Verfassung des Großherzogtums Hessen

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Die Verfassung des Großherzogtums Hessen war von 1820 bis 1918 die Verfassung des Großherzogtums Hessen. Sie wurde durch die Hessische Verfassung des Volksstaates Hessen abgelöst.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundesakte von 1815

Im Alten Reich bestand in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt keine geschriebene Verfassung. Mit der Schaffung der napoleonischen Musterstaaten wurden erstmals auch in Deutschland Verfassungen im modernen Sinne erlassen. So entstand zum Beispiel in der direkten Nachbarschaft der Landgrafschaft das Höchstes Organisations-Patent der Verfassung des Großherzogtums Frankfurt.

1815 entstand das Großherzogtum Hessen. Der Großherzog war ein überzeugter Anhänger des Monarchischen Prinzips und stand Forderungen nach einer Einschränkung seiner Macht kritisch gegenüber. Andererseits war eine Verfassung dringend erforderlich, da die divergierenden, neuen und alten Landesteile integriert werden mussten und § 13 der Deutschen Bundesakte eine entsprechende Vorgabe enthielt.[1] Im Jahr 1816 wurde eine dreiköpfige Gesetzgebungskommission zur Ausarbeitung der Verfassung und weitergehender Gesetzeswerke eingesetzt, der Peter Joseph Floret und Karl Ludwig Wilhelm von Grolman angehörte.

Im März 1820 veröffentlichte Staatsminister Grolman eine vorläufige „Landständische Verfassung“, der als großherzogliches Edikt veröffentlicht wurde und aufgrund dessen der erste Landtag gewählt wurde.[2] Am 17. Dezember 1820 wurde die Verfassung des Großherzogtums Hessens erlassen.[3]

Die Verfassungs-Urkunde des Großherzogthums Hessen von 1820[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel für die Verfassung des Großherzogthums Hessen von 1820 am Darmstädter Marktplatz

Der erste Titel Von dem Großherzogthum und dessen Regierung im Allgemeinen regelte die Rolle Hessens im deutschen Bund und die des Großherzogs im Land. Der zweite Titel handelte Von den Domänen. Danach sollte 1/3 der Einkünfte der Domänen dem Staat und 2/3 der großherzoglichen Familie zustehen. Der dritte Titel Von den allgemeinen Rechten und Pflichten der Hessen umfasste eine Reihe von neuen Rechten der Bürger. In der neu hinzugekommenen Provinz Rheinhessen gab es, anders als in den angestammten Provinzen Starkenburg und Oberhessen, neben den Einwohnern protestantischer Konfession auch einen erheblichen Anteil an Katholiken. Die Verfassung sicherte daher Anhängern beider Konfessionen gleiche Rechte zu. Nichtchristen (insbesondere Juden) stand dies jedoch nicht zu. Eine Modernisierung stellte auch die Aufhebung der Leibeigenschaft, die Einführung einer Wehrpflicht und die Schaffung eines Rechtssystems dar. Die (männlichen) Bürger waren grundsätzlich mit gleichen Rechten ausgestattet, jedoch bestanden die Vorrechte des Adels fort. Diese waren im „Edict, die standesherrlichen Rechts-Verhältnisse im Großherzogthum Hessen betreffend“ beschrieben, das Teil der Verfassung war.

Titel fünf Von den Kirchen, den Unterrichts- und Wohltätigkeits-Anstalten, sechs Von den Gemeinden und sieben Von dem Staats-Dienste regelten die genannten Bereiche. Titel acht Von den Landständen regelte die Zusammensetzung, Wahl und Kompetenzen der Landstände des Großherzogtums Hessen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Joseph Floret: Erörterungen über landständische Verfassung in Deutschland namentlich in Beziehung auf das Großherzogtum Hessen. Heidelberg, 1820 Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wortlaut der Verfassung für das Großherzogtum Hessen vom 17. Dezember 1820

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Verfassungsdiskussion siehe: Uta Ziegler: Regierungsakten des Großherzogtums Hessen 1802–1820. Band 6 der Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten, 2002, ISBN 3-486-56643-1, S. 461 ff.
  2. Eckhart G. Franz: Großherzoglich Hessisch ... 1806–1918. in: Uwe Schulz (Hrsg.): Die Geschichte Hessens. Stuttgart 1983, ISBN 3-8062-0332-6, S. 184.
  3. [Verfassung von 1820, Hessisches Regierungsblatt 1820, S. 535 ff.]