Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, herausgegeben von Kurt Ruh (federführend bis Band VIII) zusammen mit Gundolf Keil, Werner Schröder, Burghart Wachinger (federführend ab Band IX, 1995) und Franz Josef Worstbrock, Band I–XIV, 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Berlin/ New York (Erste Lieferung 1977) 1978–2008, ISBN 3-11-022248-5; Neudruck (Band I–XI) 2010, ISBN 978-3-11-022248-7 (VL2)
  • Deutschsprachige Literatur des Mittelalters. Studienauswahl aus dem "Verfasserlexikon" (Band 1–10) in einem Band. Berlin und New York 2001, ISBN 3-11-016911-8.

Ergänzende Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutscher Humanismus 1480-1520. Verfasserlexikon. Seit 2005 erscheint unter der Herausgeberschaft Franz Josef Worstbrocks ein ergänzendes Nachschlagewerk zum Humanismus 1480–1520.
    • Bd. 1: A – K (2008)
    • Bd. 2: L – Z (2013)
    • Bd. 3: Nachträge, Addenda und Corrigenda, Register (2015)
  • Frühe Neuzeit in Deutschland 1520–1620. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon (VL 16). Unter Federführung einer Herausgeberschaft um Friedrich Vollhardt erscheint seit 2011 eine weitere ergänzende Ausgabe.[5]
    • Bd. 1: Aal, Johannes - Chytraeus, Nathan (2011)
    • Bd. 2: Clajus, Johannes - Gigas, Johannes (2012)
    • Bd. 3: Glarean, Heinrich - Krüger, Bartholomäus (2014)
    • Bd. 4: Krüginger, Johannes - Osse, Melchior von (2015)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Arnold: Beiträge zum Verfasserlexikon. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Band 88, 1965, S. 143–158.
  • Gerhard Eis: Artikel, die im Verfasserlexikon zu streichen sind. In: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. Band 113/198, 1962, S. 38–40.
  • Gerhard Eis: Nachträge zum Verfasserlexikon. In: Mittellateinisches Jahrbuch. Band 2, 1965, S. 205–214; sowie Gerhard Eis, Gundolf Keil: Nachträge zum Verfasserlexikon. In: Studia neophilologica. Band 30, 1958, S. 232–250, Band 31, 1959, S. 219–242, Band 43, 1971, S. 377–426, und Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. Band 82, (Tübingen) 1961, S. 167–226.
  • Gundolf Keil: Der deutsche Osten im Verfasserlexikon zur deutschen Literatur des Mittelalters. In: Eckhard Grunewald, Stefan Sienert (Hrsg.): Deutsche Literatur im östlichen und südöstlichen Europa. Konzepte und Methoden der Geschichtsschreibung und Lexikographie. Internationale Tagung Marbach 7.–9. Dez. 1995. München 1977 (= Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerks, Reihe B: Wissenschaftliche Arbeiten. Band 69), S. 117–134.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurt Ruh: Bonaventura deutsch. (Phil. Habilitationsschrift Basel 1953) Bern 1956 (= Bibliotheca germanica. Band 7), S. 92.
  2. Gundolf Keil: „blutken – bloedekijn“. Anmerkungen zur Ätiologie der Hyposphagma-Genese im ‚Pommersfelder schlesischen Augenbüchlein‘ (1. Drittel des 15. Jahrhunderts). Mit einer Übersicht über die augenheilkundlichen Texte des deutschen Mittelalters. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013, S. 7–175, hier: S. 144, Anm. 1169.
  3. http://www.dlma.badw.de/index.html
  4. http://www.badw.de/publikationen/kommissionen_publ/dlma_liste/verfasserlexikon/index.html
  5. http://www.mediaevum.de/forschen/projekt_anz.php?id=150 und http://www.ndl1.germanistik.uni-muenchen.de/forschung/drittmittel/verfasserlexikon/index.html